Samui? Samui! Notizen über mein Leben als Auswanderer auf Koh Samui, Thailand

Pattayas Normalität

Hin und wieder befinden sich unter den täglichen durch unnatürliche Ursachen getöteten Personen in Thailand Ausländer. Darunter ein amerikanischer Teenager, der sich zwischen zwei Wagen eines Zuges in Ermangelung einer Klimaanlage heraus lehnte, um sich abzukühlen und dann bei voller Fahrt von einem in die Strecke hängendem Hindernis herunter gerissen wurde (Stichwort “freak accident”) oder ein Sachsen-Anhaltiner, der wegen Pädophilie festgenommen wurde und nach einigen Tagen mit aufgeschnittenen Pulsadern in seiner Zelle aufgefunden wurde — als Todesursache wurde allerdings ein in den Mund gestopfter Sockenballen ermittelt, an welchem er erstickte.

Bei solchen Fällen reagieren die Medien, Politiker und die Polizei im Lande immer sehr sensibel und sind bemüht, die Fälle schnell zu lösen und “Schuldige” zu präsentieren (siehe auch die schnelle “Auflösung” des Mordes im New Hut vergangenen Januar).

Am Wochenende nun wurden in Pattaya (wo eigentlich regelmä?ig Farangs auf verschiedene Art und Weise umkommen — einer der Gründe, warum ich da noch nie war) zwei russische Touristinnen erschossen.

Sie reisten am 16. Februar mit einer russischen Reisegruppe ein, setzten sich ab und sind seither auf eigene Faus in Pattaya unterwegs gewesen. Dort sind sie durch einen Streit mit einem lokalen Liegestuhlvermieter aufgefallen (welcher als erster Verdächtiger herhalten durfte) und wurden dann Samstag morgen tot in ihren Liegestühlen aufgefunden. Der Parkplatzwächter eines benachbarten Ressort hatte Schüsse gehört. Vor dem Mord wurden sie zuletzt in einer Bar gesehen, wo sie sich mit zwei russischen Männern unterhalten haben (die als zweite Verdächtige herhalten durften). Der Mord wurde von einer ?berwachungskamera aufgezeichnet, allerdings ist der Täter nicht zu erkennen. Er ist relativ gro? und hat eine Figur, welche die Polizei zuerst zu der Aussage hinrei?en lie?, es könne ein ausländischer Täter sein, denn die Statur passt nicht zu einem Thai.

Alles in allem tappt die Polizei allerdings im Dunkeln. Man hat jede Menge Beweismittel, aber keinen greifbaren Täter, kein greifbares Motiv. Lt-General Assawin Khwanmuang (der auch schon im New-Hut-Mord für eine schnelle “Aufklärung” sorgte, ist auch hier wieder am Werke, allerdings wenig erfolgreich bisher. Die Gerüchteküche brodelt — es ist die Rede von russischen Bandenkriegen, die beiden Frauen sollen Prostituierte gewesen sein (eine Behauptung die inzwischen zurück genommen wurde). Der aktuelle Verdächtige ist ein Tourguide, der ohne Tourguide-Lizenz arbeitete und seit dem Mord verschwunden ist.

Pattaya ist wie gesagt bekannt für seine blühende Sex-Industrie und eine hohe Kriminalitätsrate. Dieser Mord kommt vielen Kritikern nun sehr recht, um ein Aufräumen Pattayas zu fordern. Pattaya ist als Hochburg ausländischer Krimineller bekannt. Von russischen Gangs ist die Rede.

Hier auf Samui haben “die Russen” nie einen Bein auf den Boden bekommen. Es gibt Berichte, nach denen russische Banden im Inselsüden versucht haben, heimisch zu werden. Allerdings haben drei einheimische Familien alle zwielichtigen Geschäfte in der Hand und regeln alle grö?eren Probleme per Auftragskiller. Diebe werden meist schnell gefasst (was nicht bedeutet, dass das Diebesgut wieder beim Bestohlenen landet), Insassen des Inselgefängnisses, denen ein Ausbruch gelingt, sterben meist auf der Flucht.

PS: Falls sich jemand über die Anführungszeichen um die Auflösung des Mordes im New Hut wundert: so ganz klar ist bis heute nicht, ob das Geständnis der beiden Täter echt oder gekauft ist. Den Imageschaden hat die schnelle Lösung des Falles aber gering gehalten.

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