Samui? Samui! David's Neighbour's Notizen über sein Leben als Auswanderer auf der Insel Koh Samui in Thailand. Auf Deutsch, und so...

Nach-Vollmond-Alpträume

Diese Nacht wird mir wiedermal als eine besonders Interessante in Erinnerung bleiben. Ich hatte meinen ersten Alptraum, in dem Thais vorkommen.

Neulich wunderte ich mich, dass ich mich an keine Träume erinnern kann, in denen Thais eine Rolle spielen. Schlie?lich wuseln sie hier die ganze Zeit um mich herum. Nun dieses Problem scheint nun gelöst zu sein. Heute Nacht gab es einen filmreifen Traum, was sage ich, preisgekrönt. Die Thais lieben ja Horrorfilme oder was sie so nennen.

Jedenfalls nahm ich gestern gegen halb elf (ja, ich bin alt und gehe früh zu Bett) ein Gläschen Johnnie-Walker Black-Label-Einschlafhilfe, mein Buch (Mystic River) und den MP3-Player und begab mich ins leere Doppelbett (ich belege eine Hälfte immer mit “Sachen” damit es nicht so auffallend leer ist.

Jedenfalls lese ich so vor mich hin und höre plötzlich eine Stimme, männlich, mittelalt, englisch mit thailändischem Akzent, rufen: “Is there anybody around here who could help me, please!”. Mal abgesehen von der seltsamen Wortwahl mit “around here” und “who could” was so gar nicht in das thailändische Sprachsystem passt, war das “please” ziemlich flehend in die Länge und fragend nach oben gezogen. Der selbe Spruch ertönte ein weiteres Mal. Ich war recht verwundert darüber, dass er das “please” europäisch betont. Die “normalen Thais” erheben die Stimme nicht fragend, wenn sie fragen. Ich lege mein Buch zur Seite und schnurre hinter der Gardine nach draussen. Es ist dunkel, ich sehe logischerweise nichts. Ich gehe raus auf die Veranda. Es ist dunkel, aber hell. Vollmond. Unten steht ein kleiner Mann. Er ruft wieder “Is there anybody around here who could help me, please!” und sieht nicht zu mir hin. Ich ärgere mich, dass ich das Licht nicht angeschaltet habe beim Rausgehen, aber das braucht Nachts sowieso einige Minuten bis es an ist.

Der Thai (es ist ein Thai, das sehe ich an den Haaren und der Körperhaltung) steht mit dem Rücken zu mir und schaut mich nicht an. Ich überlege, wie ich ihn ansprechen soll und sage “sawat dii krap” — zugegebenerma?en blöd, weil das soviel wie “es möge dir gut gehen” hei?t und er sicherlich nicht nach Hilfe rufen würde, wenn es ihm gut ginge — und werfe ein “Hello” hinterher. Er reagiert nicht. Ich gehe die Stufen hinunter, er sagt ein weiteres Mal, diesmal leise, “Is there anybody around here who could help me, please!” und dreht sich zu mir um.

Was soll ich sagen, ich habe geschrieen und bin aufgewacht. Der Typ hatte kein Gesicht. Das war recht unerwartet. Andererseits ist das doch ein Alptraumklischee. Jedenfalls war ich ziemlich nass geschwitzt und wollte schon duschen gehen, als ich drau?en jemanden “Is there anybody around here who could help me, please!” rufen hörte.

Hmm. Ich hatte immer noch Adrenalin übrig. Ich bin also wieder raus, der Typ steht wieder an der Treppe, ich runter, zu ihm hin, fass ihn an der Schulter an und er rennt los, weg. Ich laufe hinterher, ärgere mich, überhaupt rauszugehen, wenn jemand Hilfe braucht. Scheiss Erziehung. Er rennt in den Dschungel. Hat plötzlich eine Taschenlampe oder was anderes mit Leuchtstrahl, so dass ich ihm folgen kann, was ich mache. Ich laufe eine Weile vor mich hin und wundere mich plötzlich, dass ich mit meiner Kondition und meinem Umfang so leicht laufen kann und bleibe stehen.

Plöztlich ist es dunkel. The boy is gone. Dachte ich. Auf Englisch. Wieder denke ich verwundert in mich hinein, “Englisch?”. Yes, denke ich. Ich kucke links, ich kucke rechts, es gellt ein Schrei von vorne “Is there anybody around here who could help me, please!” der Thai kommt auf mich zugeschossen, Arme nach vorne, Beine angewinkelt, wie ein Raubtier, hat ein Gesicht, springt mich an, wirft mich um, schreit mich an, springt hinter mich und verschwindet hinter mir im Dschungel. Ich falle hart, auf eine Wurzel oder was. Tut ziemlich weh.

Ich wache auf.

Mein Rücken tut weh. Ich bleib aber liegen. Lausche, ob drau?en irgendwer ruft. Ich wäre nicht verwundert. Es ruft niemand. Ich liege auf dem MP3-Player und den Kopfhörern, was den Schmerz erklärt, der Fan ist an, das Leselicht ist an.

Stille.

Ich war dann wach bis zum Morgen, der noch ziemlich auf sich warten lie?. Auf die Uhr habe ich auch nicht geschaut. Erstaunlicherweise krähten heute morgen keine Hähne.

Ich habe nicht vor, in den nächsten Tagen wieder zu schlafen. Das ist mal klar. Interessanterweise habe ich den Jungen erkannt. Oder sagen wir, schonmal gesehen…