Samui? Samui! Notizen über mein Leben als Auswanderer auf Koh Samui, Thailand

Deprokrastination – Möbelkauf

Nachdem ich anderthalb Tage im Bett verbracht und mir vor Langeweile Locken gedreht habe, entschied ich mich, etwas zu ändern. Es kann ja nicht angehen, dass ich hier zwischen Büro und Filmabenden vergammele. Ich erstellte mir einen Aktivitätsplan, dessen Punkte bis Sonntag abgearbeitet zu sein hatten. Nicht dass ich das nicht schon öfter gemacht hätte, es haperte bisher nur an der Erfüllung des Plansolls. Der Plan umfasste nur zwei kleine kurze Punkte: Schreibtisch kaufen, damit ich in meiner kleinen Hütte arbeiten könne und genügend Thais kennenlernen, damit ich mein Thai anwenden und lernen kann.

Wem das als leicht zu erfüllende Aufgabe erscheinen mag, der sollte sich mal zum Thema Soziophobie informieren.

Jedenfalls fuhr ich zwei Tage an verschiedenen Möbelgeschäften vorbei und entschied mich dann am Freitag (finally! it works! i am the human mule!) einen zu betreten. Drinnen schob ich mich an verschiedenenen Möbelstücken vorbei. Man muss sich das so vorstellen, dass da ungefähr 50cm breite Gänge sind an deren Seiten Möbel dreifach in die Höhe gestapelt werden. Ein netter Anblick, vor allem wenn man die Gesetze der Dynamischen Mechanik, die Erdbebenwahrscheinlichkeit in der Region und die Statik der vorbeiführenden Stra?e und deren Befahrer kennt. Ich suchte mir nichtsdestotrotz einen Schreibtisch mit tatkräftiger Unterstützung der Möbel-Thai und zwei Schubfächern aus und meinte dann “Oh, and I need a chair too” worauf sie begeistert “Yes, two chair” verlautbaren lies und mir verschiedene Stühle zeigte. Ich entschied mich für einen, erklärte ihr mehrere Male, dass sich mein “too” auf die additive Bedeutung des Lautes bezog und keine Mengenangabe war, zahlte und war zufrieden.

Punkt 1 erledigt.

?hm, oder auch nicht.

Sie frug “and where to deliver?” was mich vermutlich ein bisschen bleich werden lies (keine Sorge, das sieht niemand zur Zeit, ich hab die Sonnencreme vergessen, als ich am Donnerstag zu Tesko gefahren bin und sehe entsprechend aus). “?hm, thats a little bit complicated. you know pracharakpattana?” — “ah, lamaipattana?” — “nee nee, pracharakpattana, left, left and straight ahead there…”. Das zog sich ein bisschen hin, bis sie quer durch den Laden rief. Plötzlich waren wir von verschiedenen Thais umgeben. Zwei überaus alte zahnlose Männer, zwei ältere Frauen (aber deutlich jünger als die beiden Männer), eine Frau mit jeder Menge Goldkettchen und einem Tuxedo-Thai mit Aktenkoffer. Später kam noch ein kleiner hässlicher glatzköpfiger in der Nase popelnder Junge dazu. Alle sprachen gleichzeitig auf mich und einander ein bis sich schliesslich einer der alten Thais auf ein Moped schwang und entschwand.

Totenstille. Hört man selten in Thailand. Na gut, in letzter Zeit doch häufiger. Aber sonst relativ selten.

Nach 5 Minuten kam der Thai mit einem Moped mit Ausleger zurück und man begann meine Neuerwerbungen aufzuladen und zu lachen. Nach einigen Minuten war man auch damit fertig und wir (die beiden alten Männer und ich) setzten uns langsam in Richtung Hütte in Bewegung. Langsam ist vielleicht nicht der richtige Begriff, denn hätte man die Möbel getragen, wären sie zeitgleich mit den distinguierten Herrschaften angekommen. Aber ich will mich nicht beschweren, ich wei? die Sorgfalt des Transportes zu würdigen. Nach einer kleinen Weile stand tatsächlich ein Schreibtisch in und zwei alte erschöpfte Männer rauchend vor meiner kleinen Hütte.

Endlich. A real place to work. Mit Ausblick auf die Palmen hinter der Hütte. Nach 125 Tagen.

Und Punkt 2 auf der Liste? Sozialisierung? Eine Geschichte für sich.

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