Samui? Samui! Geschichten von der Insel*

Das Archiv - April 2005

2005

28 Apr 2005

Verdammt (Schnauze, das ist mein Blog, hier darf ich fluchen wie ich will)!!!

Eben hatte ich im Kopf einen Dialog mit einem erheblich jüngeren Skriptkiddy und beendete meine überaus brauchbaren Belehrungen mit den Worten “Naja, das wirst du auch noch lernen, wenn du mal in mein Alter kommst.”

Sowas sagen doch sonst nur alte Leute. Herrje. Ich werde alt. Ich werde einer von ihnen. Da kommt man nicht drumrum. Ich glaube, ich brauche Kinder. Zur Kompensation.

Ob ich mich mit 60 auch noch so jung fühlen werde wie jetzt? Ich finde, ich sollte langsam Falten oder sowas bekommen, damit ich jeden Morgen vor Augen habe, dass es vorbei mit der Jugend ist.

Ich setze erstmal die Geburtstage für 5 Jahre aus. Das hat schonmal geholfen.

PS: Gemerkt? Ich gehe von einer Lebensdauer von mindestens 60 Jahren aus. Ist das nicht ne nette Nebeninformation?

28 Apr 2005

Nun, ich hatte bereits mehrere Male berichtet, dass ich allmonatlich (eigentlich den ganzen Monat hindurch) versuche Geld aus meinen reichhaltigen Pfründen hier nach Deutschland zu schieben. In Deutschland leben meine Gläubiger und denen geht es nicht so gut, wenn sie kein Geld bekommen. Ich habe viele Gläubiger. Seit drei Monaten betrete ich nahezu jede Bank und frage, ob es denn möglich wäre, Geld nach Deutschland zu schicken. Immer sagen die überaus freundlichen Schalter-Thais ja, stellen dann aber fest, dass sie das Ja für Transfers nach Thailand meinten, nicht aus Thailand, das wiederum ginge nicht. Western Money Transfer bieten alle Banken vollmundig als schnellste Art Geld weltweit zu bewegen an. Aber anscheinend werden die Angestellten nur für das Ausfüllen der Receive-Formulare ausgebildet, nicht für die Send-Formulare.

Das ist die wahre Hölle. Ich dachte ja, es wäre die Hölle gewesen, als ich mit 500 Euro Sozialhilfe im Monat in Deutschland auskommen musste, aber es geht tatsächlich besser: Geld haben und nicht dahin schicken können, wo man es braucht.

Interessanterweise bietet das thailändische Bankensystem (auf der Insel habe ich drei verschiedene für Normalmenschen zugängliche Bankketten gefunden und auf die trifft das zu) so etwas wie Überweisungen und Lastschriften nicht an. Bankkonten sind dazu da, Geld rumliegen zu haben. Will man was kaufen oder bezahlen, dann hebt man das Geld ab und trägt es bar zum Händler. Sehr effektiv.

Was geht sind Kreditkarten, die wiederum bekommt man aber erst nach dreimonatigem Zahlungsfluss (was nun langsam erreicht sein dürfte).

Nun, gestern war also Paniktag angesagt, weil ich weder über dunkle noch über helle Kanäle mein Geld nach Deutschland schieben konnte. Ich habe mich also auf einen Amoklauf vorbereitet und mir vorgenommen, die Hauptfiliale meiner Bank in Ban Nathon nicht zu verlassen, ehe ich eine verbindliche Zusage für einen Geldtransfer habe.

Ich ging in die Bank und diesmal nicht gleich an einen Schalter, sondern blieb erstmal im Eingang stehen und schaute ein bisschen in der Gegend rum. Das hätte ich mal viel früher schon so machen sollen. Denn plötzlich kam aus der hintersten Ecke ein kleiner Banken-Thai angewuselt und fragte mich in überaus verständlichem Englisch (eine Seltenheit in Thailands Banken), was mein Begehr wäre. Ich erklärte ihm, dass ich Geld nach Deutschland schieben wolle (und er sich ja nicht bewegen solle, sonst wärde mein Finger am Abzug der Pumpgun nervös und das wöllten wir doch beide nicht).

Oh Wunder. Der Himmel weinte eine große dicke blaue Träne, Engels-Chöre erklangen und ein starker Sonnenstrahl brach sich den Weg durch die Scheiben die Stelle erhellend auf der ich stand. Die Zeit stand für einige Sekunden still und niemand bewegte sich. Ein Schmetterling umtänzelte meinen Kopf und flatterte davon.

“Yes Mister, this is possible” sprach der Thai “please follow me”. Ich versuchte mir nicht anmerken zu lassen, dass sich hinter meinen klaren graublaugrünen Augen ein See von Glückstränen verbarg und followte ihm. Am WesternMoney-Tisch (erkennbar durch gepolsterte gemütliche Sitze, andere Schalter haben Holzstühle stehen) bereitete er mir ein Send-Formular vor und lies mich mit einem weiblichen Banken-Thai zurück.

Dieser weibliche Banken-Thai konnte anscheinend nicht allzugut Englisch, denn auf meine Frage “could I please get a new form, I wrote the wrong name in here” meinte sie freundlich “yes, you have to sign here” und tippte auf das Ende des Formulares. Nun, ich strich den Namen einfach aus und schrieb den Receiver-Namen dahinter. Dann signte ich den Kontrakt und schob alles rüber. Sie sagte freundlich “one moment please” und verschwand. Nach 10 Minuten wedelte sie am Tisch vorbei, sagte “one moment please” und entschwand wieder. Man sah sie dann und wann an verschiedenen Stellen der Bank auftauchen und Stempel und Unterschriften von verschiedenen wichtig aussehenden oder sich habenden Personen einholen. Nach weiteren 10 Minuten erschien sie wieder, gab mir einen Beleg mit dem ich nun den weiteren Werdegang meines Geldes nachverfolgen könne und liess sich von mir das verschobene Geld geben. Ich gab es nur wiederwillig. Es fühlt sich gut an. Ein Bündel aus vielen Tausenderscheinen in den Händen zu halten. Bündel.

Jedenfalls habe ich es geschafft, Geld nach Deutschland zu schicken. Nun muss es nur noch ankommen. Ich bin gespannt.

PS: Sobald ich meine Kreditkarte habe, läuft das weitaus effektiver ab. Ich lege mir ein Paypal-Konto für das Deutschland-Bankkonto zu und lasse Paypal meine Kreditkarte belasten.

PPS: Lehre aus dieser Geschichte: In thailändischen Banken als Farang nicht in die Schalterschlange stellen sondern einfach stehen bleiben. Die Banken-Thais kommen dann schon, weil man die Aussicht auf die Straße verstellt und fragen, was man will und meistens ist das dann ein Thai, der des Englischen mächtig ist und nicht nur auswendig gelernte “juh sään hier” verspritzen kann.

27 Apr 2005

Irgendwie ist heute ein Feiertag. Wir wollten grade Mittag essen gehen, aber irgendwie sind auf 100 Meter alle Restaurants geschlossen. Ohne Vorwarnung. (Weiter sind wir nicht gekommen, weil es dazu noch ziemlich warm ist. Da bewegt man sich nicht allzugerne.) Als ich heute morgen aus Ban Nathon zurück kam, lief ein seltsamer Mönch durch Lamais Straßen und alle Leute versuchten irgendwie ihm Schatten mit ihren Schirmen zu spenden. Der war wohl ziemlich wichtig.

Wie gesagt. Unerhört. Ein Feiertag. Und unsereins muss unter dem Joch der Arbeit hier, rum, arbeiten.

27 Apr 2005

Soso. (Schon gemerkt? Ich liebe Doppelungen kleiner Wörter. Blabla.) Trockenzeit haben wir also. Ich glaubs sogar. Und seit drei donnert und leuchtet der Himmel als ob er die Insel zurückerobern will. Die Luft ist seltsam feucht, als ob die Wolken sich jeden Moment in ihre Bestandteile auflösen wollen.

Koinzidenterweise findet das Ganze an dem Tag statt, an dem ich nach Ban Nathon (auf die andere Seite der Insel) muss, um irgendwie Geld nach Deutschland zu schaufeln. Naja. Mopedfahren im Regen macht auch Spass. Ich seh nass nur immer sehr unbonibel aus.

26 Apr 2005

So. Da hab ich eben im Thaiunterricht erzählen wollen, dass ich einen Bullen gesehen habe, der männlich ist (man muss manchmal komische Sätze bilden, um alle neuen Worte zu verwenden). Als Neung (unser Thailehrer) fertig war mit Lachen, erklärte er mir, dass ich ein männliches, hömm, Geschlechtsteil gesehen habe. Gut zu wissen.

Falsch war, dass ich kway mit steigendem Ton gesprochen hatte und nicht mit gleichbleibenden Ton. So schnell kanns gehen.

PS: So im Nachhinein fällt mir dann doch auf, wie ich mir den Unterschied zwischen Büffel und Penis merken kann.

23 Apr 2005

Gestern habe ich mir bei Tesko mal eine Digitaluhr gekauft. Nicht wegen der Zeitanzeige, die ist hier uninteressant und sowieso relativ. Sondern wegen der Temperaturanzeige. Die Uhr hat auch ein Pendel Sehr sinnvolles Gimmick für eine Digitaluhr. Naja. Gekostet hat sie übrigens knapp einen Euro. Witzige Sache das.

Jedenfalls habe ich dann die Nachtstunden damit verbracht, die Temperatur zu beobachten. Abends, so gegen 20 Uhr, waren es 36 Grad Celsius. So gegen 24 Uhr waren es dann angenehme 31 Grad Celsius. Um vier genossen wir (die Moskitos und ich) eine gemütliche 28 Grad-Atmosphäre und am Morgen (6 Uhr) hatten wir dann 26 Grad geschafft.

Nun. Nett. Ich hab dann um sieben begonnen, Samstagsputz in meiner Hütte zu machen und während dieser einen Stunde (mehr braucht man nicht) das Thermometer wieder steigen gesehen. von 28 Grad auf 32 Grad.

Im Augenblick sind es 36 Grad, was mich dazu veranlasst, ins tiefgekühlte Büro zu migrieren. Wenn das jetzt noch ein paar Monate so gehen soll, dann brauch ich eine tragbare Klimaanlage. Oder so nen Gummianzug mit integrierter Kühlung.

It’s hot in the city.

23 Apr 2005

Nun gut, die wenigsten mag es interessieren, aber als ich heute meinen freitäglichen Besuch bei Tsutaya, meinem samuianischen VCD-Dealer, machte, hatten die plötzlich jede Menge DVDs zum Preis einer VCD. Nun gut. eine DVD ist nicht unbedingt eine DVD. Der Inhalt macht die Qualität. Blafasel.

Jedenfalls bin ich nun im Besitz von verschiedenen Horro-DVDs bei denen immer Jason aus Halloween mitspielt. Themenabend. Jawollja.

PS: Ich hab natürlich vergessen, ein ordentliches stromlos arbeitendes Repellent zu kaufen. Muss ich wohl morgen wieder zu Tesko. Und Tsutaya.

PPS: Ich habe die Kommas entdeckt. Aber ich glaube, das wird nur ein kurzes Intermezzo geben. Unterbricht den Redefluss irgendwie.

22 Apr 2005

Gedankenprotokoll einer Nacht

ca. 3:00Uhr: Pling. Hmm? Was? Wieso? Häh? Margh! Wo ich doch grade so angenehme Träume hatte! Hmm. Summsumm. Wedel. Klatsch. Mist. Was soll das nun. Dieses blöde Moskito-Repellent-Ding funktioniert wohl nicht? Mist. Wieso leuchtet das nicht? (Es sei angemerkt, dass ich ein nettes angeblich 90 Tage haltendes Moskito-Repellent auf der Basis von Strom und irgendeiner Chemikalie im Schlafraum stehen habe, das idiotischerweise das Zimmer grün ausleuchtet, wenn es am Strom hängt, aber Moskitos und anderes insektuöses Gelumpe von mir fern hält.) Nettes Feature. Leuchtet nicht mehr, wenn es verbraucht ist. Naja. Weisste ja, was du morgen bei Tesko kaufen wirst.

90 Tage. Klar. höchstens 7 Wochen waren das. So ein Schrott. Summsumm. Wedel. Klatsch. Ist aber nett, wie dunkel es gleich ist, wenn das Teil aus ist. Hmm. Wobei. Irgendwie ist es ja ganz dunkel hier. Und der Kühlschrank ist auch verdächtig ruhig. Hmm. Und das Klack der Pumpe (weil im Bad die Leitung tropft) ist auch nicht zu hören.

(An dieser Stelle habe ich mich dann mal aus dem Bett gedreht und bin auf Erkundung gegangen. Gegenüber war kein Licht zu sehen. In den Hütten der Bauthais auf der anderen Straßenseite war kein Licht zu sehen (da brannte immer welches). Nirgendwo war Licht zu sehen. Das dumpfe Dröhnen der Disko irgendwo hier in der Nähe war auch nicht zu hören. Stromausfall.)

Soso. Klar. Hmm. Schon logisch, dass ein elektrisches Repellent nicht funktioniert, wenn kein Strom da ist. Summsumm. Wedel. Klatsch. Naja. Dafür ist es nett dunkel und ich kann mal durchschlafen.

Summsumm. Wedel. Klatsch. Wedel. Summsumm. Picks. Manchmal frage ich mich wirklich, warum die Biester mich nur in die Füsse stechen. Ab unter die Decke.

10 Minuten später: Boah ist das heiss hier. Alles nassgeschwitzt. Erstmal einen Eistee zu mir nehmen. (Der Eistee war warm. Logisch. Kühlschränke brauchen dann und wann auch Strom. Selbst hier.) Ok. Lassen wir uns also Lufttrocknen.

10 Minuten sp??ter: Summsumm. Wedel. Klatsch. Mist. Ab unter die Decke.

Vorstehende zwei Absätze wiederholten sich dann die folgenden drei Stunden bis ich um halb sieben wieder Strom hatte, unter die Dusche schlüpfen konnte (Wasser kommt nur, wenn die Pumpe (auf Basis von Energiezufuhr) pumpt) und Moskitos mit dem Wasserstrahl jagte. 3 Stiche. 5 Frags. Ich bin der Held und Geduld zahlt sich am Ende doch immer aus.

PS: Ich habe mich den ganzen Morgen darauf gefreut, einen Eintrag zu schreiben, in dem das Wort Repellent inflationär vorkommt. Hoffentlich habe ich es richtig geschrieben. Auf der Verpackung steht zwar “Liquid Electric Mosquito Repellent” aber Thais haben ihre eigene Ansicht von orthographischem Englisch.

PPS: Ich glaube, ich versorge mir heute ein energieautarkes Repellent für nächtliche Notf&aum;lle. Weil wenn der Strom mal wirklich weg ist, kann man eigentlich gut schlafen, da es ganz dunkel ist. Sonst haben die Thais immer irgendwo Lichter und Musik an.

PPPS: Moskitos und nächtliche Hitze. Ich glaube, die Trockenzeit kommt langsam.

PPPPS: Der MP3-Player war geladen. Sowohl der Akku als auch die Playliste. So war es weniger langweilig.

21 Apr 2005
Wo soll ich nun tanken? Meine Tankstelle wird abgerissen.

Die haben einfach meine Tankstelle abgerissen. Wo die doch so schön auf dem Weg zur Arbeit lag. Nun muss ich nach Chaweng oder runter nach Hua Thanon. Das ist eine kleine Weltreise ;)

21 Apr 2005

Gut, dass wir Bayern doch nicht ausgegliedert haben. So. Wir haben also einen Papst. Nicht das wir vorher keinen gehabt hätten, aber die Journalisten, die heute aus Rom schreiben, dürften damals (bei der letzten Konklave) noch in Windeln gewickelt im Krippenspiel mitdargestellt haben. Also ist es ein mediales Ereignis geworden. Man hätte ja fast glauben können bei soviel multimedialer Aufmerksamkeit hätte auch die katholische Kirche einen Neuanfang verdient.

Hat sie wohl nicht. Will sie wohl auch nicht.

Der 265. Papst ist eigentlich der 264. Papst, weil Papa Ratzi bereits beim “alten” Papst immer auf den Fotographien im Hintergrund zu sehen war. Schon dieser Papst (wir nannten ihn damals Johannes Paul den Zweiten) war dem Opus Dei nahestehend. Gut, das nur am Rande.

Was bittesehr immer auch die Redakteure der Bildzeitung zur Überschrift “Wir sind Papst” bewogen haben mag – das weiss nur der Papst und sein Chef selber. Mag sein, dass es toll ist, dass ein Deutscher Papst geworden ist. Ich bin schon ganz froh, dass ein Katholik Papst geworden ist. Der Posten Papst ist allerdings nicht mit der Ratspräsidentschaft der EU vergleichbar, nicht mit dem Vorsitz der FIFA. Es ist kein Gewinn. Er wird schneller altern als er glaubt. So wie BILD feiert, werden wir (Deutschland) die Weltmeisterschaft mit diesem Papst ganz sicher gewinnen. Welche? Jede. Windsurfen ganz sicher.

Im Spiegel-Interview mit dem Münsteraner Theologen Horst Herrmann sagt dieser so einiges. Unter anderem:

Er hat ein bestimmtes Weltbild. Er ist sehr versiert in der Philosophie und in der Zeitgeschichte. Er ist der Auffassung, wir lebten in einem Zeitalter der Beliebigkeit, des Relativismus, jeder darf tun, was er will, schrankenloser Individualismus, Rücksichtslosigkeit, Narzissmus, Egoismus sind die Stichworte. Und der Katholizismus, der steht unter Ratzinger für die Kontinuität einer festgefügten, seit 2000 Jahren unveränderten Wahrheit.

Ratzinger ist ein “Top-Theologe”. Ratzinger ist ein Mann, der gegen gleichgeschlechtliche Ehen ist, der Verhütungsmittel verdammt und Ökumene blockiert. Fatal gesagt: Er ist ein Mann, der wenn er könnte die Kirche wieder ins Mittelalter versetzen würde. Diese Wahl war eine Wahl des Rückschritts für die katholische Kirche.

Ich hätte nun fast geschrieben, Benedikt IcksPfauIh wäre das schlimmste Ergebnis, das kommen konnte, aber das wäre Kardinal Meisner aus Köln (der Andi Moeller der deutschen Bischofskonferenz) gewesen, der unter anderem dafür gesorgt hat, dass sich die katholische Kirche Deutschlands aus der Schwangerschaftsberatung zurückgezogen hat.

20 Apr 2005

(12:34:26) Gunnar: BILD: “Sein Vater (Gendarm) hieß Joseph. Seine Mutter Maria. Seine Geburt war ein Zeichen.”
(12:34:34) Patrick: zeichen?
(12:34:38) Patrick: ahso
(12:34:42) Patrick: herrje. bin ich langsam
(12:34:44) Gunnar: was weiss ich …
(12:34:53) Patrick: josef und maria
(12:35:12) Gunnar: hiessen meine urgrosseltern auch …
(12:35:19) Gunnar: ob ich noch chancen habe?
(12:35:26) Patrick: und? war von deinen grosseltern einer papst?
(12:35:33) Gunnar: nee

19 Apr 2005

Ein etwas dicklicher kleiner europäisch aussehender Mann steht vor dem Bierkühlregal und befindet sich in einer der letzten Phasen des Entscheidungsprozesses für den bevorstehenden Bierkauf. Er öffnet die Tür des Kühlschrankes und greift nach dem guten alten (und äußerst preiswerten) Beer Chang. Da ertönt aus dem hinteren Bereich der Verkaufsstätte eine hohe nervige Stimme: “You dont need to buy this cheap stuff! Buy the better beer. You can give out money for me. Man!” – eine äußerst leichtbeschürzte (mehr Gürtel als Rock und ein leichtes Stoffstückchen zum Bedecken der Nippel) und nicht schön anzusehende Thai (sie machte tatsächlich einen etwas verbraucht wirkenden Eindruck) bewirkte mit ihren gar lieblich vorgetragenen Worten ein heftiges Erröten des kleinen dicken Mannes bis tief in die haarigen Gefilde seines meiner Meinung nach zu weit offenen Hemdes. Er griff nach der teuersten Sorte Bier, entnahm einige Flaschen, ging rot zur Kasse, zahlt wortlos und verlässt meinen Lieblingsladen, eingehakt die Thai.

Warum ich das erzähle? Nun – drei Punkte:

1. Mein Lieblingsladen ist es, weil er genau in der Mitte auf dem Heimweg liegt. Ich fahre die Straße von Lamai hinunter, sehe den Leuten bei dem was auch immer sie gerade machen zu und halte dann bei Family Mart. Dort kauf ich verschiedene Glücklichmacher des täglichen Bedarfes ein und fahre dann von der Hauptstraße runter auf meine kleine Rennstrecke. Denn da, wo die schneidende Straße vom Family Mart auf meine Pracharakpattana fährt, beginnt die Strecke auf der man recht schnell vorwärts kommt, weil nicht mehr so viele Kurven zu bewältigen sind. Ich fahre natürlich nicht schnell. Ich blinke überall und schreie nicht manchmal an unbelebten Stellen vor Vergnügen, wenn der Wind die Haare im Nacken bündelt. Weil der Wind die Haare nicht bündeln kann, wenn man eine dreißig fährt. Aber angenommen ich wäre ein cooler Mopedfahrer und würde rasen, dann wäre die Strecke optimal. Jedenfalls deshalb ist der Family Mart meine Lieblingseinkaufslokalität.

2. Wie tief muss man fallen, um nach Thailand zu reisen, eine preiswerte Frau zu erwerben (und sei es nur für Stunden) und sich dann von ihr derart in der Öffentlichkeit herumkommandieren zu lassen? Wenn jemand darauf steht – bitte! Aber muss es dann gleich eine derart verbraucht aussehende Thai sein? Die Auswahl ist um die Zeit, in der ich zu Family Mart komme noch derart groß, dass man ruhig gängigen Schönheitsidealen ein wenig näher kommen könnte. Auch als kleiner dicker Mann. Nenene. Bedauernswertes Geschöpf (beide).

3. Kein Beer Chang? Eine Frechheit. Dabei ist Russisch Roulette doch so ein nettes Spiel! Beer Chang hat nämlich die Eigenschaft unterschiedliche Alkoholgehälter je Flasche und Produktionseinheit zu haben. Man kann nach einer Flasche absolut fertig sein und am Folgetag mit zittrigen Gliedern im nicht nach vorne kippbaren Bürosessel hängen oder viele Flaschen trinken und nichts von irgendwelchem Alkohol feststellen.

PS: Falls der Eindruck entstanden ist, man könne bei Family Mart Thaifrauen erwerben – dem ist nicht so. Dazu muss man schon noch ca. 200 Meter weit hinter den Family Mart gehen. Dort aber ist die Auswahl groß.

PPS: Ich sollte ein Sextouristenbeobachtungsblog aufmachen. Mit Fotos. Sex sells.

PPPS: Irgendwie beruhigend zu wissen, dass ich keine Thaifrau suchen muss.

19 Apr 2005
fett und dünn, lang und kurz, Vater und Sohn

Auf dem Bild sieht der geneigte Betrachter einen dicken und einen langen Vater sowie einen dicken (Korsett?) und einen langen Sohn. Eigentlich ein Kind. Und einige Trennstriche.

Der Vater ist dicker als das Kind. Nämlich.

18 Apr 2005

Rudi Ratzinger ist ein Musiker, der als :wumpscut: überaus interessante elektronische Musik macht. Anscheinend hat er in letzter Zeit eine Menge Material herausgebracht das in meiner Sammlung noch fehlt. Muss ich wohl mal aufstocken.

Martini wiederum ist ein überaus wohlschmeckendes Getränk. Ich entsinne mich an verschiedene Kinobesuche mit einer Martiniflasche (nicht nur, aber auch) und verschiedenen Gläsern. Mancher Film ließ sich nur so ertragen. “Das Fünfte Element” allerdings war einer der Filme, die auch ohne Martini erträglich waren, durch Martini aber noch angenehmer zu genießen waren.

Ratzinger und Martini.

Jaja.

Und am Mittwoch erzähl ich vielleicht mal was über die Papstwahl.

16 Apr 2005

So langsam scheint es mir, dass ich doch auf einer zu kleinen Insel lebe. Gestern bei Tesko hab ich jede Menge Leute gesehen, die ich schon öfter vorher gesehen habe. Einen Typen hab ich ganz am Anfang meines Einkaufbesuchs gesehen und dann die ganze Zeit überlegt, wer das wohl sein mag. Am Ende wusste ich es. Das war der Mensch, der dieses wunderbare Passphoto auf der rechten Seite gemacht hat. Ist also doch recht klein, die Insel.

16 Apr 2005

Hmm. Irgendwas scheint an den von “alteingesessenen Expats” propagierten Bombendrohungen dran zu sein. Heute wurde ich auf dem Motocycledrom bei Tesko nicht mit einem Zettelchen ohne Sinn und Zweck das ich beim Rausfahren wieder abgeben darf begrüsst sondern mit der netten Aufforderung mein Moped auszumachen und die Kofferklappe zu öffnen. Ein bisschen rumgesucht und weiterschicken – ging ganz schnell. Im Tesco dann kam sobald ich meinen Wagen mal 5 Minuten stehen gelassen habe gleich ein wichtig aussehender Mitarbeiter und prüfte, ob auch wirklich nichts irgendwo tickte.

Meine Tankstelle haben sie auch gleich komplett abgebaut. Obwohl ich bezweifele, dass das in Zusammenhang steht. Nur ist das Tanken jetzt nicht mehr auf dem Weg zur Arbeit. Muss ich wohl mehr Inselrundfahrten durchführen.

Morgen steht wieder ein Versuch an, Geld nach Deutschland zu schicken. Ist immer wieder lustig, was sie für Ausreden haben und bisher hats auch noch nie geklappt.

Naja.

Wir sind hier halt in Thailand.

13 Apr 2005
  • Anscheinend haben die Thais auf der Insel einen katholizistischen Ansatz beim Begehen ihrer Feiertage, ich wurde bereits gestern von meinen Sünden gereinigt
  • Man sieht aktuelle Reinigungsstellen bereits vorher, weil dort die Straße nass ist. Wenn man also kann, aufs Gas treten und einfach durchrasen. (Was zum Ergebnis hat, dass ich Teile von Lamai heute in Hochgeschwindigkeit absolviert habe)
  • Sieht man aus den Augenwinkeln eine Schale mit Wasser in Zeitlupe sich entleeren, ist es zu spät
  • Kinder treffen nie
  • Erwachsene immer
  • NIE (wirklich nie) HINTER einem Auto fahren. Die fahren an Wasserstellen absichtlich langsamer, so dass man abbremsen muss.

Jedenfalls bin ich nun ziemlich durchweicht. Aber auch von Sünden gereinigt. Jetzt kann ich ja endlich wieder loslegen. Lässt sich freier leben, so ganz ohne Sünden!

13 Apr 2005

Jawollja! Ich persönlich finde ja, dass wir viel zu wenig zu feiern haben hier auf unserer kleinen Insel weshalb es sehr gut ist, dass endlich mal wieder, nach einer langen feiertagslosen Durststrecke, Feiertage angesagt sind.

Wir nennen sie Songkran oder genauer Maha Songkran. Das ist das thailändische Neujahr. Neujahr? Schon wieder? Ja klar. Denn man kann gar nicht genug Neujahr feiern.

Das thailändische Neujahr nun ist der Zeitpunkt, an dem die Sonne in das Tierkreiszeichen des Widders eintritt. Das macht sie drei Tage lang, vom 13. bis zum 15. April und das muss gefeiert werden. Nach Berichten alteingesessener Farangs ist es hier ziemlich nass an diesen drei Tagen.

Bereits am Vorabend von Songkran ist Frühjahrsputz angesagt. Man will nicht mit dem Dreck des alten Jahres in das neue Jahr gehen. Also ist auch bei mir heute Abend Besenschwingen angesagt. Und ich werde mal den Abwasch machen ;)

Der erste Tag (Mahasongkran) ist der letzte Tag des alten Jahres. Man geht ins Kloster und opfert den Mönchen Reis (mehr als sonst), Süsskram und andere Sachen. Der Abt und die Buddhafiguren des Klosters werden nachmittags rituell gereinigt, indem man sie mit Wasser (!) übergießt. Anschließend reinigt jeder Jeden.

Der zweite Tag ist Nao oder “Der Tag nach dem Ende des letzten Tages” und der dritte Tag Talueng Sok, der eigentliche Neujahrstag.

An allen drei Tagen wird man morgends von Böllerkrachen geweckt und den ganzen Tag über meistens unerwartet rituell gereinigt. Man braucht sich also nicht erst trockene Sachen anziehen, wenn man bespritzt wurde. Die meisten Farangs und Touristen kennen Songkran als Wasserfest, an dem kräftig Wasser verschwendet wird. Es steckt aber einiges mehr dahinter. Die Jüngeren besuchen die Älteren und bitten um Vergebung für verschiedene Missetaten des vergangenen Jahres. Zur Vergebung wird Wasser (!) über die Hände getropft.

Ich bin ja gespannt, was das so gibt. Ich werde wenn ich nicht ertrinke berichten.

Ach übrigens: Die Trockenzeit ist dieses Jahr früher als sonst gekommen und die Regierung in Surrat Thani hat gesagt, dass die Wasservorräte schon zur Neige gehen und man kein Wasser verschwenden solle. Naja. Aber wer macht schon das, was einem die Regierung erzaählt.

12 Apr 2005

Neulich war ich übrigens auf dem Visa-Run (Wir erinnern uns: “Wenn ich Run höre, dann erklingt irgendwo in meinem Hinterkopf immer eine Stelle aus Pink Floyds “The Wall” mit “you better run, run, run, run, run” oder so. Beim Suchen eben fiel mir auf, dass die Stelle aber auch aus meiner eigenen “The Wall”-Version stammen könnte, ich fand sie nämlich nicht.”) in Burma, was manche noch als Birma kennen, aber nun bereits wieder Myanmar heißt.

Ich wurde am frühen Morgen (5 Uhr. Das war schon früh. Wenn man bedenkt, dass ich normalerweise um diese Zeit schon wach bin, ist es eine Laune der Natur, dass ich an diesem Morgen gut noch ein paar Stunden hätte schlafen können) mit dem Kleinbus aufgesammelt, der zu diesem Zeitpunkt bereits einige Lebewesen enthielt. Man fuhr uns nach Ban Nathon zur Fähre, lud uns da ab, schickte uns auf die Fähre und verschwand. Na schön.

Die Fähre fuhr ca 90 Minuten vor sich hin und ließ die Insel als hässlichen grauen Kloß im Morgengrauen zurück. Am Festland angekommen (ich vermute, es war Donsak, nach Surrat Thani fahren keine PKW-Fähren und diese war eine, auch wenn unsere Kleinbusse nicht draufstanden) sammelte man uns ein, verpackte uns in 9er-Gruppen in Minireisebusse und los gings in wahnwitzigem Tempo auf den Festlandstraßen Thailands.

Erst jetzt wurde das ganze Ausmaß der Truppe erkennbar. Neben jeder Menge Partypeople, die vermutlich ihren Rückflug im Drogenrausch an Chawengs Strand verpasst haben waren ein paar zwielichtige Wesen dabei, denen ich nicht allein und schon gar nicht bei Nacht begegnen wollte und zwei Tauchlehrer. Alles in allem war niemand dabei, den ich wohl so oder anders mal getroffen hätte. Eine Schwedin, eine Norwegerin (alle Vorurteile die Frauen dieser Länder betreffend bestätigend), ein Norweger, ne Menge Amerikaner, ein Ire, drei Briten, ein Schweizer, zwei Franzosen, ein Italiener, jede Menge Niederländer und ein paar Leute mit blauem Pass. Achso, und noch ein Schwede, männlich und vermutlich nicht viel älter als mündig.

Jedenfalls rasten wir so durch die Gegend und ich konnte mir ein Bild von den Künsten der thailändischen Straßenbau-Ingenieure machen. Wobei ich nicht glaube, dass man dazu studieren muss hier. Es gab immer Nord-Südstraßen, die wir mal nach Norden und mal nach Süden fuhren, die dann und wann von West nach Ost eine Verbindung hatten. Auf diese Art und Weise braucht man etwas länger, um von Westen nach Osten zu kommen, sieht aber jede Menge Land und Leute.

Die Unfallraten scheinen hier sehr hoch zu liegen, weshalb man aktiv erziehend in den Verkehr eingreift. An großen Kreuzungen kann man nicht mehr rechts abbiegen. Man muss dann links abbiegen, ein paar Kilometer in die falsche Richtung fahren bis man dann eine Spur findet, die einen 180°-Bogen zieht und auf die richtige Spur führt. Das hält natürlich die Leute nicht von anderen Unfüglichkeiten ab und so sah ich unter anderem einen bis ca. 2 Meter über die Bordwand geladenen Holztrecker, der mit Achsenbruch und 1/3 seiner Ladung auf der Gegenspur unnatürlich verkrümt schief über der Strasse lag und die üblichen Motorräder, die unter Motorenhauben zu rutschen pflegen.

Wer hier selbst fährt hat es nicht anders verdient.

Wir fuhren eine Weile vor uns hin, hielten dann an einer Tankstelle, wo es flabberige Schnittchen für uns gab und fuhren weiter. Nun erfuhren wir, warum es einen großen Monitor und so viele Lauitsprecher im Kleinbus gab: Kino war angesagt. Die Vorstellung von einer Filmvorführung bei den Thais ist größtenteils von Bass und Lautstärke geprägt. Der kleine Schwede (nachhallkiffend und sicherlich hirnmäßig sehr angespannt) stöhnte alle 5 Minuten. Ich jedoch hatte mehr oder weniger Spaß.

Man zeigte uns “the art of war”. Hmm, dachte ich mir, das ist ja toll. Diesen Film mit diesem schwarzen Killer, der nach dem Kogagure lebt, den wollte ich schon immer mal sehen, und jetzt gleich im Original, Super! Ja. Hüstel. Das muss dann wohl ein anderer Film gewesen sein, denn in diesem Film rannte Wesley Snipes durch die Gegend und trat allerhand Mitmenschen mit dem Fuß ins Gemächt. Die Handlung war eher aus verschiedenen Filmen zusammengestückelt: Geheimndienstler hat Freund, der kommt um (glaubt er, später stellt er dann fest, dass das nur gefakt war und der Freund eigentlich ein böser Wicht ist), er lernt eine Frau kennen deren Freundin Kollateralschaden eines seiner Einsätze war und dann versuchen sie rauszufinden, wer denn nun die Bösen sind. Und die Chinesische Mafia ist auch noch dabei. Das ganze passen wir dann an unseren Hauptdarsteller an (Westfuß Schnippsel) der leider seine Texte nicht lernen kann und das durch gelegentliches Treten in verschiedene Richtungen kompensiert.

Er sollte weiterhin nur Vampirfilme drehen. Da sind die Effekte wenigstens noch lustig.

Wir fuhren vor uns hin, ich schaute mal auf den Monitor, mal aus dem Fenster. Nettes Land. Bäume und so. Der Wagen wurde langsamer, eine Straßensperre. Freundlich grinsende Soldaten halten ihre Schnellfeuerwaffen in den Bus, winken uns weiter.

Einen Augenblick lang dachte ich, das war dann wohl die Grenze. War es aber nicht. Zum einen standen immernoch an allen Ecken Plakate mit Bhumipol (und der kann sich ja wohl kaum auf mehr als ein Land in seiner Liebe und seiner Weisheit konzentrieren) und zum anderen wiederholte sich diese Straßensperrengeschichte mit mehr Soldaten, grimmigeren Lächeln und größeren Waffen.

Ich dachte eine Weile lang über die Notwendigkeit von Phallussymbolen und dem mit der Straßensperrennähe zur Grenze einhergehenden Aufwertung nach als wir plötzlich auf einen Hof fuhren. Höfe sind gut. Man ist irgendwo angekommen. In unserem Fall war es der Hof der Immigrationsbehörde von, lass mich nachschauen, Ranong.

Hier stellte sich wieder einmal heraus, dass schlechte Filme nicht unbedingt realitätsfern sind. In schlechten Filmen habe ich Leute in Gefängnissen gesehen, die seltsam zusammengepackt wurden. Das rechte Bein wird unter dem Körper geknickt, das linke aufgestellt und dann kauert man so vor sich hin. Das ist ganz praktisch, wenn man wenig Platz hat, denn so kann man die Leute auf engstem Raum zusammenschieben. In der Immigrationsbehörde im Vorraum kauerten auf diese Art und Weise ca, 150 Thai auf 5 mal 5 Metern. Da hab ich nicht äußerst intelligent gekuckt. Zum einen musste ich meine B-Movieliste bereinigen und zum anderen wir einem schon mulmig, wenn die Maschinengewehre nur so in der Gegend rum kucken.

Schnell durch eine Tür und ab ins Gewimmel vor den Schaltern. Die Behörde hatte glücklicherweise zwei Schalter, einen für Arrivals und einen für Departures. Ich wollte departieren. Dachte ich zumindest. gesagt hat man uns nichts, aber bei so einem Visarun rennt man kurz raus und wieder rein. Ich gab also meinen Pass bei Departure ab (als ich dann nach ca 30 Minuten dort ankam), der Typ kuckte mich an, mein Passbild, grinste, stempelte hier, stempelte da, riss dort ein Blättchen ab, heftete an der nächsten Seite eins an, gab mir den Pass zurück und schickte mich raus.

Jahaaah. Was war das jetzt? In meinem Pass war ein Zettelchen mit ner 121 eingeheftet. Hmmm… ich ging zu unserer Reiseleiterin (seltsamerweise heißen in Thailand alle Frauen, die sonst einen komplizierten Namen hätten kurz Joy) Joy und fragte, was denn nun wäre. Sie meinte, das wäre in Ordnung so, füll mal das hier aus und gab mir ein paar Zettel, einen für die Ausreise, einen für die Einreise. Ich füllte das also aus. Dann durfte ich mir ein Mittagessen aussuchen (basil-leafes and chili with chicken on rice). So nach und nach trudelten die anderen Gestalten wieder ein, der Pass wurde uns abgenommen, 300฿ wurden uns abgenommen und wir stiegen wieder in die Kleinbusse (pass- und ahnungslos – es stellte sich später heraus, dass keiner der Mitreisenden schonmal auf einem Visa-Run war).

Der Kleinbus fuhr etwa 100 Meter in eine Richtung, wendete dann und fuhr wieder zurück. Ich sah diese netten Schilder, die man hinter Grenzen so sieht, 180 in Städten, 210 auf Landstraßen, Helmpflicht, Huppflicht, Lichtpflicht, dachte, dass wir jetzt kurz in Myanmar waren und das alles wäre und begann innerlich und äußerlich zu grinsen. Das Grinsen verging mir schnell wieder, denn diesmal ging es nicht in die Immigrations-Behörde sondern an stinkenden Tümpeln hinter Häusern entlang zu einem Hafen.

Hafen? Wasser? Davon hat nun wirklich niemand was gesagt! Leichtes Unbehagen machte sich breit (auch in Hinblick auf die, ähm, Boote, die man zu sehen bekam. Ein Thai ergriff die Stimme und lies verlauten, dass sie nicht genug Platz auf den Booten hätten, aber jeder, der 50 Baht bezahlt, bekommt seinen Myanmar-Stempel im Pass so und müsse nicht mitfahren. Es meldeten sich einige. Ich fand das doof und freute mich schon darauf, sagen zu können ich wäre in Myanmar gewesen. Mitm Boot. Das Boot kam, es befand sich ca. 1m unterhalb des Bootsstegs, wurde nicht festgebunden und wir mussten übers Geländer auf das Boot springen. Ja toll. Sowas gefällt mir. Wirklich!

Jedenfalls fuhren wir so mit dem Boot vor uns hin und hielten plötzlich an einer amtlich aussehenden Holzhütte über dem Wasser. Einer der Bootleute stieg aus und nahm eine Tüte mit. Die Tüte kam mir bekannt vor – eine halbe Stunde zuvor verschwand darin mein Pass. Ich fing wieder an zu grinsen und dachte schon, nun wären wir in Myanmar, aber nichts da. Das Boot fuhr weiter. Ohne meinen Pass. Aber mit mir. Wir fuhren und fuhren und dann waren wir da. In Myanmar. Der Bootslenkmatrose rief irgendwas mit Tschimpschamp Sip. Sip kenn ich, das heißt Zehn. Eine Frau meinte dann auch, wir hätten 10 Minuten Zeit um uns Myanmar anzusehen.

Sobald der Erste den Fuß auf myanmarischen Holzplankenboden setzte kamen aus verschiedenen Ritzen viele Kinder und Jugendliche angerannt, zupften an allen möglichen Zipfeln herum und führen die Gäste herum. Ich stieg als letzter aus (Taktik!) und hoffte, dass niemand für mich übrig bliebe. Dem war nicht so. Kinder gibts in Myanmar viele. Jedenfalls zupfte plötzlich unten jemand rum und meinte “You want by Viagra?” Ich erwiderte freundlich “Öhm, I dont think I will need Viagra!” worauf er mit auf den Bauch klatschte und lachte und rief “Of course not. But you can make big deal in Thailand with Viagra!”. Nach einem “I dont think I will buy anything” verschwand er dann aber doch recht schnell.

Ja. Ich war also in Myanmar. Wo noch kein Mensch zuvor gewesen ist. Ich schaute links die Straße runter, schaute rechts die Straße runter, schaute nach vorne und ging wieder aufs Boot. Wir fuhren zurück, man gab uns unsere Pässe wieder, in denen auf geheimnisvolle Weise plötzlich Ein- und Ausreisestempel von Myanmar waren, packte uns in die Kleinbusse und wir fuhren wieder zur Immigrationsbehörde. Diesmal war Arrival der Schalter unserer Wahl. Wir und unsere Pässe wurden kritisch beäugt und gestempelt und durften dann gehen.

Weitere drei Monate in Thailand. Für die meisten waren es nur ein Monat (Touristenvisum), aber zwei drei Non-Immigrant-VisaB waren schon dabei. Es gab unser Mittagessen, das war aber schon ganz stressig. Anscheinend hatte die Reiseleitung darauf vertraut, dass niemand mit dem Schiff fahren wollte, das hatte uns gute anderthalb Stunden gekostet, die wir nun im Rückstand waren. Also schnell essen, ab in die Kleinbusse und zurück auf die schöne Insel.

Auf der Rückfahrt durften wir Roland Emmerichs Meisterwerk “Independence Day” genießen. Diese Ansammlung von Special Effekts mit unsinnigen und bei genauerer Betrachtung einfach nur doofen Geschehnissen und möchtegernwissenschaftlichem Palaver ist immer wieder nett zum aus den Fenster kucken. Dummerweise saß ich hinter dem Fahrer, so dass ich nicht sehen konnte, ob er nun 140 fuhr oder schon flog. Schnell waren wir auf jeden Fall. Vielleicht war der Film aber aus so bescheuert, dass ich paralysiert da saß und kein Zeitgefühl mehr hatte. Ich weiß es nicht.

Nach vielen Stunden netter Schunkelfahrt kamen wir wieder an der Fähre an. Die fuhr (zum letzten Mal an diesem Tag, gerade noch so geschafft) gen Samui, man verpackte uns wieder in Kleinbusse und warf uns an verschiedenen Stellen der Insel raus, nicht ohne den 3-MonatsVisa noch eine Visitenkarte zu geben :)

So habe ich nun wieder meine Aufenthaltsgenehmigung. Was für ein Spaß. Aber öfter sollte man das nicht machen. Ach und ich war in Myanmar. Wer von euch kann das schon von sich behaupten?

09 Apr 2005

Titelgebende Bezeichnung kann ich mir nun geben, denn ich weiß nun, wie man Mangostanen auf Qualität prüft. Aber fangen wir am Anfang an.

Vorhin stand ich bei Tesko und tütete mit wissendem Blick und kennerischer Miene einige qualitativ hochwertige Mangostanen in die Tüte auf dass sie mir den Filmabend verschönern mögen. Ich nahm nur die guten roten festen.

Plözlich steht eine ältere Frau neben mir. Naja. Nicht älter. Aber auch nicht jung. Also älter als ich allemal. Und das soll mal was heißen. Und damit schonmal gar nicht mehr meine Zielgruppe. Aber nicht hässlich. Eben nur alt. Mittelalt. Jedenfalls steht sie so neben mir, schüttelt den Kopf und sagt “Noh noh noh!!!”. Ich kuck sie an und denke mir “Ah, schön, Kontakt zu den Eingeborenen.”, da nimmt sie schon meine Tüte und leert sie aus. dann nimmt sie zwei Mangostanen. Eine hässliche unscheinbare und eine meiner süssen dicken roten. Dann drückt sie auf beide, die dicke rote gibt nicht nach, die hässliche geht einzudrücken. Sie hät mir die dicke rote vor die Nase und sagt “Noh guud”, die kleine und sagt “Guudh!”.

Soso. Ich habe mich brav bedankt und wieder angefangen, neue Mangostanen einzutüten. Sie half noch ein bisschen und verschwand dann mit zufriedenem Blick, nachdem ich ihr mehrere “Kop Khun Maak”s vor die Füsse warf.

Man halte also fest: Mangostanen sind erst dann gut, wenn man sie spürbar eindrücken kann und zwischen Schale und Frucht ein Hohlraum ist.

Ich hab noch eine harte dicke rote Mangostane eingepackt, damit ich zuhause testen kann, was mir denn eigentlich fuer ein Unterschied entgangen wäre.

PS: Überhaupt ist heute eine seltsame Energie in der Luft. Die Leute sind fröhlicher als sonst und hören auch andere Lieder. Und sie lächeln mehr. Irgendwas ist in der Luft.

06 Apr 2005

Jawohl! Es ist April. Mit 4 Feiertagen der arbeitstechnisch ertragreichste Monat unseres kleinen Unternehmens. Morgen nun ist der erste Feiertag: Der Chakri Tag (Chakri Day). An diesem Tag pflegt der gewönliche Thailänder der Chakri-Dynastie zu huldigen, die hier gerade seit 1782 (ratet an welchem Tag? Ja! Dem 6. April!) an der Macht ist. König Bhumibol Aulyadej der Große ist übrigens der neunte König der Chakri-Dynastie.

Man feiert und schmaust und feiert. Gearbeitet wird nicht. Also noch weniger als sonst.

Und König Bhumipol der Große ist der Monarch mit der weltweit längsten Regierungszeit bisher. Da kann nicht mal Fürst Reinier von Monacco mithalten und der scheint ja nun sicher nicht länger als Bhumibol zu leben.

06 Apr 2005

Sie stülpten uns Jutesäcke über den Kopf, damit wir später nicht sagen können, wo wir lang fuhren. Auf einer Holzbank entlang der Lasterwand nebeneinander aufgereiht, schweissnasse Körper, stinkend, sassen wir und warteten auf unser Schicksal. Mein Jutesack roch, als hätte ihn eine Katze als Urinal genutzt. Nicht nur einmalig. Nach einer Weile hielt der Laster und es sprang jemand auf die Ladewand. Der Laster fuhr weiter. Eine Stimme in gebieterischem Ton schnarrte “Yuuh säih wonn wörd!” – ein Spritzeln wie Stromschläge, der Geruch von Erbsensuppe und ein kurzer Schrei, der schnell erstarb. Wir würden niemals mehr Worte sagen…

Wir durchfuhren einige Straßensperren, es kam mir vor wie Stunden, dann waren wir da. Man fesselte unsere Beine aneinander und lies uns aussteigen. Wer nicht schnell genug war, wurde mit Stöcken geschlagen. Man führte uns eine Mauer entlang…

Hmm… Muss ich noch umformulieren. Ich arbeite gerade an meinem Bericht über den Visarun. Kann noch ein Stück dauern, glaube ich.

05 Apr 2005

Eben im Spiegel unter dem Titel „„Bischof Tutu hofft auf afrikanischen Papst“:http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,349554,00.html“:

Offiziell spielt die Herkunft der Kandidaten bei der Papst-Wahl keine Rolle. Es gehe allein um Glaubensstärke und Führungskraft, versichert der Vatikan. Doch nicht nur der afrikanische Bischof Desmond Tutu fragt sich: Wenn die Mehrheit der Katholiken in Entwicklungsländern lebt, warum waren bislang alle Päpste Europäer?

Aaaalso, wollen wir erstmal fragen, warum die Mehrheit der Katholiken in Entwicklungsländern lebt? Ja? Bitte:

1. Zwangs-Christianisierung
2. Kondome sind böse

Ich hoffe übrigens auf einen menschlichen Papst. Aber das geht mich ja alles nichts mehr an.

PS: Hier in Thailand gibt es 95% Buddhisten und 5% Moslems. Der Rest sind Christen.

04 Apr 2005

Man muss sich das mal vorstellen. Ich sitze hier auf einer Insel wo den ganzen Tag die Sonne scheint und hab mir ne Grippe eingefangen. Nenene.

02 Apr 2005

Wenn ich Run höre, dann erklingt irgendwo in meinem Hinterkopf immer eine Stelle aus Pink Floyds “The Wall” mit “you better run, run, run, run, run” oder so. Beim Suchen eben fiel mir auf, dass die Stelle aber auch aus meiner eigenen “The Wall”-Version stammen könnte, ich fand sie nämlich nicht. Jedenfalls ist es (Achtung Google-Suchwort) Zeit für einen Visa-Run. Den mache ich morgen. Mit nem Reisebüro von hier. Nach (B(i|u)rma|Myanmar).

Mit einem Non-Immigrant-Visa des Typs B darf man auch wenn es ein Jahr gültig ist nur drei Monate im (Thai)Land bleiben. Also reist der arbeitserlaubnislose Farang im Dreimonatstakt aus und wieder ein. Diese überaus interessante Kaffeefahrt in verschiedene nette Anrainerstaaten von Thailand nennt man dann Visa-Run. Nach diesem Visarun bekomme ich dann irgendwann ein dauerhaftes Arbeitsvisum für Thailand. Aber eben erst nachher, weil: “Wir sind hier in Thailand und da geht alles ein bisschen langsamer.” Ja. Klar. Ne?

Ich werde berichten. Falls nicht, habe ich Bekanntschaft mit thailändischen Zellen gemacht. Ich hab da so Filme gesehen… nenene… Bridget Jones und so…

Witzig ist auch, das meine Eltern Burma-TV empfangen (von 16 – 20 Uhr? War das so?). Schaltet mal ein. Ich wink in jede Kamera, die mir vor die Nase kommt.

Falls die Berichte ausbleiben, denkt an mich. Schnüff.

©2004-2011 Patrick Kollitsch
Auf Textpattern geschmiedet.