Samui? Samui! Notizen über mein Leben als Auswanderer auf Koh Samui, Thailand

Zwangsvegetarismus

Tag drei meines Zwangsvegetarismusses.

Die Erkenntnisse:

Erstens: Es gibt Eis für Vegetarier. Fu hat heute beim wöchentlichen Sävennsäns-Besuch die Eiskrem nach Vegetarier-Regeln zusammen stellen (oder rollen) lassen. Ergebnis: Eine Kugel Kürbiseis, dem Geschmack nach zu urteilen, eine Kugel Zuckereis mit Himbeeranteilen. Darüber geschnippseltes Obst in Zuckersirup. Darüber Erdbeer-Konfitüre. Ich hab gefragt ob ich da nicht noch Zucker drüber streuen darf, wurde aber nicht verstanden.

Zweitens: Warum die chinesischstämmigen Thais trotz Vegetarier-Festivals nicht dünner werden: Zucker. Sie produzieren Tofu-Kopien von allem, was ihnen lieb ist, aber normalerweise aus Tieren stammt (Tofu-Würstchen, Tofu-Fleischscheiben, Tofu-Innereien) und legen das in Zuckerwasser ein. Das wird dann mit Reis gegessen. Hinterher noch ein bisschen “regulären” Zucker: Khanom.

Drittens: Ich bin heimlich, still und leise zur veganen Variante verdonnert worden. Keine Eier, kein Fisch, keine Schlagsahne auf obigem Eis. Sie wollte mir fast noch den Kaffee verbieten (weil er eine Droge ist: “You cannot sleep after you drink coffee”). Hab ich aber erfolgreich Protest eingelegt. Den Weißer darf ich auch nur benutzen, weil er ohne Milch produziert wird. Aha. Mein Kaffeeweißer besteht aus Sojamehl. Meine Lieblingsreissuppe hat Fleischbällchen drinnen. Meine Lieblingsnudelsuppe auch.

Dann haben wir heute eine vegetarische Kühlschrankfüllung für die nächsten Tage eingekauft. Vegetarische Schweinseinlage für Reis (muaahahaha, der ganze Tesko hat sich nach mir umgedreht). Vegetarische Tom-Yum-Suppe. Pflanzenöl, Currypaste aus der Dose.

Das hat Potential für eine traditionelle Karfreitagsgeschichte. Mein Vater erzählt immer Karfreitags von einem ehemaligen Arbeitskollegen, der eine Polin geheiratet hat und Karfreitag kein Fleisch essen darf und sich darüber beschwert. Das ist so eine jährlich wiederkehrende Geschichte, bei deren Auftreten man kurz ausatmet und sich dann entscheidet, einfach zu nicken, bis es vorbei ist.

Ich werde die Festivalsstory jedes Jahr zum Ramadan erzählen. “Damals, mein erstes Vegetarian, ich durfte ja fast nichts essen… nur Grünkram… und Zucker…”

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