Samui? Samui! Notizen über mein Leben als Auswanderer auf Koh Samui, Thailand

Montag

Es ist Montag, ich falle aus dem Bett (jeden Montag falle ich aus dem Bett, weil “manche Leute” gerade Montags mit viel Elan in die neue Woche gehen und mir meinen Schönheitsschlaf (und wer mich kennt weiß, dass ich ihn dringend benötige) nicht gönnen.

Paff. Ich bin also wach. Auf zur Dusche. Dann zum Wasser-Kocher, den letzten löslichen Kaffee “aufbrühen” (nennt man das brühen wenn einfach kochendes Wasser auf einen Haufen Zucker mit ein wenig Koffein geschüttet wird?), dann hinein ins Office(Zimmer), die Maus kurz gewischt und sehen, ob was Neues ansteht. Steht nicht.

Mobil-Telephon checken — Batterie ist 100% geladen, ich nehme es vom Kabel. Das Handy ist ein chinesischer Nachtschicht-Klon eines frühen Samsung-Note. Nachtschicht weil es kein Samsung-Handy ist, sich aber trotzdem als Samsung-Handy meldet wenn man Updates laden will… Wie auch immer. 5 Minuten nach dem ab-Netz-kabeln steht die Batterie auf 14% und der erste Kunde ruft an.

“Ja, X geht nicht!”, Ich so: “Ja was genau geht denn nicht?”, Kunde I meint “Ich tippe die URL ein und die Seite kommt nicht.”

Ich hole aus dem Gedächtnis um die 10 Gründe zusammen, warum eine Internet-Seite nicht geladen werden kann und bekomme zu hören “Ach ja, Wifi ist ja ausgeschaltet.” Wifi an. Seite da. Anruf beendet. 8% Batterie. Handy ans Kabel gelegt.

Wenn das Handy am Kabel liegt, hat es einen Kurzschluss und ich bekomme regelmäßig einen Schlag am Ohr versetzt, wenn ich es am Kabel hängend nutze. Weshalb ich es nicht am Kabel hängend nutze. Das nur am Rande.

Kunde II ruft an: “Ich hab dir grade eine Email geschickt”. Ich so “Stimmt.” — Nach einer halben Stunde sind alle Punkte abgehandelt und wir haben noch kürzere Echo-Email-Unterhaltungen über den Tag verteilt.

Kunde I ruft an und erwartet eine Funktion im System, von der nie die Rede geschweige denn die technische Möglichkeit dazu war. Klar. Kann ich machen, gib mir ein paar Minuten. Nach ein paar Minuten ein Anruf von Kunde I mit “etwas ganz Anderes”. Letzteres über den Tag verteilt häufiger. Batterie in verschiedenen Lade-Zuständen unterhalb von 10%.

Kunde III antwortet auf eine Email vom Wochenende (das sind die beiden Tage die in zivilisierten Ländern der ersten Welt für Billig-Arbeitskräfte frei sind) und ruft 5 Minuten später an um sicher zu stellen, dass die Email auch an kam. Kam sie. Handy ist auf 8%.

Kunde IV schickt mir eine Email über das Kontaktformular auf meiner Firmenseite (“wie schön, dass du so einen einprägsamen Firmen-Namen hast, sonst hätte ich dich nicht gefunden, hab deine Kontaktdaten verloren.” — das ist der gleiche Kunde, der meine Visitenkarten einprägsam und unverlierbar findet) und hat Grosses vor (“Ich habe Großes vor”). Treffen morgen. Früh. “Wie früh ist eigentlich spät genug für IT-Leute wie dich?“… wir haben uns auf 9.30 am Morgen geeinigt.

Ich chatte Semi-Kunde I (bekommt alles gratis, aus der Nase gezogen) an, weil ich Kunde V, bester Freund von Semi-Kunde I, nicht erreichen kann. Kunde V ruft (“da muss es eine psychische Verbindung zwischen uns geben”) Semi-Kunde I an und wir drei vereinbaren einen Termin 30 Minuten später. Ich dusche, nehme das Handy vom Kabel (35%) und fahre auf meinem Motoroller dem Treffen entgegen.

Nach einigen, ehm, entspannten Wortwechseln mit für Kunden aus dem britischem Inselraum gängigen Verbalien wie “Cock, Fuck, Dick” und so weiter bin ich um ein paar unerwartete Geldscheine und einen Auftrag von Kunde V (“Just tell me how much the fuck I have to pay you”) reicher.

Ich fahre nach House (4%), hänge das Mobile ans Kabel (3%) und Kunde I ruft an.

Ich finde heraus wie ich Anrufe annehmen kann und auf Lautsprecher schalte, während es lädt (5% der Totesfälle in Thailand stehen in Verbindung mit zuviel Strom durch den Körper der späteren Statistik-Items).

Kunde I ruft an (“das letzte Mal heute”), danach noch ein paar Mal. Zuletzt nur noch eine Mail die auf “bis bald” endet.

Ich hoffe, dass “manche Leute” (siehe Absatz 1) mir was zum Aufrechterhalten meiner Körperfunktionen mit bringen. Leider regnet es. “It’s raining” scheint ein vollwertiger Grund zu sein, um zu verhungern. Ich fahre also im Tröpfelregen in den nächsten 7eleven um den Kühlschrank mit Glücklichmachern zu füllen.

Kunde III schreibt mir eine Nachricht auf Facebook und anschliessend eine Email, dass Kunde III mir eine Nachricht auf Facebook geschrieben hat. Mit Bitte um Beachtung. Ich beantworte die Email und ignoriere die Facebook Nachricht.

Gegen 19 Uhr klingen die Anrufe langsam aus, die Emails schwellen ab, die Luft kühlt ab. Das Handy hägt am Stromkabel und erreicht zum ersten Mal an diesem Tag einen Wert von über 50% Ladung.

Würde ich jetzt Facebook checken würde ich wahrscheinlich eine Nachricht von Kunde VI lesen können, der anfragt “Bist du da?”. Keine Antwort von mir dürfte als “Nein” gewertet werden. Hoffe ich.

Ich sitze mit einem Bier (Chang Export, alles andere würde morgen Morgen auf dem “Grosse Dinge”-Treffen mit Kunde IV nur einen schweren Kopf machen und betrachte mein Handy (71%) und überlege, wo um Himmels Willen ich eine neue Batterie für das Ding her kriege. Nett ist es ja… Halt nur Fake.

Einfach nur ein Montag.

PS: Ein paar Kunden habe ich überzeichnet, ein paar Kunden habe ich unterzeichnet. Wie schön, dass die wenigstens Deutsch sprechen ;)

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