Samui? Samui! Notizen über mein Leben als Auswanderer auf Koh Samui, Thailand

Eine kleine Weihnachtsgeschichte

“I don’t like to loose” sag ich und ziehe einen Holzklotz. Ein seltsames Holzspiel mit Klötzen die man aufstapelt und dann unten Klötze zieht, diese oben drauf legt und das möglichst so, dass der Stapel umfällt, wenn man nicht selbst “dran” ist. Der Holzklotz landet leicht schräg auf einem anderen und ich hoffe im Stillen, nicht noch einmal ziehen zu müssen. “What are you doing tonight?” fragt Gig mich. Ich erkläre ihr leicht errötend, dass man(n) das missverstehen kann, wenn man(n) als Farang von einer Thaifrau gefragt wird und sie lässt sich erklären warum. Als ich fertig bin meint sie nur nachdenklich “Ah, that explains a lot” und zieht den nächsten Stein. Hochkant landet er auf der Spitze des Turmes.

Fu zieht einen Stein und sagt, dass ich immer nur Thai sprechen will und sie nicht Deutsch lernen lasse. Ihr Stein landet in der Mitte. Schön sicher. Schön stabil. Ich ziehe einen Stein ganz unten, so dass der Turm auf sieben einzelnen gekreuzten Steinen steht und beginne meinen Monolog über die Sinnlosigkeit des Deutsch-Lernens wenn man nicht mal richtig Englisch sprechen kann und mit Englisch mehr Leute erreicht als mit Deutsch. Mein Stein landet hochkant auf dem anderen hochkantenen Stein. Gig zieht einen Stein und meint, sie könne einen Deutschen Satz: “Ick Benn een rechter Nick Leb Herr”. Die folgenden drei Runden versuche ich zu ergründen, was sie da versucht zu sagen. Sie meint, es bedeutet, dass sie etwas nicht gerne macht. Wir einigen uns darauf, dass es das bedeuten könnte, sie vermutlich aber etwas missverstanden haben könne. Meine Eigenschaft als deutscher Staatsbürger verleiht meiner professionellen Meinung hier Gewicht. Der hochkantene Stapel Holzklötze ist inzwischen bei 4 Steinen angelangt und ich beginne eine leicht schräge und instabile Steinkombination, da ich wie bereits erwänter ein schlechter Looser bin. Der Turm fällt unter Gigs Worten “By the way I am single” und Fingern.

Gig ist müde und will nach Hause fahren. Fu geht mit ihr. Ich kuck sie nur an und sage nichts. Nach 10 Minuten klingelt das Telefon, Fu ist dran. “tomorrow christmas we come to cook”. Ich versteh sie nicht und sag nur “aha”. Aus dem Hintergrund ertönt Gigs Stimme “Tomorrow christmas. We come to cook not tomorrow!” Ich verstehe sie nicht und sage nur “aha”. Fu fragt “you understand? kautschai mai kah?” Ich sag nur “Kautschai”. (Es macht wenig Sinn, in solchen Situationen verstehen zu wollen, worum es geht. Ich bin davon ausgegangen, dass sie beide irgendwann in den nächsten 24 Stunden zum Kochen vorbei kommen werden.)

5 Minuten später stehen sie mit vollen Beuteln vor der Tür und wir fangen an zu kochen. Omelett, Larb Moo (so eine Art Gehacktes scharf gewürzt angebraten mit Grünkram und viel Fettschwarte), Geng Stellen-Sie-sich-hier-einen-unverständlichen-Namen-vor (Ein gelbes Curry mit ich glaube viele Pfefferkörner darin entdeckt zu haben. Kann aber auch was anderes gewesen sein. Gelb war es.), Grünkram der mit viel Knoblauch angebraten wurde, Gemüse, Reis, Nam Prik (scharfer Dipp) und geeister Zucker mit Tee.

Wir sitzen darnieder und essen. Die Frauen unterhalten sich und ich schnappe Fetzen wie “khaow chop” und “khaow gin” auf. Interessanterweise braucht Fu nur mit mindestens einem Thai und mir zusammen zu sitzen und schon bin ich Gesprächsmittelpunkt. “Er isst sogar Som Tham”. Ich pack mir ein bisschen Curry auf den Reis und Gig sagt erstaunt, “Oh, you can eat curry?!?” ich sage ja und esse. Ich nehme Larb Moo zu mir und Gig registriert auch dies mit begeisterter Ekstase. Als ich dann auch noch den Grünkram esse, stellt sie fest, dass sie einen Freund wie mich will. “I have no boyfriend now, you know?” sagt sie. Ich kuck Fu an, die möglichst unbeteiligt zu schauen versucht. Wir hatten da in den vergangenen Wochen so einige Diskussionen über meine Qualitäten als Boyfriend und “alles Thailändische essen” war da nicht im Anforderungsprofil enthalten. Gig sagt, das ist gut, das mag “die Familie”, wenn man als Farang alles essen kann. “Ah, the family, I see” sag ich und Fu versucht noch viel unbeteiligter zu kucken. Auch diese war eher in anderen Zusammenhängen in langwierigen Verhandlungen abgeklärt worden.

Gig ist wieder müde und beide fahren von dannen. Ich räume den Tisch ab. Ich wasche ab. Das Handy macht Ping, eine SMS kommt an.

“I love you too. Fu.”

comments powered by Disqus