Samui? Samui! David's Neighbour's Notizen über sein Leben als Auswanderer auf der Insel Koh Samui in Thailand. Auf Deutsch, und so...

15 verängstigte Farangs in einem klapperigen Bus

Ein Bus

Ein Bus

Mein gestriger Visarun war mal wieder einer der langweiligsten und gleichzeitig unterhaltsamsten. Langweilig sind sie immer, weil man jedes Mal anderthalb Stunden auf der Fähre sitzt und schläft um dann 4 Stunden im Bus zu sitzen und zu schlafen, kurz zu hoppen, 4 Stunden im Bus zu sitzen und zu schlafen und dann wieder 90 Minuten auf der Fähre verbringt und versucht nicht zu schlafen. Mein Hirn läuft dann derart auf Sparflamme, dass ich sogar an den Soaps auf Channel 7 interessiert sein kann, die auf der Fähre gezeigt werden. Gestern versuchte da ein verfluchtes Mädchen eine Stunde lang einem anderen Mädchen einen Ring abzunehmen, der dieses schützte. Das war verdammt aufregend…

Jedenfalls war die Mischung der Farangs diesmal sehr bunt. Ich fang mal auf der erfreulicheren Seite an: 2 asiatische Pärchen. Einmal Japaner, beide recht süß, die sich laut genug unterhielten um mich auf die Idee zu bringen, doch mal wieder eine Sprache zu lernen. Dann zwei Koreaner, die meine These von den schönen Frauen und den hässlichen nervenden Männern in Südkorea wieder untermauerte. Dann einige der typischen nicht einordenbaren Farangs die keinen Ton herausbringen und ein Franzose der aussieht wie der Sohn von Nipp und Tuck nachdem er die Transe verkloppt hat.

Und dann gab es einen Italiener der ein Paradebeispiel dafür abgeben musste, wie uninformiert man nur sein kann. Beim Abholen kam er in Boxershorts und Hawaiihemd ganz panisch und außer Atem angelaufen und erzählte eine haarsträubende Story wie kompliziert doch alles sei. Er sei seit drei Monaten in Thailand (!!!) und man sagte ihm, er müsse sein Visa verlängern. Dann hat er in Bangkok angerufen, die haben ihm aber nur gesagt, dass er auf einen Visarun müsse und er wisse ja gar nicht, was das sei und dann hat man ihm gesagt, er muss nach Myanmar. Da ist er in eines der Reisebüros gegangen und hat gefragt ob die nach Myanmar fahren und die haben ihm erklärt, dass Myanmars Grenze geschlossen sei weil sowas wie Krieg in Bangkok stattfindet (“They have something like war in Bangkok” sagte er doch tatsächlich) ob wir da was drüber wissen… Er schrie dann auch ständig auf, wenn neben dem Pickup ein Moped eine Fehlzündung hatte. Er sollte bloggen.

Der Bus auf dem Festland befindet sich auch in den letzten Lebenstagen. Zweimal hielt der Fahrer an, nahm einen großen Kanister und füllte an verschiedenen Öffnungen Öl nach und schraubte herum. Weshalb wir auch die 5pm-Fähre nach Hause verpasst haben (nicht dass ich mit der Malaysia-Tour jemals die 5pm geschafft habe, aber man kann ja Hoffnung erzeugen).

Die Grenze zu Malaysia selber war entgegen der Berichte der Medien über einen drastisch zurückgegangenen Tourismus und Grenzgängeraktivität im Süden übervoll und gut besucht (besser als beim letzten Mal). Viele der anderen Farangs waren auch sehr schlecht über die neuen Visabestimmungen informiert (dazu nachher mehr) und hatten ihr volles Gepäck dabei, für den Fall der Fälle (die neuen Visaregelungen gelten ab 1. Oktober). Der Nipp-Tuck-Franzose kam mit Tränen in den Augen zurück, so froh war er, dass sie ihn wieder reingelassen haben.

Wer mehr über das aufregende Leben verängstigter Farangs in Zeiten des Putsches erfahren will, kann sich mal diesen Bericht durchlesen (bis zum Ende) versuchen, dabei ernst zu bleiben. Dann weiss man, wie ich mich gestern zwischen 4 Uhr morgens und 8 Uhr abends gefühlt habe.

Ich bin schon ganz froh, wenn ich wieder ein ordentliches Jahresvisum in der Tasche habe.