Samui? Samui! Notizen über mein Leben als Auswanderer auf Koh Samui, Thailand

Friseurgeschichten

Gestern waren die Hunde beim Friseur. Ich auch, aber das ist eine andere Geschichte.

Samui ist von der Trockenzeit heimgesucht. Hitze, wenig Wind und jede Menge Sonne. Die letzte Woche verbrachten die Hunde größtenteils unter der Couch hechelnd und relativ unbewegt. Wenn sie sich mal bewegten, dann nur um rauszulaufen und den nächst besten Distelbusch zu besuchen. Man muss sich das ungefähr wie Weizen oder Roggen vorstellen, nur anstelle der Körner kleine Disteln. Die verfangen sich dann im Fell, werden versucht durch Beißen zum Abfallen bewegt zu werden, was die Sache natürlich verschlimmert. Am Ende kommen auf 10 Minuten Draußen rum rennen 1 Stunde Distel-Nothilfe. Von dem ganzen Kleinviehkram der sich im Fell verstecken kann mal ganz zu schweigen.

Jedenfall entschloss ich mich schweren Herzens, den Fellbündeln eine Rasur verpassen zu lassen. Als ich die Geschirre (wir Shih-Tzu-Halter schwören auf Geschirre an Stelle von Halsbändern) aus packte, waren die Beiden sehr begeistert. Geschirre, das heißt Moped fahren und es gibt nichts Schöneres als sich den Wind um die Schnauze wehen und die Ohrlappen im Fahrtwind flappern zu lassen. Leider wissen sie auch, dass es dann meistens zum Arzt (iiih, böse Spritzen) oder Hair-Dog-Shop (argh, andere Hunde und Wasser von oben und unten) geht. Trotzdem. Wind und Moped toppt alles.

Am Shop angekommen konnten Pokki und Soosie nicht schnell genug hinein kommen. Drinnen waren die Käfige an der Wand aufgebaut und der Deckenlüfter blies die Hunde in selbigen (mehrere Shih-tzi und ein Pudel) an. Normalerweise sind sie hinten versteckt, es gibt aber keine Klimaanlage und an heißen Tagen ist es dort wohl sehr warm.

Die Hunde bellten, die Friseuse kam, fragte “shower?” ich sagte “yes and cut”. Sie bekam große Augen (im Sinne von Schrecken). Dann fragte sie “cut?” ich sagte “yes. cut!” sie griff Pokki ins Fell, streichelte ihn ein wenig und fragte wieder “cut?”. Mir wurde plötzlich klar, dass die Strategie darauf hinaus lief, mir ein schlechtes Gewissen zu machen und ich wechselte auf Thai und sprach “tat phom tsching tsching” (ja, wirklich schneiden). Die zweite Friseuse kam, wurde von meinem Vorhaben unterrichtet und fragte mich “cut?”. Ich versuchte auf Englisch die Sache mit den Disteln, der Hitze und den Insekten zu erklären und glaube, zumindest die Disteln verständlich gemacht zu haben, denn plötzlich sagte eine der beiden “aah. cut!”.

Als nächstes ging es um die Länge. Ich wollte auf so zwei bis drei Zentimeter hinaus, damit sie trotzdem noch wuschelig und als Aufreißwerkzeug funktionsfähig sind, das wurde aber abgeschmettert. Sie zeigten auf einen kleinen Shih-Tzu mit ganz kurzem braunen Fell. Nach einigem Verhandeln gab ich mich geschlagen, sie fragten noch mal “cut?”, ich sagte “cut!”, die Hunde wurden abgeführt und ich nach Hause geschickt.

Das war um neun morgens. Um zwöf begann ich die beiden zu vermissen. Um drei riefen sie (der Hair-Dog-Shop) an, dass die Hunde fertig sind (“pokki kap soosie finish now” — das kann missverstanden werden). Im Shop angekommen kamen mir die beiden in den gestrigen Photos zu sehenden Wesen entgegen gelaufen. Ich habe ziemlich lange gelacht und überlegt, ob sie süß oder lächerlich aussehen.

Den beiden scheint es zu gefallen. Sie sind aktiver (die Zeit die ich sonst mit Bürsten verbrachte verbringe ich nun doppelt mit Spielen) und müssen sich nicht ständig befellen lassen. Pokki steht auf nackte Shih-Tzus, denn seit gestern versucht er Soosie ständig zu besteigen. Das lässt mich aber relativ kalt, denn ohne Haare im Blickfeld kann man sehr gut erkennen, dass das nur Trockenübungen sind. Er vermutet den Zielpunkt seines Begehrens auf Soosies Rücken. Hehe. Dummer kleiner kahler Hund.

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