Samui? Samui! David's Neighbour's Notizen über sein Leben als Auswanderer auf der Insel Koh Samui in Thailand. Auf Deutsch, und so...

Chikungunya

Moskito, aber nicht der mit Chikungunya, denn der hat Zebrastreifen (Photo von Егор Камелев)

Hier in Südthailand grasiert zur Zeit eine Krankheit namens “Chikungunya”. Von den Symptomen klingt sie sehr wie Dengue Fieber: Man hat Fieber, Kopfschmerzen und Gelenkschmerzen für zwischen 2 bis 12 Tagen nachdem man von einem infiziertem Moskito gebissen wurde.

Dieses Jahr alleine wurden schon 3.592 Fälle gezählt, fast alle im Süden Thailands.

Leute die diese Symptome erleben, sollten sich nicht selbst behandeln sondern einen Arzt aufsuchen. Behandlungsmethoden gibt es derzeit noch nicht, ausser Arthritis-Medikamente gegen die Gelenkschmerzen zu nehmen.

Um es mal mit der Wikipedia zu sagen (unbeabsichtigte Hervorhebung aus Versehen von mir):

Das verursachende Virus ist zwar seit etwa 50 Jahren bekannt, doch da dieses und das von ihm ausgelöste Chikungunyafieber bisher fast ausschließlich in Entwicklungsländern vorkamen, wurde kaum nach möglichen Medikamenten geforscht.

In Thailand kann man die Nummer 1422 anrufen um Hilfe zu erhalten (vermutlich nur auf Thai).

Hier auf Samui laufen sie hin und wieder die Strasse auf und ab und sprühen Moskito-Spray. Ohne Vorwarnung, aber es ist ja für unsere Gesundheit. Der kleine Asthma-Anfall beim aus Versehen Einatmen des giftigen Rauches ist ignorierbar.

Interview mit Thanathorn

Thanathorn Juangroongruangkit (via Facebook)

Im Spiegel kann man ein Interview mit Thanathorn Juangroongruangkit lesen. Wir erfahren dabei beispielsweise, wie die Armeepartei Phalang Pracharat Einfluss auf Mitglieder von Thanathorns Partei nimmt.

Freunde macht er sich allerdings mit diesem Interview nicht, denn hier in Thailand fragen seine Gegner nun, wer seine Mutter angerufen haben soll und für 20 Stimmen der Partei das Fallenlassen aller Anklagen gegen ihn angeboten habe.

Die Strategie gegen die Opposition in Thailand allerdings fasst er genial in ein paar kurzen Sätzen zusammen:

Die Behauptungen, dass wir die Monarchie als Institution abschaffen wollen, sind nicht wahr. Das sind nur Versuche, uns zu dämonisieren. Das geht in diesem Land mit zwei Vorwürfen: Entweder ist man dann korrupt oder gegen das Königshaus.
 Eine Million Dollar für eine Stimme - Interview mit Thanathorn Juangroongruangkit auf Spiegel.de

Neuer alter Premierminister

General Prayuth Chan-Ocha

Thailand hat seit gestern einen neuen “demokratisch” gewählten Premierminister. Es ist der gleiche, der nach dem von ihm selbst durchgeführten Militärputsch 2014 als Premierminister “gedient” hat: General Prayuth Chan-Ocha. Das Militär wird also auch weiterhin an der Macht bleiben. Prayuth’s erste Amtszeit zeichnete sich durch Inhaftieren und Einschüchtern von Kritikern, dem Bann von Protesten, und der Unterdrückung der Meinungsfreiheit aus.

Phalang Pracharat, die Partei, die vor ein paar Monaten gegründet wurde um ihm den Job zu sichern, konnte eine kleine Mehrheit von 254 Sitzen im 500 Sitze zählendem Parlament zusammen trommeln. Wenn ich das richtig verstehe, besteht die “Koalition” (dazu später mehr) aus 19 oder mehr Parteien: Phalang Pracharat, Bhumjaithai und der “Demokratischen” Partei sowie 16 kleineren Parteien die Sitze im Parlament bekommen haben.

Gerade die demokratische Partei (Thailands älteste Partei) hat im Wahlkampf erklärt, dass sie nicht mit der Militärregierung kooperieren wollte. Nun sind sie trotzdem dabei. Abhisit Vejjajiva (seines Zeichens ehemaliger demokratisch gewählter Premierminister Thailands) trat deswegen 10 Minuten vor der Premierminister-Wahl als Parlamentsmitglied zurück. (Glaubt mir, diese Handlung wird eines Tages wieder ins Licht der thailändischen Politik rücken.)

Einziger Gegenkandidat war Thanathorn Juangroongruangkit, Vorsitzender der Future Forward Partei, einer neu gebildeten fortschrittlichen Partei, 40 Jahre jung und anscheinend bedrohlich genug um in den Wochen nach der Wahl vom Verfassungsgericht als Parlamentsmitglied suspendiert zu werden, weil man ihm unterstellt, Anteile an Medienfirmen zu halten, was gegen Wahlgesetze verstösst. Mitglieder (Plural) der nun die Regierungskoalition bildenden Parteien wurden ebenfalls enthüllt, derartige Anteile zu halten. Sie wurden aber nicht suspendiert. Ein Schelm wer hier mathematische Überlegungen anstellt. Thanathorn wurde von einer Koalition aus sieben Parteien, darunter die Pheu Thai, eine Partei die dem ehemaligen Premierminister Thaksin Shinawatra nahe steht, die in den Wahlen die meisten Sitze gewonnen hat, aufgestellt. Diese Koalition wird nun eine Opposition bilden.

Wer nun kurz bei diesem “die meisten Sitze gewonnen” aufgehorcht hat, der hat nicht verstanden, wie clever die Regierung die “demokratischen” Wahlen in den vergangenen Jahren aufgestellt hat. Denn der Premierminister wird durch das Parlament und den Senat (Unterhaus und Oberhaus) gewählt und der Senat besteht aus 250 Personen, die von der Militärregierung eingesetzt wurden, wie bereits erwähnt. Von 250 Senatsmitgliedern stimmten 249 für Prayuth und nur einer, Pornpetch Wichitchonchai, enthielt sich, weil er als Senatssprecher nicht mitstimmen wollte.

Damit erhielt Prayuth 500 Stimmen und Thanathorn 244 während sich 4 Personen enthielten (Thanathorn gezwungenermassen, Senatssprecher Pornpetch Wichitchonchai und Parlamentssprecher Chuan Leekpai von der Demokratischen Partei “aus Traditionsgründen” und Siripong Angkasakulkiat von der die Militärregierung unterstützenden Bhumjaithai Partei aus Gewissensgründen. Abhisit trat kurz zuvor zurück und ein Parlamentsmitglied war krank. Macht 750 Stimmen, welche die Zukunft Thailands gestalten.

Die Wahlen selbst waren sehr umstritten. Die Ergebnisse wurden erst 45 Tage nach der Wahl bekannt gegeben. Auch wurde von vielen Unregelässigkeiten und regelrechtem Betrug berichtet. Die Organisation FORSEA bietet einen sehr ausführlichen Bericht dazu an. Parlementsmitgliedern der Future Forward Partei sollen bis zu 120 Millionen Baht angeboten worden sein, die Seite zu wechseln. Es wurde von ganzen Kontingenten von Soldaten berichtet, deren Wahlzettel nach dem “Kreuz machen” von Vorgesetzen kontrolliert wurden.

Heute nun hat General Prayuth’s stellvertretender Sprecher Werachon Sukondhapatipak des Generals Dankesgrüße übermittelt. Er erwähnte, dass die Mehrheit für ihn gestimmt habe (hihi), dass die Zusammenlegung der Stimmen aus dem Parlament und dem Senat normal wäre (naja, zumindest seit der entsprechenden Änderung der Verfassung Thailands) und von nun an jeder dem Nutzen des Landes dienen sollte. Viele Probleme benötigen eine Lösung und Lektionen aus der Vergangenheit sollten auf die Gegenwart angewendet werden. Im Großen und Ganzen die angemessene Rede eines Diktators.

Übrigens wurde heute auch bekannt, dass die regierende Phalang Pracharath Partei nicht wie vereinbart drei Hauptministerien (Kommerz-, Arbeits und Landwirtschaftsministerium) und den Posten des stellvertretenden Premierministers an ihre Koalitionsparteien abgeben werden. Warum auch, die Stimmen zur Wahl des Premierministers haben sie ja jetzt.

Rappende Menschenrechtler

Die Gruppe “Rapper gegen Diktaturen”, ich berichtete, erhält nun den Václav Havel Prize for Creative Dissent (Václav Havel Preis für kreativen Widerstand). Verdient.

Der Preis würdigt diejenigen, “die kreativ Widerstand leisten sowie Mut und Kreativität zeigen, um Ungerechtigkeit zu bekämpfen und in Wahrheit zu leben”, wie die Organisation erklärt. Dieses Jahr gibt es drei Preisträger, “Rapper gegen Diktaturen”, den ägyptische Exilmusiker Ramy Essam und die venezolanische politische Karikaturistin Rayma Suprani.

 Václav Havel Prize for Creative Dissent

Prem Tinsulanonda

Gen. Prem Tinsulanonda mit Junta-Führer Prayuth Chan-ocha in Bangkok, 11. April 2019.
Gen. Prem Tinsulanonda mit Junta-Führer Prayuth Chan-ocha in Bangkok, 11. April 2019.

Prem Tinsulanonda ist tot. Der ehemalige Armee-General, Premierminister, königliche Berater und Vorsitzender des Königlichen Geheimrats verstarb im Alter von 98 Jahren am vergangenen Sonntag.

In den meisten Nachrufen wird er als Vaterfigur des Landes bezeichnet. Je nachdem welchem politischen Lager man angehört bezeichnet man ihn als Mann, der Thailand vereinigte oder als Mann, der Regierungen stürzte. Ich kenne ihn als stille Kraft hinter den letzten beiden Putschen in Thailand.

Prem exploited military power to climb the political ladder in the late 1970s, when a golden era of democracy ended with the massacre of students at Thammasat University on October 6, 1976. He was then a member of the coup led by Admiral Sangad Chaloryu that toppled the elected civilian government of the day.

Prem durchlief den für Thailand typischen “Führer-Kreislauf” via verschiedener Positionen im Militär, dann Politik, dann Senat, dann Parlament-Mitglied, dann stellvertretender und schließlig Premierminister in 1980. “Demokratisch” gewählt wurde er nie, hielt sich aber an der Spitze für 8 Jahre bis er dann 1988 zurück trat um Mitglied des Königlichen Geheimrats zu werden. In seiner Zeit als Premierminister löste er das Parlament auf, sobald sich Widerstand bildete.

Im Militär kam man damals auch nur weiter, wenn man “Luk Poo” (Papa’s Kind) war. Das führte zu Aufständen innerhalb des Militärs, die aber mithilfe des Palasts niedergeschlagen wurden.

Enough, you can resume your democracy

Selbst nachdem Prem als Premierminister zurück getreten war, behielt er seine Machtstellung und beeinflusste das Militär. In 2006 (damals schon Vorsitzender des Geheimrats) hielt er eine Rede vor Armee-Kadetten, in der er erklärte, dass die Aufgabe der Armee nicht der Schutz der Regierung, sondern des Landes wäre. 2 Monate später wurde der damalige Premierminister Thaksin Shinawatra aus dem Amt geputscht.

König Vajiralongkorn hat nun General Surayud Chulanont als amtierenden Vorsitzenden des Königlichen Geheimrats berufen. Wenn der Name vertraut klingt, dann kann das daran liegen, dass Surayud für eine Weile amtierender Premierminister nach dem 2006er Putsch war. Surayud war genauso wie Prayuth und Prem einmal Armee-General und Supreme Commander. Klingt wie der optimale Karriere-Weg in Thailand.