Samui? Samui! Geschichten von der Insel*

Das Archiv - Juni 2005

2005

01 Jul 2005

Im Prinzip internet- und vermutlich auch öfters mal strom- sowie ahnungs- und ziellos werde ich in den nächsten Tagen abseits jeglicher objektorienterten Programmierung dem einfachen Leben fröhnen und das schöne Thailand bereisen. Yai hat (anscheinend) aufgehört zu arbeiten und wir fahren morgen erstmal nach Bangkok – diesmal zu meinen Konditionen ;) Computerläden, Tempel und die alten Königsstädte stehen an. Am Montag dann werde ich meinen neuen Pass bekommen, versuchen mein Visa zurückzubekommen und sofort das Land verlassen. Wir werden ein paar Stunden in Laos verbringen (Kambodscha ist ja derzeit eine weniger solide Option). Anschließend geht es nach Nong Bua Lampuh in den Isaan, wo Yai ihre Mutter besuchen will, eventuell ihren Vater und jede Menge Geschwister (ein jüngerer Bruder, der bei der Polizei lernt und sich gerade eine Pistole gekauft hat und eine jüngere Schwester, die Schwein (Muu) heißt und “ein bisschen dick” ist) und Verwandte. Außerdem ist da wohl noch ein Wasserbüffel, den sie gekauft hat und mal sehen will. Aber so ganz habe ich das noch nicht verstanden. Wenn wir dann noch genügend Zeit haben (wovon ich ausgehe, Yai befürchtet bereits, ich könnte Probleme mit den Umgebungsbedingungen im Isaan (“no hot water, no fan, we speak thai, you watch tv”) haben) , fahren wir mit dem Zug nach Chiang Mai und sehen dort wieder Tempel und alte Häuser an. Anschließend gehts wieder auf die Insel und ab in unser hoffentlich noch stehendes Haus. Falls also nichts dazwischen kommt, dann gibt es hier ab 12. Juli oder später in gewohnter Frische etwas zu lesen.

30 Jun 2005

Ich: Whats the time?
Yai: What?
Ich: How late is it?
Yai: Huh?
Ich: What time is it?
Yai: Aray?
Ich: Naliga aray?
Yai: minutenlanges Gelächter I understand you, but we Thai say: Wela thawray?
Ich: Ok. So: Wela thawray?
Yai: We Thai say murmelt was vor sich hin but for you its dänndiehwonn.

28 Jun 2005

Neulich hab ich Bush zugehört (dem Jüngeren), wie er erklärte, dass er in einem seiner derzeitigen Jagdgründe unbedingten Frieden will. Das wird er durchsetzen, sagte er. Ich als angehender Pazifist fand das super, aber irgendwie lachten die Leute ringsrum alle. Ich bin rausgegangen auf den anderen Berggipfel wo ein Pooltisch stand. Da spielte Oskar Lafontaine dann eine Partie Pool mit mir. Ich hatte die halben Kugeln und er die Vollen. Er hatte so ein überaus hässliches braunes Jacket an. Braun steht ihm wirklich nicht, sagte ich ihm. Früher hätte er rot getragen, sagt er, aber das mache ihn irgendwie dick und man will sich ja auch verändern. Naja, sag ich, Bush eben sah in Schwarz auch ziemlich dämlich aus. Was Bush ist da? sagte Oskar und konnte nur schwer verbergen, dass er ein bisschen enttäuscht war, weil er nicht eingeladen war. Ja sag ich, der hat was erzählt von Frieden schaffen und so nem Kram. Da lachte Lafontaine und sagte, na da wäre ich aber rot im Gesicht geworden, wenn ich dabei gewesen wäre. Plötzlich verstand ich, warum alle lachten. Ich meinte, ja früher, da war alles besser, da hab ich Witze sofort verstanden. Er meinte, naja. Das komme schon wieder. Es machte ein komisches Geräusch rechts neben meiner Wange und ich meinte, eine kurze Delle in der Sehschärfe bemerkt zu haben. Nach einigen Augenblicken hörte ich sowas wie einen Schuss. Ich sagte, da schießt jemand auf uns, er lachte, Quatsch, bei uns wird nicht geschossen, plötzlich sprang er aber als ob auch er einen Luftzug mit nachfolgenden Knall gespürt hätte. Er duckte sich und auch ich warf mich auf dem Boden (nicht ohne mir den Queue dabei in den Magen zu rammen). Ich drehte mich auf dem Boden ein wenig und sah zum gegenüberliegenden Bergkamm. Rechts war ein Wald. Links vom Waldrand blitzte es, ich drehte mich um und wollte hinter den Pooltable krabbeln, da traf mich was in die Wirbelsäule. Das tat höllisch weh. Ich überlegte noch schnell, warum die Welt so ungerecht ist, dass es immer die trifft, die gar nichts dafür können, dass sie mal eben mit irgendeinem Penner Pool spielen und nicht die, für die die Kugeln wirklich sind. Ich konnte meinen linken Arm nicht mehr benutzen. Kanonenfutter. Gemeinheit. Und Scharfschützen waren früher auch mal besser.

Dann erwachte ich.

Yai schlief auf ihrem Ellenbogen, der in meine Wirbelsäule gedrückt war. Ihr Knie klemmte in meinem Magen. Meine linke Körperhälfte war komplett eingeschlafen.

27 Jun 2005

Muuuuahahahahaha. Eben kam ein Google-Suchender rein, der nach Thailänderinnen verstehen suchte. Gut. Ich werde mal versuchen, einiges zusammenzustellen:

Man versteht Thailänderinnen besser, wenn

  • man Thai lernt. Das ist die Sprache, die von den meisten Thailänderinnen gesprochen wird.
  • man die Kopfhörer aus den Ohren nimmt. Schallwellen haben die unnütze Eigenschaft, sich gegenseitig zu überlagern.
  • man näher rangeht (siehe letzter Punkt, das hängt wieder mit den Schallwellen zusammen).

Aber mal ehrlich. Die Suchabfrage hätte doch lauten müssen Frauen verstehen oder?

27 Jun 2005
Wie bereits erwähnt, besteht auch in Thailand Helmpflicht. Vergangene Woche kam ich nun in den Genuss einer Polizeikontrolle. Dazu muss man wissen, dass die Polizei in Thailand sich ungeheuer ernst nimmt, in Wahrheit aber fett und faul ist. In Bangkok müssen sich jetzt übergewichtige Polizeibeamte einem Abnehmkurs unterziehen.

Jedenfalls kam ich gerade aus dem Immigration Office und fuhr so gen Sonnenuntergang vor mich hin, als Yai von hinten mit ihren Händen auf meinen Kopf klopfte und “oy oy” schrie. Sie sagt recht häufig “oy”, das ist ihr Standardausruf um Be- und Entgeisterung, Befriedigung, Erstaunen und die Tatsache, dass die Suppe mal wieder zu heiß war zu bekunden. In einigen Metern Entfernung sah der Lenker des Mopeds dann das Unheil aufwallen: Jede Menge Polizei und jede Menge angehaltener Mopeds.

Tja. Zumindest in der Wahl der Positionierung haben sie eine erhöhte Intelligenz bewiesen – eine Einbahnstraße. Ich ergab mich also in mein Schicksal und fuhr einfach weiter. Man hielt auch mich an und packte mich in eine Mopedschlange. Nach einer Weile kam ein des Englischen nicht mächtiger Thaibulle auf mich zu, zeigte auf mein Motorad und sprach “motobike”. Ich nickte freundlich. Konsens. Anschließend legte er mir seine Pranke auf den Kopf und meinte ‘helmet”. Nun, jemanden auf den Kopf zu fassen ist so ziemlich die gemeinste Beleidigung, die man einem Thai gegenüber ausüben kann, weil der Kopf das höchste des Menschen ist. Man sollte deshalb auch keinem Kind auf den Kopf fassen (auch wennn das Gutschigutschi-Tatschen ein höchst verbreitetes Farang-Gehabe ist). Jedenfalls habe ich das als bewusste Beleidung aufgefasst, ihn angelächelt, “ok” gesagt, auf sein Namensschild getatscht und gefragt, ob das sein Name ist. 1:1 würde ich mal sagen. Er füllte dann irgendein Papier aus, ich durfte meinen Namen eintragen und unterschreiben. Das hätte durchaus ein Mordgeständnis gewesen sein können, denn es war wie immer alles in Thai geschrieben.

Ich durfte dann mit meinem Zettelchen in ein Fischrestaurant am Straßenrand wo zwei noch wichtigere Polizisten hinter einem Tisch Quittungen ausstellten (siehe Scan) und Geld einsammelten. Auch hier wurde ich wieder nach Namen und Nationalität gefragt, durfte 300฿ bezahlen und entschwinden. Helmlos.

Gut. Fassen wir zusammen:

  • Es wurde kein Ausweis verlangt. Das nächste Mal nenne ich mich Friedrich Wilhelm Murnau.
  • Die “Expaten” behaupten immer, eine Polizeikontrolle mit Erkennung der Helmlosigkeit führe eine 600฿-Strafe und 2 Stunden Aufenthalt in der Polizeistation nach sich. Der Autor bemerkt hierzu Folgendes: Eine Polizeikontrolle mit Erkennung der Helmlosigkeit führt keine 600฿-Strafe und keinen 2 Stunden Aufenthalt in der Polizeistation nach sich.
  • Die “Expaten” behaupten immer, dass die Polizei entweder Thais oder Farangs aussiebt. Der Autor bemerkt hierzu Folgendes: Die holen immer alle raus, die sie kriegen können.
  • Es geht das Gerücht um, dass hier länger ansässige Expats überhaupt keine Ahnung von verschiedenen Dingen haben. Der Autor bemerkt hierzu Folgendes: Das ist richtig.
27 Jun 2005
Natürlich waren wir auch heute nicht im Spa. Glücklicherweise stellten wir gemeinsam kurz vor dem Abgang ins Spa fest, dass im Kühlschrank kein Saft mehr vorhanden war und was ist ein Kühlschrank ohne Saft? Genau! Leer. Wir entschieden uns also spontan zu einem Teskobesuch. Ich trug den Mopedhelm. Richtig gehört. Ich habe ihn aus seiner Ecke geholt, von Staub befreit und mir aufgesetzt. Das allerdings erst nach schier endlosen Diskussionen in denen Yai mir beteuerte von jemandem, dessen Namen sie nicht kannte im Pub gehört zu haben, dass heute, genau heute, vorm Tesko die Polizei Helmkontrolle macht. Klar, sag ich, machen die ganz sicher und sah dabei möglichst ungläubig aus. Dummerweise war sie beleidigt und ich sah mich gezwungen das Plasteteil zur Vermeidung wochenendlichen Unfriedens aufzusetzen. Wir vereinbarten aber einen Gewinn von 100฿ für mich, wenn keine Polizei an der Straße steht und einen von 100฿ für sie, wenn sie stehen. Ich habe 100฿ gewonnen. Ich könnte mir vorstellen, dass ihr plötzlicher Wunsch, mich behelmt vor sich sitzen zu haben mit einer unerfreulichen Begegnung vergangene Woche in Ban Nathon zusammenhängt, die mich um 300฿ erleichterte, einen Polizisten meinen Kopf berühren und mich ein thailändisches Formular ausfüllen lies. Aber das erzähl ich später mal. Jedenfalls, um mal zum eigentlichen Thema zurückzukommen, fuhren wir zu Tesko, kauften ein und dann schob ich sie einfach zu Kentucky Fried Chicken rein. Das ist nicht unbedingt romantisch da, aber wieder mit ihren Freundinnen zu essen war die andere Option. Da ist man nicht wählerisch. Gut. Ich war ja noch nie bei KFC und dachte immer, das ist ganz nett. War es aber nicht. Es gab riesige Teller (25×25, viereckig) auf denen sich dann komische kleine Hühnerteile tummelten. Der ungenutzte Raum war irgendwie um ein Vielfaches größer als der belegte. Die Cola war schweinesüß (ich mag mir gar keinen verbalen Ausdruck dafür ausdenken). Ich machte mir schon Sorgen, dass Yai das alles ziemlich blöd finden würde und mir dann lang und breit erklärt, dass wir doch viel mehr Spaß in ihrem Raum gehabt hätten. Interessanterweise hatte sie aber viel mehr Spaß hier. Die Cola hatte genau die richtige umwerfende Übersüße, die Hühnchenpanade war süß genug und zum Schluß sprach sie die mich berauschenden Worte “next time i take menu 4”. Es besteht Hoffnung. Ich geh ein bisschen runter mit meinen Ansprüchen und alles wird gut. Wobei. Das Spa hab ich immer noch nicht aufgegeben. Datt wird schon noch!
26 Jun 2005

Dialog zum Bild:
Yai: Why you not go swimming?
Ich: Dont like it. I am fat.
Yai: But you farang. Farang go swimming.
Ich: Thats because you do not go swimming? You are no farang?
Yai: Have no bikini!! (mit einem Blick als ob das eine Selbstverständlichkeit wäre, dass Thais keine Bikinis haben)
Ich: I buy you a bikini! You go swimming then?
Yai: Yes. I take care of your stuff, you go swimming.
Ich: I mean you go swimming?
Yai: Yes. Go swimming.

Das war letzte Woche. Als ich heute frug, was denn mit Schwimmen gehen wäre, wurde herzlich gelacht.

26 Jun 2005

Heute wollte ich mal mit Yai essen gehen. Ich habe das von langer Hand vorbereitet, schließlich gehen unsere Zeitpläne ein bisschen auseinander, ich arbeite und wenn ich nicht arbeite, arbeitet sie oder wir schlafen. Da kann man nicht im Restaurant sitzen (mal ganz abgesehen davon, dass die Nachts um zwei bereits geschlossen haben, ich würde ja alles versuchen). Samstags und Sonntags allerdings habe ich vormittags Zeit, wo auch immer hin zu gehen. Jedenfalls frug ich sie bereits gestern, ob wir denn Heute essen gehen würden. Würde ich fragen, ob sie mit mir essen gehen will, würde sie den Braten riechen und sofort nein sagen mit der überaus treffenden Bemerkung, wir müssten doch Geld sparen für den Urlaub. Ich sprach also mein “we go eat tomorrow” mit fragendem Blick und erhielt ein “yes, we eat äääävery day” zur Antwort. Soweit sogut, das Thema war schonmal auf Essen gesetzt. Ich setze nach mit einem reichlich galanten “but go eating tii ran ahaan!” (kleiner Hinweis für die des Thais Unmächtigen: ran ahaan ist das Restaurant und tii ist in, zu, nach). Sie machte große Augen, sagte aber trotzdem “yes”. Strike dachte ich bei mir und genoß den Abend. Heute morgen dann schafften wir es tatsächlich, um 12 aus dem Bett zu kommen. Projekt “Essen gehen” war in tiefer Gefahr, da ich mindestens eine Stunde für eine romantische Essensdauer halte. Gegen zwei musste Yai allerdings wieder arbeiten gehen. Gut, wir sprangen also aus dem Bett und verrichteten verschiedene Dinge unter Zuhilfenahme unter anderem von Wasser. Nach einer Weile fragte Yai in einem mir nur zu bekannten Tonfall (dem des “mal sehen, ob ich noch schnell ein Gegenargument finde”) “where we go eat?” Eine berechtigte Frage. Ich habe das Lamai Spa ausgewählt – dort gibt es verschiedenes gesundes Gelumpe zu essen. Ich hätte fast gesagt, es gibt dort vegetarisches Essen, aber dann und wann findet man schon ein bisschen Huhn oder Schwein zwischen den Gräsern. Als ich ihr das Lamai Spa nannte, kam die logische Rückfrage “and what we eat there?” – Ha, wie berechenbar. Da hatte ich natürlich eine vorbereitete Antwort drauf: “vegetarian food and such stuff. you know larb gai?” (Larb gai ist ein Limonengrasfutter mit gebratenen Hühnchenteilen. Sehr sehr lecker!). Larb Gai kannte sie. Trotzdem war ihr anzumerken, dass sie höchst ungern in ein Restaurant gehen wollte. (Ich hatte es “ganz am Anfang” schonmal geschafft, sie in ein Fischrestaurant einzuladen, da meinte sie dann zu mir, dass das das dritte Mal ist, dass sie irgendwo essen geht und das erste Mal nicht mit ihren Freundinnen. Sollte ich meine Gedanken diesbezüglich in Worte fassen können, werde ich mich dazu äußern, bis dahin lass ich das mal so stehen.) Wir diskutierten jedenfalls noch ein Stück und sie erklärte mir (überaus glaubwürdig ;), dass wir ins Spa gehen. Die Zeit verrann. Dann musste das Haus geputzt werden. Die Zeit verrann weiter. Dann musste das Bett gemacht werden. Dann war es viertel zwei und der Timeslot für das romantische Mittagessen vergangen. Wir packten uns aufs Moped, fuhren nach Chaweng, kauften auf dem Markt komische Nahrungsmittel (toter Fisch, gelbbräunliche Suppe und Gemüse ungekocht) ein und aßen dann schnell und eilig auf dem Fußboden ihres Raumes mit ihren Freundinnen. Soviel zum Thema Romantik.

Interessantes Nebendetail: Als wir am Spa vorbeifuhren und mein sehnsüchtiger Blick dahin wanderte, luden Lieferanten gerade jede Menge Kokosnüsse aus. Sie mag Kokosnüsse. Ich erklärte ihr, dass die hier viel mit Kokosnüssen kochen und sie den Saft sogar direkt aus der Nuss trinken kann. Ihre Augen wurden grösser und sie legte fest, dass wir morgen Essen gehen werden. Ins Spa. Mal sehen. Ich werde berichten.

23 Jun 2005

Übrigens kucken wir uns derzeit nach einem neuen Haus um. Nicht dass ich mich ungeschützt fühlen würde – Mr. Wit schläft nun mit seiner ganzen Familie im Ressort (12 Personen, ein Kleinkind, der Rest erwachsene SangSom-Trinker) und hat überall Pfosten in den Boden geschlagen, worauf Glühbirnen befestigt sind und die Nacht durch das Areal erhellen. Ich bin heute ungefähr um fünf eingeschlafen. Außerdem sind die Häuser nun absolut sicher – wenn ich da bin. Dann kann ich nämlich jede Türe verriegeln. Kann also niemand reinkommen – wenn ich da bin. (Zitat Yai: He is a really crazy man!)

Das neue Haus sollte aber schon eine Küche und eine Klimaanlage haben. Deshalb könnte es noch ein Stück dauern. Soll ja wohnlich sein. Heimat und so. Außerdem mag Yai nicht so ganz damit rausrücken, wo wir denn hinziehen wollen, Chaweng oder Lamai. In Lamai könnten wir eine Sektion in einer Edelvilla bekommen. In Chaweng ein edles Holzhaus. Mal ganz abgesehen davon, dass wir am Sonntag im Süden das absolute Tophaus gefunden haben. Ist halt nur ne halbe Stunde von der Arbeit entfernt.

20 Jun 2005

Gemerkt? Plural im Titel! Genau. Nachdem am Montag mal wieder in unserer kleinen Hausreihensiedlung eingebrochen wurde (diesmal traf es den Schotten (das war der, der in 10 Worten mindestens zweimal Fuck verpacken muss) und sie haben sein Schloss rausgehebelt (ist also doch nicht allzu sicher, wenn man die Fenster zu macht) und erkleckliche 600฿ geklaut – er meinte eine erhebliche Synchronizität mit Diebstählen bei ihm und seinen Freunden und der Anwesenheit des Wandermarktes im jeweiligen Orte erkennen zu können) wurde ich gestern Abend mit einer beleuchteten Häuserreihe begrüsst. Seit Dienstag brannte im Nebenhaus Licht – witzigerweise macht ein Haus, in dem es keine Geräusche gibt, vor dem kein Moped oder Auto steht auch einen absolut bewohnten Eindruck, wenn ein Licht die ganze Nacht durch brennt. Gestern brannte in allen Häusern Licht. Ich nahm also an, dass schon wieder eingebrochen wurde. Aber diesmal war alles anders.

Als ich mein Moped abstellte, kam aus dem Dunkel unter den Palmen plötzlich eine kleine Figur herausgelaufen und hielt mir eine Pistole an die Nase. Das ist erstmal ganz unlustig, vor allem war das Modell ein überaus großes (größer als der Kopf des haltenden Thai). Nach einer Schrecksekunde sagte der Thai dann “Ah Patrick, I’m Wit!”. Wit ist mein Hausverwalter. Er begann eine überaus lange und detaillierte Geschichte zu erzählen. Demnach wird die Insel derzeit von Räuberbanden heimgesucht, die sonst ihr Unwesen in Pattaya treiben. Am Montag der Schotte und danach irgendwann die Hütte neben mir (da haben sie das Schloss kaputt gekloppt und sind nicht in die Hütte gekommen. Er allerdings kommt nun auch nicht rein). Auf der Insel stehen für 300.000 Leute 300 Polizisten zur Verfügung und die kommen mit dem Verhaften nicht nach (hmm… das macht dann mehr als 1% Räuber, wenn sie nicht nachkommen. Allerdings kann es auch sein, dass “nicht nachkommen” ungefähr 10 Leute sind oder mal wieder ein neuer Godzilla-Film ansteht) und sein Bruder (der Besitzer der Häuser) hat ihn angewiesen, Nachts nun hier zu schlafen und zu wachen und am 21. (welchen Monats sagte er nicht) kommt er und sie sehen sich das Gelände mal an, was man für die Security tun kann (“what we can do for high security”). Ich wäre für Flutlicht und leichtbekleidete Thaifrauen. Jedenfalls waite Wit mich (was er noch nie gemacht hat) überaus häufig und war äußerst zerknirscht ob der derzeitigen Situation. Sein Rücken war das ganze Gespräch durch ungesund verkrümmt. Irgendwer hatte wahrscheinlich eine Ebene höher sich beschwert. Sein Bruder ist wohl mit dem Polizeichef von Lamai bekannt/verwandt und selbst relativ wichtig.

Jedenfalls wachte Wit nun mit seiner Knarre und mindestens einer Flasche SangSom (SangSom ist Alkohol. Seltsamer Alkohol. Einmal getrunken. Drei Tage nicht gewusst, ob meine Milz oder meine Leber mehr schmerzt). Ist nicht lustig, wenn ein betrunkener Thai mit der Pistole im Dunkeln herumfuchtelt. Ich hab ihm also mal versucht, klarzumachen, dass ich jetzt immer nachts spät heimkomme und er mich bittesehr nicht vom Moped schießen soll, das gäbe Kratzer. Das verstand er wohl irgendwie, denn die Pistole verschwand plötzlich aus meinem Gesicht und hinter seinem Hemd (sollte man da nicht irgendeinen Hebel umklappen, damit man sich nicht selbst entmannt?). Mir war immer noch nicht zum Lachen, obwohl die Situation als auch das Aussehen eines 1.65 großen Thais mit ner Waffe, die wohl aus irgendeinem Krieg in den letzten Jahrhunderten stammen muss eher meine Humormuskeln anregte.

Ist das ne Waffe in Ihrer Hose oder freuen Sie sich nur, mich zu sehen?

Sorry, der musste einfach sein. Wie auch immer, er erzählte mir, er kenne da Jemanden (“an important person” – yeah, Beziehungen sind schon was Tolles) bei der Polizei in Nathon und die hätten da ein paar Leute festgenommen und Zeug übrig, von dem sie nicht wissen, was sie damit machen sollen. (Ehrlich, ich gebe seinen Satz hier fast 1:1 wieder: “they have stuff left and dont know what to do with it”). Heute nun wolle er mit mir nach Nathon fahren, die wichtige Person treffen und mit mir mal ansehen, was da rumliegen würde. Ein paar Notebooks wären da auch dabei. Muahaha. Muahahahaha. Muuuuuuuuahahahahhaha. Ja.

Nun. Natürlich sind wir heute nicht nach Nathon gefahren – “Important person don’t work on sunday.” – werden das aber diese Woche nachholen. Ich würde mich totlachen, wenn ich was wiederbekommen würde. Daten-, Ladekabel und Kopfhöhrer von meinem MP3-Player hab ich ja noch hier. Würde mich nicht wundern, wenn sie das Teil nicht mal eingeschaltet bekommen haben. Dumme kleine Diebe. Fette kleine Diebe. Stehlen meinen Schatz.

Ich werde nun also mit Waffen- und SangSom-Gewalt geschützt. Solange ich dabei nicht sterbe, werde ich grinsend mein Los ertragen. (Wenn ich abgeschossen werde und dabei grinsend ertrage, kann es sein, dass ich auch nach meinem Tod seltsam verzerrt grinsen werde.)

Ich begab mich in meine geschützte durch diffuses Licht erhellte Hütte (irgendwie verbrauchen 10 erleuchtete Häuser mehr Strom – sie teilen aber, weshalb das Badlicht gleich gar nicht anging. (Ist ne Leuchtstoffröhre) Ist eine Reihenschaltung, oder? – die Diplomstrippenleger unter meinen Lesern (ich weiß, dass es euch gibt) können mir das sicher in den Kommentaren erklären) und rasierte mir den Bart ab.

17 Jun 2005

Soso. Man hört ja schon mal genauer hin, wenn in den Nachrichten von den umgebenden Ländern die Rede ist. Da war auch die Nachricht von der Geiselnahme in Kambodscha heute interessant. Ich dachte den ganzen Morgen “Nordwesten ist ok. Da komm ich im Urlaub eh nicht hin.” – Dummerweise aber doch. Eben las ich im Kleingedruckten, dass Angkor Wat im Nordwesten ist und Angkor Wat ist genau der Ort, der mein Interesse an Kambodscha wecken konnte. Die Geiselnehmer wollten nur 1000 Dollar. Seltsam. Naja. Wie auch immer. Fahr ich halt in eine Gegend, die ein bisschen unsicherer ist, als gedacht. Anderswo kann einem auch ein Baum auf den Kopf fallen.

PS: Wenn ich das nächste Mal in Bangkok bin, kauf ich erstmal eine Landkarte von der Gegend hier. Bisher war Kambodscha in meiner inneren Map nur oben rechts.

16 Jun 2005

Auf allgemeinen Wunsch ein aktuelles Photo von mir. Immer noch blaugraugrün.

PS: Bei genauerem Betrachten sehe ich da gerade, dass braun auch noch im Spiel ist.

15 Jun 2005
Nach einem Yai-Photo muss quasi zwingend ein Photo von etwas Essbarem kommen. Hier wäre es dann. Ich mag neuerdings komische Reiscracker. Sie sehen ein bisschen pelzig aus (keine Ahnung, laut Yai ist da Fleisch im Spiel), sind ziemlich würzig und teilweise an ca. 12 Kilogramm Gewichtsverlust schuld. Letzteres bringt mich in erreichbare Nähe eines zweistelligen Gewichtes. Nicht dass man das sähe (hängt alles in der Gegend rum). Ich bin schon am Überlegen, ob ich nicht mit Sport (Kickboxen?) anfangen sollte.
15 Jun 2005

Das ist Yai. Yai ist 34 Jahre alt, Isaan (als solche Thai), ziemlich klein und weiblich. Man sieht es zwar auf dem Photo, ich wollte es aber nebenbei nochmal bemerken.

Dass das Photo übrigens so weichgezeichnet ist liegt an meinem überaus alten Photoapparat und der Tatsache, dass das ein furchtbar eiliger Schnellschnappschuss war. Sie hat nämlich die eigenartige Eigenart, beim Bemerken von photographischen Attacken ein Photogesicht aufzusetzen. Nicht so ein einfaches normales, nein, ein richtig seltsames. Große runde Augen und ein Strichmund. Nene. Das war dann nicht sehr optimal für einen ersten Eindruck, weshalb ich in letzter Zeit öfters mal schockartige Schnellschüsse schoss und dabei dieses leicht drogenhaltige Ergebnis erzielte.

Jedenfalls arbeitet Yai im Pub, meinem Wohnzimmer.

Da ist übrigens auch das Photo entstanden. Im Hintergrund sieht man verschiedene Flaschen, einen Kühlschrank, den Popcorn-Automaten und den Strick von der Glocke die man nur läuten sollte, wenn man Jedem im Pub eine Runde ausgeben will.

Sie lacht gern, singt ständig (vor allem wenn ich sie mit dem Moped nach Hause fahre, ich weiss nicht genau, ob das eine Übersprunghandlung ist ;) thailändische Lieder und isst gerne seltsame Sachen.

Die Menschen aus dem Isaan sind dafür bekannt, dass sie aus kargen Böden immer noch was nettes finden, bspw. Würmer, Käfer und anderen Kram. Bei kleinen Echsen sagt sie besonders häufig “Aroy maak maak!” (sehr sehr lecker).

Viele haben mich in den vergangenen Wochen gefragt, ob wir uns denn überhaupt verständigen können. Können wir. Es gibt da ja die These, dass emotionelle Bindungen unterstützend auf die geistige Fähigkeit älterer Menschen Sprachen zu lernen wirken kann. In der Praxis sieht das so aus, dass sie Thai spricht, wenn ich sie nicht verstehe auf Thenglisch wechselt und dann, wenn ich sie immer noch nicht verstehe, ein allgemeines Wörterbuchkramen beginnt. Man benötigt so zwar für manche Gespräche die 5fache Zeit, kann das aber genießen. Und wenn sie zuviel und zu schnell Thai quatscht dann sag ich einfach ein paar Sätze auf Deutsch und sie lacht sich tot und spricht langsamer.

Thenglisch? Thenglisch ist die thailändische Art, Englisch zu sprechen. Dabei werden die Sätze wie im Thailändischen gebildet, die Worte aber durch die englischen Entsprechungen ersetzt. Thais nutzen keine Zeitformen. Thais verstehen meine Schachtelsätze nicht. Thais verstehen kleine nützliche Worte wie “yet, soon, too” nicht (was dann schon mal dafür sorgen kann, dass man zwei Stühle angedreht bekommt). Im schlimmsten Fall muss man sich die Bedeutung des Satzes aus dem Kontext herleiten. Beispiel: Kin Khaow. Kann heißen “Hast du heute schon gegessen?” oder “Willst du was essen?”.

Egal. Es geht. Gut sogar.

PS: Das ist übrigens keine Kontaktanzeige, denn Yai ist schon vergeben. An mich. Einen neuen Photoapparat bräuchte ich aber schon mal demnächst.

14 Jun 2005

Wer Samstag Nachmittag zufälligerweise in Bangkok ist, sollte mal im Texas Lone Star Saloon vorbeisehen, da gibt es nämlich kostenloses Futter. Wenn man denn Dean Barret beim Buchsignieren zusehen will. Wer das ist? Keine Ahnung, es geht wohl irgendwie um Sex. Und eine kurze Suchabfrage in der Datenbank – “SELECT `Posted`FROM `textpattern`WHERE `Body` LIKE “sex” ORDER BY `Posted` DESC LIMIT 0 , 1” brachte einen 1. Juni und das ist nun wirklich eine lange Zeit ohne dieses Thema.

Ach und nein, das heisst nicht, dass ich auch da sein werde.

10 Jun 2005

In Bangkok hat alles seine Ordnung!

Gut. Nachdem ich es geschafft hatte, meine Botschaftsgeschäfte abzuwickeln ohne dabei lächerlich auszusehen (“Wieso haben Sie denn keine bessere Kopie Ihres Reisepasses gemacht?”) standen wir um neun Uhr morgens wieder auf der Straße vor der Botschaft und berieten, was denn nun zu tun wäre. Beziehungsweise ich versuchte, ein Gespräch diesbezüglich anzugehen. Yai war eher nach einem Parkbankaufenthalt und so schritten wir denn die Straße entlang auf der Suche nach selbiger. Gefunden, gesetzt, Leute und Elefanten angekuckt und mich begaffen lassen.

Elefant mit Rüssel.

Ich meinte dann, dass ich mich nach den Erfahrungen des Sonntags nicht unerheblich wohler fühlen würde, wenn wir Tickets für die Heimreise hätten. Also entschieden wir uns, erst einmal Fahrkarten kaufen zu gehen. Gute Idee. Einziges Problem war, dass weder ich noch sie wusste, wo genau wir denn abgesetzt wurden bzw. wo wir hin müssten, um zurück nach Ko Samui zu kommen. Also mussten wir wohl oder übel wieder das Risiko der Befragung eines Taxifahrers eingehen. Das dritte Taxi verstand dann endlich unser Begehr und jagte wieder in todesmutigem Tempo durch den langsam anschwellenden Verkehr. Nach 30 Minuten extremsten Adrenalinausstoßes kamen wir auf einem Busbahnhof an, dessen Name mir schon wieder entfallen ist. (Ich mach mir schon ein wenig Sorgen, wenn ich bedenke, dass ich das nächste Mal alleine nach Bangkok muss.) Dort kauften wir in einem (ich würde es) Reisebüro (nennen) Tickets für die Rückfahrt. Das Reisebüro hatte nur Thaischrift an den Scheiben und Wänden und ich hatte auch nicht dass Gefühl, dass die Thai hinter dem Tisch des Englischen mächtig wäre (Ich mach mir schon ein wenig Sorgen, wenn ich bedenke, dass ich das nächste Mal alleine nach Bangkok muss.)

Es war Morgen, die Sonne schien, was also lag ferner als ein Frühstück? Ich sah mich schon vor dampfenden Kaffee, Crossaints und komischem Schmierzeug, das den Eindruck europäischer Küche erwecken wolle und folgte Yai zu einem großen Loch in einem Haus. Was wie eine weit offen stehende Garage aussah, war ein ähm Restaurant. Ich überlies meiner Reiseleitung die Zusammenstellung des Frühstücks – ein Fehler, denn es gab Rührei mit komischen grünen Fasern drinnen, eine überaus leckere aber absolut tödlich scharfe Paste unbekannten Inhaltes, Fleischstücken, die man in Europa vom Sonntagsbraten abschneiden und wegwerfen würde knusprig kross gebraten, überaus ekelhafte gekochte Eier, die in einer Zuckerlauge eingelegt halbwarm gegessen werden mussten und ziemlich grau aussahen, seltsame gallertartige Bröckchen, die mir als eingelegtes Rindfleisch vorgestellt wurden (wenn es Rindfleisch war, dann war es lange eingelegt), ebenfalls schreiend süss in Zuckerlauge schwimmend und irgendwas komisches, was leicht nach Fisch schmeckte. Da auch hier anscheinend noch nie ein Farang zu Gast war, wurde ich natürlich geauestens beobachtet und gezwungen, auch wirklich alles zu testen.

Da ich diese Zeilen schreibe, habe ich es überlebt. Das nächste Mal bestimme ich aber die Lokalität und was auf den Tisch kommt. Jedoch habe ich das unbestimmte dumpfe Gefühl, dass ich mit Yai niemals bei einem Italiener oder anderem europäischem Essen landen werde. Ganz zu schweigen von MacDoof und PizzaHut. Könnte von Vorteil sein.

Derartig gestärkt entschieden wir uns für Shopping. Zum Betrachten von Sehenswürdigkeiten gingen unsere Interessen dann wohl doch ein wenig auseinander. Wir bestiegen also wieder frohgemut ein Taxi, heizten im Affentempo quer durch Bangkok und ließen uns an einem Ort absetzen, wo man nach Aussagen von Yai wirklich gut Einkaufen gehen kann.

Fragt mich nicht, wo ich war – hier irgendwo um die Ecke.

Das Interessanteste war, dass in dem Kaufhaus auf 7 Etagen nahezu alles verkauft wurde, was man zum täglichen Leben gebrauchen konnte. Grösstenteils Klamotten. Es ist ja gar nicht zu fassen, wie ausdauernd so eine kleine Thai shoppen kann. Noch viel weniger zu fassen ist, wie voll das Kaufhaus war. Und absolut gar nicht zu fassen war, dass ich wieder der einzige Farang im Hause war. Könnte es sein, dass Farangs Bangkok gar nicht besuchen?

Nach 2 Stunden hatten wir das Kaufhaus abgearbeitet und gingen über die Straße in das nächste Kaufhaus. Dort gab es einen Foodcourt (yeah, Essen, lange nichts gegessen) wo wir uns ein paar frischgepresste Säfte gönnten und dem Volke beim Treiben zu sahen. Ich kaufte mir einen Rucksack (der geneigte Leser erinnert sich, man benötigte zum Abtransport meines Notebooks eine Verpackungsmöglichkeit) und betrachtete deprimiert Hosen, die zwar vom Schnitt her meinem Körper gewachsen gewesen wären, aber leider farblich sehr orange und pink.

Später spazierten wir über einen stark besuchten Markt. Ein lustiger Anblick, ein Meer aus Menschenköpfen und heraus sticht ein dicklicher Farang. (Ich war wie immer der einzige vor Ort).

Es wurde immer wärmer, stickiger, lauter und überlaufener, also entschieden wir uns, zurück zur Saftbar zu gehen und uns unseres Lebens zu freuen. Größtenteils durch durch das Führen von Gesprächen, was ja durch verschiedene Umgebungsbedingungen schon das fünffache der normalen Zeit benötigt.

Gegen fünf schlug ich dann vor, gen Busbahnhof zu streben. Zwar fuhr der Bus erst um sieben, aber die verbleibende Zeit kann man ja im Park verbringen. Dachte ich. Interessanterweise begannen just in diesem Augenblick alle Taxifahrer den Weg zum Busbahnhof nicht mehr zu kennen. Das könnte an einem kleinen Verkehrsproblem liegen, das Bangkok zwischen 17 und 19 Uhr häufiger hat.

Ein kleines Verkehrsproblem.

Ich machte mich schon damit vertraut, auch diesen Bus niemals besteigen zu können, als wir dann um sechs doch noch einen Taxifahrer fanden, der uns zum Busbahnhof brachte. Leider ging sein Taxameter nicht und wir mussten uns auf 400฿ einigen. Mit Taximeter wäre es ein Viertel gewesen. Auf der Fahrt erzählte Yai dem Taxi-Thai, was wir am Morgen alles gegessen hatten, woraufhin er mir bewundernde Blicke in den Rückspiegel warf und den Preis halbierte. Wir kamen fünf vor Sieben auf dem Bahnhof an, fanden den Bus eine Minute vor Sieben und fuhren dreissig Minuten nach Sieben los. Verspätung. Klar.

Jedenfalls war ich im Bus der einzige Farang, also kam ich in den Genuss eines schlechten thailändisch synchronisierten japanischen Filmes gefolgt von einer Karaoke-VCD.

Es gibt übrigens nur 5 thailändische Popsongs, die jeder Interpret in einer neuen Version interpretiert. Meistens geht es in den Songs um Männer, die ihre Frauen für andere Frauen verlassen, dann plötzlich feststellen, dass die neue Frau bereits einen Mann hat, auf Knien zurückgekrochen kommen und das Haus leer vorfinden, weil die erste Frau ihrerseits nun den Mann verlassen hat. Sehr komplizierter Stoff.

Der ganze Bus sang mit.

Gegen sechs Uhr Morgens kamen wir zur Fähre, halb acht hatte meine Insel mich wieder, halb neun war ich zu Hause, um neun lag ich im Bett (ich kann in Bussen auf thailändischen Straßen nicht schlafen, was eventuell an den vielen Schlaglöchern liegen könnte) und träumte von Taxirennen und schwabbeligem Rindfleisch. Arbeiten war ich an dem Tag auch noch.

Und nächste Woche muss ich wieder nach Krungthep. Diesmal allein. Dann werde ich mal ein paar Tempel ansehen. Wenn ich sie denn finde.

PS: Viel langweiliger Stoff für 14 Stunden Bangkok. Länger sollte man da aber auch nicht bleiben.

09 Jun 2005

Hab ich eigentlich schon erwähnt, dass ich neulich in Krungthep war? Hab ich? Ach ja. Stimmt ja. Gut, dann liefere ich schnell noch ein Nachtbild von unserem Straßenaufenthalt in Surrat Thani nach:

Wie Sie sehen ist es dunkel und Autos fahren in der Gegend rum. Eigentlich stand rechts von mir der Katoey, aber das ist dann doch eher Yai. Egal, weiter im Geschehen.

Wir waren also kurz vor fünf in Bangkok angekommen und entstiegen schlaftrunken auf irgendeiner Nebenstraße dem Reisebus, als wir auch schon umringt von Taxifahrern wurden und intensivst nach unserem Ziel in der Stadt gefragt wurden. Ich meinte, eigentlich müssen wir zur Sathanthut Tschörramann, aber die macht eh erst um neun auf, also können sie uns auch in Ruhe lassen, das hat noch Zeit. Das letzte haben sie nicht so richtig verstanden und so saßen wir nach wenigen Minuten in einem netten Taxi, dessen Taxameter einem Festpreis von 300฿ wich. Kein Problem, wir sind in der Großstadt, das wird schon hinhauen, dachte ich mir und los ging die Reise. Der Taxifahrer unterhielt sich ausführlichst mit Yai und den Satzfetzen die ich verstand, konnte ich entnehmen, dass sie ihm nicht nur meine Lebensgeschichte sondern auch gleich noch den Einbruch und meine Passgeschichte erzählte. Ich muss bei Gelegenheit mal rausfinden, ob sie zu vertrauensselig oder ob das normal in Thailand ist.

Der Taxifahrer jedenfalls gab uns viele Tipps für das Überleben in Bangkok mit auf den Weg (unter anderem, dass man Leuten, die einem vor Botschaften ihre Dienste anbieten, nicht unbedingt vertrauen sollte) und hätte uns am liebsten anderswo abgesetzt. Das wollten wir aber nicht, und so fanden wir uns nach einer irrwitzigen Fahrt durch leere Straßen vor der Botschaft wieder, wo wir prompt von netten Menschen angesprochen wurden, ob wir nicht etwas kopieren oder unsere Anträge mit ihrer Hilfe ausfüllen wollten. Dass ich das alles bereits vorbereitet hatte, war nur ein Grund, warum wir ihre Hilfe ablehnten.

Es war viertel Sechs und wir hatten noch zweidreiviertel Stunden bis zur Öffnung der Botschaft abzutöten. Das gelang uns unter anderem durch den Genuss heissen Kaffees aus 7eleven (ist es nicht schön, überall in Thailand ein bisschen Heimat vorzufinden?) und dem Sitzen an Bushaltestellen. Das war überaus interessant. Bangkok scheint morgens zwischen 6 und 8 ein Paradies für Schuluniformfetischisten zu sein. Interessant war auch, dass ich keinen einzigen Farang gesehen habe. Die Thais vermutlich auch nicht, so wie sie mich anstarrten.

Morgenverkehr im Botschaftsviertel 6:00 Uhr

Nach einer Weile wurde uns dann langweilig, die Uniformen der Schulmädchen waren nicht wirklich abwechslungsreich, also entschieden wir uns, etwas Nahrhaftes zu uns zu nehmen. Auf der Suche kamen wir an der Botschaft vorbei und siehe da, sie war bereits geöffnet. Man kann wohl ab 7:30 Uhr schon vorsprechen und Papiere ausfüllen, ab 8:30 Uhr dann ist “Schalteröffnungszeit”. Im Internet stand 9 Uhr. Nett. Aber da stand ja auch noch eine Faxnummer, die nicht mehr existierte. Jedenfalls war an Essen nun nicht mehr zu denken und wir gingen rein.

Die Botschaft wird derzeit renoviert, weshalb am Rand des Hauses auf einem ungefähr 1,5m breiten Weg eine Reihe Stühle aufgestellt war auf der jede Menge Thaifrauen mit ihren Farangs sich auf ihr “Visagespräch vorbereiteten. Scheint ja doch etwas schwerer zu sein, eine Thai einzuführen. Glücklicherweise musste ich mich nicht einreihen, sondern konnte gleich in die Botschaft hinein und meine Papiere abgeben. Im Warteraum saßen dann drei Verkörperungen aller Vorurteile zu Männern in Thailand. Ein alter Mann, mit seiner jungen Thaifrau, ein jügerer Bayer mit seiner Thaifrau und ein 34jähriger Skinhead ohne Thaifrau. Der jedoch redete die ganze Zeit mit überaus penetrantem Berliner Dialekt über seine drei Thaifrauen, die er in den letzten zwei Jahren hatte. Irgendwie sind alle gestorben. Und nun will er wieder nach Deutschland zurück weil Thailand ja so Scheisse ist. Ich habe die ganze Zeit überlegt, ob ich kurz erwähnen sollte, dass man in Deutschland keine Hakenkreuze am Hosenbein tragen darf, unterlies das aber aufgrund seines Unbelehrbarkeit schreienden Erscheinungsbildes. Die weiteren Gespräche drehten sich um Kindergeld, das man wohl nicht mehr bekommt, wenn man kein Sorgerecht für das Kind hat und dauerhaft in Thailand lebt (ein Missstand, wirklich!), die Rente, die man wohl nicht mehr bekommt, wenn man nicht Rentenversicherung in Deutschland zahlt und dass man, wenn man seine Thaifrau betrügen will, ein bisschen einfallsreicher sein sollte und man mit Drogen in der Hosentasche die Polizei nicht auf sich aufmerksam machen sollte. Ich hatte schon nicht Guten Morgen gesagt, als ich reinkam und entschied mich bereits nach drei Sätzen der Teilnehmer dieser Selbsthilfegruppe mich jeglicher Beteiligung zu enthalten.

Als dann Punkt acht Uhr die amerikanische Botschaft nebenan ihre Nationalhymne in den morgendlichen Krungtheper Himmel schmettern ließ und Fahnen aufzog fühlte ich mich vollends wohl. Wie auch immer, irgendwann gingen die Rollläden an den Schaltern hoch, ich wurde auch bald aufgerufen und durfte meinen neuen Pass bestellen. Ähm, den neuen Pass und einen vorläufigen. Weil mein Visum vor dem Erhalt des neuen Passes abläuft. Da ich noch in Deutschland gemeldet bin, durfte ich gleich mal das Doppelte blechen. Und ich darf schon nächste Woche wieder vorsprechen und den vorläufigen Pass abholen. Fein. Ich reise ja so gerne nach Krungthep. Ein paar Unterschriften hinhauen, schnell vorbei an den Visafrauen und nichts wie raus aus der Botschaft.

Es war 9:00 Uhr und ich hatte alles erledigt, was ich erledigen wollte. Also auf zum Sightseeing und Shoppen. Oder so. Aber das erzähl ich morgen. Die Erinnerung an den Nazi und die Amis verhindert gerade ein wenig meinen Schreibfluss.

08 Jun 2005

Ok. Ich war also in Bangkok. Nur um diejenigen meiner Leser die beim Bemerken neuer Einträge mit einem “Oh, das sind aber wieder viele Worte” reagieren gleich zu Beginn abzuspeisen: Bangkok ist eine schreckliche Stadt. Schmutzig. Die Amis sind bescheuert. Ko Samui ist 5mal so teuer wie Bangkok. Ich kann in Bussen nicht schlafen. Und: Meine Freundin taucht in einigen Nebensätzen auf. Vielleicht sollte man doch alles lesen. Wenn nicht – mindestens drei Bangkok-Einträge werden es werden. Und nächste Woche fahr ich schon wieder dahin.

Ich hatte ja bereits erwähnt, dass Projekt Passebohrt mich nach Krungthep Mahanakhon, oder wie wir weniger faulen Vollständigkeitsfanatiker zu sagen pflegen Krungthep Mahanakhon Bovorn Ratanakosin Mahintharayutthaya Mahadilokpop Noparatratchathani Burirom Udomratchanivet Mahasathan Amornpiman Avatarnsathit Sakkathattiyavisnukarmprasit führen würde. Nun hatte ich Yai (ja, genau, kleine Thai) neulich gefragt, ob sie nicht mitkommen wölle (zum einen hat es den Vorteil, dass manche Thais einen Farang in Thai-Begleitung weniger intensiv abgreifen als einzelgehende Farangs, zum anderen wäre es eine geeignete Unterhaltung gewesen, denn die Fahrt mit dem Bus dauert ca. 14 Stunden. Die Antwort lautete immer “Nonooooh, must work haard tuuh matsch” oder ähnlich. Samstag Nacht nun sprach es hinter mir auf dem Weg nach Hause und dem Motobike plötzlich “Tirak, I come with you to Krungthep”. Ich möchte nocheinmal betonen, dass es ungünstig ist, auf Sand scharf zu bremsen. Nach einigen Nachfragen erkärte sie mir dann höchst charmant und in nicht wiederzugebenden Worten, dass sie der Meinung wäre, ich würde erhebliche Orientierungsprobleme haben und mein gutes Herz würde mich nur in komplizierte Situationen führen. Oder so. Ich brings also alleine nicht.

Wir haben dann Sonntag Morgen beim Bus-Ticket-Service angerufen und tatsächlich noch eine Fahrkarte bekommen. Einzige Bedingung: Die Karte muss bis 12 Uhr abgeholt werden. Abfahrt war also für 11:30 augemacht. Punkt 11:25 begann es zu regnen. Nicht ein bisschen sondern sehr. Ich bekam ein “No need to go, we can go later” zu hören und auf mein Bemerkung “noon” heiße Mittag ein “I am Thai, I speak with she, she gives me Ticket, trust me”. (Ahnt ihr, worauf es hinausläuft?) Es regnete weiter und irgendwann mussten wir dann wirklich nach Nathon, weil um 16:30 Uhr der Bus gehen sollte und man 1h vorher einchecken sollte (klar, dumme Farangs, kommen eh zu spät). Wir kamen im Regen bis Chaweng, dann war die Straße überflutet. Also schnell das Moped wegpacken (nass waren wir eh schon) und ein Pritschentaxi suchen. Die Überschwemmungen wurden in Maenam stärker, war schon gut so. Gegen 15 Uhr waren wir dann endlich in Nathon. Dort am Schalter sprach Yai eine Weile auf die Schalter-Thai ein und kam dann mit einem ziemlich bedröpseltem Gesicht zurück.

Tja. Genau. Das Ticket war weg. Ich bin ja eher froher Natur und so fand ich das anfangs noch recht lustig. Wir haben dann noch versucht auf einen Bus ohne VIP umzubuchen, das ging aber nicht. Die Optionen standen also auf alleine fahren. Inzwischen hatte sich aber schon einer der überall in Thailand heimischen Moped-Taxifahrer die Sache angesehen und bot uns an, uns zu einem anderen Anbieter zu bringen, der noch Plätze frei hatte. Ich war schon beim Lachen, also lachte ich weiter. Taxifahrer verdienen ja kräftig an derartigen Tipps. Wir entschieden uns aber, das mal anzutesten, Zeit hatten wir ja. Erwähnte ich schon, dass es ein Mopedtaxi war? Ja? Gut. Der Taxifahrer sass (aus technischen Gründen) vorne, ich hinten und zwischendrin Yai. Die Dreiertaxifahrt hab ich also auch schon hinter mich gebracht. Mehr dürften es dann aber auch wirklich nicht sein.

Beim nächten Busstand hatten sie natürlich noch Plätze übrig. Also gaben wir dem Taxifahrer 60 Baht (viel zu viel) und mein Ticket, was die V.I.P.Leute nicht zurücknehmen wollten und er zog von dannen. (Genauer gesagt, er ließ sich das Ticket geben, weil er mal kucken wollte, ob wir wirklich nach Krungthep wollten und gab es nicht zurück.) Als ich später Yai gegenüber bemerkte, dass der Taxifahrer mit dem Ticket vermutlich seinen Wochenlohn eingefahren haben wird meinte sie, das wäre gut für mich, denn ich habe eine gute Tat begangen und müsste dafuer nicht in den Tempel. Derartig beruhigt bestieg ich hinter ihr den fensterscheibenlosen mit mich anstarrenden Thais gefüllten klapprigen Bus und fuhr alsbald Krungthep entgegen.

Zumindest dachte ich das. Irgendwann aber wurden wir in Surrat Thani auf offener Straße aus dem Bus geschickt – wir sollten dort warten, man komme uns abholen. Wir, das waren Yai, Ich und ein Thai, der sich nicht sicher war, ob er denn männlich oder weiblich sei. Kay. Bis auf die fehlenden Augenbrauen, eine leicht affektierte Körperhaltung, einem Zöpfchen und der hormonbehandelt hohen Stimme sah sie (Kay) eigentlich ganz männlich aus. Nach einigen Versuchen, ein Gespräch in Gang zu bringen (sie (Kay) wusste nicht, ob sein (Kay) Englisch gut genug wäre) unterhielten wir uns dann aber gut. Es (Kay) arbeitet in Chaweng in der Transvestitenshow (ob ich mich denn nicht erinnern würde – tat ich nicht, was größtenteils daran liegen könnte, dass ich da nie war) und war auf Reise nach Krungthep.

Nun ja. Pro Minute kamen zwei Motor-TukTuks die wir abwimmeln durften. Wir standen lange. Es gibt anscheinend viele Motor-TukTuks in Surrat Thani. Und anscheinend keine Farangs. Denn wieder kam der Verkehr fast zum Erlahmen, weil jeder mich unbedingt sehen wollte. Nach einer Weile taten mir alle Gesichtsmuskeln weh vom ständigen Grinsen. Wir wurden immer noch nicht abgeholt. Also riefen wir mal beim Reiseveranstalter (muahahaha) an, der feststellte, dass er uns vergessen hat. Nach einer Minute rief er zurück und sagte, wir würden nun geholt. Nach weiteren 5 Minuten rief jemand an, der sagte, er würde uns nun abholen. Nach weiteren 5 Minuten kam der Busfahrer von vorher mit seinem Moped vorbei und fragte uns, warum wir noch hier rumstehen würden, der Bus nach Krungthep führe in 10 Minuten. Es wurden hektische Telefonate geführt und man sagte uns, wir sollen doch besser mal auf der anderen Straßenseite (6 spurig, voll befahren) warten, dann kommen wir schneller hin. Nach weiteren 5 Minuten waren wir drüben. Wieder rief jemand an und sagte, er würde jetzt gleich da sein und wo wir überhaupt wären. Beim nächsten Anruf meinte ich dann, ob es denn so kompliziert wäre, zum Bus zu kommen, wir könnten ja doch auch ein TukTuk nehmen. Panische Gesichtsausdrücke bei allen beteiligten Thais. Die Stimme im Phone meinte, das wäre ok, ich solle das Telefon dem TukTuk-Fahrer geben. Gesagt getan. Der Taxifahrer bekam erklärt, wohin er musste und wir saßen im MotoTukTuk. Als der dann anfuhr, bekam ich meine Erklärung für die vorhergehenden Gesichtsausdrücke. Aber man sollte das mal selber erleben ;]=

Letzten Endes fuhr das TukTuk in eine Gegend, in der immer weniger Licht brannte und wurde immer schneller. Ich hatte schon Szenarien vor Augen die mich um meiner Barschaften erleichtert irgendwo im Südosten Thailands im Reisfeld aufwachen ließen. Plötzlich aber standen wir vor einem Bus. Gefüllt mit Farangs. Man entschuldigte sich tausend Mal, zahlte den TukTuk-Fahrer aus und wir bestiegen unser Reisedomizil. Plüsch! Roter Plüsch. Häkelgardinen. To Wong Foo lässt grüßen. Kay war glücklich. Nichtsdestotrotz war der Bus gemütlich. Und uns war versichert worden, wir würden in Krungthep Mahanakhon ankommen. Was auch der Fall war. Dreiviertel Fünf standen wir in Bangkok auf einer Straße, die aussah wie eine Nebenstraße in Chemnitz (viele Straßen in Bangkok sehen aus wie Chemnitzer Nebenstraßen). Keine Golddächer, keine TukTuks, kein Straßenlärm. Einfach nur eine leere halogenbeleuchtete Straße.

So. Und wenn ich jetzt weiterschreiben würde, müsste ich zugeben müssen, dass ich die Digicam im Haus gelassen habe. Und Bilder nachliefern ist ja langweilig. Also müsst ihr mit dem Wissen leben, dass ich anscheinend wieder heil zurück gekommen bin.

Mehr gibts morgen.

PS: Ich finde es ja eigentlich blöd, dass Yai so einfach in den Nebensätzen auftaucht, als relativ konstanter Bestandteil meiner zuküftigen Einträge hätte sie ja einen Einführungseintrag verdient. Da sie aber plötzlich doch mitkommen wollte, hat sie mich ein bisschen überrumpelt. Naja. Die Vorstellung kommt noch.

04 Jun 2005

Regelmäßige Leser dieser Publikation wissen, dass mir vergangene Woche Pass auf unfreiwillige Art und Weise abhanden gekommen ist. Ich mochte Pass. Er war weinrot, hatte Papier und Plastik in sich und war recht neu. Nicht einmal ein Jahr alt. Nun wird er wahrscheinlich im Reisegepäck irgendeines Betrügers schlummern und darauf warten, dass an irgendeinem Immigrationsschalter der Computer irgendwelche rote Zeichen ausspuckt, wenn das Individuum versucht, sich Zugang zu einem Verfassungen ratifizierenden oder einen nicht ratifizierenden EU-Mitgliedstaat zu erschleichen.

Jedenfalls entschloss ich mich nach der amtlichen Trauerzeit von 5 Tagen, dass es nützlich wäre, einen neuen Pass zu bekommen, ehe die Dinger mit Chips ausgestattet werden. Meinen chiplosen Pass darf ich dann in seiner gesamten Gültigkeitszeit behalten und was in 10 Jahren ist, das weiß man heute noch nicht. Vielleicht brauch ich dann ja keinen deutschen Pass mehr.

Was ich eigentlich erzählen wollte: Ich fahre am Sonntag nach Bangkok. Krungthep Mahanakhon – die Stadt der Engel. Wobei ich noch überlege, wo im Theravada-Buddhismus Platz für Engel ist.

Ich fuhr also heute morgen mal nach Ban Nathon, einerseits auf der Suche nach dem Immigration-Office, das mir angeblich helfen sollte, mein Visum auf die eine oder andere Art und Weise nachgewiesen zu bekommen und andererseits auf der Suche nach Bussen, die nach Bangkok fahren. In den Reisebüros bekommt man das immer völlig überteuert angedreht.

Das Immigration-Office habe ich nicht gefunden. Interessanterweise wusste auch niemand in Nathon, dass es eines geben solle. Feinfein, steht also noch eine Reise nach Surrat Thani an. Dafür habe ich eine Fahrkarte nach Bangkok gekauft. Eigentlich wollte ich eine 1. Klasse-Aircondition-Fahrkarte, man sagte mir aber lächelnd, dass da kein Platz mehr frei sei und ich doch mit dem 350฿ teureren V.I.P.Bus fahren soll. Nagut. Ich habe mich also über den Tisch ziehen lassen (dicke Farangs die ihren eigenen Dolmetscher mitbringen haben doch immer Geld), meinen Namen auf der V.I.P.Liste eingetragen (gleich unter der Liste für die erste Klasse, in der noch 50% der Plätze frei waren) und lustige Monopoly-Fahrkarten bekommen (siehe Photo). Für gut 850฿ bekommt man je eine 500-, 200-, 20- und 5-Baht-Fahrkarte, einen Food & Beverage Coupon (bin gespannt, was man mir dann andrehen wird – beim Visarun gabs schlabbriges Weissbrot) und die Karten für die Fähre.

Am Sonntag gegen 16:30 Uhr wird mein V.I.P.-Bus mich dann gen Krungthep Mahanakhon führen, wo ich evtl. gegen 4 Uhr früh ankomme. Zeit genug, um das Nachtleben zu genießen bis die Botschaft aufmacht. Da ich immer noch in Deutschland gemeldet bin, darf ich dann gleich mal 69 statt 29 Euro abdrücken, weil die Botschaft natürlich nachprüfen muss, ob ich wirklich existiere. Die Beantwortung dieser eher metaphysischen Frage ist ebenso relativ wie diese Geldbeträge. Ich sage nur Schroedinger. Naja.

Mal sehen, wieviel Zeit ich für Sightseeing und solchen Kram habe, denn gegen 20 Uhr am Montag dürfte mein Bus schon wieder zurückfahren. Wobei es naürlich auch sein kann, dass ich den verpasse oder keinen Platz bekomme. Was schade wäre. Denn wer will schon in Bangkok ein Zimmer mieten, das Nachtleben infiltrieren und Shoppen gehen. Ich sicher nicht.

Ich werde berichten.

02 Jun 2005

Wenn im Pub keine neue Playliste angespielt wird und das Eis in den Gläsern von Alkohol unbenetzt schmilzt, weil alle gebannt dem Flimmern des Fernsehers zugewandt starr und unbeweglich verharren, dann – ja dann ist mal wieder Miss-Universe-Wahl. Vorgestern Nacht hat man in Bangkok kräftig gewählt. Leider besteht das Universum nur aus unserem grünblauen an den Polen abgeflachten Planeten, der gekippt seinem Verderben entgegentrudelt.

Der Spiegel meinte übrigens, den folgenden Teaser bringen zu müssen:

Fünf Monate nach der verheerenden Flutwelle will Thailand der Welt beweisen, dass es aus der Katastrophe gelernt hat. über 80 Kandidatinnen reisten jetzt zur Miss Universe-Wahl an – und halfen nach Kräften, das Gastgeberland im besten Licht zu zeigen.

Ich hätte ja noch Sextourismus, Wats, Open Source und billige Schönheitsoperationen erwähnt. Mehr Schlagworte gibts zu Thailand nicht.

In der letzten Woche war die “alte” Miss Universe auf der Insel und wurde an jeder halbwegs gefährlichen Kurve mit großen über die Straßen gespannten Bannern begrüßt. Die anderen Möchtegern-Missen besuchten derweil kaputte Strände und waren überaus betroffen.

Interessanterweise gab es recht wenig Blondinen. Ich bin ja jetzt in Frauen- und Schönheitsfragen nicht so der Fachmann, aber seit wann sind die denn out? Überhaupt fand ich keine der Frauen irgendwie ansprechend. Steckt da ein mathematisches Prinzip dahinter? “Geschritten” sind auch die Wenigsten. Es sah meist aus wie Probeaufnahmen für irgendwelche, ähm, Schmuddelfilmchen. Leider ist niemand auf irgendwelche Säume getreten und gestürzt. Es war eine mehr oder weniger langweilige Veranstaltung. Bis eben auf die sabbernden Männer vor der Glotze. Die Farangs kamen immer bei den brünetten ins Schwitzen und die Thais bei den Blondinen. Witzig war einer der Moderatoren, der aufgrund seiner thaiüblichen Statur mehr als einmal zu den Frauen aufschauen musste.

die dings.Natalie Glebova, die Gewinnerin, hat übriges nur gewonnen, weil sie, wie schon vor Tagen von mir empfohlen, ständig in der Gegend rumgewait hat. Ansonsten war ihr überaus fröhlicher Gesichtsausdruck etwas wächsern. Außerdem war das ziemlich seltsam, weil sie irgendwie vor kommen sollte und dann unvermittelt und ohne Vorankündigung eine Krone aufhatte. Sehr spontan. Allerdings könnte es auch sein, dass das an der thaisprachigen Moderation lag, die ich nur verstand, wenn “suey” (beautiful) vorkam.

PS: Nur am Rande bemerkt, es gibt noch viel mehr Schönheitswahlen im Lande. Da wäre bspw. die Miss Jumbo, Thanchanok Mekkeaw, die Miss Thailand, die dieses Jahr noch stattfindet (herausragendstes Merkmal: man muss keine Frau sein, um teilnehmen zu können) und die Miss Lady Wahl, zu der ich seltsamerweise keinen Link finde. Könnte daran liegen, dass der Name das einzige daran ist, was weiblich ist.

©2004-2011 Patrick Kollitsch
Auf Textpattern geschmiedet.