Samui? Samui! David's Neighbour's Notizen über sein Leben als Auswanderer auf der Insel Koh Samui in Thailand. Auf Deutsch, und so...

Buchvermehrung

Nun habe ich ja gestern endlich Mister Brysons Nicht-Travel-Doku zu Ende gelesen und war entsprechend buchlos. Also knatterte ich mit meinem kleinen roten Moped nach getaner Arbeit durch die Beach-Street unseres kleinen Küstenortes auf der Suche nach einem Buchladen mit Harry-Potter-Verkauf (ich habe den fünften Band immer noch nicht gelesen — ja, ich brauche immer etwas länger). Gefunden ward ein Laden schnell — die Filiale einer Kette aus Bangkok, die gebrauchte Bücher verkauft.

Ich mag gebrauchte Bücher. Man überlegt beim Umschlagen der klebrigen Seiten immer, was der oder die Leserin wohl gerade gegessen hat beim Lesen. Oder ob sie es im Bett gelesen haben. Oder am Strand. Oder im Flugzeug. Oder ob sie es in der Gegend rumliegen hatten, um einen potentiellen Sexualpartner was vorzugaukeln. Au?erdem sind sie preiswert (die Bücher). Logisch.

Jedenfalls wollte ich wie gesagt einen Harry-Potter holen und schlich mich hinter Vorsprüngen und Abdeckungen Deckung suchend in den Laden hinein. Drinnen waren die Bücher in den leicht verständlichen Kategorien “Bestseller”, “Author Men”, “Author Woman”, “Sci-Fi”, “True Crime”, “War”, “Spiritual” und “Classic” sortiert. Gut. Ich nahm an, dass Miss Rowling weiblich ist und durchsuchte den Frauenstapel. Nichts. Dann durchsuchte ich die Bestseller-Stapel, da ich mal gehöhrt habe, dass diese Art Bücher recht gut gekauft würde. Nichts. Dann durchsuchte ich die Classic-Stapel, weil eine Serie, die nun inzwischen beim sechsten Band angekommen ist durchaus zu den Klassikern zählen dürfte. Nichts. Dann die Science-Fiction-Stapel, weil das mit dem Harry Potter ja alles nur gelogen und reine Phantasie ist. Wieder nichts. Am Ende, ich hatte die Hoffnung schon aufgegeben und traute mich auch nicht, zu fragen, fand ich dann endlich einen Stapel Potter-Bände — im Spiritual-Bereich. 20 erste Bände, 7 zweite Bände, zwei dritte Bände und einen vierten Band. Keinen fünften Band. Weshalb ich Thomas Harrisons “Hannibal” mitnahm und wieder ging.

Ich hab es versucht.

Nebenbemerkung 1: Im “True Crime”-Bereich fand ich das Buch “Mating, everybody get his mate”. Das hol ich mir evtl. das nächste Mal (diesmal war ich zu verschüchtert — ja, ich brauche immer etwas länger). Ausserdem hatte ich kurz noch “The god of small things” von Arundhati Roy in der Hand, fand dann aber, dass ich noch nicht zu hochgeistiger Literatur fähig wäre. Und das Regal mit Anne-Rice-Büchern war auch sehr einladend (eine Wand mit 8 Regalen und eines davon voll mit Anne Rice).

Nebenbemerkung 2: Die Frauen. Zwei äu?erst nette Bedienungen bedienten am Bedientisch vor sich hin (nett in sense of suay makmaak, volljährig and intelligent). Sie sprachen jeden Mann an, der reinkam und Bücher kaufte (Frauen kamen interessanterweise nur zwei bei knapp 10 Männern, während ich im Laden war — ja, ich brauche immer etwas länger) und fragten ihn, woher er käme und wann er dahin zurückkehren würde. Mich fragten sie nicht aus. Könnte daran liegen, dass ich die ganze Zeit Thai sprach. oder daran, dass man mir langsam ansieht, dass ich nicht allzubald irgendwohin zurückkehren werde. Oder daran, dass an meinem Arm immer noch die wei?en “Glücks”-Bänder vom Isaanbesuch verknotet waren (ja, ich brauche tatsächlich immer etwas länger). Ich denke, ich werde sie heute abend abschneiden.