Samui? Samui! David's Neighbour's Notizen über sein Leben als Auswanderer auf der Insel Koh Samui in Thailand. Auf Deutsch, und so...

Samui ist sicher wie eine Jauchegrube

Wenn es nicht so traurig wäre würde ich in einen wahren Schadenfreudenrausch mir selbst gegenüber ausbrechen. Ist aber leider traurig und ungeheuer dumm. Also muss Anderseiner die Schadenfreude empfinden.

Gestern abend kam ich nach Hause, das Fenster stand weit offen und das Fliegengitter flatterte fröhlich im Wind. Schön denk ich mir das solltest du mal unterlassen, sonst klaut dir noch jemand das Notebook. Dann fiel mir auf, dass ich meine Fliegengitter nie im Wind wedeln lasse — wegen der Fliegen. Dann fiel mir mein Schreibtisch ins Auge. Er sah etwas anders aus. Kah (Hubert Kah), der Elefant stand mitten auf dem Tisch, genau da, wo im Normalfall ein fettes Notebook von Dell vor sich hinstauben soll. Nun war da nur noch eine kahle Stelle und ein trauriger Elefant. Ich dachte mir, das Notebook hast du doch die ganze Woche nicht im Büro gehabt, warum stehts denn da nicht? Und dann begann es zu dämmern.

Ja. Manchmal brauch ich ein Stück.

Nun gut. Man hat mich ausgeraubt. Ein schönes Wort. Raaaaauuuuuub. Wo ehedem mein Notebook sein Leben als Textingmaschine und Filmabspielgerät fristete gähnt nun ein Loch mit Kah in der Mitte. Hinter dem Haus stand das Fahrrad vom Nachbarn gegen die Wand gelehnt, über den Sattel sind sie gestiegen und durchs Fenster rein. Zum Abtransport des Notebooks haben sie den Rucksack genommen in dem fatalerweise meine Bankkarte, mein Pass, mein Geld, mein MP3-Player und mein Fotoapparat waren. Meine Filme haben sie nicht geklaut (Ignoranten). Die Klamotten waren durchwühlt. Den Whisky haben sie auch nicht mitgenommen (Plürresäufer). Das Bett war durchwühlt. Das JAKO haben sie nicht mitgenommen (Stinkbacken). Dafür aber jedes Geldstück, das irgendwo rumlag. Die Maus haben sie liegen gelassen (Idioten).

Tja. Ausgleichende Gerechtigkeit sagt das kleine Teufelchen auf der linken Schulter.

Ich bin also wieder auf mein Moped gestiegen und zur Polizei gefahren. Lässt sich schwer erklären wo ich wohne. Bei der Polizei in Lamai störte ich die Beamten gerade bei einem überaus interessanten Godzilla-Film (der mit 50 Jahre Godzilla, ein eher schlechtes Produkt dieses Genres, hab ich mir auf Japanisch reingezogen) und man grinste mich nur an. Nach einer Weile kam ein Beamter mit Handtuch ums Gemächt und schrieb ein bisschen was auf. Mitkommen wollte aber niemand. Ich solle nach Ban Nathon zur Touristenpolizei fahren.

Heute morgen bin ich also nach einer durchwachten und mit Schimpfworten gefüllten Nacht nach Nathon gefahren, wo man dann meinen Bericht aufnahm. Die Hütte ansehen will aber trotzdem niemand. Es regnete.

Anschlie?end bin ich dann noch zur Bank, eine neue Karte bestellen und ein bisschen Geld abheben. Dort erklärte man mir dann, dass heute Nacht mein Konto abgeräumt wurde. Wie das geht nur mit der Karte und ohne PIN (bin ich blöd? ich pack doch die PIN nirgendwo hin) konnten sie mir aber nicht erklären.

Nun bin ich im Besitz von 60 THB, meinen Klamotten und der Erkenntnis, dass es niemals aufwärts gehen wird. So langsam nervt mich mein Leben.

Achso. Alles ist nicht verloren. Ich hab dann im Büro meinen Fotoapparat vorgefunden, den ich gestern dort vergessen hatte. Dann und wann ist Alzheimer ganz nützlich. Und meinen Lohn für Mai hab ich auch schon. Nur pack ich den nicht mehr auf die Bank. Und in mein Haus kommen nur noch Buddhastatuen und Tütensuppen.

Ich glaube, ich werde demnächst Krungthep, die Stadt der Engel sehen. Ich weiss nur noch nicht, wie ich wieder an mein Non Immigrant Visa B rankomme.

Und überhaupt, das ist ja nicht alles…

PS: Da ist doch glatt jemand über den Suchbegriff “Ko Samui Mafia” auf diese Seiten gekommen. Da könnte was dran sein. Ich kenne nur einen Farang hier, der noch nicht ausgeraubt worden ist. Auch wenn die Verwaltung und die Regierung sagen, dass es hier sicher ist — ist es nicht. Obs organisiert ist, mag ich nicht beurteilen.

PPS: Damit hier keine Missverständnisse auftreten — Jauchegruben sind nicht sicher. Sie stinken und sind am Rand so schlickig, dass man immer wieder reinrutscht.