Gegen neun Führer der PAD sind Haftbefehle ausgestellt worden und man nimmt an, dass sie bei „Einbruch der Dunkelheit“ verhaftet werden sollen. Grade wurde den Demonstranten am Government House (Map) der Strom abgestellt. Sie demonstrieren aber fröhlich weiter.
Samui? Samui! Geschichten von der Insel*
Das Archiv - August 2008
2008
Dass Demokratie und Meinungsfreiheit im Verständnis von rund 50% der Thais immer seltsam interpretiert werden, wissen wir ja bereits. Nun wurde ja für heute die große letzte Demonstration der PAD angekündigt und siehe da, auch sie artete eher aus.
Zuerst haben Demonstranten, die sich als Vertreter der PAD aus gaben (die PAD hat das erst dementiert und dann bestätigt) landesweite und das zentrale Studios des Senders NBT in Bangkok besetzt. NBT ist sowas wie ein gemeinsamer Sender aller Channels in Thailand und hat in den vergangenen Wochen größtenteils Olympiaberichterstattung betrieben. Bei der nach Verlautbarung der PAD gewaltlosen Besetzung wurden Moderatoren ge- und Scheiben zerschlagen. Das konnte man alles auf dem Sender sehen, bevor ein paar trotzige Mitarbeiter aus dem Sendewagen vor der Tür zu senden begannen.
Dann brachen Demonstranten in das Regierungsgebäude ein. Friedlich und auf legalem Wege, wie die Führer der PAD wieder meinten. In vier Ministerien war heute „ein langer Feiertag“, Schuluntericht in der Gegend fiel aus Sicherheitsgründen aus.
Was genau sich die PAD mit den Aktionen erhofft hat, ist nicht so ganz klar. Eine Regierung stürzt man auf anderem Wege.
Jedenfalls trat Premierminister Samak am Nachmittag vor die Kameras und meinte, es wäre nun an der Zeit, aufzuhören. Ein Ausnahmezustand wurde nicht verhängt, das Militär hat nicht geputscht, die Polizei hat nicht geputscht und die PAD mehr Gesicht verloren als sie nach den letzten Aktionen hatte.
Bis morgen früh sollen die Demonstranten abziehen und die PAD-Führung darf sich auf einen Gefängnisaufenthalt vorbereiten.
Man wird ja sehen…
Morgen soll die große und definitiv letzte Demonstration der PAD (Peoples Alliance for (???) Democracy) in Bangkok statt finden. Die Regierung hat die Demonstranten schon gewarnt, nichts „Kriminelles“ zu veranstalten. Interessanterweise wird relativ zeitgleich mit dem glorreichen Triumpfzug der Medaillisten Thailands bei der Olympiade demonstriert. Einmal Gold im Gewichtheben, einmal Gold im Boxen, einmal Silber im Boxen, einmal Silber im Taek Won Do.
Als Bangkoker hat mal also genügend Freizeitangebote morgen.
Gerade startet der Kampf um die Goldmedaille im Boxen bei den Fliegengewichten. Oder so. Jedenfalls verhaut da ein Thai einen Kubaner und nach drei Minuten steht es schon 5:0. Sieht nach einer weiteren Goldmedaille aus.
Update 1: Ergebnis
Somjit Jongjohor (TH) gewinnt Gold mit 8:2 Punkten gegen den Kubaner Andris Lafita Hernandez im Fliegengewicht. Das zweite Gold für Thailand in dieser Olympiade. Nachher kämpft dann noch Manus um Gold (was er sicher gewinnen wird).
Update 2: Ja, well, Manus hat ‘nur’ Silber erkämpft. Manus Boonjumnong (TH) unterlag Felix Diaz aus der Dominikanischen Republik mit 12 zu 4 Punkten. Damit rückt Thailand im Medaillenspiegel der diesjährigen Olympischen Spiele auf Platz 30.
Gary Glitter ist zu Hause angekommen. Das nur, damit unsere kleine Reise-Serie zu einem glücklichen Ende gebracht werden kann. Die thailändische Immigrationsbehörde hat gerade noch rechtzeitig festgestellt, dass sie dabei ist, mit dieser Farce mehr als nur ihr Gesicht zu verlieren und ihn kurzerhand ins Flugzeug nach London gesetzt.
Corker [sein Anwalt] said the former rock star, whose real name is Paul Francis Gadd, was „pleased“ to be back in Britain, because he would have a chance to clear his name.
Klar.
Morgen ist ein großer Tag für die thailändische IT-Behörde MICT (was soviel wie Ministerium für Informations- und Kommunikationstechnologien heißt). Das ist das gleiche Ministerium wie jenes, das Youtube verbot und das Nutzen von Technologien, welche der Verschleierung der eigenen IP dienen (Tor, Proxies) unter Haftstrafen stellt.
Im neuesten Coup haben sie ein Gesetz heraus gebracht, das in gut 1 Stunde in Kraft tritt und jeden Internet-Service-Anbieter unter Androhung von 500.000 Baht (je nach weltwirschaftlicher Gesamtsituation so um die 10.000 EUR) Strafe bei Nichteinhaltung dazu verpflichtet, den gesamten Datentransfer auf die Zehntelsekunde genau für 90 Tage zu loggen.
Ich habe dann den Nachmittag damit zu gebracht, Syslog-Dämonen zu bändigen und mich ein bisschen gefreut. Weil es anscheinend keine Regel gibt, wie genau diese Daten formatiert werden sollen. Hehehe…
PS: Thais sind ja clever, und so gibt es gleichen ein (noch?) freies Loggingprogramm, das auf das Gesetz zugeschnitten sein soll und dramatisch auf den Beginn des 23. August runter zählt.
Gary Glitters Welttournee geht weiter. Nach einem kurzen Stop in Hong Kong wurde er heute morgen wieder zurück nach Bangkok geflogen. In Hong Kong ist er wohl unerwünscht. Seine Optionen nun: Großbritanien oder Vietnam, von wo aus er nach Großbritanien deportiert werden würde.
Paul Francis Gadd, den die meisten meiner (sehr viel) älteren Leser wohl unter dem Namen Gary Glitter kennen, wurde in dieser Woche aus einem vietnamesischen Gefängnis entlassen und sitzt nun in Thailand auf Subvarnabhumi, dem internationalen Flughafen fest, weil er sich weigert, nach Großbritanien weiter zu reisen und die Thais ihn nicht im Lande wollen.
Der ganzen Angelegenheit voraus gingen eine Verurteilung in Großbritanien, wo er ein Notebook mit 4000 Kinderpornobildern in die Reparatur gab, die ‘Flucht’ vor der Presse nach Spanien, wo er nach einer Weile dann doch entdeckt wurde und weitere Stationen in Kuba, Cambodia und eben dann Vietnam. In Vietnam wurde er 2006 wegen sexueller Belästigung zweier neun und elf Jahre alter Mädchen zu drei Jahren Haft verurteilt.
Die ganze Kinderschändergeschichte ist natürlich nur eine Schmierenkampagne der englischen Yellow Press gegen ihn und er sagt bis heute, dass er die Mädchen nie angefasst hätte:
The singer maintained his innocence, blamed a media conspiracy and claimed he was teaching the girls English and allowed them to stay overnight because they were scared of ghosts.
In Vietnam darf er nun nicht mehr einreisen, in Cambodia ist er ebenfalls unerwünscht. In Indonesien hat man ihn vor kurzem rein präventiv wegen „des zu erwartenden Imageschadens für das Land“ auf die Blacklist gesetzt und auch hier in Thailand ist er Persona non grata. Man meint, er wölle nach Singapore oder Hong Kong weiter reisen, um ein halbfertiges Album, ehm, fertig zu stellen.
Die Briten wollen ihn am liebsten wieder im eigenen Lande haben, weil sie denken, ihn dort besser kontrollieren zu können. Fragt sich nur, warum er nun nicht dorthin zurück kehren will, schließlich sieht es so aus, als ob es das einzige Land wäre, das ihn gerne aufnehmen würde.
Manch einem mag es aufgefallen sein, dass ich gestern Abend schnell noch die restlichen 80 Bilder aus der Deutsch.Landreise zu flickr.com geladen habe, was größtenteils daran lag, dass ich an anderer Stelle recht leicht fertig versprochen habe, alle Bilder oben zu haben, ehe ich wieder auf Reisen gehe.
Die Voraussetzungen sind gegeben (je nach Interpretation des Versprechens), also verlasse ich fluchtartig die Insel. Es geht Richtung Bangkok und dann lass ich mich treiben. Ein paar Tage. Mal sehen wie lang. Bestimmte Dinge wollen geklärt werden.
Hin und wieder stimmt es: „Samui is a small island…“
Thaksin Shinawatra, Vorsitzender des thailändischen Profigolferverbands, und seine kürzlich verurteilte Frau Pojaman sind heute nach China gereist. Geschäftlich. Die anwesenden Kinder brachen bei ihrer Abreise in Tränen aus, wie man das auch so macht, wenn die Eltern auf Geschäftsreise gehen.
Pojaman, Bhannapot Damapong and Kanchanapa Honghern quietly left Thailand at 10.40 AM from Suvarnabhumi Airport in Bangkok to Beijing on Tuesday. They were seen to carry several luggages with them. Some of her three children broke down into tears as they saw her off.
Pojaman kommt natürlich zurück um sich ihrer Haftstrafe zu stellen.
Hin und wieder sollte man Marketing in eigener Sache machen, hier also die neuesten Neuigkeiten aus Samui:
11 Burmesische Crewmitglieder eines Fischerbootes töteten erst die vier Thais, denen das Fischerboot gehörte und versuchten dann, das Festland zu erreichen. Dabei ging dem Boot der Sprit aus, die 11 versenkten das Boot und riefen dann um Hilfe. 2 der Crewmitglieder wurden dann von Rettungskräften aus Samui aus dem Wasser gezogen und gaben die Tat nach einer Weile zu.
(Merke: Sind es Mörder, kommen sie aus Burma, sind es Schwarzarbeiter, sind sie Birmesen und wenn sie in der Armee sind, dann stammen sie aus Myanmar.)
Und dann war noch das: Auf Samui wurde mal wieder ein Kokain-Ring zerschlagen. Mit Hilfe amerikanischer Anti-Drogen-Fahnder wurden ein Iraner und „lokale und auswärtige“ Mitglieder festgenommen, die auf der Insel Kokain ver- und Geldwäsche betrieben.
Damit ist unsere Insel wieder so sauber wie sie schon immer war. Bis zum nächsten zerschlagenen Drogenring.
Als ich neulich Freunde aus Bangkok zur Fähre nach Koh Pha Ngaan brachte (man wollte die Auswirkung der Fullmoon Party dort auf Thais untersuchen) rollten mir ständig kleine leere Fläschchen vor die Füße. Ein Thai grinste mich dann immer konspirativ an und machte sniffende (Ganzkörper)Bewegungen. Zur Preisangabe kam es dann, als ich mir ein alkoholisches Aufmunterungsmittel beschaffen ging.
Wie auch immer. Ich glaube natürlich, dass Samui kriminalitäts- und drogenfrei ist.
Oder auch nicht. Aber man kann ja mal drüber nach denken, so wie es die englischen Sportzeitungen heute machen. Thaksin soll sich erkundigt haben, was denn die Konditionen seien, um seinen Anteil an Manchester City, einem Fussballclub in Grossbritanien wieder zu verkaufen. Gekauft hat er ihn erst nach dem letzten Putsch, was in Thailand eine kurze Zeitspanne ist.
Als Grund vermutet man, dass er Geld braucht und Probleme hat, an seine eingefrorenen Gelder in Thailand heran zu kommen:
But as he struggles to get 800 million pounds of assets unfrozen in his Thailand while currently facing trial on corruption charges in Bangkok, it appears he is considering cutting his losses at the City of Manchester Stadium.
Ich persönlich denke ja eher, dass es etwas mit dem drohenden Gesichtsverlust zu tun hat, der ihn erwartet, wenn seine ganzen Verfahren mit für ihm negativem Ausgang enden und er per Vertrag gezwungen wäre, seine Anteile zu verkaufen. Die Briten mögen anscheinend keine Vorbestraften als Clubbesitzer.
Aber wie auch immer, er will ja gar nicht verkaufen, man hat nur gerade keine anderen Themen bei der Hand:
Last night a Manchester City spokesman said: ‘It is not true to say that Dr Thaksin Shinawatra is trying to sell Manchester City, nor that he is looking for a buyer. Since he bought the club a number of potential investors from his wide network of business associates have spoken to Dr Thaksin about investing in the club. These discussions have been nothing more than exploratory.’
Bei Bild Online kann der geneigte Leser heute einen Beitrag über den „Inkognito“-Besuch des thailändischen Kronprinzen in Deutschland lesen.
Toller Titel:
Dieser Autofahrer ist der Kronprinz von Thailand
Da fehlen mindestens drei Ausrufezeichen. Im Text wird einmal quer durch das Abendmahl des Prinzen gegangen und die Autoren fragen sich (natürlich gerechtfertigt im Auftrag des unwissenden Lesers der Unterschichtengazette), was der Mann da so in Deutschland macht (Flugzeug fliegen, schließlich ist er Luftwaffen-Pilot und noch nicht König) und warum er seinen Chauffeur durch die City chauffiert (Straßenqualität und Rechtsverkehr).
Viel interessanter ist die Frage, warum die gelehrten Autoren der spannenden Reportage nicht darauf eingehen, die wievielte Ehefrau… hupps… nein… ich wollte doch...
PS: Prinz Maha, wie er so schelmisch bei Bild genannt wird, heißt im wahren Leben Maha Vajiralongkorn und ihn nur Prinz Maha zu nennen dürfte mit Sexverbot beim nächsten Urlaub der Autoren in Pattaya bestraft werden.
Der Sohn des ehemaligen amerikanischen Präsidenten George Bush kommt in den nächsten Tagen auf seiner Abschiedstournee in Thailand vorbei. Aber nicht, weil er die Thais so nett findet oder irgendwelche Freihandelsknebelverträge erneuern will. Nein, er kommt um im thailändischen Fernsehen Position gegen Burma, Birma und Myanmar zu beziehen. Je nachdem, welcher Reporter mit welcher Parteilichkeit berichtet. Birma ist böse, man trifft sich mit Dissidenten und zeigt die Unterstützung der amerikanischen Regierung im Kampf gegen die bösen Myanmar-Militärs mit ihrem ständigen Rumgemenschenrechtsverletze.
Ein Schelm wer da an Geld und Rohstoffe denkt.
PS: Anschließend kuckt er sich Olympia in China an. Und wird dort nichts zum Thema Menschenrechte sagen. Man muss ja Prioritäten setzen.
PPS: Ein Interview, das Bush mit einem thailändischen Reporter führte gibt es auf Nation Online.
Endlich hat auch Thailand seinen eigenen Videogamekiller. Ein 19 Jahre alter Schüer wurde heute in einem Taxi aufgefunden, mit erstochenem Taxifahrer im Rücksitz. Er gab zu, von Grand Theft Auto „abhängig“ zu sein und Töten im Spiel als einfach empfunden zu haben.
Da er von seinen Eltern nicht genügend Taschengeld bekam, hat er kurzerhand bei Tesko ein paar Messer gekauft und nahm sich ein Taxi. Später dann hat er den Taxifahrer bedroht und, als der sich wehrte, ihn mit 10 Messerstichen getötet. Anschliessend wollte er das Taxi noch verstecken fahren, aber auch das Autofahren hat er einfacher eingeschätzt, als es in wahren Leben ist.
Grand Theft Auto, das Videospiel wurde inzwischen vom Markt genommen. Und nun beginnen die Moraldebatten.
Vor ein paar Wochen noch musste ich Europa verteidigen, weil „wir“ Videogamekiller haben. In Thailand würde das nie passieren.
Nun… Es passierte...
Ich finde ja, ein eingener Videogamekiller berechtigt zur Aufnahme in die sog. „Erste Welt“.



