Die Ruhe nach dem Sturm. Die Ruhe vor dem Sturm.
Der vor zwei Tagen durchgeführte bisher gewaltlose Putsch scheint “vorbei” zu sein. Zumindest die latente Bedrohung von gewaltsamen Gegenreaktionen durch Bevölkerungsteile, die der alten Regierung zugeneigt waren, ist gebannt. Die Reaktion des Königs auf den Putsch wird auch von Thaksins Befürwortern anerkannt. Wie öfters erwähnt waren das genau 50% der Bevölkerung. Vor allem die sehr armen Menschen im Isaan und andern nördlichen Regionen haben von Thaksins Regierung (zu Beginn der Thaksin-Zeitrechnung) sehr profitiert und befürchten nun herbe Rückschläge. Aber was der König sagt ist Gesetz und alle Thais respektieren das. Man hört aber wenig aus den ärmeren Gebieten. Falls Gegendemonstrationen stattfinden wird das nicht in den News gebracht. Man hört auch wenig Meinungen aus Regionen weiter weg von Bangkok. Ich glaube, dass hier Information unterdrückt wird.
Der Tag verlief ruhig. Zu Beginn hatte ich das Gefühl, dass die Informationsflüsse, die in den 24 Stunden nach dem Putsch sehr sprudelten, abebbten. Der vermutliche Grund dafür (das ist jetzt nur meine Spekulation) war wohl die Forderung des CDRM, keine den Putsch schädigenden Meldungen zu veröffentlichen und die Meinungsbekundungen zu zensieren. Inzwischen gibt es aber wieder Informationen in Massen.
Gerüchte gab es in den vergangenen 48 Stunden viele. Gegengerüchte auch. Über Gegenputsche, Thaksins Pläne, plötzliche massive Geldflüsse am Dienstag Nachmittag, die “wahren” Hintermänner des Putsches. Die Lage ist aber ruhig. Und Gerüchte sind immer gute Gesprächsthemen.
Es darf also davon ausgegangen werden, dass es auch in der nun folgenden Übergangsphase keine Gewalt geben wird. Nur 2 der 20 Putsche, die in den vergangenen 80 Jahren Thailands Gesellschaft erschüttert haben, sind blutig ausgegangen. Trotzdem: Diesen Putsch als lapidar oder geringe Bedrohung hin zu stellen (wie einige Farangs hierzulande in ihren “Blogs” zu verkünden meinen müssen) zeugt von extrem niedriger Intelligenz, sowohl emotional als auch intellektuell. Viele Menschen sind extrem unsicher und verängstigt, was die Zukunft angeht. Persönliche Sicherheit und Stabilität ist einer der Eckpfeiler der thailändischen Gesellschaft.
Auch Thaksin sollte nicht unterschätzt werden. Er ist nur verwundet, nicht besiegt. Und Geld regiert immer noch die Welt. Auch hier.
20 Putsche in rund 80 Jahren? Es wird wohl in 4 Jahren wieder eine solche Eintragsflut in meinem kleinen unbedeutenden Blog geben. Ich bin gespannt wie es weiter geht. Aber alle die sich um mich Sorgen gemacht haben können nun wieder ruhig schlafen. Wirklich.
Patrick Kollitsch (Dipl. Ing. (FH), soviel Zeit muss sein) hat die ersten 18641 Tage seines Lebens hinter sich und die letzten 7861 Tage davon in Thailand auf Koh Samui, einer kleinen aber ausreichend großen Insel im Golf von Thailand, zu-, ge-, über-, be- und verbracht.
Nun allein bewohnt er einen kleinen Bungalow unter Palmen in Bang Por im Nordwesten der Insel.
In seiner Un-Freizeit bietet er klein- und mittelständischen Unternehmen auf der Insel (und im gesamten südostasiatischen Raum) Dienstleistungen rund um “everything online” an. Man kennt ihn als David’s Neighbour — Online Marketing made in Paradise, denn nichts geht über einen wirksamen Slogan.
Er schreibt hier auf Samui? Samui! über das ganz alltägliche Leben als Farang in Thailand, die Höhen und Tiefen des Lebens und andere Dinge, die ihn interessieren.