Samui? Samui! Geschichten von der Insel*

Das Archiv - September 2005

2005

28 Sep 2005

Zitat des Tages: “You know! This is against the law. So it took long time because she is afraid. But she know my sister.” – Mal so völlig aus dem Zusammenhang gerissen. Lustig trotzdem.

28 Sep 2005

Der ehemalige Kardinal Ratzinger trifft sich derzeit erstaunlich häufig mit Kritikern der katholischen Kirche. Die Medien freuen sich und schreiben von Reformen, die sie erwarten und kleinere Kritikergruppen beschweren sich, dass sie nicht eingeladen werden. Naja. Könnte man auch anders interpretieren. Packen wir ein bisschen Sun Tzu und Macciavelli dazu klingt es dann so: Kenne deine Gegner. Lerne ihre Schwächen kennen. Wähne sie in Sicherheit. Halte sie in deiner Nähe. Könnte mir glatt sympathisch werden. Der Papst.

28 Sep 2005

And dont forget, i’ll be watching you, And the meaning of your motives will come shining through,

Is it a warning, is it an evil sign, is it a people, who had lost their mind, is it the darkness, is it a man resigned, is it a best friend leaving you behind

And don’t forget that i’ll be watching you, and the meaning of your motives will come shinning through…

Is it a warning, is it an evil sign, is it a people, who had lost their mind, is it the darkness, is it a man resigned, is it a best friend leaving you behind, is it a good thing, is it a gifting kind, is it a profit with a one track mind, is it the finish, is it a fearful find, is it the centre as your brain unwinds…

Don’t go where you been before, dont go sleeping on the floor, dont go down on dirty whores, dont lose your self

is it evil, is it gunna make u sick, is now a time that you realise that you betta get out quick, is it hunger is it making you feel pain, did u give u all, cuz ur only small and now your bodys drained, is it ever gunna stop, will they ever let u go, you’re in a rush, they dont care enough, and theyre thinking very slow, time is ticking on, we dont get a second shot and in 60 years,we gotta face our fears, and show the cards we’ve got…

Don’t go where you been before, dont go sleeping on the floor, dont go down on dirty whores, dont lose your self

28 Sep 2005

Heute haben wir nach langer, ähm, Bestellzeit endlich ein paar Tische bekommen um sowas wie Arbeitsplätze aufzubauen und nicht den ganzen Schreibtisch mit Computer voll stehen zu haben. I am very confident that the boss will also get us the massage-coworker we are requesting as often as we requested the tables. Der reelle Systemanalytiker gegenüber hat gleich aus allen möglichen Ecken des Büros Kisten mit Kram herangeschafft und messie-mäßig die Liegefläche bepflastert. Ich hab ein wenig Raum geschaffen. Zum Atmen. Für Kram hab ich meinen Rolli. Ausserdem hab ich meinen Arbeitsplatz wieder an einen besseren Beobachtungspunkt gestellt. Man ist ja immer noch Single.

Die Pflanze kam übrigens auch heute und wurde Gerhardt getauft – eine Reminiszenz an den scheidenden von mir damals gewählten Kanzler.

Beachten Sie bitte die schäbige Qualität des Bildes. Meine Kamera wird wohl demnächst unweigerlich medienwirksam zerstört werden. Vorher muss ne neue her. Und ein Mobile mit Thaibuchstaben für SMSe. Und verschiedener anderer Kram. Wird ein teures Jahresende.

27 Sep 2005

Neulich dachte ich mir, es wäre ja mal ganz nett, meiner Mutter irgendwann zum 50/50-Geburtstag zu gratulieren. Das ist der Geburtstag, wo man doppelt so alt wie sein Kind ist und einer der Geburtstage, die man neben den 1000ern wirklich feiern sollte, nicht diesen jährlichen Kram. Gestern dann hab ich mich daran gemacht, das Datum auszurechnen. Dumme Sache. Der war letztes Jahr im April. Irgendwie sind wir alle ziemlich alt.

27 Sep 2005

In der Krisenregion im Süden Thailands gab es erneut eine Schießerei mit Toten in einem Teeladen. Der Angriff war dem Angriff ähnlich, in dessen Folge in der vergangenen Woche zwei Soldaten der thailändischen Armee in einer Moschee gefangen gehalten und zu Tode gefoltert wurden.

Nebenbemerkung: Ich hatte bereits vor meinem Flug hierher von vereinzelten Bombenanschlägen und Unruhen im Süden gehört. Inzwischen kommt es mir aber vor, als ob die Anschläge sich häufen. Andererseits kann es auch sein, dass die Berichterstattung über die Vorfälle ausführlicher werden, weil die Nachbarstaaten, speziell Malaysia, beginnen, über Hilfe im Konflikt nachzudenken.

Nebenbemerkung 2: Und hier im Blog gibts jetzt eine neue Kategorie “Thailand in den News” – natürlich nur, damit man mich in den vielen Blogranking-Wettbewerben und Preisverleihungen als Newsblog listen kann.

26 Sep 2005

Und so pflegen Buddhatage bei uns zu Ende zu gehen. Mit Regen. Grad noch chatte ich mit jemandem in Khon Kaen der mir sagt, es würde dort regnen und prahle mit Sonnenschein und 10 Minuten später war es geschehen. Jetzt kann ich wenigstens sagen, dass ich nicht nach Hause kann, weil es so sehr regnet.

25 Sep 2005

Big Buddha 2005/09/25

Buddhatag. Ich muss mir langsam mal merken, dass die einzig gute Zeit für Big Buddha vor 9 Uhr liegt. Danach kommen die Touristen. Heute sprach der ganze Tempel Deutsch. Fürchterlich. Zwei Sachsen: “Also hier zieh ich meine Schuhe nich aus, nur wenn es Schatten gibt.” Zwei Omas sahen mich mit Geldstücken Glocken anschlagen und haben es nachgeäfft. Wirklich nachgeäfft, mit Kichern und ziemlich unaltem Verhalten. Und dann die komische Frau, die sich hinkniete vor einen der unteren Buddhas, die Hände nach Dürer faltete (sollte wohl ein Wai sein) und dann dümmlich seitlich in die Kamera grinste.

Naja. Und der große Buddha bekommt irgendein seltsames Gebilde hinter den Rücken gebaut.

Nichts destotrotz bin ich meine drei Wünsche losgeworden und bin sicher, dass zumindest zwei erfüllt werden. Der dritte wird dann quasi der Gottesbeweis.

Mehr Bilder bei Flickr. (Mist, ich glaub, ich brauch wirklich einen Professional Account. Das Limit ist fast verbraucht von den paar Bildchen)

25 Sep 2005

Also es gibt ja hin und wieder Leute die sich bei mir melden und sagen, dass die Thaibuchstaben auf diesen Seiten nicht angezeigt werden. Das kann schon sein, besonders auf europäischen Windows-XP-Rechnern (wer ältere Windowsversionen verwendet, sollte sich mal Gedanken machen ob er sich nicht Gedanken machen sollte). Laut diesem Forumseintrag hier soll es aber sehr einfach sein, Thaischriften nachzuinstallieren. Teste das mal einer. Dass die Buchstaben im Firefox unter Mac (und im Thunderbird) nicht dargestellt werden dürfte ein anderes Problem sein.

Ansonsten sind mir andere Browser als der Firefox ziemlich egal, auch wenn sie neuerdings kostenlos zu haben sind und der Firefox sich langsam zum Internet Explorer mausert.

24 Sep 2005

Eben bin ich aus Versehen auf den Auslöser meiner kleinen hässlichen Kamera gekommen. Dabei entstand dieses Photo:

Ich eben Nr. 1

Dazu gibt es ja einiges zu sagen. Fangen wir mal an:

1. Das T-Shirt ist eines von drei Kleidungsstücken, die ich noch aus Deutschland habe. Der Rest ist einheimische Produktion. Ich habe das schon vor längeren festgestellt. Die drei Kleidungsstücke habe ich auch nur noch wegen der dahinterstehenden nostalgischen Gründe.

2. Alle fragen mich immer, ob ich in Lübeck studiert habe. Nein. Hab ich nicht. Man muss nicht bei Nike arbeiten um Nike auf dem T-Shirt stehen zu haben.

3. Falls ihr mal ein Fenster zur Verfügung habt, seht kurz hinaus und dann auf das, was ich sehe, wenn ich aus dem Fenster sehe. (Das im Hintergrund ist das Fenster.)

4. Meine Haare sind dann ja doch ziemlich lang. Ich bin am Überlegen, ob man da nicht mal mit scharfen Haarkürzern (preferable female) ran sollte. Am Dienstag hat man mich sogar gefragt, ob ich nicht in einem Film, den irgendein Hollywoodstudio zur Zeit in Surrat Thani dreht mitspielen will. Gibt wohl Geld und man muss einen Piraten spielen und sie suchen noch langhaarige Kaukasier dafür. Das trifft wohl auf mich zu. Nichtsdestotrotz werde ich nie in einem von Hollywood finanzierten Film mitspielen. Aus Prinzipgründen. Da kann mich auch eine eigene Seite bei imdb.com nicht locken.

5. Ich lächle. Dieses Lächeln sieht sogar ganz gut aus, finde ich. Lächeln ist wichtig in Thailand. Lächelt man nicht, kann es schon mal passieren, dass man gefragt wird, was denn nicht stimmt. Allerdings ist dieses Lächeln falsch. Aufgesetzt. Aber auch das kann ich inzwischen.

6. Die Geheimratsecken sind tiefer. Die Stirn bekommt Falten. Es geht bergab. Man macht sich so seine Gedanken. Dazu mehr später.

24 Sep 2005

Eben klopft es im Chefbüro an die Tür. Unsereins ist ja freundlich und kuck nach, wer da was Samstags von einer Farang-Firma will. Vor der Tür steht ein kleiner Thai, der mich mit einem Schwall wohlgemeinter Worte überflutet. Ich sage “Phom Mai Kautschai” (Ich versteh dich nicht). Er lacht, freut sich und sagt wieder irgendwas mit den selben Worten und einigen Erweiterungen. Nun hält er mir einen Zettel entgegen. Ich glaube verstehen zu können, dass er jemanden sucht. Also kuck ich mir den Zettel an – nur Thaibuchstaben. So langsam rächt es sich, dass wir nur Verstehen und Sprechen aber nicht Lesen und Schreiben lernen. Ich erkläre ihm also, dass ich des Thailesens nicht mächtig bin (“Phom mai samaat aan Thai”) und er soll doch mal zu den Anwälten gehen, die kleine Sekretärin ist heute da und versteht ihn sicher. Er kuckt zum Anwaltsbüro, zu mir, zum Anwaltsbüro, sieht mich sehr sehr ungläubig an und geht wieder.

Hmm. Das nächste Mal muss ich diese Dialoge mal aufnehmen. Ich habe das dumpfe Gefühl ich hab was Falsches gesagt.

Mai (in meinem “Ich versteh dich nicht”) kann übrigens je nach Betonung nein, Holz, Seide, neu und brennen heissen. Jetzt frag ich mich natürlich ob “Ich verstehe Holz” sowas wie “Ich versteh nur Bahnhof” heisst, was ja durchaus einen Thai dazu veranlassen könnte einen Schwall Worte ausführlicher nochmal zu wiederholen. Was ich ihm gesagt habe als ich darauf hinwies kein Thai lesen zu können möchte ich gar nicht wissen.

Merke: Sage einem Thai nie auf Thai dass du ihn nicht verstehst. Das versteht er nicht.

23 Sep 2005

“Two Thai soldiers, who had been held hostage in a mosque in southern Thailand (Tanyong Limo village, in Thailand’s disturbed Narathiwat province), were beaten to death 18 hours after they were seized, an army officer said. As some 2,000 anger villagers prevented authorities from entering the mosque, the two were stabbed in their stomachs and badly beaten about their heads.”

Photos (manche explizit, oben auf “Event” klicken (auch ein bisschen zynisch die Wortwahl))

Mir fehlen die Worte. Manchmal liest man in der Bangkok-Post, dass viele Moslems den Süden Thailands verlassen und nach Malaysia auswandern. Es gibt immer mehrere Wege, ein Problem zu lösen. Diese beiden sind falsch. Wenn es Tote aus religiösen Gründen gibt, dann stimmt was mit den Religionen nicht.

23 Sep 2005

Die Thais lieben Geistergeschichten.

Phii Am ist ein Geist der in der Regel nur Nachts zum Vorschein kommt, sich dann den Leuten auf die Brust setzt und Alpträume und unruhigen Schlaf verursachen. Diesen “Vorgang” nennt man dann Thuuk Am – von einem bösen Geist im Schlaf bedrückt zu sein.

23 Sep 2005

Gestern sprach mich der Anwalt von gegenüber auf der Toilette an, ob ich ihm nicht mal was erklären könne. Klar konnte ich das. Auch wenn ich nicht unbedingt darauf stehe beim Urinieren angequatscht zu werden. Man ist da manchmal eigen. Andere rauchen, manche singen, einige rezitieren Benn, ich schweige. Er suchte nach Worten und meinte dann, ich solle mal mit in sein Office kommen, es ist besser wenn er es mir zeigt. Es. Soso.

Ich hatte jedenfalls nichts dagegen mitzukommen, denn er verfügt da über ein Paar Sekretärinnen die man sich gerne mal von Nahem betrachtet. Dummerweise gingen wir in sein Büro in der Ecke und nicht in das mit den Sekretärinnen. Dort zeigte er mir stolz ein XP-Notebook an das ein WLAN-Accesspoint mit Kabel angeschlossen war und meinte dann, er will ja gerne auf den Rechner seiner Sekretärin zugreifen, wie das geht, im Explorer findet er den Rechner nicht.

Ich will jetzt nicht auf die vielen Details eingehen, die ich ihm erzählt habe, es war aber schon lustig, wie schwer es war, ihm verständlich zu machen, dass ein Rechner den man erreichen will an ein Netzwerk angeschlossen sein muss und WLAN nicht heisst, dass man damit an jeden Rechner in Reichweite rankommt ohne Kabel sondern ohne Kabel an das Netzwerk. Ich konnte ihn auch davon abbringen für jeden Rechner einen Accesspoint zu kaufen. Und vermutlich klappt das auch inzwischen alles, denn er hat nicht nochmal nachgefragt. Meine ausschweifenden Ausführungen zu Security und Sicherheitsschlüssel wurden auch erhört – wie wir eben nachgeprüft haben ist kein offenes WLAN im Haus erreichbar.

Wenn man es erstmal verstanden hat ist WLAN mit Windows XP ganz einfach.

22 Sep 2005

Darf ich mal was sagen? Ja? Gut. Also: Ich mag Thailand. So ziemlich alles ist einfacher als in Deutschland. Manche Dinge sind schwerer. Allerdings sind diese Dinge von geringer Wichtigkeit. Weshalb im Großen und Ganzen alles einfacher ist.

Und der Rest ergibt sich dann sicherlich auch irgendwann.

Amen.

21 Sep 2005

Jaja. Schon gut. Hier ist er ja.

Bangkok, Krungthep Mahanakhon Bovorn Ratanakosin Mahintharayutthaya Mahadilokpop Noparatratchathani Burirom Udomratchanivet Mahasathan Amornpiman Avatarnsathit Sakkathattiyavisnukarmprasit, Stadt der Engel, große Stadt und Wohnsitz des Smaragdbuddhas, uneinnehmbare Stadt des Gottes Indra, große Hauptstadt der Welt, geschmückt mit neun wertvollen Edelsteinen, reich an gewaltigen kö?niglichen Palästen die dem himmlischen Heim des wiedergeborenen Gottes gleichen, Stadt, die von Indra geschenkt und von Vishnukarm gebaut wurde. Man kann es nicht oft genug sagen, allein schon wegen der Suchmaschinenpositionierung.

Ich war mal wieder da (ja, es geht immer noch um Bangkok). Ich begann meine Reise mit einem “Bai tii Nathon” auf der Insel zum Songtheaw-Fahrer und beendete sie mit einem “Sawadee Krap” zum thai-japanischen Pärchen im Songtheaw zurück auf der Insel. Zwischendurch war ich einige Male gezwungen englische Laute von mir zu geben, meistens aber nur, um das, was ich auf Thai sagte zu verifizieren. Ansonsten versuchte ich mich mit Thai durchzuschlagen. Von Vorteil war, dass ich mir die Hinfahrt vorher schon gekauft habe ;)

Selbige war wie immer schlaflos. Man kann sich das schwer vorstellen, aber Thais schnarchen. Laut. Unüberhörbar. Und sobald sie in einem Bus sitzen, der sich mit mehr als 20 Kilometern pro Stunde fortbewegt – schlafen sie. Weshalb die meisten Langstreckenbusse über Nacht fahren. Die Fahrt beginnt mit einem übersteuerten Film (laut, viel Bass), irgendwann in der Nacht wird man an einer Massenabfertigungsraststelle abgeladen, darf nahrhafte Dinge zu sich nehmen (es lebe der “Food and Beverage”-Coupon) und lernt interessante Leute kennen. Diesmal von der Partie ein Inder der im Bangkok Hospital auf der Insel arbeitet (die Geschlechtsumwandlung hab ich schon mal zum Freundschaftspreis) und der Police Captain von der Touristenpolizei in Samui (lässt seine Website gerade von den Mitbewerbern (muahah) neugestalten. “if I’d knew you earlier…”) – ich hab eine Menge Kartonpapiere mit meiner Adresse drauf zurückgelassen (wir haben uns entschieden, nicht mehr Visitenkarten zu nennen).

Dann gings weiter, die Thais schliefen vor sich hin und ich sah mir an, wie die Wellblechhütten am Straßenrand mehr wurden, in kleine Betonklötze übergingen, wieder Wellblechhütten wurden, immer mehr wurden – und dann waren wir in Bangkok. Früh halb fünf ist es eigentlich wie nachmittags halb fünf, nur eben dunkel. Die Taxifahrer versuchen einen zu nerven und verstehen nicht, dass man nein meint wenn man nein sagt, schliesslich müsse man ja irgendwo hin. Inzwischen bin ich aber schon etwas abgehärteter und so gelang es mir auf “die große Straße” zu kommen und dort tatsächlich aus eigenen Antrieb ein Taxi anzuhalten. Der Taxifahrer kannte die Botschaft nicht (häh?) und fragte, welches Hotel in der Nähe sei (häh?) – ich hab ihn auf die Thanon Sathorn geschickt und mir die Botschaft dort selber gesucht (nicht ohne vorher 2 Stunden an einer Bushaltestelle zu sitzen und dem morgendlichen Treiben zu zu sehen – Schuluniformen sind doch was feines). Man muss sich das mal vorstellen, die sind fertig mit dem Umbauen und haben jetzt ein richtiges kleines Freiluftterminal mit so ner komischen Anstellschlange in der Botschaft. Macht sich nur dumm, wenn kein Mensch da ist und man 7 Schleifen laufen muss, nur um dann am Schalter ne Nummer ziehen zu können. In der Passstelle habe ich einen Typen kennengelernt, der auf Pattaya lebt, gegenüber von dem Haus, wo sie letzte Woche den Deutschen beim Ausrauben umgebracht haben und den Mörder dann noch laufen gesehen hat (“Wenn man das so bedenkt, da fühlt man sich gleich ganz anders.” – langsame, sehr langsame Sprache). Irgendwie habe ich das Gefühl, dass Pattaya früher mal Gonorrh Gomorrha geheißen hat. Dann hab ich drinnen noch ein bisschen gewartet und dann war er da, der große Augenblick: Pass kam zurück. Auch das lief nicht tränenlos ab. Pass freut sich ebenfalls, dass er keinen Chip tragen muss. Er hat da was von Überwachungsstaat und 1984 gemurmelt aber so genau hab ich das nicht verstanden weil ich dabei war, mich totzulachen, dass ich mein Passfoto tatsächlich schon wieder in ein offizielles Dokument reinbekommen habe. Jetzt sind sie aber wirklich alle. Die Fotos. Das nächste Mal ziehe ich auf dem Teil eine Augenbraue hoch. Das wird lustig.

Raus aus der Botschaft, rein ins Immigration Office. Die Thais stehen auf Stempel. Und von diesen Stempeln hatte ich eine Menge im alten vorläufigen Pass die dann doch gerne zur Erleichterung verschiedener Grenzüberschreitungen und Arbeitstätigkeiten im neuen Platz untergekommen wären. Ich legte also alles vor, lies mir erklären, welche Seiten ich wie oft kopieren soll, welche Formulare ich wo ausfüllen soll, tat ebendies und sah mich einer Reihe von offiziellen Tischen mit Beamten gegenüber die mit wichtiger Miene Eintragungen auf Papieren durchführten und glückliche Immigranten mit fremdländischen Pässen und thailändischen Stempeln versorgten. Ein besonders netter vermutlich dem eigenen Geschlecht zugeneigter Beamter holte mich dann aus der Warteschlange (lange bevor ich drangewesen wäre) und bearbeitete mich. Und Pass. Er fummelte in den beiden Pässen, stempelte auf Papieren herum und als er dann endlich den dicken fetten Stempel für meinen Pass in der Hand hielt und ihn schon fast aufgerückt hatte, stutzte er, legte die makellose Stirn in legere Falten, nahm den Dokumentenstapel und lief zu einem der Höhendifferenz der Wais nach zu urteilen vermutlich Vorgesetzten und sie diskuierten erregt, zeigten öfters auf mich und holten noch ein paar andere Leute dazu. Dann und wann zeigten sie auf mich, strichen über gegeltes Haar und berieten weiter.

Irgendwann dann kam er zurück zu mir und erklärte niedergeschlagen und sich zutiefst verneigend, dass es ihm nicht erlaubt sei, den Stempel zu transferieren. “Phut Paasa Thai?” – “Nit Noi” – “You Have To Go To OneStopCenter” – Ah, das One Stop Center. Quell der Freude aller durch die Gnade des BOI im Lande verweilenden Farangs. Ich verstand, er entschuldigte sich viele Male und begann alles, was er geschrieben hat, mit so einem Weiß-Stift mit dem Blondinen ihre Schreibfehler am Monitor beheben, erneut zu schreiben auf dass seine Schande von Erde und Papier getilgt sei. Dann gab er mir meine Unterlagen zurück, waite erneut, verneigte sich abermals und komplimentierte mich hinaus.

Da stand ich nun. Pass stempellos, ich transpirierend und müde. Also hab ich erstmal den Chef aus der Dusche geklingelt und mir die Daten von “unseren Anwälten” schicken lassen. Ich finde, jeder Farang sollte einen Anwalt in Bangkok haben. Das macht unsereins irgendwie wichtiger, besser, großkotziger. Außerdem sieht es einfach gut aus, wenn man mit nem kleinen Rollkoffer irgendwo in Bangkok auf der Straße steht und mit Anwälten telefoniert. Dumm nur, wenn da niemand ran geht, der Ankrit spricht. Ich dachte immer Engel wären des Englischen mächtig. Jedenfalls entschied ich mich erstmal ein anderes Problem zu lösen, das Hotel. Das ging diesmal schneller, weil ich das “schonmal gegoogelt habe”. Also rein ins Zimmer (besser als letztes Mal, schlechter als jedes Zimmer, das ich in Deutschland behotelte, trotzdem erstaunlich, dass Einzelzimmer immer, ähm, Doppelbetten haben), raus aus den Klamotten (Assoziationsmodus aus), duschen (ja, endlich. Bangkok ist ungefähr vier bis fünf Grad wärmer als Koh Samui, leider), Fernseher an (Assoziationsmodus auslassen, bin noch nicht angezogen), anziehen (Assoziationsmodus an), raus in die Welt (dumme Idee – fürs Protokoll: Mittags in Bangkok nicht draußen verbringen, ins Shoppingcenter, ok, in die Metro, ok, im Hotelzimmer bleiben, ok, aber raus gehen, nicht ok). Ich bin dann den Weg gelaufen, den ich vermutete an diesem Abend (es war ein Freitag, optimal, um ein wenig, ähm, auszugehen) zu gehen und entschied mich, ihn dann abends mit dem Taxi zu gehen (heat issues). Zwischendurch telefonierte ich ein bisschen in der Welt herum und versuchte herauszubekommen, wo denn das OneStopServiceCenter wäre und entschied mich dann nach intensivsten Druck durch meinen Chef (“du kriegst die Kündigung, wenn du nicht das machst, was ich dir verdammt noch mal sage, khon chai!”) nicht am Freitag sondern auf die Anwälte zu warten und wenn die Anwälte sich nicht melden am Montag alleine dahin zu gehen. (Nebenbemerkung: Mein Chef ist ganz lieb und setzt mich nie unter Druck. Ich arbeite gerne unter ihm. Er ist nett. Er zwingt mich auch nicht, das hier zu schreiben. Das schreib ich ganz allein weil ich selbst persönlich das will. Allein schon, weil er ja so nett ist. Ein guter Arbeitgeber. Ja. Das ist er. Und er spendiert uns demnächst eine Thairedakteurin mit Massagekenntnissen.)

Ich verlies also die, ähm, Silom Road und streifte zurück zu meinem Hotel um ein gewisses Maß an Schlaf zu genießen. Nach einigen Aktivitäten um mein ohnehin (für Thais) attraktives Äußeres zu verattraktivieren begab ich mich in Bangkoker Nachtleben. Die Thais lieben Japanfood. Also aß auch ich Japanisch. Das erste Mal in meinem kleinen aufregenden Leben (also im Restaurant). Auch nett. Später sah ich mir noch die Lebensumstände normaler Bangkokthais an und kam am späten Abend freuderfüllt und unterhalten in meinen komischen Hotelraum zurück, sah einen schlecht synchronisierten japanischen Horrorfilm und begann irgendwann mit der REM-Tätigkeit. Sepiaträume deuten auf unrealistische Wünsche hin.

Samstag war ich dann auf dem Wochenendmarkt in Mo Chit (der vermutlich ganz anders heiß) auf dem ich schonmal an einem Montag oder Dienstag war was für einen Wochenendmarktbesuch ein ungünstiger Tag ist. Diesmal war es heißer, voller, marktiger. Nett und äußerst unterhaltsam. Was für europäische Frauen Schuhe, sind für Thais Taschen. Möglichst farbig bunt. Oder Pink (Nebenbemerkung: Sii Shampoo – Pink. Hihihihihiihihihihihihiiiiiihihii). Nachmittag genoss ich dann das schlechte Remake eines langen aber guten japanischen Horror(?)-Films namens Deep Water (meine Empfehlung: Original ankucken, das Remake in die Tonne kloppen – wenn sogar die Dialoge identisch sind, nur mit dummen Gesichtern gespielt werden, macht das keinen Sinn. Und in der japanischen Version ist auch wieder das kleine Mädchen mit den schwarzen Haaren die das Gesicht bedecken dabei, das in jedem japanischen Horrorfilm zu sehen ist). Trotzdem war auch dieser Kinobesuch sehr unterhaltsam und keinesfalls schlecht.

Dann war ich noch schnell bei einer größeren amerikanischen Fastfoodkette essen und fuhr heim. Ins Hotel. Zu meinem Fernseher mit schlecht synchronisierten Blockbustern und interessanten REM-Phasen. Das Hotel steht übrigens in so einer Art Chinatown und ist garantiert ein kleines bisschen verwunschen oder von Geistern bewohnt und der Concierge ist schwul. Definitiv. So freudig erregt kann man gar nicht kucken, wenn ein Farang kommt, wenn man nur Concierge ist.

Sonntag dann kaufte ich gleich früh am Morgen mein Rückfahrticket für Montagabend und ging dann Shoppen und Japanisch essen. Sagte ich schon, dass die Thais gerne Japanisch essen? Jedenfalls gibt es in Bang Na (ziemlich weit draußen) ein Restaurant wo man 90 Minuten lang essen kann, was man essen kann und dafür einen Festpreis zahlt. Könnte sein, dass ich da öfters verkehren werde. Die Japaner sind übrigens ein komisches Volk, die essen Tintenfischbeinchen und so nen Kram. Bester Spruch hier: “Here, try this – aaah, no no, sorry, Fallang dont eat this, from inside.” Nach einem kurzen Besuch auf dem Flughafen und dem Beobachten der Thaiversion im Familienmitgliederverabschieden (Wai, Nicken, Abgang nach rechts) wurde dann ein Besuch von Bang Poo anberaumt.

Bang Poo ist das Naherholungszentrum der Bangkoker Thais. Irgendwo am Meer. Oder so. Da hat man dann einen langen Betonsteg mit Freizeitcenter am Ende ins Meer hinein gebaut wo die Autos in der Mitte zweispurig parken, außenrum fahren und Parkplätze suchen und die zugehörigen Thais dann am Rand des Stegs stehen und in die braune Suppe starren und versuchen Fische zu sehen. Dann und wann aller paar Jahre kommt mal ein Farang vorbei, der dann der Farangwatch unterzogen wird. Diesmal war ich dort. Ich hab mir derweil Thais angekuckt.

Anschließend wurde ein weiteres Kino in Bang Na der genaueren Qualitätskontrolle unterzogen. “The Grimms Brothers” – ein überaus guter Film. Eine Mischung aus “Sleepy Hollow” und “Van Helsing” von Terry Gilliams (was ich erst im Nachspann herausfand). Empfehlenswert. Mehr sag ich nicht. DVD-wert. Nicht VCD. Dann eine weitere schnelle Thaiverabschiedung betrachtet aus zweiter Person und ich war wieder im Hotel. REM-Phase unter anderem mit einem sprechenden Vollmond und viel blauer Farbe. Samstag war übrigens Vollmond.

Montag dämmerte und mit ihm ein erneuter Besuch im thailändischen Behördensystem. Eine Erfahrung die ich nicht missen möchte. Ich werde mich nie wieder über deutsche Behörden beschweren. Das sind Schlaffsäcke gegen die harten unerbittlichen uniformierten Aufrechterhalter der Ordnung in Bangkok. Ich begab mich also in das inzwischen lokalisierte OneStopCenter und stoppte. Man gab mir einen Antrag den ich gewissenhaft und wahrheitsgemäß ausfüllte und ich wartete. Dann wurde ich von einer ziemlich niedlichen Thaibeamtin (ich glaube, ich steh auf Uniformen) verarbeitet. Schließlich kurz vor dem Aufprall des Stempels in Pass erklärte sie mir, dass das dann 3.800฿ kosten würde. Hömm. Soviel Geld hat der Samuifarang um diese Jahreszeit selten noch im Gepäck also wurde auch diesmal alles amtlich Geschriebene ausgeweißt und ich gefragt “Do you feel uncomfortable now” – was ich lächeld verneinte. Ein paar Telefonate später erklärte mir der Assistent unserer Anwältin dann, dass das mit dem Geld durchaus so ist weil ja das Visum der Stempel im Pass und nicht der Fakt hinter dem Stempel im Pass ist. Naja. Rein rechtlich kann ich aber eine Weile mit einem entwerteten Pass mit gültigem Visum und einen gütigen Pass ohne Visum und einer Arbeitserlaubnis die für den ungültigen Pass gültig ist in Kombination von ungültigem Pass und und gültigem Pass und teilgültigem Visum aber durchaus gültig ist in Thailand leben und arbeiten. Sollte ich ein weiteres Mal “gültig” schreiben bitte ich um eine schnelle Exekution.

Ich machte noch etwas Movieshopping, erwarb einige Software in Thailizenz und begab mich nach Sai Tai Mai, dem südlichen Busterminal, um einige Stunden auf meinen Bus zu warten, Thais zu beobachten und interessante Gespräche mit Familienvätern zu führen, die Farangs normalerweise nur im Paket mit Thai- oder Farangfrauen zu sehen gewohnt sind und noch einige recht nette Töchter in geschlechtsreifen und heiratsfähigen Alter im Angebot hatten. Ich lehnte dankend trotz verschiedener eilig präsentierter Schönheiten ab. Als der Bus dann fuhr schnarchten alle Thais vor sich hin, ich durfte mir eine schlecht synchronisierte Version des schlecht gefilmten Filmes “Pearl Harbour” ansehen (worum gehts da eigentlich?) und gelangte gestern morgen zurück auf meine Insel.

Ich bin wieder hier. Müde aber zufrieden. Bangkok war schön und leider, leider, leider muss ich recht bald schon wieder hin, um endlich die Stempel in meinen Pass zu bekommen. Andere Gründe nach Bangkok zu fahren gibt es nicht. Wirklich.

Und Fotos? Die ersten Tage hab ich den Fotoapparat im Hotel vergessen, weil er in den Rucksack und nicht die Umhängetasche gesteckt war, wo er normalerweise erreichbar gewesen wäre (das war die dämliche Security in der Botschaft, was bittesehr glauben die soll man in ihrem hässlichen Betonklotz denn photographieren? Das Köhlerfoto? Häh?). Dann hatte ich ihn mit, wollte aber keine Photos schießen. Drei Fotos hab ich gemacht. Für mich.

Und die Sache mit den Frauen? Siehe Tagline (das Ding unter dem Titel dieser Seiten).

PS: Bester Spruch des Wochenendes: “Siam Square is for Teenagers, Silom Road for Gays.”

20 Sep 2005

Bin wieder da, war sehr sehr schön, hab aber noch keine Lust hier wieder zu schreiben, mal sehen, morgen vielleicht, oder überhaupt nicht mehr…

15 Sep 2005

Werter Kunde!

Die grauhirn.org Senior Developing Systems Analysis Engineering GmbH & Co. KG a.A. freut sich auf die baldige Verfügbarkeit unseres beliebten Programmpaketes Krungthep in der Version 4 (Codename Enkelin) hinweisen zu können.

Neben vielen Bugfixes bieten wir Ihnen ein auf Ihre Wünsche und Bedürfnisse zugeschnittenes Programmpaket mit neuen Funktionen und Erweiterungen die wir im engen Kundenkontakt und aus den Userberichten zur letzten Version eruiert haben. Die Neuerungen umfassen unter anderem:

  • Integration von Thai als Hauptprogrammsprache (beta, eine Funktionsfähigkeit wird nicht gewährleistet, im Bedarfsfall ist ein Rückfall auf Englisch durch Zusatzmodule möglich)
  • buddhismusfreundliche Programmplätze (neu hinzugefügt Wat Pho, Wat Mahathat)
  • Candlelightdinner-Funktion
  • Thaimovie-Erweiterung
  • Preisnachlässe auf Programmerweiterungen in Thai-Lizenz
  • Gutschein für einen neuen 10 Jahre gültigen deutschen Pass ohne Chip (Disclaimer: Bitte beachten Sie, dass Ihnen die Einreise in bestimmte Staaten der Völkergemeinschaft mit Pässen ohne biometrische Daten erschwert werden können. Dafür garantieren wir Ihnen, dass Sie gar nicht das Bedürfnis verspüren werden, mit Krungthep 4.0 in eben diese Länder einzureisen.)

Einen ersten Review unseres Programmpaketes Krungthep 4.0 können wir Ihnen nach diesem Wochenende anbieten. Bitte haben Sie Verständnis, dass das Programmpaket erst nach eingehender Testphase für die breite Öffentlichkeit verfügbar sein kann.

PS: Auf diesem Kanal wird erst Dienstag wieder gesendet. Gehen Sie weiter. Es gibt nichts zu sehen.

15 Sep 2005

Heute morgen war ungewöhnlich viel Verkehr in Lamai. Mir war nach dem “langen Arbeitsweg”, der ungefähr 10 Minuten länger dauert und mich durch einige Bereiche der Ortschaft führt, die mir morgens halb Acht besser gefallen als zu anderen Tageszeiten.

Nach einigen Minuten im immer dichter werdenden Verkehr kam ich an einigen Schuhen auf der Straße vorbei. Schwarz. Eher grau. Staubig. Zerrissen. Dann holperte ich über den Bremsgriff eines Mopeds. Einige Meter weiter lag dann das zugehörige Moped auf der Straße. Noch einige Meter weiter lag ein weiteres Moped auf der Straße. 30 Meter weiter sah man dann auch die Besitzerin der Schuhe unter einem Pickup eingeklemmt. Sie lebte noch, was ich meine an der Feuchte ihrer Augen sowie der Tatsache dass sich einige Thais um sie bemühten festmachen zu können.

Ansonsten standen die üblichen geschockten Thais geschockt in der Gegend rum.

Es beruhigt ungemein, dass es hier sowas wie Halskrausen zu geben scheint. Und ich werde für einige Tage den Mopedhelm tragen. Wenn ich Moped fahre.

15 Sep 2005

Zur Zeit wird unsere schöne Palmeninsel mit neuen Kabeln ausgestattet durch die mehr und besserer Strom fließen soll. Aus diesem freudigen Grunde hatten wir zwischen Mai und Juli regelmäßig Stromausfälle. Die blieben in letzter Zeit aus. Weshalb der leichtgläubige Farang annahm, dass es nun vorbei wäre.

Am Dienstag dann kam die Nachricht, dass von heute an für 5 Tage kein oder nur eingeschränkter Strom erhältlich ist. (Die Expaten meinten: “Das ist dann so wie vor 5 Jahren!” und blickten gerührt in der Runde herum. Ich habe verständnisvoll gelächelt und diesen Spruch für eine der Katastrophensituationen des Jahren 2010 auf dieser Insel vorgemerkt.)

Gestern dann war so eine Art Sitzung des Katastrophenrates des IT-Complexes. Ich hatte also genügend Zeit, mir mal alle Frauen unter 40 genauer anzusehen. Sogar der Chef war anwesend und hob beruhigend die Hände um in stillen, ernsten und wenig panikerregenden Äußerungen alle Mitglieder unserer kleinen Bürohausgemeinschaft darauf hinzuweisen, dass es zu Einschränkungen unserer Lebensqualität kommen kann. “That also applies to your private homes! Take off the cables of your VCD-Player, your DVD-Player, your Musicstation, your Homecinema…” – die Gesichter einiger Thais wurden bei der Nennung weiterer Geräte immer länger, vermutlich weil sie wie ich nur ein piefiges kleines Multifunktionsgerät haben.

Jedenfalls hier in Kurzform die Energiesituation für die nächsten 5 Tage:

  1. heute um 9 Uhr wird auf der ganzen Insel der Strom abgeschaltet
  2. nach 20 Minuten kommt er eventuell wieder
  3. kommt er nicht wieder, kommt er gegen 12 Uhr wieder
  4. kommt er gegen 9:20 Uhr wieder, geht er wieder ab 12 Uhr und bleibt weg bis Mitternach um dann nach 3 bis 4 Stunden wieder zu gehen und zu kommen wie es ihm beliebt – das wiederholt sich dann die nächsten Tage
  5. bleibt der Strom nach 9:20 schlecht, wird eventuell der Generator vom IT-Centre angeschaltet
  6. ist er stabil, wird der Generator vielleicht ab 12 eingeschaltet, vielleicht auch nicht
  7. die Klimaanlage bleibt aus
  8. die Kühlschränke bleiben aus

Und um das alte buddhistische Sprichwort “Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen” auch mal in der Praxis auszuüben ging der Strom gestern Punkt 18 Uhr hinfort. Kein platsch weg war er sondern wie im Kino, alles wurde langsam dunkel und die Stromversorgungen fingen an panisch zu piepsen (ach ja, die guten alten Zeiten). Dann kam er wieder und weiter gings im 5 Minuten-Takt. Bis dann irgendwann nicht mehr viel ging. Und irgendwie habe ich das Gefühl, dass der Generator hier nicht anspringen mag, denn ausser einigen dumpfen Vibrationen war nichts zu spüren.

Ich denke, ich werde mich in einen eilends für reiche Farangs bereitgestellten Bus setzen und das Katastrophengebiet schnell verlassen, solange die Fähren noch fähren.

Ach ja: Hinterher soll alles besser werden.

PS: Mit Vergewaltigungen und einem Anstieg der Mordrate ist im Einzugsbereich des Stromausfalls nicht zu rechnen, da der Sex hier (so man ihn aktiv ausübt) meist einvernehmlich und zweiteres normal ist (soll heißen, es gibt sowas nicht “bei uns”).

PPS: Falls sich jemand beschweren will, dass ich hier ständig von Katastrophe spreche: Es sind Amerikaner auf der Insel anwesend.

15 Sep 2005

(15:30:00) [Name der Redaktion bekannt]: (Ich beziehe meine Vorurteile über Thailand ausschließlich aus deinem Blog ;) )

Ähm. Ja. Ich hab ja gar keine Vorurteile. Das ist alles wirklich so hier :) Und unserer Sekretärin haben sie am Wochenende das Haus ausgeräumt, während sie (Pet + Mann) nebenan schliefen. Und in Pattaya wurde neulich ein Deutscher umgebracht, der seine Diebe beim aktiven Spenden entgegen nehmen überraschte.

14 Sep 2005

Dem geneigten Betrachter wird die Vielzahl an Trinkgefäßen auffallen. Das liegt größtenteils daran, dass unsere Espressomaschine seit heute endlich mit Bohnen aufwarten kann und der gestresste Programmierer sich an einem groben Schub Koffein die müden Denkmuskel aufheitern kann. Da geht einem das svn update && make clean && make && make install && blabla pfad create && blabla pfad import doch gleich viel schneller von der Konsole, wenn man mal ne Zeile Code geändert hat.

Fehlt nur noch die sexy Masseuse und der Thai-Redakteur. Beides vom Chef versprochen. Und der hält immer, was er verspricht. Siehe Arbeitserlaubnis.

14 Sep 2005

Skype suckz. Wirklich. Nachdem es vorgestern von Ebay aufgekauft worden ist, haben die den Skypeleuten Druck gemacht und eine alte Fehde mit mir wieder aufgenommen. Ich kann mich seit gestern nicht mehr einloggen. Schuld ist anscheinend ein Bug, der keine Sonderzeichen in Passworten der Linuxversion beim manuell einloggen erlaubt.

Nun gut wird sich der geneigte internetaffine Leser bemerkbar machen, da setzt man einfach sein Passwort zurück. Ja klar erwidere ich darauf: Nur, wenn man Skype schon solange nutzt, dass weder die Firma noch die Emailadresse mit der man sich angemeldet hat weiterhin der Existenz anheim fällt, dann ist das ein kleines bisschen schwierig.

Die Onlinehilfe von Skype bietet das Einrichten eines neuen Kontos an. Sehr nett. Ich hab mal eine Mail an den Support geschrieben. Wenn der allerdings schon selbst mit einer Reaktionszeit von 2 Tagen rechnet, dann sehe ich mich nur zur titelgebenden Zeile gezwungen und verbleibe hochachtungsvoll.

Ich maile wieder. Mit nem Emailprogramm und einer Tastatur.

14 Sep 2005

Es könnte auffallen, dass es hier zwei Tage keine Updates gab. Nun. Auch mir fiel es auf. Immer dann, wenn ich kurz davor war, etwas aufzuschreiben. Dann dachte ich immer: Warum soll ich das nun gerade euch erzählen. Das ist nur eine kurze Phase und wird auch wieder vorübergehen. Aber bis dahin: keine Sorge, wenn mal ein Tag ohne Updates vergeht. Oder zwei. Oder ein verlängertes Wochenende das ich in Bangkok verbringe. Oder so.

14 Sep 2005

Heute beim wöchentlichen Besuch in der Laundry fehlte jede Anwesenheit des Englischlehrers. Das Interessante an dieser Konstellation ist, dass es seine Frau liebt sich mit mir über Lord Buddha und die Welt zu unterhalten. Das Dumme ist nur: Sie kann kein Englisch. Was uns zwingt Thai zu sprechen. Wobei sie sehr viel spricht. Und ich eher Unfug. Wahrscheinlich. Was sie manchmal so sehr zum Lachen bringt, dass wir gar nicht mehr zum Sprechen kommen.

Jedenfalls brachte ich sie heute gleich zu Beginn zu Fall indem ich sie nach ihrem Ergehen fragte was sie positiv beantwortete. Gefolgt von einem Schwall von Vokabular, das ich noch nie gehört habe. Ich murmelte ein verschämtes “Sabaii Dii”, was anscheinend die richtige Antwort war. Beim Verhandeln des Abholtermins sagte sie dann “sii mong” und ich hab es verstanden. Das ist ja schonmal was. (Nagut, ich könnte zugeben, dass ich mich heute morgen extra mit diesem Bereich des thailändischen Vokabulars abgegeben hatte, weil ich “haa mong” vorschlagen wollte. Mach ich aber nicht.)

Und Regen auf Thai ist ein Finger zum Himmel emporgehoben.

14 Sep 2005

Eben loggte ich mich an meinem Arbeitsterminal ein, klatschte einen komischen Rhythmus in die Hände und sagte laut “Das is heut ein schöh ner Tag”. Dann verharrte ich einige Momente peinlich berührt. Manchmal ist es ganz praktisch der Erste im Büro zu sein.

12 Sep 2005

Hab gestern einen Film gesehen in dem einer mit nem BMW einen Münchner Vorort entlang gefahren ist (Bourne Verschwörung oder so). Jedenfalls fährt der so vor sich hin und ich denk die ganze Zeit wenn jetzt einer entgegen kommt fällt er auf, so blöd wie der fährt. Und dann kam einer entgegen und ich denk so wie schaffen die das jetzt beide auf der rechten Seite ihrer Fahrbahn zu fahren ohne zu schlingern, das ist doch ungewöhnlich dass jemand auf deiner Spur entgegen kommt und du gemütlich die Seite wechselst ohne ihm den Finger zu zeigen, weil er auf deiner Spur ist, das ist nicht sehr realistisch, doofer Film.

Später dann fiel mir auf, dass in Deutschland Rechtsverkehr ist und ich diese Perspektive anscheinend schon verlernt habe.

11 Sep 2005

Schweißnasse Frauenleiber eng aneinandergedrückt keuchend um eine bessere Position kämpfend verschiedene Körperteile erregt in glänzende Unterleiber stoßend hier ein liebevolles Tätscheln austauschend da hart schlagend fordernden Griffen entgleitend stöhnend umeinandertänzelnd von geifernden Gaffern umstanden und angefeuert der Erschöpfung nahe im Höhepunkt triumphierend…

Ja. Ich war beim Frauenboxen. Ist ja auch mal ganz nett. Gestern war mir nach einer entspannten Form des Kontaktes zum einfachen Volke und so wandte ich mich zu fortgeschrittener Stunde gen Beachstreet in der Hoffnung auf Unterhaltung. Die wurde mir zuteil, aber erst später. Zuvor war ich in der Moskitobar in der außer mir nur der Fernseher und die Barkeeperin liefen. (Na? Habt ihr die Abwesenheit des Attributes niedlich bemerkt?) Die jedoch konnte einen gar deliziösen White Russian bereiten (Milch ist ja sooo teuer), so dass ich mich gezwungen sehe, hier öfter mal einzukehren. Jedenfalls trank ich ein paar White Russians und beobachtete das Treiben auf der Straße. Nach Vollzug des Mutantrinkens begab ich mich zum Stadion (welches sich inmitten einer Ansammlung rot beleuchteter Ladybars befindet) wo schon eine Masse geifernder Männer mit ihren Begleiterinnen um den Ring herum zwei Männer die sich mit Boxhandschuhen tätschelten anfeuerten. Wie jetzt, Männer? wird sich der aufmerksame Leser wundern. Auch ich wunderte mich und bestellte erstmal ein Beer Chang bei einer der aufdringlichen Barkeeperinnen. (Na? Habt ihr die Abwesenheit des Attributes niedlich bemerkt?)

Es war schon spät (0:00) also kam ich nur in den Genuss zweier Kämpfe mit weiblichen Protagonisten nach den beiden Männern. Beide Kämpfe (???) waren irgendwie langweilig. Komische Squeetsch-Musik war zu hören und die Frauen tänzelten herum um schlugen dann und wann zu. Wenn sie mal die Beine hoben johlten die Zuschauer. Das war dann wohl gut. Ansonsten war es eher so eine Art “Wer schafft den größten Radius beim Zuschlagen”-Kampf (nagut, im letzten Kampf war die Blaue am Ende schon recht torkelig).

Die beiden letzten Boxerinnen waren übrigens jene welche ich morgens auf der Fahrt ins Büro immer laufen sehe.

Fazit: Wenn Thaiboxen die härteste Boxart sein soll dann war das Schaukampf. Und gegen Ende saß neben mir eine ziemlich niedliche kleine Thai mit ihrer noch niedlicheren Freundin. Trotzdem ging ich aus diesem Abend mit einem ziemlich üblen Depressionsschub heraus (ist doch ganz nett, wenn alles beim Alten bleibt) was eventuell auch an der verheerenden Wirkung von White Russian vor dem Bier liegen könnte – ich werde das mal beobachten.

11 Sep 2005

Chatten auf Thai ist schwierig. Abgesehen vom Vokabular muss man zum einen zwischen bis zu fünf Transskriptionssystemen wählen (wenn man die Rough-Guide und Lonely-Planet Schreibweisen noch dazu nimmt sinds sieben). Da wird dann schnell mal aus einem “phut paasa thai” (Sprichst du Thai?) im royal transkription systeme ein “poot pasa thai” in einer der eingeenglischten Formen. Da hilft alles nichts. Laut mitlesen und hoffen, dass man auf den Sinn kommt.

Zum anderen bietet sich natürlich auch das Thai herrlich zum Acronyme schreiben an. Ich werde dann und wann von einem “5 5 5” beglückt. Am Anfang dachte ich, das wäre irgendein Windows-Skype-Smiley, das bei mir unter Linux mal wieder nicht ankommt. War es aber anscheinend nicht. Die einzigen Hinweise, die ich bekam (fragen ist doof) war die Positionierung in thematischer Nähe zu lustigen Situationen.

Eines Nachts dann dämmerte ich auf der Spielwiese vor mich hin und hatte es plötzlich: 5 ist eine Zahl. 5 heißt auf Thai “haa” (falling tone, kurze Delle nach oben und dann fallend).

555 = ??? – genau. Lustig. Da haben wir gelacht *g* :D

11 Sep 2005

Na kuckt mal was ich eben in uralten Photos gefunden habe: Mein Haus scheine ich mir im Januar schonmal angesehen zu haben. Zumindest ist diese Augenblicksfesthaltung vom Januar. Mein Haus steht links als drittes (wenn man die Hütte vorne links als Haus mitzählt. Da wohnt der Groundkeeper drinnen, der auf mich eher einen sterbenden Eindruck macht derzeit. Macht nichts. Haus. Oben. Links.

10 Sep 2005

Hab eben die Miete für meinen Palast und den nächsten Monat gezahlt. Was weniger lustig gewesen wäre wenn ich nicht “mein Haus” in den Worten meiner Vermieterin Kiew mit ihr Haus verwechselt hätte und dort rumgesessen hätte. Mein Haus ist also auch bei ihr “mein Haus”. Das müssen wir mal noch klären.

Wir haben viel gequatscht. Unter anderem verwunderte sie nicht unerheblich, dass man mich nie mit einer Frau sieht. “You have no lady? Whyyyyyyy? You handsome.” Naja, wenns nur aufs handsome ankommen würde wäre ich nicht gezwungen diesen Satz mit Konjunktiven zu füllen. Dann sprachen wir darüber, dass ich bestimmt Land kaufen will für “not many” nur 3.000.000฿ . Nächstes Mal gehen wir zum Dinner (sic!) und reden dann über die Company die wir gründen müssen, um mir als Farang die Möglichkeit zu geben, Land zu kaufen.

Und wenn ich thailändische Handmade-Artikel irgendwohin exportieren will, kann ich mich auch bei ihr melden. Und in ihrem Laden war ich auch noch nicht. Mal ganz abgesehen von dem Kaffee den sie noch mit mir trinken wollte.

Ist doch ganz praktisch, wenn man alles aus einer Hand hat.

Glücklicherweise hat sie keine Töchter in heiratsfähigem Alter. Und glücklicherweise fährt sie morgen erstmal nach Bangkok.

PS: Siemens-Mobiles sind nicht für den Betrieb über 34 Grad Celcius geeignet. Mein Umstieg (ich hatte immer Siemens-Mobiles) zu einem asiatischen Mobilfunkendgeräteanbieter steht unmittelbar bevor. Mit Kamera. Und MMS. Und Bluetooth. Wäre nicht das erste selbstauferlegte Prinzip, das in Thailand fallen würde.

10 Sep 2005

Mich würde mal interessieren, inwieweit die Berichterstattung und die vorläufigen Ergebnisse zum 18. September in “Dresden I” die Wahlentscheidung und die Wahlbeteiligung beeinflussen wird. Wär doch ganz nett wenn es eine Kippstellung geben würde und bestimmten Menschen in Berlin und angegliederten Freistaaten gewisse Körperteile gekühlt “gehen” würden (nicht dass ich 210000 Menschen eine entscheidende Funktion zuschreiben würde).

Aber eigentlich pflege ich gerade meine Politikverdrossenheit. Es regnet nicht. Nette Sache.

Trotzdem. Welche Umsätze hat die BILD-Zeitung denn in “Dresden I”? Und überhaupt: “Dresden I” klingt wie irgendwas von Kandinsky oder aus dem Bauhaus. Wobei das eine ja das andere nicht ausschließen muss.

Hier in Thailand sind Wahlen übrigens immer ganz einfach. Es fahren die Brüllautos mit ihren Parolen durch die Gegend und Thaksin gewinnt. Und erhöht die Steuern auf Sachen, die mich glücklich machen.

09 Sep 2005

Gestern wollte ich nach getaner Arbeit (und noch einem Bisschen produktiv Sein (hmm, das könnte missverstanden werden)) ein paar Würstchen von meinem präferierten Würstchenstand auf der Beachstreet abholen, um durch das enthaltene Fett meinen Bumbui bei Laune zu halten. Dies tat ich auch.

Während die Würstchen und verschiedene andere seltsame thailändische Dinge auf dem Grill rumbrutzelten stand ich in der Gegend rum und kuckte teilnahmslos vor mich hin. Bis eine ziemlich niedliche thailändische Thai auf ihrem Moped angebrettert kam, neben mir parkte, mich angrinste und im 0.63Periode verschwand (Na? Na? Na? Sieben durch Elf? Na? Dämmerts? Hmm?). Ich schenkte ihr vor Schreck ein Lächeln zurück und blieb selbiges. Zurück. Die Würstchen wurden “only one minute, finish” und ich begab mich in der Hoffnung auf einen trübseligen Fernsehabend gen Moped. Auf diesem sitzend wurde ich der Thai von eben gewahr die mich recht offensiv angrinste. Ich grinste erneut zurück in der Hoffnung die Färbung meiner Gesichtshaut unter Bart und Dunkelheit verbergend ihr gegenüber geheim halten zu können.

Dummerweise fuhr ich in die falsche Richtung und so geschah es, dass sie mich ein paar Kreuzungen weiter einholte und in Beachstreetthai (keine Zeitformen, auf Negotiation beschränktes Vokabular) ein Gespräch begann. Wir standen also an der Kreuzung, sie auf ihrem pinken Moped, ich auf meinem roten einen und unterhielten uns. Das ging auch ein paar Minuten ganz gut bis sie mich fragte, ob ich nicht mit ihr essen/trinken gehen will. Hömm. Ich wies sie auf meinen langsam erkaltenden Beutel mit gar fetthaltigen Speisen hin und hoffte ihr so entgehen zu können. Sie fragte, ob ich ein Haus hätte. (Dies wird zwar jetzt ein Spoiler auf mein bald erscheinendes Erstlingswerk aber das macht ja nichts: Diese und die zwei folgenden Fragen sind ein eindeutiger Hinweis auf ihre Intentionen.) Ich sagte ja und dass ich auf dem Weg dahin wäre. Sie fragte woher ich komme und ich aus Jeramany. Sie fragte wann ich nach Jeramany zurückkehren werde und ich sagte nie. Sie war sehr professionell.

Um die Geschichte zu einem Abschluss zu bringen: Wie entledigt man sich einer allzu bedürftigen und leider niedlichen Thai? Man sagt, man sei schwul. Das ist zwar jetzt eines der schlimmsten Klischees das ich mir vorstellen kann, aber es hat funktioniert.

Und so saß ich abends im Fernsehsessel und mampfte an meinen Würstchen. Es ist eine verdammt schwere Aufgabe in diesem Land depressiv zu werden…

08 Sep 2005

Heute meinte die Frau des Englischlehrers (häh? wie? was? Englischlehrer?) beim wöchentlichen Plausch zu mir “May Mii Bumbui Kaaaaaaaaah“ (viele Frauen sprechen das Kah ziemlich niedlich langgezogen aus) gefolgt von einem schnellen und unverständlichen Redeschwall den der Englischlehrer in etwa mit ich war mal dicker und habe nun sichtbar abgenommen und sehe richtig handsome aus übersetzte.

Hmm. Nett. Ich persönlich finde mich ja immer noch recht platzeinnehmend, aber wenn ältere Frauen mir erklären dem wäre nicht so ist das eine Einsicht und Information die mir ich dankend als Fakt aneigne. Es ist auch schon längere Zeit kein Stuhl unter mir zusammengebrochen.

Wobei es eigentlich ein Attraktivitätsverlust nach thailändischem Verständnis ist, keinen Bauch zu haben. Die Frauen (Hauptzielgruppe) stehen auf Bäuche. Größtenteils weil das Wohlstand symbolisiert. Nun wisst ihr auch warum mir gerade jetzt ein leichtes Grinsen im Gesicht liegt.

Frau Englischlehrerin sollte die Reste des Bauches mal ohne Shirt sehen. Das Gewölbe hängt nämlich ziemlich unmotiviert in der Gegend rum. Wenn ich nicht jedesmal beim Gedanken an mich in Trainingsklamotten Thaiboxing praktizierend in minutenlanges Gelächter ausbrechen würde hätte ich sogar schon mal eine Schnupperlektion genommen (vermutlich nur um sofort wieder aufzugeben).

Übrigens laufen mir morgens immer die Mädchen vom Frauenboxen über den Weg. Sie laufen, ich fahre, wir grüßen uns. Niedlich. Ich mag schlagende Frauen.

PS: Ich sollte anfangen Frauen nicht mehr als Mädchen zu bezeichnen. Ich bin jetzt alt, die Zielgruppe auch.

07 Sep 2005

So fängt der Tag gleich grau an: Eine anonym bleibende vertrauliche Quelle hat mir eben den folgenden Link geschickt: Link (das mit dem Link ist ein Insider, macht nichts. Draufklicken und lesen wenn man des Englischen mächtig ist.)

Die [ich fand noch keine adäquate Bezeichnung für diese Menschen] im thailändischen Parlament haben die Alkoholsteuer um 4000% erhöht. In Worten: viertausend. Mit Wirkung von heute. Das wars dann mit dem gepflegten Mehkhong-Absturz für weniger als einem Euro. Wenn das so weiter geht werden die Frauen noch preiswerter als der Alkohol.

Überhaupt ist das Parlament hier sehr aktiv mit plötzlichen Steuern: neulich wurde beschlossen, dass die Regierung von allen Hotels und Ressorts auf der Insel 2% der Einnahmen als sog. Tourismussteuer ziehen darf. Und wenn sie will (und sie will ganz sicher) kann sie die für die vergangenen 4 Jahre gleich noch mitziehen. Ich denke mal, das wird den Hotelmarkt hier ein bisschen bereinigen.

Wie auch immer. Ich bin froh, dass die Alkoholsteuer nicht rückwirkend eingezogen werden kann.

07 Sep 2005

Die Thais lieben Geistergeschichten.

Phii kraseu ist ein weiblicher Geist, der sich (Achtung Schocker) von sog. unreinen Speisen wie Aas, Kot, Nachgeburten und anderem Kram ernährt. Wenn sie fressen will, fliegt nur ihr leuchtender Kopf durch die Gegend, ihr Körper versteckt sich inzwischen. Sie kann auch im Ganzen durch die Gegend laufen und sieht dann meistens wie eine grantige alte Frau aus. Phii kraseu kommt wenn sie Blut riecht, weshalb man bei der Geburt eines Kindes besondere Vorsicht walten lassen muss, wenn man nicht will, dass sie eindringt und seine Eingeweide frisst. Es werden Schutzgeister angerufen und das Geburtszimmer oder -haus mit einer geweihten Schnur umbunden. Vergisst man das, kann es auch passieren, dass der Geist in den Körper der Gebärenden eindringt und Gewalt über sie erhält – was man daran merkt, dass sie anfängt, verdorbene Sachen zu essen.

Phii krahang ist ein ähnlicher Geist, diesmal männlich. Er kann auch nicht nur mit dem Kopf herumfliegen sondern muss den ganzen Körper mitnehmen. Zum Fliegen benötigt er einen Reiskorb, in dem er sitzt (und fragt mich nicht wie das vonstatten geht, das hab ich nicht rausgefunden).

06 Sep 2005

Es regnet. Rein theoretisch eigentlich immer, aber seit ich gestern das Office verlassen habe durchgehend. Nachts sogar so sehr, dass ich im ganzen Haus rumgelaufen bin (was eine Weltreise ist) und nach nassen Stellen gesucht habe. Es gab aber keine. Mein Haus war umgeben von einem Wasserfall rings um das Dach herum. Auch ein schöner Anblick. Jedenfalls regnet es seit einem Monat nahezu jeden Tag (immer, wenn Feierabend ist) und wenn es nicht regnet dann sind wir in Bangkok wo es regnet.

Und wenn ich mir die durchschnittlichen Regenmengen so ansehe, die für die folgenden Monate zu erwarten sind (Southern (East Coast) dann Surat Thani, Ko Samui auswählen und ein bisschen nach unten scrollen), dann erwartet uns noch einiges. Wird Zeit sich mal mit der Anschaffung von Gummiklamotten zu beschäftigen.

PS: Da wo man ein Wölkchen auf dem Bild sieht, ist normalerweise ein ziemlich großer Berg zu sehen.

PPS: Und es ist überhaupt nicht schön hier durch die Pfützen zu fahren. Das Wasser ist braun und sehr warm. Ohne Blockierung des Assiziationsmodus geht da gar nichts.

PPPS: Ich bin im Regen ins Office gefahren. Bin mal gespannt, kähähähää, ob die werte Kollegenschaft aufgrund des Regens irgendwelche Gründe findet die trockenen Gefilde des Brötchengebers verspätet aufzusuchen. Ich werde dann in meinem Knarrstuhl sitzen und grinsen und sagen, dass mir mein Unternehmen und seine Kunden was wert sind, weil ich mich bei jedem Wetter ins Büro schleppen würde. Genau. Dann gibts sicher ne Sondergratifikation. Ich brauch ja jetzt Geld für meine Latexklamotten.

[Update: 8:48 Uhr] Die nicht überaus unattraktive kleine Bürothai vom Anwalt gegenüber kam eher als sonst. Das Rennen läuft Kollegen.

[Update: 8:57 Uhr] Pet unsere Sekretärin (hab ich eigentlich schon mal von Pet erzählt? Das wäre ja fast ein Eintrag für sich) ist auch pünktlich da. Nehmt euch ein Beispiel. Das Rennen läuft. (Auch wenns gerade langweilig wird.)

[Update: 9:21 Uhr] Pah. Es regnet nicht mehr. Son Scheiss. Wie soll man hier noch sinnvolle Wettbewerbe ausrichten wenn das Wetter macht was es will.

06 Sep 2005

Jai Dee Phii Khaw bezeichnet ein Herz, das gut ist, aber von einem Geist befallen ist – also einen Menschen, der eigentlich gut und großzügig ist, dessen Großzügigkeit sich aber leicht von Anderen (Geistern) ausnutzen lässt.

04 Sep 2005

Ok. Ich tu jetzt mal so als hätte ich nicht die Digicam im Büro vergessen und das erst gemerkt als ich da war und papp hier ein Foto aus dem März hin. Hat sich eh nicht viel geändert seither, Big Buddha wacht immer noch mit schlaffen Lidern über seine Schafe Kinder.

Heute habe ich meinen monatlichen Besuch beim Big Buddha abgeleistet. Es ist immer wieder schön, Touristen zu beobachten, die erst erstaunt, dann amüsiert kucken und sich dann beim Glocken mit Geldstücken anschlagen begeistert beteiligen ohne zu wissen was sie sich selbst damit antun. Ich weiss es. Und es gefällt mir. Drum mach ich es auch. Ehe irgendwelche Thais damit anfangen und ich wie ein Tourist hinter ihnen her wackeln muss. Neulich hatten die Mönche sogar genug Geld zusammen, um die kaputten Glocken auszutauschen.

Und wie man auf dem Photo sieht war es überhaupt nicht überaus bewölkt, es fing auch beim Wegfahren nicht an zu regnen und ich bin nicht völlig durchnässt wieder im Büro aufgeschlagen um diese Zeilen zu schreiben. Denn auf dem Photo scheint die Sonne. Und ich hab es heute geschossen. Als ich bei Big Buddha war. Klar.

PS: Ich bin gespannt, was sie mit den ganzen Steinen machen, wo ich jetzt schon meinen Namen draufgepappt habe.

04 Sep 2005

Ui, gestern hab ich es auch zu spüren bekommen: Meine Tankfüllung hat statt der normalen 80฿ gleich mal 90฿ gekostet. Kann allerdings auch sein, dass der Tank wirklich so leer war wie mir die hektisch blinkende Anzeige zu suggerieren ersuchte.

03 Sep 2005

Ich möchte dieses Forum mal eben nutzen um meine tiefe Enttäuschung und Verbitterung als treuer Kunde von Tsutaya auszudrücken, die neuerdings keine VCDs mehr im Originalton anbieten sondern nur noch auf Thai. Ich finde das eine Unverschämtheit. Da wird man ja geradezu in die Prostitution getrieben, wenn man Thai lernen muss um dann schlecht synchronisierte Filme sehen zu müssen bei denen die oralen Bewegungen der Protagonisten nicht im geringsten in Volumen und Positionierung mit den zu hörenden Tönen übereinstimmen. Nenene.

Da bleibt unsereins nichts anderes übrig als sich eine Thai zu suchen, die den Kram mit einem ankuckt und auf Zuruf erzählen kann, was passiert. Und dass die nach dem Filmkucken nicht wieder verschwinden ist ja auch bekannt.

Nagut. Zwei Filmchen habe ich noch im Originalton ergattern können: “The Ring 2” (jaja, ich weiss) und “In good company” – ein Film von dem ich noch nie was gehört habe, auf dessen Cover aber Scarlet “Hot Lips” (ja, Fabio, ich glaube das hat was mit den Unterlippen zu tun) Johansson nicht unreizend in der Gegend rum kuckt. Muss also ein worther Film sein.

Update Na, das muss ich doch gleich mal revidieren wie mir mein Gewissen eben mitteilt:

[16:41:23] Gewissen “???In good company??? ??? ein Film von dem ich noch nie was geh??rt habe”
[16:41:32] Patrick Kollitsch jupp
[16:41:46] Gewissen ich hatte ihn dir gegen??ber mal erw??hnt…
[16:41:52] Patrick Kollitsch hmm
[16:41:53] Gewissen mail oder chat
[16:42:01] Patrick Kollitsch ich kann mich nicht erinnern
[16:42:07] Gewissen so also h??rst du auf mich
[16:42:09] Patrick Kollitsch ich werde das gleich mal aendern

Dann hab ich mir die Thai-Horror-Ecke mal zu Gemüte gezogen. Wenn schon Thai dann blutig und weiblich. Einmal “Lizard woman”, einmal “on ryou” (wobei ich annehme, dass das auch was koreanisches sein könnte) und dann noch “Bunshinsaba” was schon aufgrund des “bunshin” in der Japan-Kategorie einzuordnen ist.

Und dann (ja, wir sind noch nicht am Ende, neulich war Zahltag) hab ich mir noch ne DVD gekauft mit dem Film “The holy man”. Das ist einer dieser Filme wo die vier Thais mitspielen, die in jedem Thaifilm mitspielen. Dazu erzähl ich später mal was. Jedenfalls hat man für diesen Film als ich im Juli in Krungthep war massiv Werbung gemacht. Und womit lockt man Thaifrauen zum Übersetzen schlecht synchronisierter Filme besser an als mit einem Film, “der supergut in Bangkok lief”? Hmm? Siehste.

Es kommt immer nur auf die Strategie an, die Kundschaft steht schon vor der Tür.

Achso und Tesko hat die Kosmetikabteilung umgeräumt. Spassbacken die. Jetzt ist für die nächsten Wochen mit einem unrasierten Pseudosystemanalytiker zu rechnen. Hab nämlich keine Rasierer gefunden.

03 Sep 2005

Die Thais sind ja nicht unerheblich ironiebefreit. Soll heißen, sie merken nicht, wenn ein Farang ironische Anmerkungen macht.

Auf der Suche nach dem Begriff Ironie im Thai kam ich gestern abend einer Lösung ziemlich nahe. Es gibt da das Herz das nicht so denkt wie der Mund spricht: Baa Gap Cay May Trong Gan. Und allein die Tatsache, dass das jede Menge Worte für eine kleine Kommunikationsform sind weist auf … (Ja was eigentlich? hmm. Mal überlegen. Ich meld mich dann wieder.)

...

03 Sep 2005

Oh, did I tell already that I like photoblogs? It’s mainly because my own photos are the worst waste of harddrive space since mankind spotted the possibility to hold moments on pictures.

One of the blogs I often hit is Matthews Project Seoul. Moments in time. I like it. Because pictures can tell more than words. More than ever if you are in a world where you need three languages to say one thing.

02 Sep 2005

Yes! I did it. And I have no fear to admit it. Yesterday I bought a dvd-player capable of a lot of formats.

The package said it can play DVD, DVD-R(W), DVD+R(W), CD, CD-R(W), WMA, MP3, VCD and some other stuff I never heard of before. Nice nice I thought and went home at evening to join a night to remember. The last time I watched a movie in my own armchair was on 25th of may, shortly before some poor guys decided to have me lost my stuff right out of the house.

I went home at evening, ripped the player out of his package, put some cables where they fit (there weren’t much holes to plug them around) and watched, ehem, “Blade 3”. Yes. I know. But the sound is good. Today I will get my collection on an updated state, there seems to be a lot of Johnny Depp out there at the moment.

Sidenote: In the booklet for the player there is noted (I like “to be noted”, its on nearly every sentence in the booklet), that not every DVD, not every DVD-R(W), not every DVD+R(W),not every CD, not every CD-R(W), not every WMA-Collection, not every MP3-Collection, not every VCD will be played by the player, depending on the format. And it will not play right-protected discs. Aha. Soso. Good to be a good guy not ripping anything and not violating law.

Conclusion: I am nearly full restored from the givings to my uninvited visitors in may. I may not have a computer yet again at the house, but I think I do not want it anymore there. Technology sucks. This weekend will be called “movend” in my memoirs.

02 Sep 2005

Neung unser Thailehrer photographiert den realen Systemanalytiker weil er “schöne Menschen” auf seine Webseite (die ich erstmal in CSS packen und für die Suchmaschinen optimieren musste, weil alle Links und Hauptinformationen in Flashfilmchen und Bildern versteckt waren und das HTML von 1997 (aka table-Tags wo immer man hinsieht) war) als Referenz setzen will. “Do you agree with me, he looks beautiful today.” waren seine Worte. Mich hat er nicht photographiert. (Dafür bekomme ich nächste Woche gaan caa. Mal sehen, ob das hier wirkt.)

02 Sep 2005

Die zivilisierte Welt bezeichnet also die Hurrican-Katatrophe in den USA als verheerender als die Tsunami-Katastrophe in Südostasien im letzten Dezember.

Stellen wir die Fakten mal zusammen:

Finanzieller Schaden (Geld, Cash, Knete, der Kram mit dem man alles nur keine Liebe kaufen kann):

Tsunami: 10 Milliarden Dollar
Hurrican: vermutete 25 Milliarden Dollar

Ähm. Klar. Ich erlaube mir eben, einige andere Zahlen zu präsentieren:

Tote (das sind ehemalige Menschen. Biologische Einheiten die sich von anderen Lebewesen auf unserer abgeplatteten durchs All trudelnden Kugel durch die Fähigkeit zu denken, eigenständig Entscheidungen zu treffen und dem Betrieb von Sex nicht nur aus Fortpflanzungszwecken unterscheiden):

Tsunami: Mindestens 222.046 Menschen (wikipedia)
Hurrican: einige Tausend

Was kostet schon eine Hütte in irgendeinem Entwicklungsland? 10 Bretter Holz pro Wand wenn überhaupt Wände vorhanden sind), ein bisschen Wellblech, eine Matraze.

Warum sollte man auch erwarten, dass Dämme um ein regelmässig überflutetes Gebiet in das konsequent hinein gebaut wurde brechen können.

Ich sags mal so: Jeder Tote ist tot. Das ist Schicksal. Die Betroffenen haben mein Mitgefühl aber ich bedauere grundsätzlich keine Toten, denn das ist ein nicht rückgängig zu machender Zustand. Aber Geld als Vergleichsobjekt zweier Katastrophen ist dann doch weit entfernt von Menschlichkeit. Und ich kann durchaus verstehen, dass die Bangkok Post sich nun Sorgen um die finanzielle Unterstützung der Tsunamiregionen macht. Und wenn im Spiegel dann ein solchermaßen blöder Kommentar kommt (“Vielen Dank auch. Das war’s dann. Keine finanziellen Hilfszusagen, null Sofortma??nahmen, nach Tagen dann ein z??gerliches Hilfsangebot des deutschen Innenministers.”), kommt mir das Kotzen. Natürlich braucht man die USA nicht finanziell zu unterstützen. Kuckt euch deren Bruttosozialprodukt an und haltet einfach die Klappe.

Kinder: Geld ist nicht alles. Und ich mag gar nicht weiterschreiben weil ich nur Dinge sagen könnte die beleidigend für manchen wären. Und mehr als nur einen Satz mit “Finanz” und “Kotzen” ziemlich nah beieinander.

Ich lass das mal so stehen.

©2004-2011 Patrick Kollitsch
Auf Textpattern geschmiedet.