Der Haufen
Neulich kamen die Rasenmähermänner und mähten den Rasen vor und um meinem Haus herum. Mein Hausbesitzer kam herbei geeilt und hatte eine Idee — sie könnten doch mal die Bäume beschneiden. Gesagt getan, sie säbelten hier und da die ?ste ab. Die Reste der ?ste legten sie zu einem Haufen auf der Lichtung im Dschungel über meinem kleinen Khlong vor dem Haus ab. Dann zogen sie von dannen.
(Ich möchte an dieser Stelle meiner Verwunderung Ausdruck verleihen, dass sie den Rasenmäher-Event in unter 24 Stunden inklusive Baumverstümmelung vollbracht haben. Normalerweise brauchen Sie mindestens drei Tage, in denen sie mich mehr als nerven — man stelle sich drei vermummte Personen vor, die mit ihren Rasenkantenschneidern vorbehaltslos drauflosschneiden, aufspritzenden Kies, zerkratzte Fensterscheiben, Mopeds, Grasleichen überall und dann dieser fiese Heuschnupfengeruch der tagelang in der Luft hängt.)
Ein paar Tage später fiel dem Hausbesitzer auf, dass der Haufen mit toten Bäumen und Gräsern immer noch auf der Lichtung herumlungerte und er schickte den Neffen seiner Gemahlin, um ein Feuer zu entfachen. Der Neffe wiederum soll, so sagt man mir, schon mehrmals mit dem Moped gegen einen Strommasten gefahren sein. Mir ist nicht bekannt ob es ein und der gleiche war oder ob er das variierte.
Jedenfalls scheint er hier und da einen Holzschiefer zurückbehalten zu haben, denn er startete sein Moped vor dem Haus des Hausbesitzers — 20 Meter von meinem entfernt, lies es ein paar Minuten herumpöttern (keiner sitzt gerne auf einem kalten Moped), setze sich dann drauf, fuhr auf die Ringroad, dann die Einfahrt zum kleinen Resort um die Ecke rein und dann zur kleinen Lichtung gegenüber (20 Meter von meinem Haus entfernt).
Dann brachte er den Haufen irgendwie dazu, zu brennen. So schwer kann das nicht gewesen sein, es hat schon ein paar Tage nicht mehr geregnet. Der Haufen begann zu schwelen. Der Haufen begann zu qualmen. Der Haufen begann sehr stark zu qualmen. In die Richtung des Hauses vom Gemahl seiner Tante. Der trat vor die Tür und schrie etwas, kurz darauf war das Feuer wieder aus und der Neffe konnte sich auf die anstrengende Rückreise machen.
Seither liegt der Haufen so vor sich hin, an einer Seite ein wenig angeschmort, auf der anderen etwas ausgedoerrt und rottet vor sich hin. Heute kam der Neffe (nach gut 3 Wochen) wieder vorbei und versuchte erneut, den Haufen in Brand zu versetzen — erfolglos.
Was solls, solange die da kein Haus bauen kann dort (ver)rotten was will und solange ihm nicht die Idee kommt, mit einem Benzinkanister vorbeizukommen, ist mir alles recht.
Patrick Kollitsch (Dipl. Ing. (FH), soviel Zeit muss sein) hat die ersten 18641 Tage seines Lebens hinter sich und die letzten 7861 Tage davon in Thailand auf Koh Samui, einer kleinen aber ausreichend großen Insel im Golf von Thailand, zu-, ge-, über-, be- und verbracht.
Nun allein bewohnt er einen kleinen Bungalow unter Palmen in Bang Por im Nordwesten der Insel.
In seiner Un-Freizeit bietet er klein- und mittelständischen Unternehmen auf der Insel (und im gesamten südostasiatischen Raum) Dienstleistungen rund um “everything online” an. Man kennt ihn als David’s Neighbour — Online Marketing made in Paradise, denn nichts geht über einen wirksamen Slogan.
Er schreibt hier auf Samui? Samui! über das ganz alltägliche Leben als Farang in Thailand, die Höhen und Tiefen des Lebens und andere Dinge, die ihn interessieren.