Samui? Samui! David's Neighbour's Notizen über sein Leben als Auswanderer auf der Insel Koh Samui in Thailand. Auf Deutsch, und so...

EasyRider – oder Rechtshänder und Rechtskurven

So. Ich hatte bereits erwähnt, dass ich bestimmte Tätigkeiten auf spätere Lebensabschnitte zu legen pflege um nicht zugeben zu müssen, dass ich ?nderungen und neue Verhältnisse hasse. Aber man muss sich seinen Dämonen stellen, damit sie sich als die Würmer erweisen, die sie sind.

Heute haben wir Mopedfahren. Ich hatte bereits letzte Woche in verschiedenen SMSen und Chats erwähnt, dass Mopedfahren ein überaus befriedigender Zeitvertreib ist, wenn er auf einer thailändischen Insel erfolgt. Ich bin noch nie Moped gefahren. Dann kam ich hier her und durfte recht bald feststellen, dass man ohne eigenen angetriebenen Fahruntersatz aufgeschmissen ist. Es gibt zwar Taxis in Massen, aber auf Dauer kann das ja keine Lösung sein.

Jedenfalls kam es so, dass ich mich Montagabend auf einem Automatik-Moped der Marke Yamaha wiederfand und folgender Dialog (die Erinnerung verstärkt einiges sicherlich, aber im Gro?en und Ganzen war es so) sich entspann:

Thai: Ah, sit down.

Ich: Ok (man muss sich das so vorstellen: oh (leicht panisch angefärbt nach oben hin steigend) kähie (hoch))

Thai: (dreht den Schlüssel, fasst die linke Bremse und drückt rechts auf einen Starterknopf) you start

Ich: Ok

Thai: (drückt links auf einen Kippschalter) you mark left

Ich: Ok

Thai: (drückt den Kippschalter wieder) you mark right

Ich: Ok

Thai: (drückt schon wieder denselben Knopf) you set it back

Ich: Ok (fange an, rumzudrücken, der Blinker geht nicht mehr aus) ?hm…

Thai: (drückt den Knopf) you must…

Ich: ?hm

Thai: … klick back

Ich: Soso. (irgendwie krieg ich den Blinker aus) Ok.

(in meinem Hirn beginnt eine Zweitunterhaltung)

?ber-Ich: Lass das. Das kriegst du schon später mit. Hauptsache nicht runterfallen.

Ich: Ah, Ok.

Thai: (klickt schon wieder links rum) The light. (schiebt einen Schalter hoch) On. (schiebt den Schalter runter) Off. (schiebt den Schalter hoch) On. (schiebt den Schalter runter) Off.

Ich: (nicke verständig) Ah, Ok.

?ber-Ich: Super. Nun bist du als Blödmann abgestempelt.

Thai: More Light? (klickt den letzten Schalter links) Less Light! (klickt den Schalter wieder zurück)

Ich: Oh. Yeah, I understand (schalte ein bisschen rum)

?ber-Ich: Jetzt keine Experimente. Ok reicht doch völlig aus.

Thai: Brackets! (drückt die Bremse links) Left bracket. (und rechts) Right bracket. You better press left bracket, right bracket not work fast.

Ich: Oh, Ok.

?ber-Ich: Ich will heim.

Thai: Speed (zeigt auf den rechten Griff)

Ich: Ok.

Thai: Ah. Important. Horn. (findet links noch einen Knopf und ein quäkend nerviger Ton ertönt).

Ich: Ok.

Thai: Ok. Test it! (zeigt auf den Platz vor dem Verleih, aus dem Hintergrund ertönen die ermutigenden Rufe meiner Kollegen, mal zu testen)

Patrick dreht den Gashahn, lenkt entspannt in den ruhigen Thaiverkehr und fährt dem Sonnenuntergang entgegen.

Na gut. Ganz so einfach war es nicht, aber nach ca. 3 Minuten Rumfahrens auf der Teststrecke, einigen Beinahekollisionen mit in der Gegend sich ausruhenden Palmen, dem Feintuning meiner Bremsbemühungen und dem Finden meines Schwerpunktes fädelte ich mich dann hinter den anderen in den Linksverkehr ein und fuhr. So einen hohen Adrenalinaussto? hatte ich nicht mal beim Fliegen gehabt. Grundsätzlich kann ich sagen: Mopedfahren ist Geil!

Der thailändische Verkehr ist noch viel geiler! Erstens fährt man links. Mit dem Auto hätte ich da so meine Probleme. Da das Mopedfahren eine neu erlernte Fähigkeit darstellt, macht das kein Problem. Die Mopeds hupen ständig. Ob nun im Umkres von 20 Metern ein Thaimädchen ist, ein Hund, ein anderes Moped oder gar ein Auto, dass sich in den Verkehr einfädeln will: Hupen! Man will ein Moped überholen? Hupen! Man fährt an einer Ansammlung bunter hängender Etwasse vorbei (dazu später mehr)? Hupen! Man will dem Kollegen klarmachen, dass er wieder vergessen hat, den Blinker auszuschalten? Hupen!

Und so brettere ich nun auf einem Moped durch die Gegend. Das ist ein seltsamer Anblick. Aber ich muss mich ja nicht sehen (nur wenn ich vor verspiegelten Scheiben stehe). ?brigens fallen mir als Rechtshänder Rechtskurven etwas schwerer als Linkskurven, was meiner Theorie nach daran liegt, dass in Linkskurven die Linie zwischen meinem Schwerpunkt und der führenden Hand geradeaus zeigt und bei Rechtskurven eben nach unten. Naja. Und ja: Ich trage immer brav meinen Helm! Wie auch immer. Fliegen hatte ich. Leben und Arbeiten im nichtdeutschsprachigen fremdkontinentären Ausland hatte ich. Mopedfahren hatte ich. Lasst uns gleich mal weiter machen. Wie wäre es denn mit Kindern? Oder Bungeejumpen? Oder Saxophon spielen lernen? Die Möglichkeiten sind vielfältig ;)

Traumlos?

Interessanterweise habe ich heute nacht das erste Mal in Thailand geträumt bzw. für mich selbst merkbar geträumt. Wahrscheinlich gibt/gab es noch zu viel zu verarbeiten, so dass das System blockierte. War interessant. Es ging um ein Vegetarier-Theaterstück in Zinnowitz, Schnute war in Lübeck und ich hab mal wieder den Ausgang nicht gefunden. Klingt eigentlich normal für meine Träume, wenn man au?er Acht lässt, dass keine thailändischen Komponenten vorkommen.

Lasst es uns auswerten ;) Mir fehlen Klopse! Aber ich glaube nicht, dass ich hier welche essen würde. Ich hab schon Hunde mit nur drei Beinen gesehen. Und Schnute könnte ruhig hier sein.

Der Herr der Hütte

So. Hab vorhin eine Hütte gemietet. Dummerweise hat die keine Klimaanlage, so dass es recht warm werden könnte. Aber das macht nichts, so wird das ganze Erlebnis authentischer ;)

Ich muss das Design hier im Blog mal noch photofreundlicher machen, dann gibts Derartiges in Massen. ?berhaupt ist meine Postingfrequenz noch etwas niedrig für all das, was ich zu erzählen habe. Tja, wie das so ist. Erst wirds im Kopf verarbeitet, dann im Web. Ich bin immer der Erste ;)

Hab gehört, es regnet recht viel in Norddeutschland? Hüstel. Hmmm. Ich glaube, hier beginnt gerade eine etwas (grins) wärmere (grins) Periode. man sollte von 10 Uhr bis 18 Uhr das kühlende Büro nicht verlassen (einziger Nachteil im Büro: die Klimaanlage. Das Ding ist so laut wie als ob man im Flugzeug sitzt — Kommunikation über Audio-Signale ist nahezu unmöglich oder von Missverständnissen geprägt). Aber auch das wird sich alles noch ändern. Sobald im gro?en Programmierspielzimmer der Fu?bodenbelag liegt, ziehen wir rüber.

So. Jetzt noch ein bisschen arbeiten, dann ist Wochenende. Und was macht man, wenn man aus dem Büro geht und plötzlich mitten in Südostasien auf ner Insel steckt? Ne Inselrundfahrt. Wird bestimmt lustig.

Authentisches Leben in einer Touristengegend

Ich dachte immer, es wäre nahezu unmöglich einen relativ authentischen Eindruck vom Leben zu bekommen, wenn man in einer Touristengegend lebt und arbeitet, weil (speziell in meinem Fall) die Thais immer bemüht sind, “echtes thailändisches Lebensgefühl” zu vermitteln und die Touristen einfach überall sind. Wenn man aber morgens 8 Uhr mit dem Moped durch Lamai brettert, schlafen die Touris noch. Macht Spaß. Und man sieht jeden Tag was Neues.

Nice beard! How long? One year?

Eben bei Tesko: Ich steh vor einem Regal mit netten T-Shirt-Hawaii-Hemden (ich will mir eine Sammlung unsinniger Hawaii Hemden zulegen), da tönt es neben mir auf Brusthöhe “Oh, how nice, what a nice beard!” Ich kuck rüber, steht ein kleiner Thai neben mir, sieht sich meinen Bart an und bewundert ihn “How long?” ich zieh ihn straff, er “One year?” Sag ich “nono, i cut him every half year”. Er nickt bewundernd, sagt “nice” und entschwindet. Ich hab mir gleich noch ein zweites Hawaiihemd geholt.

PS: Die Überlegung mit der Entfernung meiner Gesichtsbehaarung hat sich damit erledigt :)