Samui? Samui! David's Neighbour's Notizen über sein Leben als Auswanderer auf der Insel Koh Samui in Thailand. Auf Deutsch, und so...

5eleven: Der wahre Fünf-Elfer

Ich habe das dumpfe Gefühl, dass ich mit meiner Reisebeschreibung ins industrielle Rayong ungefähr so lange brauche, wie ich hier sein werde. Also werde ich mal schnell die Geschichte vom echten Fünf-Elfer erzählen, ehe ich das noch vergesse. Man ist ja nicht mehr allzu jung.

Wenn man am Busbahnhof in Bangkok ankommt, dann befindet man sich nicht an dem Busbahnhof sondern an einem von mindestens dreien. Ich kenne den südlichen, den östlichen und den nordöstlichen Busbahnhof. Am Neuen Flughafen in Subvarnabhumi gibt es auch noch einen. Und sicherlich im Norden oder Nordwesten noch einen oder zwei. Jeder dieser Bahnhöfe führt in ebendiese Richtungen aus Bangkok hinweg. Ich hatte also vermutet, dass ich von meinem Ankunftsbahnhof nicht nach Rayong kommen würde. Warum auch. Direktverbindungen ist was für Knotenpunktfetischisten.

Also fragte ich kurz eine der netten “Nakhon Si Thammarat” schreienden Damen im Busterminal (wenn Busse nahe am Abfahrtstermin sind, wird es immer sehr laut), wie ich denn nach Rayong kommen würde. Sie meinte “not here”, ich meinte “Yes, I know. I think I have to go to Erkamai, Southern Terminal?”, sie schrie was auf Thai zu jemanden rüber, er schrie zurück und sie sprach “5eleven!!! Haa Sip Et!” und beachtete mich fortan un. (Haa Sip Et hei?t auch fünf elf.)

5eleven. 7eleven. 9eleven. Irgendwie haben sie was mit Zahlenkombinationen.

Ich machte mich erstmal zu einem 7eleven auf und kaufte ein Wasser (7 Baht, in Samui würde man schon mal 20 dafür hinlegen dürfen). Irgendwie mache ich das immer, wenn ich in Bangkok ankomme. Wasser kaufen. Irgendwo hinstellen und erstmal Nase, Augen und Ohren an das Chaos gewöhnen. Man wird in der Regel pro Minute von zwei Taxifahrern angequatscht, wo man hin will. Ich sagte dann immer “Ha Sipp Et” und sie sagten “Ah Haa Sipp Et” und liessen mich stehen. Nach einer Weile sagte einer dann “Ah, Erkamai. Tii nii haa sip et!” und zeigte mir auch noch die Haltestelle (die sich genau vor meiner Nase befand).

Freundlich sind sie ja, die Taxifahrer. Aber es nervt trotzdem, wenn sie einem förmlich die Tasche klauen wollen und erklären, dass das Taxi Aircondition hat. “Bus not have. Bus hot!” — das sagen sie früh um Sieben bei 23 Grad in der Morgensonne.

Jedenfalls kam dann auch schon eine 5eleven und fuhr weg. Ohne mich. Sie blieb mitten auf der Strasse stehen, links und rechts davon Taxis und am Strassenrand noch ein Bus. So schnell wie sie kam und ging hatte ich noch nicht einmal den Seesack angehoben. Die zweite 5eleven wartete etwas kürzer und so kam ich sogar bis zum Stra?enrand, ehe sie wieder fort fuhr.

Inzwischen gesellte sich ein weiterer Farang zu mir, der auch auf die 5eleven wartete und wir betrachteten uns mit dem abschätzenden (nicht -igen) Blick des Deutschsprachlers, der nicht genau weiss, ob er einen Sprachgenossen vor sich hat weil beide versuchen möglichst akzentfrei zu sprechen und es dann eben beim Englischen belassen. Mit ihm zusammen verpasste ich den dritten Bus — dieser fuhr uns vor der Nase weg. Inzwischen hatte ich bereits festgestellt, dass die 5eleven-Busse immer Orange sind. (Vier Jahre deutsches Ingenieurstudium haben in mir die Fähigkeit erwachen lassen, Situationen und Systeme analytisch zu betrachten und auf Schwachstellen zu durchsuchen.) Die Schwachstelle lautet hier: Berührung. Hat man seinen Finger am Bus, fährt er nur langsam weiter und man kommt rein. Bus Nummer 4 ward dann geentert.

Die Kassiererin des Busses warf uns dann an der nächsten Haltestelle mit den wahrhaft informativen Worten “No! Express!” wieder raus. Ob es nun der Express-Bus war, den ich nehmen sollte oder der Express-Bus war, den ich nicht nehmen sollte wei? ich bis heute nicht.

Wir (der Farang war immer noch in der Nähe) warteten einfach auf die nächste 5eleven und enterten sie (nach einer Weile hat man Routine darin). Dort nahm man mir 20 Baht ab (das muss man sich mal vorstellen: mit einem Taxi wäre ich um diese Zeit unter 300 Baht ohne Highwaygebühren nicht weit gekommen) und ich lies mich erwartungsfroh in einen Schalensitz sinken. Ich habe es dann sogar noch geschafft, der Kassiererin das Versprechen abzuringen mir mitzuteilen wann ich aussteigen muss.

Der Bus wurde von einer Frau gefahren, die wie ein Mann fuhr. An Haltestellen hielt er (der Bus) grundsätzlich nicht sondern rollte langsam weiter. Wenn ein Farang (wir waren inzwischen zu dritt) aussteigen musste, schrie die Kassiererin “Farang bai” nach vorne (“Der Farang geht!”) und wenn der letzte Fu? sich vom Trittbrett abhob ein “Bai”. Bei mir war es genauso. Die Thais mussten während der Fahrt abspringen.

Vorher aber konnte ich einige Stationen lang (ungefähr 20 Minuten rasanter Fahrt) die idyllische Morgenruhe Bangkoks genie?en und Schauplätze jüngerer thailändischer Geschichte vorbei rasen sehen.

Aus dem Bus geworfen dachte ich zuerst, an der falschen Haltestelle abgesetzt worden zu sein, weil weit und breit kein Busterminal zu sehen war. Nach ein wenig Suchen aber fand sich dann ziemlich versteckt um zwei Ecken ein Terminal, das genau wie das südliche aussah sowie weniger Busse, mehr Militär und eine Route nach Rayong aufwies. Nach wenigen Minuten sank ich in die flauschigen Sitze eines leeren akklimatisierten Busses und hoffte, gen Rayong zu fahren.

Womit wir (also ich und die regelmä?igen Leser dieser kleinen Publikation) uns an der Stelle befinden, wo es hier weiter geht. Ich wollte schon immer mal einen Link mit dem Text hier haben.