Samui? Samui! Geschichten von der Insel*

28 Feb 2007

Hin und wieder befinden sich unter den täglichen durch unnatürliche Ursachen getöteten Personen in Thailand Ausländer. Darunter ein amerikanischer Teenager, der sich zwischen zwei Wagen eines Zuges in Ermangelung einer Klimaanlage heraus lehnte, um sich abzukühlen und dann bei voller Fahrt von einem in die Strecke hängendem Hindernis herunter gerissen wurde (Stichwort “freak accident”) oder ein Sachsen-Anhaltiner, der wegen Pädophilie festgenommen wurde und nach einigen Tagen mit aufgeschnittenen Pulsadern in seiner Zelle aufgefunden wurde – als Todesursache wurde allerdings ein in den Mund gestopfter Sockenballen ermittelt, an welchem er erstickte.

Bei solchen Fällen reagieren die Medien, Politiker und die Polizei im Lande immer sehr sensibel und sind bemüht, die Fälle schnell zu lösen und “Schuldige” zu präsentieren (siehe auch die schnelle “Auflösung” des Mordes im New Hut vergangenen Januar).

Am Wochenende nun wurden in Pattaya (wo eigentlich regelmäßig Farangs auf verschiedene Art und Weise umkommen – einer der Gründe, warum ich da noch nie war) zwei russische Touristinnen erschossen.

Sie reisten am 16. Februar mit einer russischen Reisegruppe ein, setzten sich ab und sind seither auf eigene Faus in Pattaya unterwegs gewesen. Dort sind sie durch einen Streit mit einem lokalen Liegestuhlvermieter aufgefallen (welcher als erster Verdächtiger herhalten durfte) und wurden dann Samstag morgen tot in ihren Liegestühlen aufgefunden. Der Parkplatzwächter eines benachbarten Ressort hatte Schüsse gehört. Vor dem Mord wurden sie zuletzt in einer Bar gesehen, wo sie sich mit zwei russischen Männern unterhalten haben (die als zweite Verdächtige herhalten durften). Der Mord wurde von einer Überwachungskamera aufgezeichnet, allerdings ist der Täter nicht zu erkennen. Er ist relativ groß und hat eine Figur, welche die Polizei zuerst zu der Aussage hinreißen ließ, es könne ein ausländischer Täter sein, denn die Statur passt nicht zu einem Thai.

Alles in allem tappt die Polizei allerdings im Dunkeln. Man hat jede Menge Beweismittel, aber keinen greifbaren Täter, kein greifbares Motiv. Lt-General Assawin Khwanmuang (der auch schon im New-Hut-Mord für eine schnelle “Aufklärung” sorgte, ist auch hier wieder am Werke, allerdings wenig erfolgreich bisher. Die Gerüchteküche brodelt – es ist die Rede von russischen Bandenkriegen, die beiden Frauen sollen Prostituierte gewesen sein (eine Behauptung die inzwischen zurück genommen wurde). Der aktuelle Verdächtige ist ein Tourguide, der ohne Tourguide-Lizenz arbeitete und seit dem Mord verschwunden ist.

Pattaya ist wie gesagt bekannt für seine blühende Sex-Industrie und eine hohe Kriminalitätsrate. Dieser Mord kommt vielen Kritikern nun sehr recht, um ein Aufräumen Pattayas zu fordern. Pattaya ist als Hochburg ausländischer Krimineller bekannt. Von russischen Gangs ist die Rede.

Hier auf Samui haben “die Russen” nie einen Bein auf den Boden bekommen. Es gibt Berichte, nach denen russische Banden im Inselsüden versucht haben, heimisch zu werden. Allerdings haben drei einheimische Familien alle zwielichtigen Geschäfte in der Hand und regeln alle größeren Probleme per Auftragskiller. Diebe werden meist schnell gefasst (was nicht bedeutet, dass das Diebesgut wieder beim Bestohlenen landet), Insassen des Inselgefängnisses, denen ein Ausbruch gelingt, sterben meist auf der Flucht.

PS: Falls sich jemand über die Anführungszeichen um die Auflösung des Mordes im New Hut wundert: so ganz klar ist bis heute nicht, ob das Geständnis der beiden Täter echt oder gekauft ist. Den Imageschaden hat die schnelle Lösung des Falles aber gering gehalten.

6 Kommentare

Karsten am Donnerstag, dem 1. März 2007

Du zeichnest leider ein verzerrtes Bild. Als Tourist ist man in Pattaya sicherer als zum Beispiel an südeuropäischen Stränden, in New York oder fast jedem anderen Urlaubsziel. Natürlich wird immer mal wieder eine Handtasche oder Goldkettchen geklaut. Es werden sogar Touristen von Sexworkern mit k.o.-Tropfen benebelt. Aber das passiert woanders nicht seltener - nur wird weniger darüber berichtet.

Pattaya ist von der Sicherheitslage her jedenfalls nicht schlechter als andere Ziele. Dass man die Stadt aus anderen Gründen nicht mögen muss, räume ich gerne ein. Love it or hate ist. Ich persönlich gehöre zur ersten Fraktion.

Patrick am Donnerstag, dem 1. März 2007

So genau kann ich das nicht beurteilen, da ich zweiterer Fraktion angehöre. Es ist aber schon so, dass Pattaya die höchste Kriminalitätsrate bezogen auf Farangs hat. Die Touristenstrände muss das gar nicht mal so sehr betreffen.

Inzwischen ist die These, dass die beiden doch was mit russischen Banden zu tun hatten, wieder aufgekommen, weil kurz vor dem Mord sehr viele Telefonate geführt worden sein sollen.

Dass über "anderswo" nicht so sehr berichtet wird, kann ich leider bestätigen. Wenn man nicht selbst betroffen ist, erfährt man nichts. Das Vertuschen funktioniert auf der Boutique-Insel gut. Im englischsprachigen Bereich findet man über Vorgänge auf Samui nahezu keine Berichte. Pattaya wird da schon genauer überwacht.

Ist der Ruf erstmal ruiniert... ;)

Rollmops am Donnerstag, dem 1. März 2007

Ich verfolge diesen Vorfall auch schon ein paar Tage, und offenbar hat eins der Mädel in ihrem Pass eine Nachricht für ihre Mutter hinterlassen, in der sie andeutet, daß wenn die Mutter diesen Zettel lesen sollte, ihre Tochter nicht mehr zurück kommen würde.

Inzwischen checken sie auch die Passagierlisten der Mitreisenden beim Ankunftsflug der beiden.

Und wer sich's geben will, hier ein Foto davon.

Patrick am Donnerstag, dem 1. März 2007

(Ich habe deine Links mal in den Kommentar hinein-editiert. Werde bei Gelegenheit mal kucken, was ich in Hinsicht auf HTML in den Kommentaren machen kann...)

Ja das stimmt, es gibt interessante thaitypische Entwicklungen in dem Fall. Allerdings, wenn du von "Mädel" schreibst, könntest du auch der russischen Presse auf den Leim gegangen sein (hab deine Links noch nicht gelesen). Die schreibt viel Unfug derzeit und jede Menge "Details" die es hier gar nicht gibt. Nur dort ist von Mädchen die Rede. Die beiden waren 25 und 30 Jahre alt, und bei Russen kann man da bestimmt nicht mehr von Mädchen reden ;)

Die Photos werden hier nicht gezeigt. Interessanterweise sind die Thaimedien trotz häufiger sehr realer Darstellungen zermatschter Köpfe und anderer Körperteile bei Farangs sehr zurückhaltend. In den Mailinglisten bekommt man das dann aber immer zu sehen.

Rollmops am Donnerstag, dem 1. März 2007

Danke fuers einbasteln der Links. Hatte mich schon gewundert, dass sie nichtmal anklickbar dargestellt wurden. Und auf die schnelle hatte ich in der Naehe des Eingabeformulars auch keine Hinweise gefunden, was hier jetzt an HTML erlaubt ist, so dass ich mir das weitere editieren der Links komplett gespart hab.

Und das mit den Maedel ist auch Sache des Standpunktes. In meinem Alter ist 'ne 30-jaehrige halt ein Maedel ;) Eigentlich sag ich hier vor Ort ja Deandl dazu, aber das versteht noerdlich der Donau ja wieder keiner :)

chiangmai am Donnerstag, dem 6. September 2007

Mensch leute,
ihr seid ganz schoen Pro Thaksin!
cm

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