Samui? Samui! Geschichten von der Insel*

Das Archiv - Mai 2005

2005

31 Mai 2005

Gestern hat es geregnet. Ziemlich stark sogar. Das ist ersteinmal nichts Spektakuläres um diese Jahreszeit. Allerdings war dann auf der 5km-Strecke nach Hause an ein entspanntes Fahren leider nicht mehr zu denken. Die Straßen waren voll von Fröschen und Kröten. Die wiederum machten einen Krach, dass man den Mopedmotor nicht hörte und warfen sich todesmutig reihenweise vor meine Reifen auf der Suche nach geeigneten Paarungspartnern. Das dabei entstehende Geräusch ist nicht sehr angenehm und macht in etwa ein schlickriges “Schmoatsch”.

Später bin ich dann in den Pub gefahren. Dort spielte am Abend keine Band und auch die Stereoanlage kam mit maximaler Lautstärke nicht gegen die Frösche an. Dafür waren erstaunlich viele Thais mit Taschenlampen auf den Kopf geschnallt unterwegs und sammelten Frösche ein. Die mit dem tieferen “Kroak”. Es ist nicht anzunehmen, dass diese Frösche ein Leben im heimischen Terrarium pflegen werden. Ich wäre ja nicht uninteressiert am Geschmack der schleimigen Gesellen. Vermutlich wird mir ein solches Mahl demnächt blühen.

31 Mai 2005

Liebes Tagebuch,

Ich bin der Böse in dieser Geschichte. Das ist eventuell das Interessanteste. Allerdings nur, wenn man an meiner Psyche interessiert ist so wie du. Sonst wäre der interessante Punkt, dass ich nicht mehr mit Antje, Schnute, zusammen bin. (Schock!!! Kann man das nicht etwas schonender rüberbringen?) Könnte man, aber der Krug ist schon zerbrochen.

“Ich habe da eine Frau kennengelernt.” Ein ziemlich platitüder Satz. Und trotzdem passend. Ich mag garnicht viel dazu schreiben und vermutlich ist es auch viel zu privat als hier breit getreten zu werden. Aber das Ergebnis vieler schlaflos durchdachter Nächte ist gewesen, dass es einen Vertrauensbruch gegenüber Schnute darstellen würde und letztendlich auch einer ist. So führt man keine Beziehung. Vor allem Antje hat das nicht verdient. Und ich bin für klare Worte. Ich habe immer gesagt, wenn es mal vorbei ist oder wir “jemanden anderen haben”, sagen wir es uns. Nur dachte ich, es wäre nicht ich der das sagen würde ;]=

Jedenfalls habe ich “Schluss gemacht”. Es war schwer und hat uns beiden weh getan, nicht nur ihr. Aber wir reden noch miteinander. Und wenn wir uns was vorwerfen, dann geschieht es in der üblichen Art. Wie bisher. Nicht verletzend.

So kann man sich täuschen. Es waren 4,5 sehr schöne Jahre, ich habe mich mit Antje sehr weiter entwickelt und würde sie gerne lange als beste Freundin haben. Aber das liegt bei ihr (und den nun auf sie einredenden Freunden und Familienmitgliedern). Empfehlen würde ich ihr es nicht, denn ich bin wie gesagt der Böse und wäre auch gegen mich, denn wer einmal verletzt tut es immer wieder. Wenn ich nicht ich wäre. Da ich aber ich bin, werde ich es tragen und weiter gehen.

So liebes Tagebuch. Ich verabcheate mich für heute und schreib demnächst ein bisschen weniger, mach dir keine Sorgen.

Dein Patrick.


Lieber Patrick,

ein paar Standardantworten für dich auf die Fragen, die nun von allen Seiten auf dich hereinprasseln werden. Ansonsten kann ich dir auch nicht viel raten. Geh weiter.

F: Wie kannst du Antje das nur antun?
A: Ich habe es ihr angetan. Also kann ich es.

F: Wie kannst du uns das nur antun?
A: Hallo? Euch? Es geht hier um mich und Antje. Nicht um euch.

F: Na zum Glück wart ihr nicht verheiratet und hattet kein Kind.
A: Falsch. Wenn wir verheiratet wären, wäre ich nie nach Thailand gegangen. Bin ich aber. Waren wir nicht. Oder aber richtig. Denn dann wäre ich in Deutschland geblieben. Sozialhilfe, Arbeitslosengeld, eventuell nicht mal das. Depression. Übrig geblieben wären zwei Wege, Kriminalität oder Tod. Wenn wir (ein Kind|Kinder) gehabt hätten, wäre es ziemlich wahrscheinlich Richtung Kriminalität gegangen. Naja. Da ist das hier schon besser.

F: Mit der Mail Schluss machen ist aber auch nicht fein.
A: Stimmt. Besser als SMS, schlechter als ein Brief, besser als einfach nicht mehr zu reagieren, schlechter als es direkt zu sagen. Aber manchmal könnte es sein, dass das, was man sagen will, bei direktem Kontakt nicht vollständig gesagt werden könnte, aus Zeitgründen, aus Platzgründen, aus kommunikativ bedingten Gründen. Außerdem haben wir nach der Mail wieder miteinander telefoniert und mehr gesprochen, als vorher.

F: Bist du dir wirklich sicher, dass du das Richtige getan hast?
A: Ja. Nein. Aber ich habs getan.

F: Wie kannst du nur? Eine Thailänderin?
A: Nun, mit den Thailändern ist das so, sie leben vermehrt in Thailand. Wäre ich in Island, wäre es vermutlich eine Isländerin gewesen. In Frankreich gibt es viele Französinnen. In Japan wimmelt es auf engstem Raum nur so von Japanern. Ich lebe aber nun mal in Thailand. Also ist es eine Thailänderin. Ich bin schon froh, dass es eine Frau ist, denn ich pflege mich in Menschen zu verlieben, nicht in Geschlechter oder Hüllen.

F: Ja, aber eine Thailänderin?
A: Aha, soso, ich spüre da einen leichten Anflug von Vorurteilen? Halbwissen? Nagut. Eigentlich ist sie ja Isaan und ihre Eltern stammen aus Laos. Ich hab sie auch nicht auf der Straße oder in einer Ladybar aufgegabelt. Beruhigt? Nein? Dann kann ich auch nicht weiterhelfen.

F: Glaubst du denn, dass das hält?
A: Nein. Liebe hält nie. Wir leben den Beweis. Aber im Augenblick ist es eine ziemlich feste Sache. Ich weiß auch nicht, wo ich in 10 Jahren sein werde. Vermutlich allein und deprimiert in irgendeiner Holzhütte. Trotzdem ging es mir größtenteils um Antje (auch wenn mir das niemand glauben wird).

F: Könnt ihr euch überhaupt verständigen?
A: Ja. Ich lerne Thai, sie Englisch. Dann und wann verstehen wir uns. Ansonsten gibt es Hände und Füße.

F: Und was sagen deine Familie und deine Freunde dazu?
A: Nun, ich muss gestehen, dass mich eigentlich nur interessiert, was meine Freunde dazu sagen und von den drei Menschen, die von mir die Bezeichnung “Freund” verpasst bekommen haben und deren Meinung mir wichtig ist, sind mir zwei durchaus verständnisvoll und unterstützend entgegengetreten. Den Dritten im Bunde muss ich noch erreichen. Was die Familie betrifft, so lege ich weniger Wert auf eine Meinung. Es sollte ein gewisses Verständnis und die Beruhigung mich glücklich zu wissen vorhanden sein.

Dein Tagebuch.

PS: Ich will kein Blog sein.


Liebes Tagebuch,

Danke. Blog bleibst du trotzdem.

Patrick.

28 Mai 2005

Wenn es nicht so traurig wäre würde ich in einen wahren Schadenfreudenrausch mir selbst gegenüber ausbrechen. Ist aber leider traurig und ungeheuer dumm. Also muss Anderseiner die Schadenfreude empfinden.

Gestern abend kam ich nach Hause, das Fenster stand weit offen und das Fliegengitter flatterte fröhlich im Wind. Schön denk ich mir das solltest du mal unterlassen, sonst klaut dir noch jemand das Notebook. Dann fiel mir auf, dass ich meine Fliegengitter nie im Wind wedeln lasse – wegen der Fliegen. Dann fiel mir mein Schreibtisch ins Auge. Er sah etwas anders aus. Kah (Hubert Kah), der Elefant stand mitten auf dem Tisch, genau da, wo im Normalfall ein fettes Notebook von Dell vor sich hinstauben soll. Nun war da nur noch eine kahle Stelle und ein trauriger Elefant. Ich dachte mir, das Notebook hast du doch die ganze Woche nicht im Büro gehabt, warum stehts denn da nicht? Und dann begann es zu dämmern.

Ja. Manchmal brauch ich ein Stück.

Nun gut. Man hat mich ausgeraubt. Ein schönes Wort. Raaaaauuuuuub. Wo ehedem mein Notebook sein Leben als Textingmaschine und Filmabspielgerät fristete gähnt nun ein Loch mit Kah in der Mitte. Hinter dem Haus stand das Fahrrad vom Nachbarn gegen die Wand gelehnt, über den Sattel sind sie gestiegen und durchs Fenster rein. Zum Abtransport des Notebooks haben sie den Rucksack genommen in dem fatalerweise meine Bankkarte, mein Pass, mein Geld, mein MP3-Player und mein Fotoapparat waren. Meine Filme haben sie nicht geklaut (Ignoranten). Die Klamotten waren durchwühlt. Den Whisky haben sie auch nicht mitgenommen (Plürresäufer). Das Bett war durchwühlt. Das JAKO haben sie nicht mitgenommen (Stinkbacken). Dafür aber jedes Geldstück, das irgendwo rumlag. Die Maus haben sie liegen gelassen (Idioten).

Tja. Ausgleichende Gerechtigkeit sagt das kleine Teufelchen auf der linken Schulter.

Ich bin also wieder auf mein Moped gestiegen und zur Polizei gefahren. Lässt sich schwer erklären wo ich wohne. Bei der Polizei in Lamai störte ich die Beamten gerade bei einem überaus interessanten Godzilla-Film (der mit 50 Jahre Godzilla, ein eher schlechtes Produkt dieses Genres, hab ich mir auf Japanisch reingezogen) und man grinste mich nur an. Nach einer Weile kam ein Beamter mit Handtuch ums Gemächt und schrieb ein bisschen was auf. Mitkommen wollte aber niemand. Ich solle nach Ban Nathon zur Touristenpolizei fahren.

Heute morgen bin ich also nach einer durchwachten und mit Schimpfworten gefüllten Nacht nach Nathon gefahren, wo man dann meinen Bericht aufnahm. Die Hütte ansehen will aber trotzdem niemand. Es regnete.

Anschließend bin ich dann noch zur Bank, eine neue Karte bestellen und ein bisschen Geld abheben. Dort erklärte man mir dann, dass heute Nacht mein Konto abgeräumt wurde. Wie das geht nur mit der Karte und ohne PIN (bin ich blöd? ich pack doch die PIN nirgendwo hin) konnten sie mir aber nicht erklären.

Nun bin ich im Besitz von 60฿, meinen Klamotten und der Erkenntnis, dass es niemals aufwärts gehen wird. So langsam nervt mich mein Leben.

Achso. Alles ist nicht verloren. Ich hab dann im Büro meinen Fotoapparat vorgefunden, den ich gestern dort vergessen hatte. Dann und wann ist Alzheimer ganz nützlich. Und meinen Lohn für Mai hab ich auch schon. Nur pack ich den nicht mehr auf die Bank. Und in mein Haus kommen nur noch Buddhastatuen und Tütensuppen.

Ich glaube, ich werde demnächst Krungthep, die Stadt der Engel sehen. Ich weiss nur noch nicht, wie ich wieder an mein Non Immigrant Visa B rankomme.

Und überhaupt, das ist ja nicht alles…

PS: Da ist doch glatt jemand über den Suchbegriff “Ko Samui Mafia” auf diese Seiten gekommen. Da könnte was dran sein. Ich kenne nur einen Farang hier, der noch nicht ausgeraubt worden ist. Auch wenn die Verwaltung und die Regierung sagen, dass es hier sicher ist – ist es nicht. Obs organisiert ist, mag ich nicht beurteilen.

PPS: Damit hier keine Missverständnisse auftreten – Jauchegruben sind nicht sicher. Sie stinken und sind am Rand so schlickig, dass man immer wieder reinrutscht.

26 Mai 2005

Man grüßt sich in Thailand mit dem Wai. Dabei hält man die Handflächen aneinander und neigt den Kopf. Je höher die Hände dabei sind und je mehr man den Kopf neigt umso größer ist der Respekt, den man seinem Gegenüber zollt. Es gibt vier Arten des Wais:

  • Der Wai gegenüber einem Mönch oder einer Buddha-Statue. Die Daumen der zusammengelegten Handflächen befinden sich hierbei zwischen den Augenbrauen und man neigt den Kopf so tief wie nur möglich. Weder Mönch noch Statue werden den Wai erwidern.
  • Der Wai gegenüber den Eltern oder Lehrern. Die Daumen liegen an der Nasenspitze an und man neigt den Kopf um ca. 45 Grad.
  • Der Wai gegenüber ‘normalen’ und älteren Menschen und Verwandten. Die Daumen der zusammengelegten Hände befinden sich am Kinn und man neigt den Kopf um ca. 20 bis 25 Grad. Wenn man nicht weiß welchen Wai man verwenden soll, dann ist man mit diesem Wai gut bedient.
  • Der Wai gegenüber sozial niedergestellten Personen und Kindern. Hierbei liegen die Daumen in Brusthöhe und man neigt den Kopf nur wenig. Dieser Wai wird auch nur als Erwiderung durchgeführt, wenn sozial Niedere einen Wai geben. Man selbst wait sie nicht als Erster.

Man wait niemals einen Bediensteten oder eine Bedienung in einem Restaurant oder Geschäft. Ein freundliches Lächeln und ein Nicken genügen hier.

Interessanterweise waien viele der Thais die ich kenne nicht mehr. Man steigt auf europäische Gepflogenheiten und reicht die Hände. Besonders gute Freunde waie ich jetzt aber aus eigenem Anlass. Einfach um zu zeigen, dass ich kein dummer Farang bin.

24 Mai 2005

(Die Bezeichnung dieses Tages ist regional verschieden und kann von Visakha Bucha über Vesak Bucha hin zum titelgebenden Visakhapuja variieren.)

Feiertage sind wichtig um die Moral der Truppe zu stärken. Aus diesem Grund hatten wir am Sonntag mal wieder einen Feiertag. Da Sonntage sowieso besondere Tage sind (ich will aus bestimmten Gründen nicht mehr sagen, dass sie frei sind, dazu vielleicht später mehr) wird der freihabende Teil des Feiertages auf den Montag verschoben. Weshalb für (immernoch) viele Thais (auch mich) am Montag (also heute) ebenso frei war. Nur so nebenbei erwähnt, dieses Verschieben von Feiertagen würde sich in bestimmten europäischen Ländern ganz gut machen, dann müssten sich nicht so viele Nörgler beschweren, wenn mal in einem Jahr alle Feiertage auf das Wochenende fallen. Überhaupt sollten bestimmte europäische Länder ihre Feiertagsstrategien neu überdenken. Insofern hat dann eine eventuelle neue überaus christliche Regierung durchaus ihre Vorteile. Christliche Feiertage für alle, auch die Dummen. Aber ich wollte eigentlich etwas ganz Anderes erzählen, fällt mir gerade ein.

Wir hatten also den Visakha Bucha Day. Der Autor entschloss sich kurzerhand dazu, einen Wat (wir Kenner nennen die Tempel hier gerne Wat) aufzusuchen, weil rein theoretisch an Orten, an denen Buddha gehuldigt wird an Tagen an denen Buddha gehuldigt wird etwas los sein dürfte. Der Autor hat Abitur (noch im letzten Jahrtausend gemacht) und auch während des Studiums (ebenfalls größtenteils für die Katz) gelernt, seine logischen Fähigkeiten zu verbessern. Auch hier im Land der Leichtigkeit wendet er seine Kenntnisse dann und wann noch an um den geriatrischen Nebenwirkungen vorzubeugen. Auch diesmal hatte er natürlich Recht, was ihn fröhlich stimmte und den Beschleunigungsgriff seines Motobikes auf den maximalen Ausschlag drehen ließ.

Ich fuhr zum großen Buddha. Den hatte ich zwar schonmal touristisch besichtigt, aber es war damals totenstill dort und viele der sagen wir mal Elemente des Tempels eher als Ruine anzusehen. Diesmal jedoch schmückten Blumen die Statuen und alles war in farbenfrohe Bänder gehüllt, was mich etwas enttäuschte, denn ich dachte, in Tempeln würde nur dieses Gelborange genutzt. Es sah jedenfall sehr feierlich aus und viele Menschen und Farangs spazierten in der Gegend rum. Beim Erklimmen der Treppen sah man dann auch gleich, dass hier jede Menge Reparaturen durchgeführt wurden und anscheinend auch genügend Geld zusammengekommen ist, um die Glocken rings um die Statue zu reparieren bzw. neue zu kaufen. Man geht einmal um Buddha herum und schlägt mit einer Münze die Glocken an. Das bringt Glück im Leben. Ich werde glücklich sein.

Wieder unten angekommen sah ich dann zum ersten Mal in meinem Leben bewusst Lotusblumen. Das ist an und für sich nichts Besonderes, sind sie aber beckenfüllend um einige Buddhastatuen angeordnet (beim letzten Mal war da ein umgekippter Algentümpel zu sehen) bekommen sie einen gewissen Sinn und sehen anders aus. Ich überlegte nur kurz, was denn aus der Lotusfarbe geworden ist, ob man denn nun die ICEs damit streichen würde – ein Flashback in alte analytische Zeiten.

Am Fuss von Big Buddha verkauften die Mönche dann noch allerlei Kleinkram, den man dem großen Meister mit nach oben nehmen konnte. Das war dann mal wieder ein Beweis für meine besondere Fähigkeit, alles erst dann zu sehen, wenn es zu spät ist. Eine ‘Spende’ allerdings konnte ich loswerden: Ein Stein des neuen Tempels trägt den Namen ‘GrauMeister’. Ich habe einige Serifen eingefügt. Das nächste Mal werde ich dem Buddha auch einige nützliche Dinge nach oben tragen und nicht inkognito auftreten sondern meinen wahren Namen verewigen, ich weiß nur noch nicht welchen.

Die Entscheidung nach Big Buddha nicht rechts sondern links ins Nichts hinein zu fahren, war eine gute, denn nach einer Weile kam eine weitere Buddha-Figur mit angeschlossenem Wat ins Blickfeld. Um diesen Tempel herum war ein riesiger Markt aufgebaut, auf dem allerlei Erbauliches und Unterwäsche verkauft wurden. Außerdem gab es Essbares. Nun. Also ich hatte ja schon länger vor, mal was ‘echt thailändisches’ zu essen und nicht immer nur das auf den Farang angepasste Pseudogelumpe. Jedenfalls war es recht einfach, an einen dieser Stände heranzutreten, wahllos auf ein paar komische Gebilde zu zeigen und dabei so auszusehen als ob man weiß was man will. Diese Sicherheit verschwand, als aus einer Thai drei wurden und emsig rumgemacht wurde. Das Zeug wurde gekocht, gebraten und fritiert. Nach ungefähr 10 Minuten zog ich dann endlich mit meinem Essen in einer Plastiktüte ab. Ich hatte schon vorher gesehen, dass die Thais ihr Essen gerne in Plastiktüten packen was mich etwas schaudern ließ denn Hitze und Plastik ist in meiner Bildung ein etwas ungesundes Konglomerat. Naja, ich wollte den Thaistyle, ich bekam ihn.

Nach ein paar Ecken fand ich ein schönes Plätzchen an einem Teich, lies mich nieder und die frittierten Bröckchen in mir verschwinden. Ich weiß zwar nicht, was es war, möchte es aber auch gar nicht wissen, denn es war überaus lecker. Ein paar Stücke sahen so aus wie Flühlingslollen, waren es aber definitiv nicht, denn es war kein Gemüse drinnen sondern irgendwas Schleimiges. Andere wiederum sahen wie frittierte Kartoffelbällchen aus, fühlten sich innen aber wie hartgekochte Eier an (und schmeckten auch so). Alles zusammen schwamm in einer stark scharfen (Pet Pet! You like really? – Chai, phom chop pet pet! – Jing jing?) roten Soße deren Hauptbestandteil die Innereien von Peperonis waren.

Während ich so vor mich hin schlemmte stellte ich fest, dass die Leute um mich herum nicht aßen sondern Körner ins Wasser warfen. Was auf den ersten Blick wie eine weitere buddhistische und nicht weiter erklärbare zeremonielle Handlung aussah, entpuppte sich als ein überaus cleveres Konzept der Mönche zur Schaffung monetärer Mittel für den Bau des neuen Tempels.

  • Im Teich schwimmen Fische
  • Die Leute kaufen Körner für 20฿, füttern damit die Fische und fühlen sich gut
  • Die Fische gedeihen und die Mönche mössen sich nicht um die Fische kümmern
  • Die Mönche holen die Fische aus dem Wasser und verkaufen sie

So kommt (in Thairelationen) jede Menge Geld zusammen, denn die Kinder lieben es Körner ins Wasser zu werfen und zu sehen, welches Tohuwabohu die Fische dann anrichten. Wenn man Glück hat, dann sieht man auch ein paar riesige Welse (ich dachte immer, die Biester werden nicht sehr groß) sich an der Futterjagd beteiligen. Und wenn man es schafft, ein paar Körner einem der wenigen Goldfische zukommen zu lassen, wird man noch glücklicher. Es macht doch alles Sinn.

Nachdem ich mich am Tempelaufbau beteiligt hatte, kam ich dann zu Buddhas Fusstapfen. Der Typ hat wahnsinnig große Füße (was ihm einige Probleme beim Schuhkauf auf dieser Insel bereiten dürfte, aber das ist ein ganz anderes Thema) und hinterlässt an verschiedenen Stellen im buddhistischen Raum seine Spuren. Man findet in jedem Tempel mindestens eine Spur. Die ist groß genug, um Geldstücke hineinzulegen und sich etwas zu wünschen. Ich hoffe, dass mein Wunsch im Mittelpunkt des kleinen Fußzehs gut aufgehoben ist.

Zuletzt sah ich mir dann noch einen Buddha mit 18 Armen an. Wobei ich annehme, dass es ein Buddha ist, wenngleich auch weiblich oder zumindest metrosexuell. Über die Bedeutung der Symbole konnte mir niemand Auskunft erteilen, weshalb ich vermutlich demnächst wiederkommen werde und einen der Mönche ausfragen werde. Diesmal ging das nicht, denn die Mönche waren mit Lebenshilfe für junge Paare und dem Anpreisen (in beiderlei Hinsicht) von Buddhafiguren beschäftigt.

So. Und was ist der Visakha Bucha Day nun für ein Tag? Einer der wichtigsten Tage im Buddhismus. Auf diesen Tag (der sechste Vollmond des Jahres) fallen Geburt, Erleuchtung und Tod Buddhas. Man geht in den Tempel (hab ich gemacht), hört den Mönchen beim Predigen zu (hab ich gemacht), verrichtet allerlei Dinge, die einen später mal glücklich machen werden (hab ich gemacht) und spendet kräftig (hab ich gemacht).

Alles in allem ein überaus gelungener Tag der Annäherung an Lord Buddha mit einem schmackhaften White-Snapper-Ende im Fischrestaurant meines Vertrauens.

20 Mai 2005

Gestern hab ich mir komische Früchte gekauft. Vom äußeren Aufbau her machten sie eigentlich den Eindruck, dass sie zur Litschi-Gruppe gehören, mit deren Vertretern ich bereits viel Freude hatte.

(Um es vorneweg zu sagen, ich hab natürlich vergessen, Photos zu schiessen, also schaltet mal eben den Phantasiemodus ein!)

Die Dinger sind ziemlich rot und haben lustige kleine harte Stachel. Sieht aus wie eine genetische Optimierung der Rambutan. Jedenfalls schälte ich mir so ein Ding. Es sah innen aus wie drei Feigen, die aneinander klebten.

Schnüffel. Würg.

Ich hab dann dieses kleine Ding waghalsig in die Nahrungsöffnung gesteckt, drauf gebissen und wieder ausgespuckt. Also so was Ekeliges hatte ich lange nicht getestet.

Jedenfalls dachte ich mir, ich geh mal zu meiner persönlichen Thai-Culture-Agentin und frag, ob die Dinger einfach nur schon vergammelt sind oder wirklich jenseits jeder meiner positiven Geschmacksnerven angesiedelt sind. Mit einem kurzen “aaah, dii mak mak” wurde begonnen, alles zu schälen und alsbald sah ich mich von komischen Kram essenden Menschen umgeben. “arroi arroi”.

Nun. Ich weiss weder den Namen der Frucht noch ob das nun was Essbares ist, aber ich beteiligte mich am Verspeisen, so dass ich wenigstens sagen kann, wie es schmeckt: wie vergammelte Banane, zusätzlich mal extrembitter und schon wenige Millimeter weiter überaus sauer. Es ist anzunehmen, dass neben dem riesigen Kern, der ungefähr 90% der Frucht ausmacht und das Fruchtfleisch mit aller Kraft am Abgezogen-Werden hindert auch jede Menge Vitamin C und so ein Kram drinnen steckt.

20 Mai 2005

Angekündigte Stromausfälle sind eine äußerst angenehme Möglichkeit, lange Nächte mit freundlichen Menschen zu verbringen, noch länger zu schlafen, in der Gegend rumzufahren, im Thaistyle auf dem Fussboden eines fensterlosen Raumes zu Mittag zu essen und dann am Ende des Tages doch noch ins Büro zu gehen und ein paar verbleibende Stunden mit dem wiederangesprungenen Strom fürs Unternehmenswohl zu verbringen. Vor der Türe wurde mir von einer deutschen Expat eben erklärt, dass ich krank sei, an eigentlich freien Tagen trotzdem ins Büro zu gehen. Tja. Bin ich eben krank. Hab genügend anderen Kram, so dass das nicht allzusehr auffällt.

18 Mai 2005

Jetzt wo man mir alles oder zumindest ‘meine’ Tankstelle die sich direkt auf dem Weg zur Arbeit befand und deren Tank-Thais mein ‘full please’ verstanden genommen hat muss ich mich gezwungenermaßen auf andere Betankungsmöglichkeiten in der Gegend konzentrieren. Und so sieht man dann und wann wenn das ‘Bitte betank mich wieder’-Lämpchen am Moped blinkt einen fusseligen Farang durch die Gegend heizen auf der Suche nach Brennstoff für den roten Teufel.

Eines Tages befuhr ich eine Tankstelle im tiefsten Süden der Insel auf der Suche nach dem kostbaren Nass. Dort angekommen stand ich vor dem ersten Problem. Niemand da. Ich wartete ein Stück, blickte überaus selbstsicher in der Gegend umher und begann dann den Tank freizulegen. Hätte ich mal eher tun sollen, denn sofort kam ein kleiner Tank-Thai angerannt und grinste mich überaus freundlich an. Ich grinste zurück und dachte mir ‘ja, nett, komische Situation’ was es auch war. Denn er begann nicht zu betanken. Ich grinste. Er grinste. Ich zeigte auf meinen Tank. Er auf zwei Säulen. Ah. Soso. Gibt es doch glatt 2 Sorten Benzin auf der Insel. Luxus pur. Ich zog bloss die Schultern hoch, weil ich absolut keinen Dunst hatte, was mein Moped denn nun wirklich frisst. Er grinste, beugte sich vor, nahm den Mopedsitz in beide Hände, hielt seinen Kopf schräg, äugte in den Tank und begann zu wackeln. Nicht nur das Moped, alles an ihm wackelte vor sich hin. Nach einer Weile kam er grinsend wieder hoch, nahm die beiden Tanksäulen unter genauere Beobachtung und entschied sich fär eine Sorte (die teuere). Geschafft. Tank ein weiteres Mal voll.

18 Mai 2005

Jetzt wo man mir alles oder zumindest ‘meine’ Tankstelle die sich direkt auf dem Weg zur Arbeit befand und deren Tank-Thais mein ‘full please’ verstanden genommen hat muss ich mich gezwungenermaßen auf andere Betankungsmöglichkeiten in der Gegend konzentrieren. Und so sieht man dann und wann wenn das ‘Bitte betank mich wieder’-Lämpchen am Moped blinkt einen fusseligen Farang durch die Gegend heizen auf der Suche nach Brennstoff für den roten Teufel.

Neulich fuhr ich zu einer Tankstelle zwischen Lamai und Ban Huathanon. Bis Huathanon hätte das Benzin sicher nicht mehr gereicht, weshalb ich mich gezwungen sah, hier zu halten. Es bediente eine junge Thai, der man ansah, dass dies nur ihr Tagesjob war. Oder war es gar keine Tankstelle und ich hab da irgendwo was übersehen? Jedenfalls fragte sie ‘how much’ was ich leicht grinsend (Assoziationsverbot) mit ‘full please’ beantwortete. Sie sagte ‘full is one sixty baht’. Ich fand one sixty ein bisschen viel und meinte ‘ok, then i’ll take only two liter.’ was sie mit einem ‘ok’ und der Aufnahme emsigen Treibens an der Tankkurbel unter Zuhilfenahme eines gelangweilten Gesichts quittierte. Nach dem Ablassen ihrer 2 Liter sprach sie ‘Sixty Baht’ (schweineteuer), ich nörgelte innerlich, reichte ihr einen Hundertbahtschein, sie klopfte den Deckel den ich fast schon auf dem Tank hatte zur Seite, sagte ‘100 Baht, full’ und lies ihr Benzin weiterlaufen. Ich grinste müde (von dem Schein würde ich sowieso nichts mehr sehen) und ließ sie gewähren. Als sie fertig war, hatte ich einen halbvollen Tank und 100 Baht weniger.

18 Mai 2005

Jetzt wo man mir alles oder zumindest ‘meine’ Tankstelle die sich direkt auf dem Weg zur Arbeit befand und deren Tank-Thais mein ‘full please’ verstanden genommen hat muss ich mich gezwungenerma??en auf andere Betankungsmöglichkeiten in der Gegend konzentrieren. Und so sieht man dann und wann wenn das ‘Bitte betank mich wieder’-Lämpchen am Moped blinkt einen fusseligen Farang durch die Gegend heizen auf der Suche nach Brennstoff für den roten Teufel.

Gerne fahre ich zu einer Tankstelle gleich in Ban Huathanon. Dort bedient eine überaus wohlansehnliche volljährige junge Thai in deren Stammbaum sicherlich irgendwo Charly Chaplin auftaucht. Warum? Nun, ich würde sagen, man kann ihre Handlungen mit lustigen Geräuschen (Boink, Zonng, Wrusch) unterlegen, die Farbe rausnehmen und hat ne Menge zu lachen.

Beispiel 1: Ich fahre an die Tankstelle heran, sie begrüsst mich mit einem leisen Sawadeekah und lässt erstmal einen Stapel Plastikflaschen von der Benzintonne fallen. Die hebt sie auf und wirft nebenbei mit ihrem knackigen ähm, also sie wirft schnell noch ein Schild um. Dann mit leicht peinlichem Gesichtsausdruck (können Thais eigentlich rot werden? Ich glaube nicht) öffnet sie meinen Tank und lässt schnell etwas Benzin ein. Etwas zuviel, es schwappt heraus, sie kreischt, hängt den nennen wir ihn mal ‘Tankstutzen’ wieder an die Tonne und beginnt panisch mein Moped trocken zu wischen. Anschließend wai-t sie mich, sagt Sawadeekah und verschwindet. Aus dem Haus hinter den Tanktonnen ruft eine ältere Frauenstimme, sie kommt wieder rausgeschossen, nun völlig aufgelöst und sagt verschüchtert ‘80฿’. Die zahle ich gerne. Es war Unterhaltung pur. Als ich losfuhr, lies sie noch ein paar Plastikflaschen fallen. Danke!

Beispiel 2: Ich fahre heran, sie erkennt mich und ihr Gesichtsausdruck verdeutlicht das, was man hier rot nennen würde. Heute gibt es nur eine Tonne, die Benzin enthält und es ist eine ziemlich alte, an der man kurbeln muss und dann das Benzin durch die Wunder der Gravitation in Verbindung mit den hydraulischen Grundgesetzen durch einen langen Schlauch in den Tank fließen lässt. Sie sagt ‘Sawadeekah, how much?’ worauf ich mit meinem fröhlichen ‘full please’ antworte. Sie sagt ‘yes fuel, how much’ ich sage ‘full’ sie grinst und schiebt sich zwischen der leeren und der vollen Tonne durch, kuckt auf den Tank, den Tankdeckel und murmelt ‘sii’ (4), kuckt in den Tank und murmelt ‘saam’ (3). Sie verschwindet wieder hinter ihren Tonnen und kurbelt 3 Liter hoch, reicht mir dann den Schlauch und murmelt mir aufmunternd zu ‘Hmm!’. Ok, ich denke mir, da Lange muss in das Runde und stecke ihren Schlauch tief in meinen Tank. Sie jauchzt leicht und zieht am Schlauch, so dass nur noch das krumme Ende des Tankstutzens im Tankloch hängt, dann öffnet sie ihre Schleusen und das Benzin fließt hinein. In meinen Tank. Nun, ich muss am Ende der Prozedur nicht befriedigt ausgesehen haben – mein Tank war noch nicht ‘full’ – denn sie kurbelte grinsend einen weiteren Liter hervor und lies auch diesen sprudelnd in meinen Tank versinken. Naja. Der Tank war immer noch nicht voll, aber ich hatte erstmal genug. Ich zog also den Stutzen heraus, was sie mit einem weiteren Kichern quitierte, lies die letzten Tropfen am Tankrand abrollen und gab ihr ihren Tankstutzen zurück. Sie zockte mich ab und ich fuhr meiner Wege.

17 Mai 2005
Ich hatte ja bereits erwähnt, dass mein 5-Tages-Plan verschiedene Aktivitäten vorsah. Unter anderem musste ich mal meine sozialen Kontakte ein bisschen mit der hiesigen Bevölkerung zu mergieren. Ich entschied mich also, mir eine Stammkneipe zuzulegen. So eine Stammkneipe zu finden ist keine leichte Aufgabe. Die Älteren unter meinen Lesern werden sich sicherlich noch an die guten alten Kurzschnitt-Zeiten erinnern, als ich im Herbst 2000 in Lübeck auf der Suche nach einer ebensolchen (Stammkneipe) war und in einer Schwulenbar gelandet bin. Was also muss sie (die Stammkneipe) haben? Gute Musik, manchmal auch live, Bier, einen ex-Rastafari als Barkeeper (möglichst ohne Kuhflecken-Flausch-Lederhose) und jede Menge Stammgäste internationalen Flairs.

Glücklicherweise feierten wir am vorvergangenen Wochenende die Geburtstagsparty von James (Marketingmensch von 5phase auf dem Bürogang gegenüber) in einem Schuppen namens Springer-Pub in Chaweng. Sie hatten Chang-Beer, jede Menge skuriler Farangs und netter Thais sowie zu fortgeschrittener Stunde eine Liveband namens Siam, die überaus virtuos verschiedene Stücke aus der Rockgeschichte des vergangenen Jahrhunderts vortrugen. Der Pub selber befindet sich in einer aus Baumstämmen (ich entwickle in letzter Zeit eine gewisse Vorliebe für Baumstümme) zusammengezimmerten überaus großen Scheune mit allerlei Rocker- und Bikezubehör.

Beste Voraussetzungen also um mein Gefallen anzuregen und so entschied ich mich dem Springer-Pub eine Chance zu geben und lenkte am Freitagabend mein kleines rotes Moped gen Chaweng. Angesagt war eine Band namens ‘Boyd’ die Blues spielen sollte. Die Band bestand aus einem einzelnen Thai mit Gitarre, der wirklich gut vor sich hingeblueschrammelt hat. Ich war der einzige Gast und wurde entsprechend zuvorkommend behandelt und durfte Fragen über Fragen beantworten. Nach einer Stunde rief Yai (die Frau hinter der Theke) laut ‘Ah I know you from last Saturday! Yusset! Yusset on the couch!’ und wir unterhielten uns fortan prächtig. Ra (der Mann hinter der Theke) wollte mich dann an den Billiard-Tisch holen, was ich aber ablehnen musste (ich spiele so schlecht, dass man sich fragt, ob ich jemals Physik besucht habe). Wir sahen also fern, tranken Bier, quatschten vor uns hin und liesen Boyd Gitarre spielen. Nach einer Weile gingen ihm die englischen Bluessongs aus, also begann er, thailändische Volkslieder bluesig zu interpretieren, was alle im Pub zu lauthalsem Mitsingen animierte. Ra setzte sich dann hinter die Percussion und es wurde kräftig thaigejammt. Gegen 24 Uhr dachte ich mir dann, es waere nicht dumm, mal gen Hütte zu fahren, die haben eh nur wegen mir noch auf :) Als ich sagte, dass ich gehen will, musste ich erst noch einen Kaffee trinken, dann einen seltsamen Tee mit Zitronenbestandteilen, weil ich immernoch hustete und durfte erst dann unter der Zusage am nächsten Tag wiederzukommen und auch wirklich vorsichtig zu fahren (‘be drive careful!’) nach Hause. Nicht dass der Eindruck entstünde, ich hätte zuviel getrunken, es waren nur zwei Bier, aber irgendwie konnten die Leute nicht fassen, dass jemand aus Lamai nach Chaweng in den Pub geht. Aber das ist fast eine ganz andere Geschichte.

Das war ja schon ein guter Anfang.

Am nächsten Tag, dem Samstag, spielte die Siam-Band wieder. Das war die Band vom Samstag zuvor. Die Kneipe war nicht nur gefüllt mit Thais und Farangs, sie waren alle auch noch sehr gesprächig. So kam bspw. Stephen, einer der Stammgäste (Yai: ‘He is a little bit crazy’), bereits leicht vom Geiste erfüllt zu jedem und erklärte ihm/ihr schreiend mit übereifrigen Spritzern wilder Spucke selbst bei Silben, die weder ein F noch ein S noch ein P beinhalteten, dass er Geburtstag habe (‘Jah noh wott!!! I haaave birthday. Reeeelie! Today!’), tanzte im Laufe des Abends auf verschiedenen Tischen und anderen Einrichtungsgegenständen und trank kräftig weiter. Oder der Chef, ein eher spießig erscheinender Farang, der im Laufe des Abends eine Flasche Rotwein der Endverwertung zuführte. Ich führte jede Menge Gespräche, unter anderem mit den Mitgliedern der Band, seltsamen Thaifrauen (ich nahm an, sie wollten Kunden aufsammeln), Yai und Ra. Da gibt es genug Stoff zum Erzählen.

Ich muss gestehen, dass ich mich prächtig unterhalten habe.

Fazit: Stammkneipe gefunden. Mehr will ich jetzt gar nicht erzählen. Montags spielt eine Farangband, die sich selbst als Thailands beste Rockband bezeichnet, Mittwochs und Samstags die Siam-Band, Freitags gibt es Special-Guests und an den anderen Tagen ausser Sonntag gibt es thailändische Volksmusik (wenn ich das richtig verstanden habe). Ich kann also jederzeit mal vorbeischauen. Und ich glaube, dass mein Thai an diesem Wochenende einen Sprung gemacht hat, den es seit Monaten bei Neung nicht machen konnte. Ist halt doch besser, wenn man es auch mal anwendet.

PS: Warum ich mir in Lamai keine Stammkneipe suche? Nun, entweder gibts dort keine gute Musik oder man hat alle H??nde voll zu tun Verehrerinnen und Verehrer die sich als Verehrerinnen ausgeben abzuwimmeln. ‘Hello sweet man, what do you wanna do tonight?’ Neulich wurde ich das sogar schon auf dem Tesko-Parkplatz von einer 4er-Gruppe Frauen gefragt. Wird Zeit, dass hier wieder Hochsaison ist.

PPS: Schnute meinte, dass ich ein recht langweiliges Leben hier hätte, wenn ich immer im Pub rumhängen würde. Nun. Das sehe ich nicht ganz so. Ich treffe nette Leute, lerne eine Menge Thai (mehr als mit unserem Sprachlehrer) und kann Filme ankucken, die anderswo noch nicht mal angelaufen sind. Die Livemusik stimmt und ich brauche nie wieder Bier im eigenen Kühlschrank abzulegen. Will ich eins trinken, geh ich in meine Stammkneipe. Keine dummen Sprüche. Keine dummen Menschen. Ist schon in Ordnung. Ein bisschen Schade ist nur, dass sie in Chaweng liegt und meine Hütte in Lamai. Das verhindert ein gepflegtes Besäufnis, es sei denn, ich finde jemanden, der mich heimfährt. Aber es ist noch nicht aller Tage Abend. Bla bla. Fasel fasel. Die freien Tage haben sich gelohnt.

17 Mai 2005

Nachdem ich anderthalb Tage im Bett verbracht und mir vor Langeweile Locken gedreht habe, entschied ich mich, etwas zu ändern. Es kann ja nicht angehen, dass ich hier zwischen Büro und Filmabenden vergammele. Ich erstellte mir einen Aktivitätsplan, dessen Punkte bis Sonntag abgearbeitet zu sein hatten. Nicht dass ich das nicht schon öfter gemacht hätte, es haperte bisher nur an der Erfüllung des Plansolls. Der Plan umfasste nur zwei kleine kurze Punkte: Schreibtisch kaufen, damit ich in meiner kleinen Hütte arbeiten könne und genügend Thais kennenlernen, damit ich mein Thai anwenden und lernen kann.

Wem das als leicht zu erfüllende Aufgabe erscheinen mag, der sollte sich mal zum Thema Soziophobie informieren.

Jedenfalls fuhr ich zwei Tage an verschiedenen Möbelgeschäften vorbei und entschied mich dann am Freitag (finally! it works! i am the human mule!) einen zu betreten. Drinnen schob ich mich an verschiedenenen Möbelstücken vorbei. Man muss sich das so vorstellen, dass da ungefähr 50cm breite Gänge sind an deren Seiten Möbel dreifach in die Höhe gestapelt werden. Ein netter Anblick, vor allem wenn man die Gesetze der Dynamischen Mechanik, die Erdbebenwahrscheinlichkeit in der Region und die Statik der vorbeiführenden Straße und deren Befahrer kennt. Ich suchte mir nichtsdestotrotz einen Schreibtisch mit tatkräftiger Unterstützung der Möbel-Thai und zwei Schubfächern aus und meinte dann “Oh, and I need a chair too” worauf sie begeistert “Yes, two chair” verlautbaren lies und mir verschiedene Stühle zeigte. Ich entschied mich für einen, erklärte ihr mehrere Male, dass sich mein “too” auf die additive Bedeutung des Lautes bezog und keine Mengenangabe war, zahlte und war zufrieden.

Punkt 1 erledigt.

Ähm, oder auch nicht.

Sie frug “and where to deliver?” was mich vermutlich ein bisschen bleich werden lies (keine Sorge, das sieht niemand zur Zeit, ich hab die Sonnencreme vergessen, als ich am Donnerstag zu Tesko gefahren bin und sehe entsprechend aus). “Ähm, thats a little bit complicated. you know pracharakpattana?” – “ah, lamaipattana?” – “nee nee, pracharakpattana, left, left and straight ahead there…”. Das zog sich ein bisschen hin, bis sie quer durch den Laden rief. Plötzlich waren wir von verschiedenen Thais umgeben. Zwei überaus alte zahnlose Männer, zwei ältere Frauen (aber deutlich jünger als die beiden Männer), eine Frau mit jeder Menge Goldkettchen und einem Tuxedo-Thai mit Aktenkoffer. Später kam noch ein kleiner hässlicher glatzköpfiger in der Nase popelnder Junge dazu. Alle sprachen gleichzeitig auf mich und einander ein bis sich schliesslich einer der alten Thais auf ein Moped schwang und entschwand.

Totenstille. Hört man selten in Thailand. Na gut, in letzter Zeit doch häufiger. Aber sonst relativ selten.

Nach 5 Minuten kam der Thai mit einem Moped mit Ausleger zurück und man begann meine Neuerwerbungen aufzuladen und zu lachen. Nach einigen Minuten war man auch damit fertig und wir (die beiden alten Männer und ich) setzten uns langsam in Richtung Hütte in Bewegung. Langsam ist vielleicht nicht der richtige Begriff, denn hätte man die Möbel getragen, wären sie zeitgleich mit den distinguierten Herrschaften angekommen. Aber ich will mich nicht beschweren, ich weiß die Sorgfalt des Transportes zu würdigen. Nach einer kleinen Weile stand tatsächlich ein Schreibtisch in und zwei alte erschöpfte Männer rauchend vor meiner kleinen Hütte.

Endlich. A real place to work. Mit Ausblick auf die Palmen hinter der Hütte. Nach 125 Tagen.

Und Punkt 2 auf der Liste? Sozialisierung? Eine Geschichte für sich.

16 Mai 2005

Pünktlich mit Beginn meiner freien Tage entschieden sich verschiedene Viren meinen Körper wieder zu besetzen. Wie das so ist mit mir verbrachte ich die letzten 4 Wochen mit gelegentlichen Hustenanfällen und verschob den Gedanken an eine Behandlung nach hinten. So ein bisschen Fieber und ein bisschen Husten fällt ja noch keinen Menschen. Da es aber an vergangene Woche ein kleines bisschen schlechter wurde und jemand in einem hochfiebrigen Augenblick den Begriff Denguefieber fallen lies und ich schon das Genörgel “Siehste, weil du nie zum Arzt gehst” im Hintergrund angestimmt sah entschied ich mich kurzentschlossen und überaus proaktiv eine Pharmazie aufzusuchen.

Dort angekommen denglischte ich gegenüber dem Kassen-Thai vor mich hin und führte ihn meinen Husten vor. Er sprach “Ah, Cough”. So lernt man Englisch. Einem Thai auf Deutsch und Pantomime was vorspielen und dann die Begriffe gesagt bekommen. Er frug “Yuhniedabblets?” was ich kurzerhand bejahte und ihn eine Tür im Hintergrund öffnen, einen Schwall lachenden Thais heraussprudeln und eine Thai erscheinen lies. Die Thai war recht jung, zog sich einen amtlich aussehenden weißen Kittel an, steckte sich ein Namensschild an und öffnete dann eine Schublade. Heraus nahm sie jede Menge Kram. Sie schaute mich an und evaluierte “Ah, you have feaver!”. Hätte ich nicht gedacht, dass man mir das ansah. “You can take Pennicillin?” Ich erklärte ihr, dass ich Pennizilin nehmen dürfte. Sie nahm daraufhin zwei Packungen Tabletten aus ihrer Schublade und fing an, kleine Plastiktütchen zu beschriften.

Das Ende der Geschichte: Ich kam mit verschreibungspflichtigen Medikamenten nach Hause, die mir vermutlich von dieser Thai verschrieben wurden und werde in den nächsten Tagen nette fette Antibiotika zu mir nehmen. So einfach ist das. Ich versuch nächste Woche mal an Ritalin zu kommen. Witziges Detail vom Beipackzettel: Das Mittelchen wirkt sowohl gegen Infektionen der oberen und unteren Atmungswege als auch gegen Geschlechtskrankheiten. Sehr effektiv. Zwei Fliegen mit einer Klatsche.

PS: Ich habe natürlich erst am Sonntag angefangen, den Kram zu nehmen. Kommt mir nicht in die Tüte, dass ich Samstags nicht in meine Stammkneipe gehen kann. Klar. Ne?

16 Mai 2005

Moag. Ich nahm mir kurzentschlossen aus verschiedenen Gründen drei Werktage frei. Eigentlich wollte ich hier einen langen inneren Monolog zu den großen Themen des Alltags bringen. Der bzw. das hat mich aber derartig gelangweilt, dass ich ihn auf einige kurze Ausschnitte gekürzt habe.

Ausschnitt 1: Farbspiele

Noch etwas später
das Ich: Mir ist laaaaangwaaaailig!
das Über-Ich: Sammel doch alle Grün-Farbtöne, die du kennst. Angeblich sollen Frauen ja mehr Grüntöne kennen als Männer.
das Ich: Stimmt. Hmm. Hellgrün. Dunkelgrün. Jadegrün. Dingsbumsgrün.
das Über-Ich: Dingsbumsgrün?
das Ich: Ja. Hatten wir früher immer im Bad. So komisches Dingsbumsgrün. Hmm. Lindgrün? Ich glaub es war Lindgrün. Muss ich jetzt eigentlich jede abstrakte Assoziation vor dir rechtfertigen?
Über-Ich: Ja.
das Ich: Dann sag ich keine Grüntöne mehr an.
das Über-Ich: Gott bist du dünnhäutig!
das Ich: Da fehlt ein Komma hinter dem Gott!
das Über-Ich: Quatsch! Ich meinte…
das Ich: Klappe.
später
das Ich: Patina.
das Über-Ich: Was?
das Ich: Patina. Wenn Kupfer oxydiert wird es grün und das nennt man (hoffentlich) Patina. Das ist ein Grünton.
das Über-Ich: Das zählt nicht, du wolltest keine Grüntöne mehr ansagen.
das Ich: Klappe.

Ausschnitt 2: Schrank aufräumen

später
Das Ich steht auf und verlässt den Schlafsaal.
die Prokrastination: Ey! Du wolltest heute im Bett bleiben.
das Ich: Klappe. Ich kuck nur mal eben, wie spät es ist.
Es ist 14 Uhr. Verwundert über eine derart lange Aufenthaltsdauer im Schlafgemach beginnt das Ich den Schrank aus und wieder einzuräumen und der Himmel zu regnen (eine Story für sich).
das Über-Ich: Ja super, was soll das nun wieder?
das Ich: Hier muss mal Ordnung rein. Man weiß ja gar nicht mehr, was alles in diesem Schrank versteckt ist, so chaotisch wie das alles zusammengestopft ist.
das Über-Ich: Weichei.
das Ich: Schnauze.
das Über-Ich: Weichei.
das Ich: Lieber weiche Eier als gar keine. (innerlich: Strike!! (Lautschrift: Stöööraiikk!!)
Betretene Stille. Das Ich räumt den Schrank auf.
das Über-Ich: Du. Das war aber jetzt verletzend!
das Ich: Ach ne? Echt. Hätte ich das gewusst, ich hätte es nicht gesagt.
das Über-Ich: Wirklich?
das Ich: Nein.
das Über-Ich: Nein im Sinne von du hättest es nicht gesagt oder Nein im Sinne von du hast das gar nicht so gemeint.
das Ich: Ja.
das Über-Ich: ähm, ...
das Ich: Klappe.

Ausschnitt 3: Traumschaum

Es klingelt. Ich stehe auf, gehe an die Tür. Vor der Tür steht der Gerichtsvollzieher und begrüsst mich freundlich.
das Über-Ich: Du wolltest doch die Türe nicht mehr aufmachen, wenn es klingelt.
das Ich: Stimmt. Vergessen. Mist.
Die Vögel umkreisen den Gerichtsvollzieher der sich bückt und mit seinen grünen Fingern an deren Enden Noppen seinen Halt an der Wand gewährleisten aus seiner Aktentasche ein Räucherst&aumlbchen hervorzieht, es anzündet und in unseren Hausaltar steckt.
das Über-Ich: Ähm. Moment. Wir haben doch gar keinen Hausaltar.
das Ich: Stimmt. Seltsam.
das Über-Ich: Ein Traum.
das Ich: Ah!! Das würde einiges erklären.
das Über-Ich: Ja.
das Ich: Ja.
das Kind im Manne: Wollen wir ihn mit Litschi-Sirup beschmieren?

Ausschnitt 4: KungFu

Er bringt seine Wäsche zur Wäscherei, kauft Milch und (Trink)Joghurt und sieht sich ‘Kung Fu Hustle’ zum vermutlich zehnten Mal an. das Über-Ich: Ich versteh wirklich nicht, warum du dir diesen Film ständig ansiehst. Du verstehst kein Chinesisch und KungFu-Filme magst du schon gar nicht. das Ich: Moschi moschi!

So ging das die ganze Zeit weiter. Nach den drei freien Tagen kam ein Wochenende. Nichts wirklich Interessantes. Wir haben also nichts verpasst und gehen weiter im Protokoll.

09 Mai 2005

Es warnen ja immer wieder die intimen Kenner des Verkehrs auf der Insel vor dem Mopedfahren ohne Helm. Schließlich kann da ne Menge passieren. Man kann von einem Truck von der Straße gewischt werden, gegen andere Verkehrsteilnehmer fahren oder einfach so vom Moped fallen. Was diese Leute nicht wissen ist, dass man ebensogut von einem Baumstamm vom Auto gewischt und mit gespaltenem Kopf auf die Straße geklatscht werden kann. Da hilft dann auch kein Plastikhelm.

So ges(ch)ehen gestern.

Das ganze Wochenende durch war das Wetter schon wie immer am Wochenende. Verregnet und überaus stürmig. Gestern morgen dann schien die verlogene Sonne und animierte mich zu einem Teskobesuch. Sonntags fahre ich immer den “langen Weg” zu Tesko, untenrum und über Ban Nathon. Dort sieht es noch so aus wie neulich. Weshalb ich ziemlich schnell bei Tesko war. Nach dem Einkaufen steht sonntags immer ein ausgedehnter Cafe-Besuch mit Leute-Beobachten an. Diesmal ging das nicht, denn das Cafe war voll. Als ich rauskam, sah man dann auch, warum. Ein Unwetter lies jede Menge Wasser durch die Luft flie??en. Ich weiß nicht genau warum, aber man war auch unter dem Motodrom (muahahaha, also der Mopedparkplatz, überdacht) nicht vor den Regenmassen geschützt. Ich testete also meine Einkäufe und wartete auf das Ende des Regens (glaubt man den Kennern, regnet es hier nur 5 Minuten – lustig, wie schnell sich Kenner disqualifizieren).

Nach einer Weile hörte es auf zu regnen, ich trocknete mein kleines Moped ab und fuhr los. Es fing wieder an zu regnen.

Hierzu muss man wissen, dass diese Insel und das Wetter eine Arbeitsgemeinschaft eingegangen sind, um mich mürbe zu machen. Wenn es um mein Haus herum regnet und ich auf Arbeit oder anderswo hinwill, dann läuft das immer so ab: es hört auf zu regnen, ich geh raus, trockne das Moped ab, es fängt an zu regnen, ich geh rein, es hört auf zu regnen, ich geh raus, trockne das Moped ab, es fängt an zu regnen, ich geh rein, es hört auf zu regnen, ich geh raus, trockne das Moped ab, es fängt an zu regnen, ich geh rein, es hört auf zu regnen. Meistens kann ich nach dem dritten Mal dann los fahren. Ich habe auch schon versucht, nur drei Mal das Rausgehen anzudeuten, aber die zwei lassen sich nicht hinters Licht führen.

Jedenfalls regnete es wieder, sobald ich auf der Straße war. Dazu kamen Windstöße, die mich zuweilen unfreiwillig die Spur wechseln liesen. Ich fuhr in einer Wagenkolonne so vor mich hin. Nach einer Weile kamen wir an einer ziemlich gefährlichen Stelle vorbei, wo Felsen auf der einen Seite und das Meer in 30 Metern Tiefe auf der anderen Seite die Straße einsäumen. Ich war noch ca. 50 Meter von der Kurve entfernt, als auf der Gegenspur ein Wasser-Pickup um die Kurve kam. Wasserpickups sind Pickups mit 25 Liter Wasserflaschen. Hinten sitzen meist ein paar Thais auf der Ladefläche, die die Flaschen dann schleppen dürfen. Auf diesem Pickup saßen auch Thais. Ein Windstoß kam. Ein Baumstamm segelte vom Felsen herunter, traf einen dieser Thais mit voller Wucht, riss ihn mit sich, schmetterte ihn auf die Straße und zersplitterte.

Der Thai war vermutlich schon tot als der Baumstamm ihn traf. Wenn nicht, dann hätte ihn wohl das Zerspittern seines Schädels beim Aufschlagen auf den Asphalt getötet. Er lag da so auf der Straße, Blutlachen breiteten sich aus und alle standen nur so rum. Die Thais waren überaus geschockt und niemand regte sich oder sagte ein Wort. Das war ziemlich gespenstisch. Es ging auch niemand zu ihm hin. Es bildete sich ein großer Kreis aus Autos, Menschen und ein kleiner Kreis aus Blut. Er lag auf dem Bauch, sein Körper leicht gekrümmt, als ob er noch säße, die Arme an der Seite, die Handflächen nach oben.

Nach einer Weile löste sich der Kreis auf und jemand begann den Verkehr um den Toten herum zu regeln und die Autos und Mopeds weiter zu schicken. Als ich weiterfuhr war noch niemand zu ihm gegangen. Der Wasserpickup blieb wohl so 100 Meter entfern stehen. Ausgestiegen ist niemand.

Auf meiner Straße haben sich auch alle Palmen ihrer Nüsse und Blätter entledigt. Die Straße sieht aus wie ein Schlachtfeld.

Naja.

Ich habe ja schon gehört, dass die Thais in der Lage sind, alles Schlechte mit einem Lachen wegzuwischen. Es ist aber sehr interessant zu sehen, dass sie durchaus geschockt sein können. Lange wird das nicht anhalten und sie sitzen wieder lachend auf der Ladefläche ihrer Pickups. Es stimmt schon, wenn man als Thai älter als 40 Jahre wird, ist man alt.

Und ich?

Ich habe in den letzten Jahren einiges gesehen, was ich, würde es in einem Film vorkommen, als überaus schlechten Special Effect abkanzeln würde. Da ich aber in keinem Film lebe, scheinen schlechte Special Effects zum Leben zu gehören. Wir stumpfen ab (s/wir stumpfen/ich stumpfe). Und der Beobachtermodus als Selbstschutz funktioniert immer noch ganz gut. Ich habe natürlich nicht geschlafen heute und werde es die kommenden Nächte wohl auch nur mit träumlichen Beeinträchtigungen.

Und heute scheint die Sonne wieder.

07 Mai 2005

Das Mädchen das nie lächelt muss wohl ziemliche Probleme haben, denn eben lief sie bepackt mit einem Glas Milch, einem Glas Saft, jeder Menge Blumen, Unmengen an Räucherstäbchen und so seltsamen Pendelstrippen zum örtlichen Geisterhaus und wai-te, was die Wirbelsäule hergab.

Ist interessant wie die Geister trotz Buddhismus’ überall hervorschauen. Mal sehen, obs was bringt.

PS: Es scheinen viel schlimmere Probleme zu sein, als bisher angenommen. Jetzt kam sie mit einer Platte Obst und stellte das ab.

05 Mai 2005

Hier in Thailand kann man sich auch die Füsse massieren lassen. Neben “normalen” und Thaimassagen gibt es auch Ölmassagen und Massagen von Männern für Männer (ich kann mir gerade mal nichts drunter vorstellen) und andere Unterarten. Und eben Fussmassagen.

PS: Sorry, ich wollte das Bild unbedingt bringen und mir fiel kein anderer assoziativer Text ein. Das Bild ist von Simon Dewey und es gibt noch viel mehr davon.

05 Mai 2005

Auch wir haben heute einen Feiertag. So. Damit ihr es wisst, Seine Majestät König Bhumibol Adulyadej wurde am 5. Mai 1950 gekrönt. Damit ist er heute 55 Jahre im Amt. So lange hält es kein Papst aus. Jedenfalls ist er damit der (Achtung, jetzt kommts) am längsten regierende noch lebende Monarch. Ich habe mir jetzt mal nicht die Mühe gemacht, nach dem am längsten tot regierenden Monarchen zu suchen.

Bhumibol (den man manchmal auch Bhumipol schreibt, je nachdem, welche Transkription man für die thailändische Sprache gerade wieder nutzt) ist übrigens der neunte König der Chakri-Dynastie. Auch dieser Feiertag wird wieder drei Tage lang gefeiert. Seit vorgestern schon wird kräftig gebechert und Karaoke gesungen.

Das feiern wir heute jedenfalls mit einem Becher Blaubärtrinkjoghurt.

03 Mai 2005

Wie? Was? Mai? War doch grade noch März? Irgendwie ist der April an mir vorbeigezogen wie ein thailändischer Lastwagen. Wobei, den hätte ich vorbeiziehen gemerkt.

Naja. Sind wir also im Mai. Monat 5 des Jahres 5. Ich könnte mir vorstellen, dass viele Paare denken, es wäre nett, am 5. Mai zu heiraten. Schade, dass man den Scheidungstermin nicht auch so merkbar wählen kann.

Nun, was wird der Mai bringen? Ich habe ihn zum Monat der Selbstexperimente erkoren. Unter anderem werde ich testen, wie lange ich auf der Beach-Road stehen kann, ohne von einer Frau angemacht zu werden. Dann werde ich testen, wie lange ich auf der Beach-Road stehen kann, ohne von einem Ladyboy angemacht zu werden. Dann werde ich mal wieder in die Disco gehen (für diejenigen unter meinen Lesern, die meines Alters oder älter sind: Laute Musik, stroboskope Lichter und jede Menge Leute). Außerdem hatte ich schon lange mal vor, die komische Straße hinter dem Haus im Dschungel hochzufahren. Bin gespannt, wo man da rauskommt.

Es gibt viel zu tun. Der Mai ist da.

PS: 11 Jahre Grausinn. Ein Hoch auf, ähm, ...

03 Mai 2005

Man beachte mal die Anbindung, unter der wir hier arbeiten. Ich finde, es sollten mehr Sextouristen auf die Insel kommen. Das wird zum einen für eine Übersättigung der Thaifrauen sorgen, so dass mir abends auf der Beachroad nicht mehr “Hello, nice man” hinterhergerufen wird (Verzeihung, ich habe einen Spiegel und erkenne falsche Aussagen).

Zum anderen hätte es den Vorteil, dass viele Leute ins IT-Centre gehen um Mails nach Hause zu schreiben, dass es ihnen gut geht und sie immer am Strand liegen, weshalb sie sich nicht melden können, nur um ihr Gewissen zu beruhigen.

Damit steigen die Einnahmen des IT-Centres und sie können neue Leitungen legen. Damit steigt die Anbindung. Sex hat Vorteile.

Und nun zurück zum erwartungsvollen Betrachten des Fortschrittbalkens.

©2004-2011 Patrick Kollitsch
Auf Textpattern geschmiedet.