Samui? Samui! David's Neighbour's Notizen über sein Leben als Auswanderer auf der Insel Koh Samui in Thailand. Auf Deutsch, und so...

Blindes Hühnchen findet Korn

Der folgende Eintrag könnte eventuell erklären, warum es hier nach unserem Urlaub so wenig Einträge gab.

Die ?berschrift würde ich gerne ausführlicher umbenennen in “Blindes Huhn findet Korn, verschluckt sich und stirbt”, “Blindes Huhn findet Korn und verdaut es” oder so ähnlich. Andererseits wei? ich auch noch gar nicht, wen oder was ich mit Blindes Huhn meine. Also ist jedes Nachdenken sinnlos. Ich hätte das ja gerne “The End is also the beginning of the end” genannt, aber das wäre nur eine unglaublich bescheuerte verbale Reminiszenz.

Wie auch immer. Für alle Leser, die es nicht ab können, wenn ich hier rumheule und in Selbstmitleid zerflie?e und lieber einen Kakao trinken gehen wollen gibt es eine Kurzversion. Die lautet: Yai hat mich verlassen. So. Jetzt könnt ihr Kakao trinken gehen. Kommt morgen wieder, dann gibts Anderes zu lesen.

Hmm. So. Noch da? Ok. Also nun die Langversion.

Bitte legen Sie nun Sinead O’Connor mit “Nothing compares 2 U” ein.

Nun, was geschah in den letzten Wochen?

Als wir aus dem Urlaub wiederkamen, war unser Leben so eine Art rosarotes Gummibonbon. Ich ging früh halb Acht zur Arbeit, arbeitet brav bis viertel Fünf, fuhr dann nach Hause, wo mich Yai schon an der Türe winkend erwartete, wir dann gemeinsam a?en, quatschten und spielten und irgendwann schlafen gingen. Dann und wann entfiel mir ein zynisches “fehlt nur noch das Kind und der Hund”. Mir war dabei nicht sehr wohl, denn ich dachte immer, sie müsse sich schrecklich langweilen, so allein den ganzen Tag und ohne wirkliche Aufgabe. Sie meinte aber immer, nein, das ist in Ordnung, das gefällt ihr gut, sie ist “lazy”.

Dann und wann (eigentlich täglich) telefonierte sie mit ihrer Familie im Isaan und war danach immer sehr still und traurig. Ich hatte bereits im Isaan das Gefühl bekommen, dass sie da besser aufgehoben wäre und hier auf der Insel eigentlich fehl am Platze ist, verdrängte das aber, weil sie im Isaan nicht hier wäre.

Am Freitag vor einer Woche erwähnte sie dann plötzlich auf meine Bemerkung, ob wir denn zu Tesko wöllten und so ein Ding kaufen mit dem wir die Chilischoten kleinmatschen können wie Jamie Olivier (der Name sagte ihr nichts), dass das nicht nötig wäre, da sie sowieso nicht lange bleiben würde. Nach einigen Schocksekunden in denen ich überzeugt war, dass sie irgendwas anderes gesagt hatte nur nicht das, was ich verstanden habe und meine Hände langsam begannen zu zittern, meinte sie, dass sie mich leider verlassen müsse (“I finish you”).

Nun, Tesko wurde kurzerhand nach hinten geschoben und die folgenden Stunden mit Diskussionen verbracht. Dabei präsentierte sie mir eine Unmenge an Gründen, unter anderem dass sie auf meine Kosten leben würde und “schlecht” wäre, dass ich schnell eine andere Frau finden würde und sowieso eine bessere bekommen kann und alles solcher Kram. Ich glaubte das natürlich nicht und hab immer weiter gebohrt. Zwischen den Zeilen fiel immer wieder der Begriff “Geld”.

Nach einigem Nachfragen kam dann heraus, dass die gesamte Woche verschiedenste Mitglieder ihrer Familie angerufen hätten und mit immer wahnwitzigeren Geldforderungen zu ihr gekommen sind. Sie antwortete dann immer, wir hätten kein Geld. Das Ganze zog sich dann immer eine Weile hin, bis plötzlich die Bemerkung fiel “dann geh halt mit Männern”. Das Schockierende an der Sache ist nicht, dass ihre Familie fordert, dass sie fürs Geld mit Männern geht, sondern dass sie das wirklich in Erwägung zog und deshalb mit mir Schluss machen wollte.

Wir redeten also die ganze Nacht und am Ende der Nacht erklärte sie mir, dass sie nun doch nicht Schluss machen will und es mit mir versuchen will. Am Abend des Samstags machte sie dann das zweite Mal Schluss und wir redeten wieder, bis sie mir erklärte, dass sie nun doch nicht Schluss machen will und es mit mir versuchen will. Wir vereinbarten dann, am Sonntag nicht zu diskutieren und einfach zu leben. Das funktionierte. Wir gingen Baden und spielten Badminton. Am Montag ging ich auf Arbeit und als ich nach Hause kam, eröffnete sie mir, dass sie nun ausziehen werde und es aus mit uns ist und sie zu ihrer Freundin zieht. Ich solle sie nach Chaweng bringen. Das tat ich (sie packte eine kleine schwarze Reisetasche) und fuhr zitternd ins Büro um nicht alleine zu Hause zu sitzen.

Kurz nach sieben rief sie mich an und wollte wissen, wo ich wäre, sie sässe vor dem Haus und wöllte noch was abholen. Ich dackelte zum Haus zurück, schloss ihr auf und setze mich auf die Couch, wartend, dass sie fertig wird. Sie allerdings holte nichts hervor sondern setzte sich zu mir und erklärte mir, sie hätte ein Haus, das sie ab Freitag mieten kann (ein kleines Haus) und ihren Job im Pub wieder, wo sie am Dienstag abend anfangen könne. Ich solle am Freitag zu ihr ins neue Haus ziehen. Gut. Wir diskutierten ziemlich lange wie sie sich das vorstelle, mit mir Schluss machen und wiederkommen und wieder Schluss machen und all den Kram. Letzten Endes wurde der Status unserer Beziehung aber wieder einstimmig auf “zusammen” gesetzt. Wir fuhren zum Haus und schauten es uns an und ich kann sagen, dass es ein sehr schönes Haus war. Ein Raum, eine Küchenecke und ein Duschbad. Holz. Sehr schön. Yai meinte immer betonen zu müssen, dass wir nur darin schlafen und ja auch arbeiten gehen. Es war aber gro? genug. Fand ich. Ich war mit der Entwicklung sehr zufrieden, denn eine arbeitende Yai war mir lieber. Lazy sein kann sie dann und wann, aber doch nicht ihr ganzes Leben — das kann selbst eine Thai nicht glücklich machen.

Gut. Nach erfolgter Besichtigung fragte ich sie, ob sie mit zu mir kommen will. Wollte sie nicht. Sie wollte bis Freitag bei ihrer Freundin wohnen und nachdenken. Damit hatte ich kein allzu gro?es Problem, also fuhr ich wieder zitternd ins Büro und später heim und ging einsam schlafen. Kurz nach zwölf rief sie wieder an und wollte nach Hause geholt werden. Als ich fragte warum, erfuhr ich, dass ihre Freundin einen Mann mitgebracht hatte und sie nicht bei ihr schlafen konnte. Naja. Kein Problem dachte ich mir und fuhr (mal wieder) nach Chaweng. Dort passte sie mich schon eine Kreuzung eher ab und sah überaus aufgebrezelt aus. Wenn man bedenkt, dass sie die letzten 2 Monate nahezu ohne Makeup ausgekommen ist, dann war das schon verdammt aufgebrezelt. Ich äu?erte also meine Vermutung, dass sie bereits versucht hatte, einen Mann abzuschleppen, aber keinen abbekommen hat, was sie bestritt. Sie war nur mit ihrer Freundin mitgegangen, weil ihr langweilig war. Nun ja, ich war wieder der Böse. Wie konnte ich auch nur solche Hintergedanken haben, wenn sie “nachdenken” wollte und nicht bei mir sein wollte.

Ich brachte sie also nach Hause. Am nächsten Tag brachte ich sie nach Chaweng zum nun leeren Raum ihrer Freundin und ging dann Arbeiten. Nach dem Arbeiten gings in den Pub, weil sie einerseits wieder arbeitete und ich andererseits mir ihr in ihren Geburtstag reinfeiern wollte, der am Mittwoch anstand. Das klappte alles super, sie war sehr überrascht und glücklich, schlief wieder bei mir und der Mittwoch kam. Wir schauten das Haus an, vereinbarten das Legen von Wasser, Strom und TV-Kabel und ich ging später wieder arbeiten. Auch diesmal ging ich am Abend in den Pub. Dort versuchte mich dann einer ihrer Ex-Freunde gegen zwei Uhr Morgens stockbesoffen zu verprügeln. Warum wei? ich bis heute nicht. Sie übrigens auch nicht. Trotzdem nahm sie das als Anlass, mich wieder zu verlassen (diesmal mit der Begründung, sie sei nicht gut für mich und sie will nicht, dass ich verletzt werde).

Ich hörte wieder die Worte, “one two weeks, you forget me” und “you find a better lady”.

Da wir bereits wieder in Lamai waren, durfte ich sie nach Chaweng fahren (zitternd). Dort stellte sie fest, dass ihre Freundin wieder einen Mann im Raum hatte (was in den letzten 2 Monaten allerdings nur sechs sieben mal vorkam, weshalb sie (und auch ich) doch sehr erstaunt war — ihre Freundin ist weder attraktiv, noch schlank, noch kann sie englisch). Sie sa? dann eine Stunde auf der Stra?e bis ich sie überredet habe, dass sie bei mir schlafen könne. Um fünf waren wir dann zuhause, ich schlief auf der Couch, verschlief und ging stinkend und zitternd auf Arbeit. Nach der Arbeit fuhr ich sie dann mit ihrem restlichen Kram nach Chaweng ins neue Haus und wurde mit traurigem Blick und “I love you” von ihr verabschiedet.

Seither schrieb sie ständig SMSse, wie es mir geht und ob ich auch immer esse und ich schriebe, dass es mir schlecht geht und ich nicht esse und ob ich zurück zu ihr kann und warum sie mich verlässt. Dann und wann fuhr ich bei ihr vorbei, oder zumindest da, wo ich annahm, dass sie gerade wäre. Einmal sah ich sie, was sie sehr erschrak, weil sie wieder aufgebrezelt war. Heute dann habe ich auf eine ihrer SMSse geantwortet, dass sie mir keine mehr schreiben soll, wenn sie nicht mehr mit mir zusammen sein will. Wenn sie meint, ich würde sie vergessen, sollte sie mir die Möglichkeit geben, sie auch zu vergessen und nicht ständig auf meinem Herzen rumtreten. Dann hab ich mein Handy ausgestellt.

Halten wir fest: Da draussen gibt es nun eine Frau, die mich liebt, aber “mit Männern geht” und nicht mit mir zusammen ist. Die mir erklärt, dass ich sie nach ein bis zwei Wochen vergessen habe und schnell wieder eine “neue Lady” finde. Und die mir immer sagt “I love you!”. Tja. Sowas hatte ich noch nicht im Repertoire.

Halten wir weiterhin fest: Ich vertrage verdammt viel Schmerz, wenn es um Herzensdinge und Gefühle geht.

Und zum Schluss: Ich bin wieder Single. Habs nicht anders verdient.

Genug Exhibionismus!

Sinead aus!

Kommen wir also zur eigentlichen Kernkompetenz der die schreiBBloga.de und den vermutlichen Inhalten der nächsten drei?ig Einträge zurück — das Wetter: Es ist fürchterlich hei? aber immer noch Regenzeit. Es regnet also häufig. Meistens, wenn ich mich au?erhalb geschlossener Räume aufhalte. Macht nichts. Wischt die Tränen weg.

PS: Oh Mann, wenn ich mir den letzten Absatz so ansehe, kann man die schreibbloga.de gleich ganz zu machen.

PPS: Von mitleidigen, umarmenden, wohlmeinenden Kommentaren bitte ich abzusehen. Würde nur zynische Reaktionen meinerseits hervorrufen. Die statistische Auswertung meines Liebeslebens erfolgt in einigen Tagen. Ansonsten dürfen “hab ich doch schon immer gesagt”- und andere Kommentare gerne gepostet werden. Das hab ich die letzten Tage oft genug von mir selbst gehört und die Reaktion darauf wird milder als auch erprobter ausfallen. Au?erdem bitte ich von “die Thais sind so”-Kommentaren abzusehen. Sextouristenwitze können gerne gemacht werden, Sex kam erstens erst sehr viel später in unsere Beziehung und ich habe nichts bezahlt (hmm. nett. Trotzzynismus!). Ich bitte auch alle ?u?erungen, ab welchem Zeitpunkt sie vermutlich bereits “mit Männern gegangen” ist und ich mich lächerlich gemacht habe zu unterlassen.

PPPS: Ach Scheisse das alles.

PPPPS: Schreibt man Scheisse eigentlich mit eSZett?

PPPPPS: Das war es mit der Liebe auf diesen Seiten! Ich werde mich hüten, in Zukunft hier irgendwas über die Frauen in meinem Leben zu schreiben. Vielleicht, wenn wir dann mal ein Jahr zusammen sind oder so. Und selbst dann eher nicht. Liebe ist sowieso blöd. Scheiss Bio-Chemie.

PPPPPPS: schnüff und stellen Sie sich hier noch ein dämliches Heul-Smiley vor. Auftrag erfüllt. Internettagebuch geschrieben.

PPPPPPPS: Ich habe die unglaubliche Fähigkeit, mich für derartige “Schicksalsschläge” selbst zu bestrafen. Das kann ich gut. Wirklich. Ich habe seit Mittwoch nicht gegessen und schlafe Nachts nur ungefähr 4 Stunden (aus Müdigkeit). Das wird sich legen. Sicherlich. In ein-zwei Wochen, wenn ich Yai vergessen habe und meine nächste Lady gefunden habe. Hoffentlich hört dann auch dieses Zittern auf.

PPPPPPPPS: Der ganze Eintrag klingt, als ob ich schon drüber weg bin. Bin ich aber nicht. Allerdings beginnen die Selbstschutzklappen langsam hochzufahren. Schön.