Samui? Samui! Notizen über mein Leben als Auswanderer auf Koh Samui, Thailand

Soi Karaoke

Mein kleiner Feldweg wurde neulich nicht nur in eine Asphaltstra?e verwandelt — zumindest zu 90% der Länge, bis zur Karaokebar und 20 Meter dahinter, das Ende wurde mit einer neuen Feldwegkreuzung versehen und am Stra?enrand baggern Bagger und Schutttransporter fahren meine Internetkabelhalterbaumstämme einmal in der Woche um. Das allerdings hat seine Vorteile, denn dann bemühen sich nackte männliche Oberkörper, neue Stämme zu suchen um mein Kabel wieder aufzurichten. Das Internetkabel.

Neulich hat sogar die Karaoke-Bar auf meiner Stra?e wieder auf gemacht. Oh, achso, hab ich das nicht erzählt? Die hat drei Wochen nach meinem letzten Eintrag zum Thema mangels Publikum und Interesse angefangen, Urlaub zu machen. Einmal war sie noch im März offen und seither war (angenehme) Stille. Vorher bekam man von leicht bekleideten Mädchen in strammer Pose auf der Bühne thailändische Liebeslieder gesungen, die vermutlich dem Tonfall und der Stimmung nach zu urteilen alle schlecht aus gingen.

Wenn man auf den einschlägigen Thaivideokanälen mal eine Testreihe fährt (ansieht), dann treffen drei der folgenden vier Punkte auf jede der erzählten Geschichten zu:

  • Es geht um eine Frau und einen Mann, die sich lieben
  • Einer von beiden geht in die gro?e Stadt um Geld zu verdienen
  • Die Telefonate bleiben aus
  • Der jeweils zurück gebliebene gibt auf oder fährt in die gro?e Stadt um den anderen zu treffen und triff ihn auch, mit einem/einer Anderen.

Liebe ist eine traurige Angelegenheit in Thailand, gesangstechnisch betrachtet.

Vor drei Wochen nun wurde die Karaoke-Bar mit einem gro?en Feuerwerk, das nun im Gedenken an jenen ehrwürdigen Tag aller zwei Tage unter dem vereinten Gejaule der caninen Streuner der Umgebung wiederholt wird, neu eröffnet. Seither hat sich einiges geändert. Leicht bekleidete Mädchen singen in strammer Pose internationale Klassiker wie “Ai wi Sawaih!” und “Mai humm”. Das Personal hat sich vervielfacht und sitzt ab Einbruch der Dunkelheit auf einer Stra?enhälfte. Auf der anderen Stra?enhälfte parken die Pickups und Mopeds. Pickups der Familienväter und Mopeds der umgebenden Jugend. Man hat eine zweigleisige Zielgruppenstrategie geplant.

Damit ist es auf der Stra?e ziemlich eng. Wenn ich dann zur Bierbeschaffung unterwegs bin, muss ich gezwungenerma?en da durch und werde in der Regel “angesprochen”. Ich dachte, nach zweidreimal dürften sie mich als Antikunden eingestuft haben, so lange reicht das Gedächtnis anscheinend aber nicht.

Sogar einen Ladyboy haben sie. Wobei, wenn ich das vom fahrenden Moped aus erkennen kann, dann ist das eher eine scheinheilige Verwandlung. Er, also sie, läuft immer telefonierend den Weg entlang und ruft mir ein tiefes “Hello” entgegen. Ich rufe “Hello” zurück und beschleunige demonstrativ um 20km/h.

Seit heute nun hängt auch ein englischsprachiges Plakat an der Ringroad-Einfahrt. “Sing a song” ist der Name der Karaoke-Bar, geöffnet ist sie von 8pm bis 2am (na super) und “all is welcome”.

Und da wir gerade bei Karaoke sind, ich will schon seit einiger Zeit auf ein Blog aus der Region verweisen, das ich gerne lese: Ngu ngon, Vietnam, was soviel wie “Gute Nacht Vietnam” heisst und aus selbigem, Vietnam, kommt. Das Blog und das Vokabular. Wer das Wortspiel erkennt, darf sich jetzt grossartig fühlen, denn an mir ist es zuerst vorbei gegangen. Es wird glücklicherweise im Blog erklärt. Das Blog wird von David beschrieben, der in Vietnam — das ist wie Thailand, nur viel sozialistischer — sein Dasein fristet. Seit gut einem Jahr bloggt er und hat in mir einen Stammleser. Wenn es also hier mal wieder nur langweiliges Genörgel und Photos mit gleichem Ausblick gibt, dann kann man drüben ruhig weiter lesen. Anfangen kann man bei seinen Erfahrungen mit dem Karaoke-Wahn der Vietnamesen. Ist nicht viel anders dort oben als hier um die Ecke…

comments powered by Disqus