Friseurgeschichten
Gestern war ich beim Friseur. Die Hunde auch, aber das ist eine andere Geschichte.
Ich habe einen Stamm-Haar-Shop hier um die Ecke, geführt von einer etwas älteren (aber nicht zu alten) Thai, die ein wenig Englisch spricht. Dann gibt es noch wechselnde junge meist recht ansehnliche Friseusinnen, welche die Kleinarbeit (föhnen, waschen, maniküren, massieren usw.) machen.
Normalerweise geh ich da rein, die Chefin sieht mich schon von Weitem, fängt mich ab, packt mich in einen Stuhl, fragt was ich will (“short” sag ich immer, ende aber meistens mit einem braven Jungenschnitt der nach europäischem Verständnis mittellang ist) und schnippelt los.
Diesmal betrat ich frohen Mutes den Shop und die Chefin war nicht da. Dafür drei kleine Friseusinnen, die sich mit sich selbst (also ihren Haaren) beschäftigten. Bei meinem Anblick wurden ihre Augen größ (im Sinne von Schrecken). Ich hab ja schon mal gehört, dass Thai-Friseusen Angst vor Farangs haben, weil die sich immer beschweren und von ihren Fransenschnitten nicht so begeistert sind, habe es am eigenen Leib noch nie erlebt.
Nun also ich. Mein wohlartikuliert hervorgestossenes “Sawadee Krap” half nicht viel. Ich sagte “yaak tat phom” (Ich will einen Haarschnitt), sie reagierten aber nicht. Ich stand im Shop wie ein Geist und sie berieten mich verbal ignorierend aber ständig betrachtend (“kann es uns hören? oh, jetzt hat es sich bewegt.”), was zu tun sei. Nach einer kleinen Weile griff sich dann eine der Friseusen-Thais ein Herz und ein Mobile und rief jemanden an. Die Chefin.
5 Minuten später war alles wie immer. Die Chefin kam, wir trieben ein wenig Gossip, sie packte mich in einen Stuhl, fragte mich, was ich will (“short” sagte ich, sie frug “short?”, ich sagte “short”, sie sagte “but is short”, ich sagte “make it half of it”, sie sagte “that really short”, ich sagte “I know”) und fing an zu schnippeln. Es fielen Haare und am Ende sagte sie “now really short” und die Friseusinnen im Hintergrund murmelten was von “handsome man” und nahmen Handyphotos (was ich natürlich nicht bemerkte).
Ich gehe gerne zum Friseur.
Patrick Kollitsch (Dipl. Ing. (FH), soviel Zeit muss sein) hat die ersten 18641 Tage seines Lebens hinter sich und die letzten 7861 Tage davon in Thailand auf Koh Samui, einer kleinen aber ausreichend großen Insel im Golf von Thailand, zu-, ge-, über-, be- und verbracht.
Nun allein bewohnt er einen kleinen Bungalow unter Palmen in Bang Por im Nordwesten der Insel.
In seiner Un-Freizeit bietet er klein- und mittelständischen Unternehmen auf der Insel (und im gesamten südostasiatischen Raum) Dienstleistungen rund um “everything online” an. Man kennt ihn als David’s Neighbour — Online Marketing made in Paradise, denn nichts geht über einen wirksamen Slogan.
Er schreibt hier auf Samui? Samui! über das ganz alltägliche Leben als Farang in Thailand, die Höhen und Tiefen des Lebens und andere Dinge, die ihn interessieren.