Samui? Samui! Notizen über mein Leben als Auswanderer auf Koh Samui, Thailand

Delhi

Was ich schon ziemlich lange erzählen wollte, aber immer wieder verga?: auf dem Herflug, es war rein geographisch frühester Morgen, so gegen 4 Uhr Ortszeit, MEZ wohl gegen 0 Uhr, da flogen wir im Dunkel vor uns hin. Ich wusste, dass wir demnächst dem Morgen entgegen fliegen werden und war schon auf “das Ding mit der Dämmerung” gespannt. Im Fernsehen kam ein überaus dämlicher Film mit der Ex-Freundin von Tom Cruise, die ständig kochte und eigentlich verliebt war, das Flugzeug schnarchte vor sich hin.

Ich schaute häufig aus der Lücke, die sich Fenster nannte und betrachtete verschiedene Lichterhäuflein, kleine Siedlungen, die unten vorbeizogen. Dann und wann kam ein grö?erer Ort. Besonders nett anzuschauen waren die Orte, die vermutlich komplett am Reisbrett geplant waren und Kreuzform oder Schachbrettform hatten. Dann kam lange nichts, sie zeigten diesen seltsamen Film und wir kommen da an, wo ich meinen Mund aufgemacht habe und nicht so schnell wieder zu:

Am Horizont kam ein leichter Schein. Ich dachte, Dämmerung, super, na dann mal los. Der Schein wurde heller, aber irgendwie nicht wirklich sonnig oder rot sondern eher gelblich. Das ganze Fenster begann zu leuchten und dann endlich kam in mein Blickfeld die grö?te Stadt, die ich je gesehen habe. Licht. Viel Licht. Und das ganze ca. 15 Minuten lang. Wir hatten ja schon viele Gro?städte überflogen, aber diese hier war mindestens 10mal grö?er (ich stapele tief um nicht hochzustapeln). Es wachten noch ein paar andere auf und wir vermuteten, dass es Delhi sei, was sich später dann als richtig herausstellte. Es gab zwei deutlich erkennbare Hauptverkehrsadern, viele Nebenstra?en, die vermutlich mehrspurig waren, wenn man sie so weit oben so klar erkennen konnte und eine Unmenge an Lichtkonzentrationen. Nach vielen Minuten offen gestandenen Mundes war das Schauspiel vorbei, die Nacht wieder schwarz wie sie selbst und die Städte wieder die kleinen Lichterhäufchen wie bisher.

Jedenfalls denke ich da öfters mal dran. Ist schon witzig, wie sich die Nester in Deutschland mit Gro?stadt und Millionenstadt bezeichnen, selber aber sowohl an Menschen als auch an anderen Komponenten tiefste Provinz sind. Manchmal gehört halt doch ein Abstand von gut 13000 Fu? und Nacht dazu, Wertungen zu relativieren. Ich glaube, meine Relationen haben sich während dieses Fluges nicht nur einmal ein klein wenig verschoben.

Traumschaum

Irgendwo in Nordeuropa. Ich befinde mich an Bord eines recht gro?en Schiffes mit Ziel Eismeer. Es sind ein paar bekannte Gesichter dabei, die an mir aber stumpf vorbeischauen oder mit sich selbst beschäftigt sind. Ein running Gag wird es werden, dass niemand zwei herumgehende ?pfel und Birnen essen will und sie immer einem anderen verdutzten Gegenüber in die Hand gesteckt werden und man verschwindet, während jenes Gegenüber nun versuchen wird, das Obst loszukriegen.

Die Reise beginnt und es wird klar, dass wir Eisberge bestaunen wollen. Es geht ein Stück einen Kanal oder Fjord entlang, dann plötzlich fährt das Schiff auf dem Land. Da niemand darüber verwundert erscheint, erspare auch ich mir alle Fragen. Ich sehe hinter uns Schienen, auf denen das Schiff fährt und vor uns ein Industriegelände. Im Industriegelände angekommen bleibt das Schiff stehen, denn eine Stra?e komplett von Stahl umgeben (ein Tunnel?) ist vollgestellt mit Schrott. Ein paar Arbeiter kommen und beginnen die Stra?e freizuräumen.

Ich finde, dass wir Zeit genug haben, um schnell noch einige Erledigungen durchzuführen und begebe mich in ein Reihenhaus, das etwas erhöht liegt. Ich wei?, dass mein Haus das in der niedrigeren Reihenhauszone ist, trotzdem geh ich in das höhergelegene. Dort angekommen nehme ich meine Pistole und fülle sie mit 5 Patronen, die wie Leuchtspurpatronen aussehen und einen gelben Punkt oben in der Mitte haben. Es gibt 6 Patronenplätze, 5 werden gefüllt, zwei Dreierreihen, oben links lasse ich frei. Plötzlich stelle ich fest, dass durch das Haus ein starker Strom an Menschen läuft. Unten rein, oben raus. Eine alte Frau bleibt stehen, bestaunt bewundernd meine Pistole und sagt “Nettes Teil, was Sie da haben”. Ich erkläre ihr, dass es nicht meine ist und ich sie nur für jemanden Anderes halte.

Wir (Leute vom Schiff) stehen auf einem Eisberg, unser Führer gibt uns ein paar Anweisungen, unter anderm wenn der Eisberg auseinanderbricht auf ihn zu zu laufen. Ich begebe mich in die Vogelperspektive und beobachte mich. Ich bin allein ein wenig weg von den anderen, ein Grüppchen links von mir, darunter der Führer, dann noch weitere Einzel- und Doppelgruppen. “Natürlich” denke ich, als der Eisberg beginnt auseinander zu brechen beginnt. Alle laufen auf den Führer zu. Dann und wann verschwindet jemand in einer Eisspalte und es werden immer weniger. Plötzlich macht das Schiff mit einem lauten Horn auf sich aufmerksam, es ist am entgegengesetzten Ende des Eisberges, alle sehen ihren Irrtum ein und beginnen auf das Schiff zuzulaufen. Nun laufe auch ich.

Wir sitzen an Bord, essen und trinken und der Führer hält eine Rede, dass es schon traurig sei, dass wir ein paar Mann verloren hätten, aber der Rest habe ja viel Spa? gehabt.

Ich wache auf, höre den Hähnen und Hunden zu und beginne zu überlegen, ob im Norden denn nun die Arktis oder die AntArktis sei. Einige mich mit mir selbst darauf, dass logischerweise unten das Anti hin muss. Die alte Frau kommt vorbei und meint, warum soll denn nicht im Norden das Anti sein, denn schlie?lich gibt es auf alten Landkarten nur im Süden ein Land — die Arktis. Das klingt sehr plausibel und denke noch ein Weilchen nach. Dann denke ich darüber nach, dass dies mein erster Traum wäre, in dem ich aufwache und immer noch träume und wache auf.

PS: Wie gut, dass es jetzt drau?en schon wieder dunkel ist und der liebe Patrick bald brav ins Bettchen steigt.

Iñtërnâtiônàlizætiøn

Heute Mittag saßen wir (drei Deutsche) mit einem Spanier, der jahrelang in Berlin gelebt hat und einem Engländer, der an unterschiedlichen Orten gelebt hat beim Essen. Der Spanier (Juan, seltsamerweise klingt sein Name wie “Wuann” statt “Chuan”) spricht sehr gut (und sehr schnell) Deutsch, der Engländer (James) versteht es gut, spricht aber weniger gut (er meint das, auch wenn ich das nicht finde). Die Unterhaltung wurde in Deutsch und Englisch geführt, Englisch nur, um James zu erklären, was gerade gesagt wurde. Witzig war, dass die beiden sich am Ende dann über die deutsche Sprache unterhalten haben und meinten, dass sie schon recht seltsam sei wegen der vielen Homonyme. Ok, sie verwendeten Homonyme nicht als Wort, aber das traf es dann schon. Beispielsweise kam der Vergleich mit “wie” (like) und “als” (as) auf den Tisch und dass selbst viele Deutsche sagen “Ich bin größer wie er”. (Wobei ich jetzt nicht weiß, wo genau Juan das nun wieder her hat ;)

Thai wurde am Ende als schwerer als alle anderen Sprachen erkannt, weil mit den vielen Konsonanten und Vokalen und vielen zusätzlichen Wörtern man schon ein bisschen mehr zusammenbauen muss, um einen Satz herauszubringen. Man sagt bspw. bei der Benennung von Mengen immer ein kleines Wort zusätzlich, dass die Art nochmal beschreibt. Ein Blatt Papier. Wobei die Einheiten für jedes Objekt nochmal einen eigenen Namen haben. Ich habe auch schon festgestellt, dass recht häufig mitten im Satz ein ka (Frau) oder krap (Mann) eingeworfen wird, je nachdem mit wem man spricht, was bei Fehlen als unhöflich empfunden wird.

Kalt

So. Heute war dann eine richtig kalte Nacht. Ich fror so sehr vor mich hin, dass ich das erste Mal in Thailand unter statt auf der Decke schluf. Jedenfalls war zusätzlich Vollmond, was mich recht wenig schlafen lie?, da die Hähne die ganze Nacht durch meinten, den Morgen ankündigen zu müssen und ich auf “äh hiäh hiäh” bereits konditioniert bin. Ich stieg also frühmorgens aus den Federn, bereitete mein ?u?eres für ein halbwegs annehmbares Aussehen vor und wollte frisch und frei ins Büro motobiken. Das Motobike war nass. Tja, ich ging wieder rein, holte ein Handtuch und putzte die relevanten Stellen trocken, warf das Handtuch in die Hütte und bestieg mein Motobike.

Und drückte den Starterknopf.

Au?er einem lauten Knattern und Krachen tat sich nichts. Tja dachte ich, irgendwo hast du mal gehört, dass das mit ein bisschen Ausdauer schon wird. Also knatterte ich gut 10 Minuten in der Gegend rum bis ich die ganze Häusergruppe wach hatte. Nichts tat sich. Schlie?lich nahm Fabio ein Herz und zeigte mir, dass es auch andere Möglichkeiten als einen Starter gibt.

Irgendwann dann tuckelte ich zufrieden dem Büro entgegen und dachte über Mopeds nach, die nur unter Temperaturen ab 20 Grad und gro?er Trockenheit arbeiten.

Die Hauptinformation dieses Eintrages war aber, dass es heute Nacht fürchterlich kalt war ;)

Connectivity

Gestern war ein einfach fürchterlicher Tag. Ich hab es mir gut gehen gelassen und bis 12 Uhr ein gewisses Hörbuch hörgelesen, als ich mich entschied, schon ein paar Stunden vor meinem Telefondate mit Schnute ins Büro zu gehen und ein bisschen Mails zu lesen, an Webseiten rumzuschrauben. Im Büro angekommen genoss ich die leere Atmosphäre unseres zwei Tische großen Gro?raumbüros, startete den Rechner, verkabelte ihn und kam nicht online. Die nächste Stunde verbrachte ich dann mit Fehleranalyse und diversen Neustarts (konnte ja sein, dass es ausnahmsweise am Betriebssystem lag). Nichts ging. Die Blockade konnte ich dann bis hinter das WLAN zurück verfolgen, im Prinzip die letzte Stelle, an der ich etwas ändern könnte. Vermutlich hatte man uns einen Riegel vorgeschoben.

Jedenfalls packte ich mein Notebook ein und nahm mir vor, zu Hause lokal einen Server zu starten und eben dort zu arbeiten. Dort angekommen begann das ganze Verkabeln wieder. Diesmal wollte der Server nicht starten. Weder unter Linux noch unter Windows. Schön dachte ich mir und wurde langsam sauer. Im Kopf entspann sich eine ?berlegung zu Sinn und Unsinn einer online arbeitenden Unternehmung ohne Anbindung zum Internet, zum Wert meiner Arbeitsressourcen, wenn man mich nicht online kommen lässt und verschieden anderes marktwirtschaftliches Gefluche. Jedenfalls hatte ich mich nach einer Stunde so hochgesteigert, dass ich weiter ein gewisses Hörbuch hörlas.

Jedenfalls ergab es sich, dass gegen fünf das Buch zu Ende war. Ich setzte mich wieder auf mein Moped und fuhr ins Büro. Das gleiche Ergebnis.

Den Rest des Abends verbrachte ich dann mit “Memento” linear gesehen und meinen Gedanken dazu, dass es mir gelingt auch in dieser Umgebung überaus nörgelig zu werden, wenn man mich vom Internet abschneidet.

If you want an evil kampfmaschine, kappt my internet!

Ich nehme an, dass sich heute auch wieder nichts tun wird, womit dieser Eintrag leicht obsolet irgendwann eingestellt wird, wenn heute bereits gestern und gestern vorgestern ist oder schon viel früher. Und überhaupt.

PS: Es hat sich nichts getan und inzwischen ist Montag und immer noch geht nichts. Nett. Wenigstens hat 5Phase auf dem Flur gegenüber auch keine Anbindung. So entsteht vielleicht ein bisschen Prioritätsdruck.

PPS: Jetzt ist es 15 Uhr, wir sind online, aber mit ca. 0.5kB, wenn überhaupt. Seiten laden nicht. Mails kommen nicht an. Super.