Zwangsvegetarismus
Tag drei meines Zwangsvegetarismusses.
Die Erkenntnisse:
Erstens: Es gibt Eis für Vegetarier. Fu hat heute beim wöchentlichen Sävennsäns-Besuch die Eiskrem nach Vegetarier-Regeln zusammen stellen (oder rollen) lassen. Ergebnis: Eine Kugel Kürbiseis, dem Geschmack nach zu urteilen, eine Kugel Zuckereis mit Himbeeranteilen. Darüber geschnippseltes Obst in Zuckersirup. Darüber Erdbeer-Konfitüre. Ich hab gefragt ob ich da nicht noch Zucker drüber streuen darf, wurde aber nicht verstanden.
Zweitens: Warum die chinesischstämmigen Thais trotz Vegetarier-Festivals nicht dünner werden: Zucker. Sie produzieren Tofu-Kopien von allem, was ihnen lieb ist, aber normalerweise aus Tieren stammt (Tofu-Würstchen, Tofu-Fleischscheiben, Tofu-Innereien) und legen das in Zuckerwasser ein. Das wird dann mit Reis gegessen. Hinterher noch ein bisschen “regulären” Zucker: Khanom.
Drittens: Ich bin heimlich, still und leise zur veganen Variante verdonnert worden. Keine Eier, kein Fisch, keine Schlagsahne auf obigem Eis. Sie wollte mir fast noch den Kaffee verbieten (weil er eine Droge ist: “You cannot sleep after you drink coffee”). Hab ich aber erfolgreich Protest eingelegt. Den Weißer darf ich auch nur benutzen, weil er ohne Milch produziert wird. Aha. Mein Kaffeeweißer besteht aus Sojamehl. Meine Lieblingsreissuppe hat Fleischbällchen drinnen. Meine Lieblingsnudelsuppe auch.
Dann haben wir heute eine vegetarische Kühlschrankfüllung für die nächsten Tage eingekauft. Vegetarische Schweinseinlage für Reis (muaahahaha, der ganze Tesko hat sich nach mir umgedreht). Vegetarische Tom-Yum-Suppe. Pflanzenöl, Currypaste aus der Dose.
Das hat Potential für eine traditionelle Karfreitagsgeschichte. Mein Vater erzählt immer Karfreitags von einem ehemaligen Arbeitskollegen, der eine Polin geheiratet hat und Karfreitag kein Fleisch essen darf und sich darüber beschwert. Das ist so eine jährlich wiederkehrende Geschichte, bei deren Auftreten man kurz ausatmet und sich dann entscheidet, einfach zu nicken, bis es vorbei ist.
Ich werde die Festivalsstory jedes Jahr zum Ramadan erzählen. “Damals, mein erstes Vegetarian, ich durfte ja fast nichts essen… nur Grünkram… und Zucker…”
Patrick Kollitsch (Dipl. Ing. (FH), soviel Zeit muss sein) hat die ersten 18641 Tage seines Lebens hinter sich und die letzten 7861 Tage davon in Thailand auf Koh Samui, einer kleinen aber ausreichend großen Insel im Golf von Thailand, zu-, ge-, über-, be- und verbracht.
Nun allein bewohnt er einen kleinen Bungalow unter Palmen in Bang Por im Nordwesten der Insel.
In seiner Un-Freizeit bietet er klein- und mittelständischen Unternehmen auf der Insel (und im gesamten südostasiatischen Raum) Dienstleistungen rund um “everything online” an. Man kennt ihn als David’s Neighbour — Online Marketing made in Paradise, denn nichts geht über einen wirksamen Slogan.
Er schreibt hier auf Samui? Samui! über das ganz alltägliche Leben als Farang in Thailand, die Höhen und Tiefen des Lebens und andere Dinge, die ihn interessieren.