Samui? Samui! Geschichten von der Insel*

22 Sep 2006

Der vor zwei Tagen durchgeführte bisher gewaltlose Putsch scheint “vorbei” zu sein. Zumindest die latente Bedrohung von gewaltsamen Gegenreaktionen durch Bevölkerungsteile, die der alten Regierung zugeneigt waren, ist gebannt. Die Reaktion des Königs auf den Putsch wird auch von Thaksins Befürwortern anerkannt. Wie öfters erwähnt waren das genau 50% der Bevölkerung. Vor allem die sehr armen Menschen im Isaan und andern nördlichen Regionen haben von Thaksins Regierung (zu Beginn der Thaksin-Zeitrechnung) sehr profitiert und befürchten nun herbe Rückschläge. Aber was der König sagt ist Gesetz und alle Thais respektieren das. Man hört aber wenig aus den ärmeren Gebieten. Falls Gegendemonstrationen stattfinden wird das nicht in den News gebracht. Man hört auch wenig Meinungen aus Regionen weiter weg von Bangkok. Ich glaube, dass hier Information unterdrückt wird.

Der Tag verlief ruhig. Zu Beginn hatte ich das Gefühl, dass die Informationsflüsse, die in den 24 Stunden nach dem Putsch sehr sprudelten, abebbten. Der vermutliche Grund dafür (das ist jetzt nur meine Spekulation) war wohl die Forderung des CDRM, keine den Putsch schädigenden Meldungen zu veröffentlichen und die Meinungsbekundungen zu zensieren. Inzwischen gibt es aber wieder Informationen in Massen.

Gerüchte gab es in den vergangenen 48 Stunden viele. Gegengerüchte auch. Über Gegenputsche, Thaksins Pläne, plötzliche massive Geldflüsse am Dienstag Nachmittag, die “wahren” Hintermänner des Putsches. Die Lage ist aber ruhig. Und Gerüchte sind immer gute Gesprächsthemen.

Es darf also davon ausgegangen werden, dass es auch in der nun folgenden Übergangsphase keine Gewalt geben wird. Nur 2 der 20 Putsche, die in den vergangenen 80 Jahren Thailands Gesellschaft erschüttert haben, sind blutig ausgegangen. Trotzdem: Diesen Putsch als lapidar oder geringe Bedrohung hin zu stellen (wie einige Farangs hierzulande in ihren “Blogs” zu verkünden meinen müssen) zeugt von extrem niedriger Intelligenz, sowohl emotional als auch intellektuell. Viele Menschen sind extrem unsicher und verängstigt, was die Zukunft angeht. Persönliche Sicherheit und Stabilität ist einer der Eckpfeiler der thailändischen Gesellschaft.

Auch Thaksin sollte nicht unterschätzt werden. Er ist nur verwundet, nicht besiegt. Und Geld regiert immer noch die Welt. Auch hier.

20 Putsche in rund 80 Jahren? Es wird wohl in 4 Jahren wieder eine solche Eintragsflut in meinem kleinen unbedeutenden Blog geben. Ich bin gespannt wie es weiter geht. Aber alle die sich um mich Sorgen gemacht haben können nun wieder ruhig schlafen. Wirklich.

2 Kommentare

Khesrau am Freitag, dem 22. September 2006

“Diesen Putsch als lapidar oder geringe Bedrohung hin zu stellen (wie einige Farangs hierzulande in ihren “Blogs� zu verkünden meinen müssen) zeugt von extrem niedriger Intelligenz, sowohl emotional als auch intellektuell.�

Diese Beleidigung will ich ueberhoert haben.

Dieser Putsch ist klein und unbedeutend im Sinne von: Wo zum Teufel nochmal ist er? Ich weiss nicht, wie sehr du etwas auf Ko Samui davon mitbekommst (und dabei habe ich sogar deinen Bericht dazu gelesen), aber das Internet ist nicht die erste Quelle, die du konsultieren solltest, wenn es darum geht. (Und als Inselbewohner ist das leider die einzige, die du hast.)

Ich habe einige Freunde in Bangkok, Thais, nicht einmal Farangs. Das ganze duestere Szenario, das die Fernsehsender (und auch du hier) erzeugen, ist – mit Verlaub – uebertrieben. Die Leute sind absolut entspannt und warten einfach ab. Reisserische Uebrschriften wie “Erster Schritt in die Normalitaet� zeugen nur davon, dass sich einige Menschen darueber freuen, endlich mal aus einem “Krisengebiet� berichten zu koennen. Irak 2.0. Ausserdem zeugen sie auch davon, dass die Verfasser keine Ahnung davon haben wie die Thais ticken. Das sind keine Menschen, die sich so leicht aus der Ruhe bringen lassen. Fragt man sie, was passiert, wenn der Koenig irgendwann stoert, sagen sie: “Darueber denken wir nicht nach.�

Bei aller Liebe zu Thailand: Die Thai sind meiner Meinung nach einfach zu sehr von diesem (ja, schlechten) Koenig verblendet und unterschaetzen den mieserablen idiellen Wert dieses Staatsstreichs: Demokratie erreichen, indem man sie undemokratisch stuerzt.

Du gehst mir hier mit dem ganzen Thema ein wenig zu unkritisch und emotionslos um. Am schlimmsten jedoch ist die Tatsache, dass du andere Meinungen wie ein trotziges Kind runtermachst und deren Autoren “niedrige Intelligenz� unterstellst. Und dann lese ich hier sowas:

“Hast du vor deinem Charakter durch platte Beleidigungen oder die Verwendung von Worten jenseits der Kinderausgabe des deutschen Dudens Ausdruck zu verleihen?�

Nun denn.

(Falls du Interesse an einer “Diskussion� dazu hast: Schreib mir doch einfach eine Mail. An dieser Stelle wollte ich nur direkt auf jene Passage eingehen, die mir sehr missfaellt.)

Patrick am Samstag, dem 23. September 2006

Für meine anderen Leser: Ich habe die Mail geschrieben und empfehle als ergänzendes Material das Lesen seines Blogeintrages zum Putsch.

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