Samui? Samui! David's Neighbour's Notizen über sein Leben als Auswanderer auf der Insel Koh Samui in Thailand. Auf Deutsch, und so...

Wasser, Wind und Holz

Es warnen ja immer wieder die intimen Kenner des Verkehrs auf der Insel vor dem Mopedfahren ohne Helm. Schlie?lich kann da ne Menge passieren. Man kann von einem Truck von der Stra?e gewischt werden, gegen andere Verkehrsteilnehmer fahren oder einfach so vom Moped fallen. Was diese Leute nicht wissen ist, dass man ebensogut von einem Baumstamm vom Auto gewischt und mit gespaltenem Kopf auf die Stra?e geklatscht werden kann. Da hilft dann auch kein Plastikhelm.

So ges(ch)ehen gestern.

Das ganze Wochenende durch war das Wetter schon wie immer am Wochenende. Verregnet und überaus stürmig. Gestern morgen dann schien die verlogene Sonne und animierte mich zu einem Teskobesuch. Sonntags fahre ich immer den “langen Weg” zu Tesko, untenrum und über Ban Nathon. Dort sieht es noch so aus wie neulich. Weshalb ich ziemlich schnell bei Tesko war. Nach dem Einkaufen steht sonntags immer ein ausgedehnter Cafe-Besuch mit Leute-Beobachten an. Diesmal ging das nicht, denn das Cafe war voll. Als ich rauskam, sah man dann auch, warum. Ein Unwetter lies jede Menge Wasser durch die Luft flie??en. Ich wei? nicht genau warum, aber man war auch unter dem Motodrom (muahahaha, also der Mopedparkplatz, überdacht) nicht vor den Regenmassen geschützt. Ich testete also meine Einkäufe und wartete auf das Ende des Regens (glaubt man den Kennern, regnet es hier nur 5 Minuten — lustig, wie schnell sich Kenner disqualifizieren).

Nach einer Weile hörte es auf zu regnen, ich trocknete mein kleines Moped ab und fuhr los. Es fing wieder an zu regnen.

Hierzu muss man wissen, dass diese Insel und das Wetter eine Arbeitsgemeinschaft eingegangen sind, um mich mürbe zu machen. Wenn es um mein Haus herum regnet und ich auf Arbeit oder anderswo hinwill, dann läuft das immer so ab: es hört auf zu regnen, ich geh raus, trockne das Moped ab, es fängt an zu regnen, ich geh rein, es hört auf zu regnen, ich geh raus, trockne das Moped ab, es fängt an zu regnen, ich geh rein, es hört auf zu regnen, ich geh raus, trockne das Moped ab, es fängt an zu regnen, ich geh rein, es hört auf zu regnen. Meistens kann ich nach dem dritten Mal dann los fahren. Ich habe auch schon versucht, nur drei Mal das Rausgehen anzudeuten, aber die zwei lassen sich nicht hinters Licht führen.

Jedenfalls regnete es wieder, sobald ich auf der Stra?e war. Dazu kamen Windstö?e, die mich zuweilen unfreiwillig die Spur wechseln liesen. Ich fuhr in einer Wagenkolonne so vor mich hin. Nach einer Weile kamen wir an einer ziemlich gefährlichen Stelle vorbei, wo Felsen auf der einen Seite und das Meer in 30 Metern Tiefe auf der anderen Seite die Stra?e einsäumen. Ich war noch ca. 50 Meter von der Kurve entfernt, als auf der Gegenspur ein Wasser-Pickup um die Kurve kam. Wasserpickups sind Pickups mit 25 Liter Wasserflaschen. Hinten sitzen meist ein paar Thais auf der Ladefläche, die die Flaschen dann schleppen dürfen. Auf diesem Pickup sa?en auch Thais. Ein Windsto? kam. Ein Baumstamm segelte vom Felsen herunter, traf einen dieser Thais mit voller Wucht, riss ihn mit sich, schmetterte ihn auf die Stra?e und zersplitterte.

Der Thai war vermutlich schon tot als der Baumstamm ihn traf. Wenn nicht, dann hätte ihn wohl das Zerspittern seines Schädels beim Aufschlagen auf den Asphalt getötet. Er lag da so auf der Stra?e, Blutlachen breiteten sich aus und alle standen nur so rum. Die Thais waren überaus geschockt und niemand regte sich oder sagte ein Wort. Das war ziemlich gespenstisch. Es ging auch niemand zu ihm hin. Es bildete sich ein gro?er Kreis aus Autos, Menschen und ein kleiner Kreis aus Blut. Er lag auf dem Bauch, sein Körper leicht gekrümmt, als ob er noch sä?e, die Arme an der Seite, die Handflächen nach oben.

Nach einer Weile löste sich der Kreis auf und jemand begann den Verkehr um den Toten herum zu regeln und die Autos und Mopeds weiter zu schicken. Als ich weiterfuhr war noch niemand zu ihm gegangen. Der Wasserpickup blieb wohl so 100 Meter entfern stehen. Ausgestiegen ist niemand.

Auf meiner Stra?e haben sich auch alle Palmen ihrer Nüsse und Blätter entledigt. Die Stra?e sieht aus wie ein Schlachtfeld.

Naja.

Ich habe ja schon gehört, dass die Thais in der Lage sind, alles Schlechte mit einem Lachen wegzuwischen. Es ist aber sehr interessant zu sehen, dass sie durchaus geschockt sein können. Lange wird das nicht anhalten und sie sitzen wieder lachend auf der Ladefläche ihrer Pickups. Es stimmt schon, wenn man als Thai älter als 40 Jahre wird, ist man alt.

Und ich?

Ich habe in den letzten Jahren einiges gesehen, was ich, würde es in einem Film vorkommen, als überaus schlechten Special Effect abkanzeln würde. Da ich aber in keinem Film lebe, scheinen schlechte Special Effects zum Leben zu gehören. Wir stumpfen ab (s/wir stumpfen/ich stumpfe). Und der Beobachtermodus als Selbstschutz funktioniert immer noch ganz gut. Ich habe natürlich nicht geschlafen heute und werde es die kommenden Nächte wohl auch nur mit träumlichen Beeinträchtigungen.

Und heute scheint die Sonne wieder.