…und ein angedrohter Krieg.
Heute hat Cambodia Thailand (je nach Interpretation der jeweiligen Medien) mit Krieg gedroht, wenn Thailand nicht seine Truppen innerhalb von 24 Stunden aus dem Grenzbereich nahe des Tempels Preah Vihear zurück zieht.
Im Prinzip geht es um ein gut 150 Hektar großes Gebiet auf dem ein Tempel steht. 1907 wurde die Grenze zwischen Cambodia und Thailand von einem französischen Team (die Franzosen wieder…) vermessen und kartographiert. Dabei wurde die Grenze (nach Meinung der Thais) in einem unwichtigen Anhang (nach Meinung der Thais) falsch eingetragen und Preah Vihear landete auf cambodianischer Seite. Aus der Wasserführung eines Grenzflusses jedoch war klar zu erkennen (nach Meinung der Thais), dass der Tempel auf thailändischem Boden steht.
Nach jahrelangem Streit hat 1962 der internationale Gerichtshof in Den Haag dann entschieden, dass der Tempel zu Cambodia gehört, die Thais waren sehr erzürnt aber relativ machtlos und für eine Weile lang war Ruhe um das Gebiet.
Dann gab es Beginn diesen Jahres Bestrebungen auf cambodianischer Seite, den Tempel als UNESCO Weltkulturerbe anerkennen zu lassen. Thailand protestierte zuerst dagegen, dann gab es ein gemeinsames Communique von Thailand und Cambodia, in dem beide den Tempel als Weltkulturerbe empfahlen, weil Cambodia (nach Meinung der Thais) zugestimmt hatte, noch einmal über die Grenzführung zu verhandeln.
Als die Thais gut eine Woche vor der Entscheidung der UNESCO begriffen, dass sie da etwas missverstanden haben, zogen sie ihre Empfehlung zurück. Am achten Juli diesen Jahres wurde der Tempel dann offiziell als Weltkulturerbe anerkannt, sehr zum Unwillen Thailands. Der Aussenminister musste seinen Posten räumen und die sehr demokratische Peoples Alliance for Democracy verwendete den Tempel als Beispiel der Unfähigkeit der damals aktuellen Regierung Thailands.
Im September und Oktober gab es dann häufiger einmal Schiessereien und Truppenbewegungen an der Grenze, zuletzt mit mehreren Toten. Wer die ersten Schüsse ab gegeben habe, darüber wird lange und heftig diskutiert.
Gestern nun gab es erneut Verhandlungen zwischen den Aussenministern der beteiligten Länder (was hinsichtlich der häufiger wechselnden Thai-Aussenminister eher kompliziert ist) mit einem guten Ergebnis (nach Meinung der Thais). Die Cambodianer dachten anders und gaben ein 24 Stunden Ultimatum, nach dem die Thais ihre Grenztruppen von ihrem Boden abziehen sollen. Falls sie nicht abziehen, wird man mit Waffengewalt für einen Abzug sorgen.
- Der Tempel Preah Vihear bei WikiTravel.org (englisch)
- Preah Vihear bei Wikipedia.org (englisch)
- Ablauf des aktuellen Konflikts (englisch)
- Preah Vihear auf der UNESCO-Seite (englisch)
- Gerichtsbeschluss des Internationalen Gerichtshofs von Den Haag zu Preah Vihear vom 15. Juni 1962 (englisch)
3 Kommentare
benem am Montag, dem 20. Oktober 2008
„Kambodscha“, sorry, ich dachte ich weise mal darauf hin, weil Du beharrlich „Cambodia“ schreibst.
Gruß:
Ben
jokkel am Dienstag, dem 11. November 2008
Anscheinend ist mein Pingback nicht durchgekommen.
Gruß Jokkel

Hans Kolpak am Dienstag, dem 14. Oktober 2008
Ich beobachte oft, wie hier in Deutschland durch Medien Sachverhalte verzerrt werden. Aber das Problem haben ja schon zwei Menschen, die sich gleichzeitig in derselbsen Situation befinden. Es kommt zu unterschiedlichen Wahrnehmungen, Bewertungen und Zeugenaussagen.
Bin ich als Gast in Thailand, dann habe ich genauso wie hier in Deutschland die Chance, Menschen und Umwelt respektvoll zu begegnen. Je mehr Mensch friedlich eingestellt sind, desto weniger Blut fließt. Doch war ich oft genug mit unheilvoller Dummheit und Machtgier konfrontiert, um realistisch zu sein.
Ich habe zum Beispiel 12 Jahre lang eine nachbarliche Situation ausgehalten, die mich zermürbt und krank gemacht hat. Da meine eigene Frau und meine beiden Kinder nicht gehen wollten, bin ich gegangen. Jetzt, elf Jahre später, lebe ich noch. Das ist mir wichtiger als ein gewonnener Krieg welcher Art auch immer.
Hans Kolpak
Offroad in Südostasien