Samui? Samui! Geschichten von der Insel*

Das Archiv - Juni 2010

2010

30 Jun 2010

Dass ich vergangenes Jahr als Ramadan Orakel her halten musste habe ich ja bereits erzählt. Dieses Jahr ist es nicht anders und so möchte ich nur kurz am Rande erwähnen, dass Ramadan im Jahre 2010 in Asien am 11. August beginnt und am 9. September endet. Der genaue Termin hängt vom Iman des jeweiligen Ortes ab – sieht der den ersten Schein des Mondes, beginnt das Fasten.

Die Termine hängen vom Mondkalender ab, liegen also jedes Jahr zu einem anderen Termin und rund 11 Tage eher.

27 Jun 2010

Heute Nacht ist es mal wieder zu einem Schnellboot-Unfall vor Koh Phangans Küste gekommen – zwei Boote auf dem Weg zur Fullmoon-Party kollidierten miteinander. 2 Menschen werden vermisst und 39 Verletzte mit teilweise schweren Verletzungen in die Krankenhäuser der Umgebung gebracht.

Solche Unfälle geschehen relativ häufig, sei es wegen schlechten Wetters (man kann ja das gute Geschäft nicht nur wegen des Wetters verlieren), nicht gewarteter Boote oder deren unfähigen Besatzung. Nach solchen Unfällen werden in der Regel Aufklärung und Verbesserung versprochen. Bis zum nächsten Unfall.

23 Jun 2010

Wie jedes Jahr um diese Zeit werden morgen wieder einmal legal Drogen verbrannt. 5.691kg werden mit einem „speziellen Verfahren“ verbrannt, das die Umwelt nicht verschmutzt und vermutlich auch keine unerwünschten Drogenräusche hervor ruft.

To be reduced into ashes and smokes include 1.8 million kgs (about 20.21 tablets) of methamphetamine, 213.97kg of heroin, 13.2kg (54,881 tablets) of ecstasy, 1.19kg of cocaine, 129.41kg of opium, 166.32kg of codeine, and 6.51kg of marijuana.

Wenn man sich diese Zahlen ansieht und das dann mit den per News verbreiteten Zahlen zu Drogenrazzien und sicher gestellten Mengen vergleicht, wundert man sich, wo die übrigen Kilogramms wohl verblieben sein mögen. Oder auch nicht.

11 Jun 2010

A prison guard, background center, and other inmates watch a soccer match between South Africa, white jersey, and Mexico, black jersey, in the Prison World Cup 2010 Behind Bars to celebrate the FIFA World Cup 2010 soccer tournament in South Africa at Klong Prem prison in Bangkok, Thailand Thursday, June 10, 2010. The World Cup in South Africa is scheduled to kick off on Friday June 11, 2010.

Gestern gab es das erste Spiel der Gefängnis-Fussballweltmeisterschaft im Bangkoker Klong Prem Gefängnis. Passenderweise spielte Südafrika gegen Mexiko. Ob die Sträflinge dafür extra eingeflogen worden oder ob der Knast in Bangkok so multikulturell belegt ist, konnte ich nicht heraus finden.

Ich persönlich werde im kommenden Monat für die Nordkoreaner jubeln. Deren Torwart soll ja ein echt toller Stürmer sein.

08 Jun 2010

Am Donnerstag werden im Parlament Vertreter aus 5 Religionen gleichzeitig (versucht DAS mal!) an einer „merit making“-Zeremonie teilnehmen (zumindest hätte die Regierung das gerne).

Merit making is so etwas wie Gutes für das nächste Leben (das eigene oder das der Eltern oder wichtiger Personen) tun und ein zutiefst buddhistisches Ritual. Bin gespannt, wie die zusätzlich eingeladenen Christen, Muslims, Sikhs (sik!) und Brahm(an?)isten anstellen werden. Solange es dem Frieden und der Versöhnung dient…

08 Jun 2010

Unsereins hat bei der Quartals-Rasur einen recht hohen Haarabgang. Nicht unverständlich daher ist also, dass die Rohre nach gut einem Jahr im neuen alten Haus aufgaben und das Wasser nicht mehr ablief. Ich persönlich habe mir eine Ausrede a la „Das sind die Termiten die da unten im warmen Ablauf ihr Nest errichten“ zurecht gelegt. Das half aber nichts, das Wasser blieb in der Gosse.

Nichtsdestotrotz erstand ich am Wochenende in der Badabteilung des heimischen Tesko Supermarkts ein Paket Rohrfrei. Oder zumindest dachte ich, es wäre Rohrfrei. Was sonst würde genau zwischen blauen WC-Steinen und WC-Enten zu finden sein…

Heute nun öffnete ich mein kleines Päckchen, lies den Inhalt in den Abfluss rieseln und das Unheil nahm seinen Lauf. Zuerst dampfte es warm. Ich zog meinen prüfend über die sechs Löcher gehaltenen Kopf zurück, nicht ohne einen jedes Sauerstoffatom erstickenden Gestank in Nase und Hirn wahrzunehmen. Nach einigen Sekunden kamen auch die Schallwellen des Vorgangs an, es zischte, brodelte und rauchte.

Geschwind evakuierte ich die Hunde aus dem Haus (geflüchtet waren sie schon in die hinterste Ecke des Hauses), drehte den Wasserhahn auf, öffnete die Fenster und floh ebenfalls.

Nach gut 10 Minuten konnte man das Haus wieder betreten und das Wasser lief wieder ab. Wie sich das gehört. Störend ist nur, dass der Abfluss jetzt tropft. In Strömen. Aber dafür gibts bestimmt auch ein Pülverchen. Oder ich rasier mich mal wieder…

08 Jun 2010

Vor ziemlich genau einem Jahr fand man David Carradine, Schauspieler in Serien wie „Kung Fu“ und Filmen wie „Kill Bill“ im Schrank eines Bangkoker Hotels tot hängend auf.

Der Tod wurde später nach mehreren Autopsien als „unbeabsichtigte Erstickung“ und nicht als Selbstmord gewertet und war einige Tage lang Thema in verschiedenen Regenbogenpublikationen. Unter anderem hat man in Thailand ein Photo veröffentlicht, auf dem er im Schrank hängend zu sehen ist – für Thailand eine ziemlich normale Vorgehensweise, denn die Titelseiten der Boulevardblätter sind voll mit detailgetreuen Photos von Unfällen, Morden, Bombenopfern und anderen Toten.

Unbeabsichtigte Erstickung kann unterschiedlich gewertet werden. Wenn man weiss, dass die beim Hängen verwendete Leine nicht nur um seinen Hals sondern auch um sein, ehm, Genital geschlungen hatte, kann man sich beruhigt zurück lehnen – er ist nicht unglücklich gegangen.

Nun jedenfalls verklagt Carradines Witwe die Produktionsfirma, für die er sich zum letzten Höhepunkt in Bangkok aufhielt. Sie meint, die Firma trage Mitverschulden an seinem Tod, weil sie sich nicht in vollem Umfang um David Carradine während seines Aufenthaltes in Bangkok gekümmert habe. Voller Umfang scheint in diesem Fall das Halten des Seils bei der Selbstbefriedigung zu sein.

02 Jun 2010

In Hamburg gibt es ein Internationales Kurzfilmfestival. Eines der Hauptthemen in diesem Jahr ist Thailand. Unter dem Titel We are fine (wie passend) kann man 14 kurze Filme aus Thailand ansehen.

We Are Fine versammelt Filme, die sich ganz diskret mit dem thailändischen Alltag auseinandersetzen. Die das abbilden, was dort im audiovisuellen Mainstream inexistent ist: gewöhnliche Leben gewöhnlicher Menschen. Die Filme führen uns aus Bangkok aufs Land und wieder zurück, sie hinterfragen den Wert von Arbeit als Lebensaufgabe, zeigen Träume von anderen Leben und die Verstrickungen von Konsumismus und Politik.

02 Jun 2010

Ich entsinne mich, dass ich für die Fussball WM vor vier Jahren mühsam die Fernsehtermine bei den thailändischen Kanälen zusammen gesucht habe. Ganz schön viel Arbeit, wenn man bedenkt, dass ich dieser Sportart absolut nichts abgewinnen kann (außer vielleicht Würstchen und Bier auf den Tribünen, dazu aber muss man bekanntermaßen nicht ins Stadion gehen).

Dieses Jahr ist es viel einfacher – es gibt bereits eine Liste mit Ausstrahlungsterminen und den Sendern im weiten Internet. Eine der wenigen Webseiten aus Thailand, die ganz bestimmt nicht gesperrt wird.

Mögen die Deutschen auch dieses Ereignis gewinnen, so wie den Grand Prix der Eurovision, die Papst- und die Präsidentenwahl.

©2004-2011 Patrick Kollitsch
Auf Textpattern geschmiedet.