Samui? Samui! David's Neighbour's Notizen über sein Leben als Auswanderer auf der Insel Koh Samui in Thailand. Auf Deutsch, und so...

Singapore. Set leew.

Nun. Es war ja schon ganz lustig für jeden, der mich beobachtet hat auf meiner kleinen Reise.

Wie bereits erwähnt befand ich mich auf einer bunten Reise ins Land der zufriedenen Singaponesen — Singapore. Per Flugzeug durch die Luft hindurch. Zuvor durfte ich am Checkin-Schalter 25 Minuten in der Sonne triefend warten, weil vor mir ein Pärchen aus dem gro?en Land der Briten der Meinung war, das Gepäck ihrer Mutter (der Mutter von sie) dürfe ruhig mit ihnen fliegen und das kann dann auf das Gepäck der Mutter die am Donnerstag erst fliegt (und nach Bangkok, nicht nach Singapore) angerechnet werden. Auch eine nette Form der ?bergepäckdeklaration. Anschlie?end durfte ich endlich auch mal das Worst-Case-Scenario “dicke stinkende Frau mit Gesprächsdefizit auf dem Nachbarsitz” mitmachen. Zum Glück gabs jede Menge Rotwein. Der Flug selber war weniger spektakulär, weil einerseits die dicke Frau das kleine Bullauge verdeckte, wir die meiste Zeit durch Wolken flogen und ich am Mittelgang sa? und von den Stewardessen eher abgelenkt war. Die eine sah auch wie eine gut erhaltene junge Lucy Liu. Die andere wie eine nicht so alte asiatische Catherine Zeta-Jones. Die beiden anderen waren auch nicht schlecht aussehend, aber nicht vergleichbar mit lebenden Personen öffentlichen Interesses. Die eine sah interessanterweise aus wie eine mir bekannte Kabelvergewaltigerin. Man sollte mal schwarz als Haarfarbe versuchen.

Als wir in Singapore landeten, dunkelte es gerade. In der Lobby fiel ich drei mit Schnellfeuerwaffen bedeckten Soldaten auf, weil ich mit meinem neuen schwarzen Rolli-Rucksack in der Gegend rumstand und ins Leere starrte. Ich konnte ihnen aber glaubhaft versichern, dass ich nur versuchte, mich zu erinnern, in welchem Terminal der MRT (dazu gleich mehr) abfährt. Nach kurzer Passkontrolle und phallischen Bewegungen ihrer Waffen erklärten sie mir, dass der MRT im anderen Terminal abfährt. Im anderen Terminal. Immer im anderen.

Der MRT ist übrigens der, ähm, Mass-Railway-Transport. Also quasi sowas wie die U-Bahn in Berlin. Nur würden *intelligente Völker* eine U-Bahn, die sich grö?tenteils über der Erde und manchmal sogar über der normalen Stra?e aufhält eben nicht U-Bahn nennen. In Singapore hei?t das Ding MRT. Werbung in Form von bunten Schildern die auf Bahnhöfe hinweisen wird nahezu nicht gemacht. Weshalb man sich am Flughafen mit ausreichend Karten eindecken sollte — die liegen gratis aus. Was ich tat — eindecken. Weiter gings mit dem MRT ins schöne Chinatown.

(Ich möchte diesen neuen Absatz nutzen, um noch kurz die wohltuende Tatsache des nicht-von-penetranten-Taxifahrern-angequatscht-Werdens zu erwähnen.)

Chinatown sieht ein bisschen aus wie Hamburg mit jeder Menge Chinesen und Indern. Und die Leute sprechen Englisch und es ist wärmer. Und irgendwie freundlicher. In den Nebenstra?en sieht es eher aus wie in Chemnitz. Abgebrochene graue Hochhäser und Autos. Ich fand dann auch ziemlich schnell ein Hotel mit dem berauschenden Namen “Tropical Hotel”. Pro Nacht 50 Singapore-Dollar, was etwa 1250 THB sind (das wiederum entspricht etwa 25 Euro) und für einen Raum mit Klimaanlage und Dusche ganz preiswert, wenn man meiner Internetrecherche Glauben schenken darf. Ich hab das früher mal im Angebot gehabt. Internetrecherche. Kann man also vertrauen. Obwohl. Mein Unternehmen gibts nicht mehr inzwischen. Hmmm…

Die 7Elevens (ein Fleckchen Heimat überall in Südostasien) waren alle fest in indischer Hand. Ich hab ein paar schöne Hennahände gesehen. Bier kostet ungefähr 3 Euro die Dose. Ein bisschen teuer. Dafür gabs Blaubeerensaft mit Aloe-Vera-Stückchen. Das ist derzeit der letzte Schrei in der Singaporesener Saftszene, wenn man den Plakatierungen Glauben schenken darf.

Ich ass. Ich trank. Ich schaute Singapore-TV. Ich schlief. Gut. Mein Zimmer hatte übrigens keine Fenster, weshalb ich die beiden Nächte besonders gut schlief. Die zweite Nacht sogar sehr lang.

Am Morgen des glorreichen Tages der Beantragung meines “Non Immigrant Visa B”’s erwachte ich um sieben gestärkt und frohlockend. Nach ein paar Verirrungen innerhalb des ausgeklügelten Singaporer U-Bahn-, ähm, MRT-Systems gelang mir dann die Lokalisierung unserer Königlichen Thailändischen Botschaft. Draussen war ein Sicherheitsbeamter, der irgendwie wie Saddam Hussein aussah und mit Sonnenbrille und einem indisch dialektischem Englisch versehen stotternd und brabbelnd meine Tasche und mich auf Bomben untersuchte. “You know. If you have bomb, you cannot go inside.” Ich erwähnte, dass ich nur meinen Pass in der Tasche hätte. Er liess mich durch. Drinnen gab ich meine paar Papiere ab, Pass und eines meiner heissgeliebten blauen Passphotos. Pass fehlte mir sehr. Aber es war notwendig. Und angeblich war er sogar sicher dort. Das ganze brauchte 5 Minuten (wenn man bedenkt, dass ich zwei Tage in Singapore bleiben musste für den ganzen Kram… Naja…). Die Schalterthai war übrigens eine muslimische (Kopftuch) Inderin.

Es folgte ein exzessiver Spaziergang durch die Shoppingmeile Singapores — Orchard-Street. Hunderte Shoppingcenter, Geschäfte und so ein Kram. Hier sah es vielleicht noch am meisten so aus wie alle immer von Singapore erzählen. Sauber. In Chinatown war es einfach nur schmutzig. Wenn darauf wirklich so hohe Strafen stehen, ist halb Singapore im Knast.

Ich habe die gesamten zwei Tage versucht, herauszufinden, ob es hier Links- oder Rechtsverkehr gibt. Entweder es sind Einbahnstra?en oder die Stra?en sind durch Baum-, Holz- und andere Reihen getrennt. Und dann gehts mal links und mal rechts in welche Richtung auch immer. Auch Rolltreppen sind runterzu mal links und mal rechts. Sehr irritierend. Die Lenkräder jedenfalls sind rechts. Was auf Linksverkehr hindeutet. Die Fu?gängerampeln haben das nette Feature, bei Näherkommen der Rotphase hektisch zu blinken und die Zeit anzuzeigen, die noch grün ist. Nett.

Gegen zwei entschied ich mich dann zu einem ausgiebigen Kinobesuch. Ich war seit, ähm, letzten Jahr irgendwann nicht mehr im Kino. Bei den beiden Filmen die ich gesehen habe schwankte ich die ganze Zeit zwischen Begeisterung über Dolby Surround und gro?er Leinwand und grenzenloser Trauer über den Unfug, der auf der Technologie lief (“Stealth” und “The fantastic four”). Leider konnte ich “The Island” (hach ja, wenn Scarlett eines Tages an mir vorbeiläuft, garantiere ich für nichts) und “Sin City” nicht sehen, weil die Nachts liefen. Naja.

Nach einem ausgiebigen Schlaf checkte ich am Mittwoch dann aus, fuhr wieder nach Orchard, kaufte mir Harry Potter — Teil 5 — und ein nettes Buch mit einem pinken Elephanten über effektive Kommunikation zwischen Menschen und in Teams. Und (mal wieder) einen Sprachführer Thai-Englisch. Eine Digicam kaufte ich nicht. Zuviel Auswahl. Also wirklich zuviel. Ich sagte “Zeigen se mir mal ein paar Kameras über 5 Megapixel” und der Tresen war in Sekunden überfüllt. Naja. Das nächste Mal vielleicht.

Um zwei (Parallelität der Ereignisse) durfte ich dann wieder bei Saddam und der muslimischen Inderin vorsprechen und Pass abholen. Es flossen Tränen. Dann fuhren wir gemeinsam zum Flughafen, checkten ein und verbrachten den Rest des Nachmittags mit der ausgiebigen Erkundung des Geländes und dem Betrachten eines Astronauten auf BBC, der komische Fasern aus einem Raumschiff herauszog und flapsige Sprüche dabei ablies (“oh, das war aber einfach jetzt” — frei übersetzt).

Der Flug war angenehm. Bis vielleicht auf die Tatsache, dass 20 Meter vom Flugzeug entfernt Blitze nach unten zuckten, die Pilotin (ja, Risiko, ich liebe Risiko) immer durchsagte, dass es gleich etwas holpern könne und das Flugzeug selber relativ instabil einem Timetunnel glich und immer in sich selbst verrutschte. Dafür war Lucy Liu wieder dabei.

Und als das Flugzeug endlich schlingernd und rutschend samuianischen Boden berührte, schaltete ich mein kleines Handy an, lies es das Netz erklimmen und erhielt meine erste SMS seit langer Zeit. Text? “Where are you? Are you ok? I miss you!”. Status back to “hope”. Und ich höre seit der Landung einen neuen Ohrwurm (Achtung) Marius (würg) Müller (schauder) Westernhagens (argh) “Ich bin wieder hier — in meinem Revier” oder wie das Ding hei?t. Ich weiss.

Ich weiss.

Wirklich.

Ja. Ich liebe meine kleine Insel wieder. Und ich hasse Gro?städte. Und Städte, die eine Gro?stadt simulieren. Und ich geh erstmal nicht mehr von der Insel runter. Glaub ich. Wobei. Irgendwie steht Bangkok wieder an. Jaja.