Samui? Samui! David's Neighbour's Notizen über sein Leben als Auswanderer auf der Insel Koh Samui in Thailand. Auf Deutsch, und so...

Phii Pop

The Nation berichtet über einen Ritus, der an zwei Frauen im tiefsten Isaan durchgeführt wurde, weil man annimmt, dass sie von bösen Geistern besessen seien. Es gab im Ort wohl vier “mysteriöse Todesfälle” (65- bis 80-jährige, die eigentlich ganz normalen Todesarten wie Herzinfarkten und Schlaganfällen erlagen), was für die Haushalte des Ortes Grund genug war, um (rund 800 Euro) zu sammeln, um einen Exorzismus durchzuführen.

Pii Pop (?ี?อ?), der hier zugegen weilende Geist, ist ein sehr böser Geist, der Menschen befallen kann und sich dann von ihren Innereien ernährt. In der Nacht kann er seinen Wirtskörper verlassen und frisst dann die Innereien anderer Menschen und Tierblut.

Die Legenden erzählen von einem Prinzen, der durch Magie in der Lage war, sich in einen Tierkörper zu versetzen. Eines Tages, der Prinz war wieder einmal in einem anderen Körper unterwegs, versetzte sich sein Diener, der ihn belauscht hatte in den Körper des Prinzen, der nun nicht mehr zurückkehren konnte. Dieser versetzte sich nun in den Körper eines Vogels, flog zu seiner Frau und erzählte ihr, in welch misslicher Lage er war. Sie liess den Körper des Sklaven zerstören und überredete den Diener im Körper des Prinzen, sich in einen Tierkörper zu versetzen. Dieser tat das, der echte Prinz kam zurück in seinen Körper und der Diener muss fortan mangels eigenem Körper durch fremde Körper wandeln und sich von deren Innereien ernähren.

Pii Pop kann durch einen Mo Wisa (Zauberdoktor) ausgetrieben werden. Der Doktor führt dabei einen Wirbel-Tanz aus und saugt den Pii Pop durch einen solchen Wirbel aus dem Körper des Opfers. Diese Zauberdoktoren sind übrigens mit Vorsicht zu genie?en, denn sie sind in der Lage, ihre Fähigkeiten sowohl für gute, als auch für schlechte Zwecke zu missbrauchen.

Bei den katholischen Missionaren in Laos ist der Phii Pop übrigens der Grund, warum sie ihre Missionierungsbestrebungen dort grö?tenteils als fehlgeschlagen ansehen: Anfang des vergangenen Jahrhunderts, als es noch auf die Anzahl der missionierten Wilden und nicht so sehr auf die Verbreitung des Glaubens ankam, lie?en sich schweizer Missionare mit Ausgestö?enen namens Pii Pop ein, Leute die sich gut missionieren lie?en. Das gibt ihnen selbst heute noch einen negativen Anstrich.

Selbst Thaksin — für die weniger regelmä?igen Leser dieser kleinen Publikation: der ehemals demokratisch gewählte Premierminister des Königreiches — wurde schon einmal beschuldigt, ein Pii Pop zu sein. Eine Beschuldigung, die er mit einem seiner berühmten Zivilprozesse beantwortete.

Medizinisch gesehen ist Phii Pop nichts anderes als eine Form der Hysterie. Dem stehen die “echten” Mediziner allerdings relativ hilflos gegenüber, denn gegen den Geisterglauben in Thailand kann man mit wissenschaftlichen Methoden recht wenig ausrichten.