Samui? Samui! David's Neighbour's Notizen über sein Leben als Auswanderer auf der Insel Koh Samui in Thailand. Auf Deutsch, und so...

The end is the beginning is the end

Liebes Tagebuch,

Ich bin der Böse in dieser Geschichte. Das ist eventuell das Interessanteste. Allerdings nur, wenn man an meiner Psyche interessiert ist so wie du. Sonst wäre der interessante Punkt, dass ich nicht mehr mit Antje, Schnute, zusammen bin. (Schock!!! Kann man das nicht etwas schonender rüberbringen?) Könnte man, aber der Krug ist schon zerbrochen.

“Ich habe da eine Frau kennengelernt.” Ein ziemlich platitüder Satz. Und trotzdem passend. Ich mag garnicht viel dazu schreiben und vermutlich ist es auch viel zu privat als hier breit getreten zu werden. Aber das Ergebnis vieler schlaflos durchdachter Nächte ist gewesen, dass es einen Vertrauensbruch gegenüber Schnute darstellen würde und letztendlich auch einer ist. So führt man keine Beziehung. Vor allem Antje hat das nicht verdient. Und ich bin für klare Worte. Ich habe immer gesagt, wenn es mal vorbei ist oder wir “jemanden anderen haben”, sagen wir es uns. Nur dachte ich, es wäre nicht ich der das sagen würde ;]=

Jedenfalls habe ich “Schluss gemacht”. Es war schwer und hat uns beiden weh getan, nicht nur ihr. Aber wir reden noch miteinander. Und wenn wir uns was vorwerfen, dann geschieht es in der üblichen Art. Wie bisher. Nicht verletzend.

So kann man sich täuschen. Es waren 4,5 sehr schöne Jahre, ich habe mich mit Antje sehr weiter entwickelt und würde sie gerne lange als beste Freundin haben. Aber das liegt bei ihr (und den nun auf sie einredenden Freunden und Familienmitgliedern). Empfehlen würde ich ihr es nicht, denn ich bin wie gesagt der Böse und wäre auch gegen mich, denn wer einmal verletzt tut es immer wieder. Wenn ich nicht ich wäre. Da ich aber ich bin, werde ich es tragen und weiter gehen.

So liebes Tagebuch. Ich verabcheate mich für heute und schreib demnächst ein bisschen weniger, mach dir keine Sorgen.

Dein Patrick.


Lieber Patrick,

ein paar Standardantworten für dich auf die Fragen, die nun von allen Seiten auf dich hereinprasseln werden. Ansonsten kann ich dir auch nicht viel raten. Geh weiter.

F: Wie kannst du Antje das nur antun?

A: Ich habe es ihr angetan. Also kann ich es.

F: Wie kannst du uns das nur antun?

A: Hallo? Euch? Es geht hier um mich und Antje. Nicht um euch.

F: Na zum Glück wart ihr nicht verheiratet und hattet kein Kind.

A: Falsch. Wenn wir verheiratet wären, wäre ich nie nach Thailand gegangen. Bin ich aber. Waren wir nicht. Oder aber richtig. Denn dann wäre ich in Deutschland geblieben. Sozialhilfe, Arbeitslosengeld, eventuell nicht mal das. Depression. ?brig geblieben wären zwei Wege, Kriminalität oder Tod. Wenn wir (ein Kind|Kinder) gehabt hätten, wäre es ziemlich wahrscheinlich Richtung Kriminalität gegangen. Naja. Da ist das hier schon besser.

F: Mit der Mail Schluss machen ist aber auch nicht fein.

A: Stimmt. Besser als SMS, schlechter als ein Brief, besser als einfach nicht mehr zu reagieren, schlechter als es direkt zu sagen. Aber manchmal könnte es sein, dass das, was man sagen will, bei direktem Kontakt nicht vollständig gesagt werden könnte, aus Zeitgründen, aus Platzgründen, aus kommunikativ bedingten Gründen. Au?erdem haben wir nach der Mail wieder miteinander telefoniert und mehr gesprochen, als vorher.

F: Bist du dir wirklich sicher, dass du das Richtige getan hast?

A: Ja. Nein. Aber ich habs getan.

F: Wie kannst du nur? Eine Thailänderin?

A: Nun, mit den Thailändern ist das so, sie leben vermehrt in Thailand. Wäre ich in Island, wäre es vermutlich eine Isländerin gewesen. In Frankreich gibt es viele Französinnen. In Japan wimmelt es auf engstem Raum nur so von Japanern. Ich lebe aber nun mal in Thailand. Also ist es eine Thailänderin. Ich bin schon froh, dass es eine Frau ist, denn ich pflege mich in Menschen zu verlieben, nicht in Geschlechter oder Hüllen.

F: Ja, aber eine Thailänderin?

A: Aha, soso, ich spüre da einen leichten Anflug von Vorurteilen? Halbwissen? Nagut. Eigentlich ist sie ja Isaan und ihre Eltern stammen aus Laos. Ich hab sie auch nicht auf der Stra?e oder in einer Ladybar aufgegabelt. Beruhigt? Nein? Dann kann ich auch nicht weiterhelfen.

F: Glaubst du denn, dass das hält?

A: Nein. Liebe hält nie. Wir leben den Beweis. Aber im Augenblick ist es eine ziemlich feste Sache. Ich wei? auch nicht, wo ich in 10 Jahren sein werde. Vermutlich allein und deprimiert in irgendeiner Holzhütte. Trotzdem ging es mir grö?tenteils um Antje (auch wenn mir das niemand glauben wird).

F: Könnt ihr euch überhaupt verständigen?

A: Ja. Ich lerne Thai, sie Englisch. Dann und wann verstehen wir uns. Ansonsten gibt es Hände und Fü?e.

F: Und was sagen deine Familie und deine Freunde dazu?

A: Nun, ich muss gestehen, dass mich eigentlich nur interessiert, was meine Freunde dazu sagen und von den drei Menschen, die von mir die Bezeichnung “Freund” verpasst bekommen haben und deren Meinung mir wichtig ist, sind mir zwei durchaus verständnisvoll und unterstützend entgegengetreten. Den Dritten im Bunde muss ich noch erreichen. Was die Familie betrifft, so lege ich weniger Wert auf eine Meinung. Es sollte ein gewisses Verständnis und die Beruhigung mich glücklich zu wissen vorhanden sein.

Dein Tagebuch.

PS: Ich will kein Blog sein.


Liebes Tagebuch,

Danke. Blog bleibst du trotzdem.

Patrick.